Von Oberammergau ins Graswangtal

Ruhige Rundtour überwiegend auf Forst- und Wanderwegen entlang der Linder und Ammer. Ein wenig Zeit müssen wir für die Besichtigung von Kloster Ettal und Schloss Linderhof einkalkulieren. Auf Autoverkehr treffen wir nur bei der Ortsdurchfahrt von Ettal und Linderhof. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
32 km
150 m
10.00 h
Zum barocken Kloster Startplatz ist der Bahnhof von Oberammergau. Für ca. 50 m geht es auf der Bahnhofsstraße Richtung Ortszentrum. Nach der Ammerbrücke biegen wir rechts auf den Radweg entlang des Flusses. Das Schild »Kloster Ettal« bringt uns über einen kleinen Zulauf der Ammer. Wir passieren die Bärenhöhle, die zu Fuß mit einem Abstecher über die Autostraße und einen steilen Steig zu erreichen ist. Bis Ettal bleiben wir auf dieser Flussseite und überqueren nur einmal die zum Schloss Linderhof führende Autostraße. Kaum jemand vermutet in dieser Bergwelt einen so mächtigen Klosterbau. Ettal verblüfft, denn von der Passstraße kommend erhebt sich der Klosterkomplex urplötzlich in seiner gesamten Größe vor unseren Augen. Die Kirche – ein Barockjuwel und die größte Kuppelkirche Bayerns – wurde nach vielen Vorgängerkirchen 1716 nach Plänen von Zuccalli erbaut. Bis zur Fertigstellung sollten dann aber noch fast 75 Jahre vergehen. Gut Ding will eben Weile haben und so sehen wir heute ein Gesamtkunstwerk bayerischen Barocks, an dem viele bedeutende Künstler wie J. B. Straub, J. Schmutzer, oder J. J. Zeiller mitgewirkt haben. Im Innenraum tummeln sich zahlreiche Putten, Stuck-Rocaillen bedecken fast jede Wand. Nach wie vor ist das Benediktinerkloster ein sehr lebendiger, wirtschaftlicher wie kultureller Mittelpunkt des Tales. Zu der Anlage gehören neben einem Gymnasium auch ein Kunstverlag, die Klosterbrauerei, ein Hotel sowie eine Klosterlikördestillerie. Nach der Klosterbesichtigung fahren wir neben dem Hotel Bayern in den Notalmweg. An seinem Ende erwarten uns ein paar Treppenstufen, über die wir unsere Räder auf einen Wiesenweg hinuntertragen. Am Waldrand biegen wir rechts in den größeren Feldweg ein. Jetzt geht es durch lichten Mischwald etwas bergauf. Der Blick zurück lässt das Kloster Ettal noch einmal in seiner ganzen Pracht und Größe erscheinen. Im Tal des Märchenkönigs: Doch bald schon rollen wir über eine kleine Holzbrücke bergab und folgen nun immer dem Radwegschild »Graswang/Linderhof«. Wir überqueren die Straße nach Linderhof und haben uns eine Brotzeit am rustikalen Mühlrad der Ettaler Mühle wohl verdient. Jetzt müssen wir auf die Uhr schauen und überlegen, ob wir noch genug Zeit haben, um die 12 km (einfach) lange Strecken ins Graswangtal zu radeln. Landschaftlich und kulturell werden unsere Beinmuskeln für die Mühe reich belohnt. Dafür überqueren wir den Mühlbach und folgen links dem Radwegschild. Idyllisch geht es am glasklaren Bach entlang. Vor der Ammerbrücke biegen wir links ein und folgen nun immer stur den Radwegschildern zum Schloss Linderhof. Der Weg führt durch den schattigen Wald, rechts von uns liegen versteckt die Ammerquellen. Wir queren den Kühalpenbach, passieren das Forsthaus Dickelschwaig und biegen unmittelbar nach der Brücke über die meist ausgetrocknete Linder links ab und radeln an Graswang vorbei weiter in Richtung Linderhof. Nach weiteren 6 km erreichen wir über die Staatsstraße und die Parkplätze den Schlosspark am Alten Tor. Zur Besichtigung lassen wir die Räder stehen oder schieben am Schloss vorbei. Durch das Ettaler Weidmoos: Für die Rückfahrt wählen wir am besten dieselbe Strecke zurück bis in den Ort Graswang. (Es gibt eine Alternative über den sogenannten Kohlbachweg, der ist aber wirklich nur Mountainbikern und sicheren Bergfahren zu empfehlen. Dafür müssen wir durch den Park schieben, der Weg beginnt oberhalb des Schlosses und endet dann auch wieder im Ort Graswang.) In der Ortsmitte von Graswang folgen wir der Unteren Dorfstraße an einigen schönen alten Bauernhäusern vorbei und radeln dann in den Sonnenbergweg. Am Ortsende halten wir uns rechts der Beschilderung Ettal/Oberammergau nach auf dem Sonnenweg. So kommen wir zurück in das Ettaler Weidmoos. Hier nun auf der kleinen Teerstraße links, unterhalb der Falkenwand, in der oft Kletterer ihr Können beweisen, vorbei, bis wir wieder an das Ammerufer stoßen, dem wir nun einfach flussabwärts folgen. So kommen wir sicher zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied150 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberammergau, Bahnhof
EndpunktOberammergau
TourencharakterDer landschaftliche Liebreiz der Ammergauer Alpen begeisterte den Märchenkönig Ludwig II. so sehr, dass er dem Münchner Hofleben den Rücken kehrte und sich lieber hier in der idyllischen Bergwelt im Graswangtal das Schloss Linderhof erbauen ließ. Oberammergau und Ettal sind für ihre Lüftlmalerei, die Schnitzkunst und das barocke Kloster berühmt. Die damals noch kleinen Orte hat der bayerische König gerne und oft besucht.
Hinweise
DAS GROßE SCHAUSPIEL. Die Passionsspiele von Oberammergau werden nur alle zehn Jahre aufgeführt und gehen auf das Jahr 1633 zurück, in dem die Pest im Ort wütete. Das einstige Gelübde ist heute ein perfekt inszeniertes Schauspiel. Im Passionsspielhaus finden ansonsten Musikaufführungen oder Großveranstaltungen statt.LÜFTLMALEREI IN OBERAMMERGAUNeben Ettal steht auch Oberammergau fest auf dem Reiseplan großer Touristikunternehmen. Etwas abseits des Zentrums lässt der Rummel aber schnell nach, und man findet viele beschauliche Ecken. Sehenswert sind vor allem die mit Lüftlmalerei geschmückten Häuser. Mit »Malen an der frischen Luft« hat das Wort reichlich wenig zu tun. Dieser Begriff für Fassadenmalerei entstand durch den Freskant Franz Zwinck (1748–1792), dessen Bilder an vielen Häusern im Ort erhalten sind. Zwinck lebte im Haus »Zum Lüftl« in der Judasgasse 2 und war seinerzeit einer der ganz Großen in der Künstlerszene. Damals war es üblich, neben seinem Taufnamen auch den Hofnamen zu verwenden. Sein Haus machte ihn somit zum Lüftlmaler. Einige der schönsten Häuser sind das Pilatushaus, das Forstamt und vor allem für Kinder die mit Märchen verzierten Häuser in der Ettaler Straße. Auch die Pfarrkirche St. Peter und Paul ist reich freskiert.KITSCH UND KÖNIGSchloss Linderhof wurde lange Zeit von vielen Kunsthistorikern als reiner Kitsch abgetan. Die Millionen Besucher, die sich durch die ursprünglich dem König allein vorbehaltenen Räume drängen, haben sich davon nie beeindrucken lassen. Ihnen gefällt der überschwängliche Rokokostil. Schließlich hat man erkannt, dass das Beharren des königlichen Auftraggebers auf höchster Perfektion sowohl dem damals nicht eben blühenden Kunsthandwerk neue Impulse gab als auch die Technik ein gutes Stück vorantrieb. Der König kümmerte sich um jedes Detail selbst. Was ihm nicht gefiel, wurde verworfen, musste neu, besser gemacht werden. Für die elektrische Beleuchtung der Venusgrotte baute Werner von Siemens einen der ersten Stromgeneratoren der Welt. Die Besucherattraktion ist jedoch das berühmte »Tischleindeckdich« im Speisezimmer. Der Tisch wurde in der darunterliegenden Küche gedeckt und über einen mechanischen Aufzug nach oben gefahren. So blieb der König während des Essens ungestört. Der von Karl von Effner geplante Landschaftspark um das Schloss Linderhof geht unmerklich in die umgebende Natur über. In ihm steht der maurische Kiosk, ein im arabischen Stil erbautes Gebäude aus Gusseisen, das ursprünglich ein böhmischer Gutsbesitzer in Auftrag gegeben hatte. Ludwig kaufte es auf der Pariser Weltausstellung 1867. Die Venusgrotte ist eine künstliche Höhle, die zum Teil in den Berghang hineingegraben ist. Sie ist nur in Verbindung mit einer Schlossführung zu besichtigen. Im großzügig angelegten Park mit den Wasserspielen darf hingegen jeder kostenfrei flanieren.
KartentippKompass Karte Nr. 6 Walchensee/Wallgau, 1:50 000
VerkehrsanbindungVon München auf der A 95 bis Autobahnende, dann weiter auf der B 23 bis Oberau und über den Ettaler Sattel nach Ober- ammergau. Mit dem Zug auf der Strecke München–Garmisch bis Murnau, dort umsteigen nach Oberammergau.
GastronomieDie Ettaler Mühle mit Biergarten und Mühlrad liegt direkt an unserer Strecke. Oberammergau ist kulinarisch ganz auf Tourismus eingestellt.
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Alpenwarmbad Oberammergau

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