Von Krakow am See nach Güstrow

Die heutige Radtour führt bis auf ein Stück bei Mühl Rosin stets auf geteerten und lärmfreien Fahrbahnen durch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die buckelige Etappe fällt im letzten Teil ab.
27 km
100 m
4.00 h
Von Krakow am See nach Bellin.
Im Ortszentrum die B 103 und eine Gleisanlage überschreiten und auf einem ansteigenden Weg nach Alt Sammit klettern. Nach der Kirche rechts und den aussichtsreichen Plattenweg bis Groß Breesen benutzen. Am Ende von Groß Breesen rechts und in Richtung Nordost nach Bellin radeln.
Wir schwingen uns am neugotischen Rathaus (1875) von Krakow am See auf unsere Fahrräder, rollen über das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes und passieren so die Stadtkirche . Der rote Backsteinbau geht auf das 13. Jahrhundert zurück und wurde nach vielen Stadtbränden im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder umgestaltet. Ein paar Pedalumdrehungen weiter ist die alte Synagoge erreicht. Das Gotteshaus wurde 1866 errichtet und ist eines der wenigen in Mecklenburg, das die Novemberpogrome von 1938 überstand, da es damals nur noch als Turnhalle genutzt wurde. Heute ist es Sitz des Kulturvereins und es finden Ausstellungen, Konzerte und Lesungen statt. Auf der anderen Straßenseite befindet sich die Alte Schule, in deren Innerem ein Buchdruckereimuseum untergebracht ist. In der Schauwerkstatt wird die Arbeitsweise eines Familienbetriebs der 20er- und 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts demonstriert (Öffnungszeiten: Mai–Okt. Di–Sa 10–12 Uhr und 13–17 Uhr, Tel. 038457/238 72, www.druck-buchkultur.de).
Als Nächstes fahren wir auf der Straße Am Schulplatz bis zur Ernst- Thälmann-Straße, in die wir nach rechts einfahren und mit ihr über die große B 103 fahren. Nun trifft man auf eine Weggabelung, an der man sich links an den Weg Bahnhofsplatz hält und über die Gleise fährt. Drüben angelangt orientieren wir uns nach rechts und erreichen mit der Straße Am Bahnhof den Alt Sammiter Damm, wo es links geht. Nun strampeln wir ansteigend aus der Stadt hinaus. Hier sind wir von sanften Buckelwiesen umgeben, die weiter oben von einem schmalen Waldstreifen abgelöst werden. Der Weg neigt sich und führt via Lindenstraße durch Alt Sammit. An der Feldstein- Kirche setzt sich die Reise rechts auf dem Reimershäger Weg fort, der schnurstracks nach Nordwesten hin ansteigt. In aussichtsreicher Höhe führt der zweispurige Betonplattenweg durch ausgedehnte Felder auf das Waldgebiet Cossenheide zu. Anschließend überschreiten wir an einer Kreuzung die L 11 und radeln nach Groß Breesen hinein. Wir halten uns strikt an die Hauptstraße, die am ersten Bücherhotel Deutschlands vorbeiführt, welches in einem Gutshaus von 1833 untergebracht ist. Kurz vor dem Ortsausgang dirigiert uns die Routenbeschilderung nach rechts. Der anstehende Abschnitt bis Bellin weist einige spürbare Steigungen auf und beginnt mit einem Waldstück, das von großen Ackerflächen abgelöst wird. In der Gemeinde angelangt, sausen wir auf dem Breesener Weg hinunter in das Ortszentrum.
Von Bellin nach Güstrow.
Geradewegs durch das Dorf und wellig durch den Forst bis Kirch Rosin. Dort angekommen geht es links, am Inselsee entlang bis Mühl Rosin und dort geradeaus bis zur Gü 21. Nun links der stark befahrenen Straße folgen und die B 103 überqueren, um ins Stadtzentrum von Güstrow zu gelangen.
In Bellin befindet sich ein neobarockes Jagdschloss , das 1912 unter der Leitung von Henry Brarens Sloman errichtet wurde. In dem Herrschaftshaus kann man übernachten oder auch Hochzeitsfeiern in einer romantischen Atmosphäre abhalten. Passend dazu gibt es hier in Bellin eine im 13. Jahrhundert erbaute Feldsteinkirche . Im Inneren sind vor allem die Wand- und Gewölbemalereien sowie der Altaraufsatz mit seinen Schnitzfiguren bewundernswert. Als Nächstes geht es links in die Krakower Straße und gleich rechts in die Am Karpendiek Straße, welche in den Steinbecker Weg übergeht. An der Backsteinkirche zweigt links eine Fahrradstraße Richtung Güstrow ab, die in einem ständigen Auf und Ab dem Teuchelbach durch die Koitendorfer Tannen folgt.
Fünf Kilometer weiter kommen wir zu einer Abzweigung nach rechts, die uns zum Ortseingang von Kirch Rossin bringt, wo sich ein schöner Rastplatz mit Spielplatz befindet. Vor der Dorfkirche drehen wir den Lenker nach links, klettern eine ansteigende Straße hinauf und kommen mit der anschließenden Abfahrt nach Mühl Rosin. Am Dorfbeginn fahren wir am Kreisverkehr auf der Straße Waldsiedlung geradeaus, folgen ihrem Links-rechts-Schwenk bis zur Gü 21 Bölkower Chaussee, die wir geradeaus überqueren. Hier nimmt uns ein Radweg auf, der nach 300 Metern an einem Wohngebiet (Birkenweg) entlangläuft.
Am Jugendherbergsschild verlassen wir die Straße, nehmen links den Radweg und radeln auf der Straße Heidberg vorbei an einem verlockenden Biergarten zum Ernst-Barlach-Museum . Ernst Barlach wurde 1870 im holsteinischen Wedel geboren. Güstrow wurde die Lebensstadt des expressionistischen Schriftstellers, Grafikers und Bildhauers. Die 1920er-Jahre sind seine Blütezeit. Er bekommt Aufträge wie das Magdeburger Ehrenmal oder den Geistkämpfer für die Universitätskirche in Kiel und wird vielfältig geehrt. Anfang der 1930er wird er jedoch mehr und mehr zur Zielscheibe der Nationalsozialisten. Seine humanistischen Werke gelten als entartet, sie werden aus Kirchen, Museen, öffentlichen Plätzen entfernt und er erhält Ausstellungsverbot. Ausgeschlossen aus der Gesellschaft stirbt er 1938. In seinem Atelierhaus am Inselsee und dem daneben liegenden, 1998 erbauten Ausstellungsforum kann man in das Lebenswerk des größten Bildhauers Deutschlands, wie Bertolt Brecht ihn gewürdigt hat, eintauchen (Öffnungszeiten: April–Okt. Di–So 10–17 Uhr, an Feiertagen sowie Juli/Aug. auch Mo, Tel. 03843/84 40 00, www.ernst-barlach-stiftung.de). Die Reststrecke führt uns zunächst auf einem unbefestigten Weg an einer Badestelle mitsamt Liegewiese am Inselsee entlang, umfährt das Kurhaus und steigt durch den Wald zur Straße Gleviner Burg hin an, die uns zur stark befahrenen Plauer Chaussee bringt. Schließlich fahren wir links auf den Begleitradweg auf, folgen dem Straßenverlauf für 1,7 Kilometer, um unsere Fahrt geradeaus auf der Plauer Straße nach 750 Metern am Schlosspark von Güstrow (Bhf.) zu beenden.
Sehenswertes in der Barlachstadt.
Güstrow wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Eingebettet im Tal der Nebel gilt die Kreisstadt als eine der schönsten Städte Mecklenburgs. Das liegt unter anderem daran, dass das historische Stadtbild weitestgehend beibehalten wurde. Am Alten Markt imponieren die Bürgerhäuser verschiedener Stilepochen. Vor allem das Rathaus (A) mit den filigranen Maßwerkgiebeln und die Pfarrkirche St. Nikolai (B) beleben den Platz. Über die Wallanlage gelangen wir zur Ernst-Barlach-Gedenkstätte in der Gertrudenkapelle (C). Die spätgotische Kapelle beherbergt einige bedeutende Werke des Künstlers (Öffnungszeiten: April–Okt. Di–So 10– 17 Uhr, an Feiertagen sowie Juli/Aug. auch Mo).
Das älteste Bauwerk der Stadt ist der Dom (D), welcher um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden ist. In ihm befinden sich viele wertvolle Kunstschätze. Das bekannteste Werk ist »Der Schwebende «, eine Bronzeplastik von Ernst Barlach zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs. Die Figur ist ein Nachguss, da das Original in der Zeit des Nationalsozialismus als entartet galt und eingeschmolzen wurde.
In der Heilig-Geist-Kirche (E) stellt das Norddeutsche Krippenmuseum ca. 350Weihnachtskrippen aus aller Welt aus (Öffnungszeiten: Juni–Sept. und Adventszeit täglich 10–17 Uhr, Jan.–Mai und Okt.–Nov. Di–So 11–16 Uhr, Tel. 03843/46 67 44, www.norddeutsches- krippenmuseum.de). Rund um den Franz-Parr-Patz kann man in die Kulturgeschichte eintauchen. Wer sich zum Beispiel mehr für die Geschichte Güstrows interessiert, der sollte dem Stadtmuseum (F) einen Besuch abstatten. Neben Exponaten aus der Ortsgeschichte, einem kunstgeschichtlichen Sammlungsbestand von deutschen Expressionisten und einer einzigartigen, 12 000 Blatt umfassenden Theaterzettelsammlung liegt der Ausstellungsschwerpunkt auf der Residenzgeschichte vom 16. und 17. Jahrhundert (Öffnungszeiten: Mai–Sept. Mo–Fr 9–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr, So 11– 17 Uhr (von Okt.–April schließt das Museum jeweils eine Stunde früher), Tel. 03843/76 91 20).
Schräg gegenüber befindet sich eines der ältesten Theater (G) Mecklenburgs. Der klassizistische Bau wurde 1828 von Georg Adolf Demmler entworfen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich im Fachwerkbau die städtische Galerie (H), welche zeitgenössische Kunst in Wechselausstellungen zeigt. Im 19. Jahrhundert diente der Bau als großherzoglicher Pferdestall, später wurde er als Wollhalle genützt, da Güstrow einen der bedeutendsten Wollmärkte der Region besaß (Öffnunszeiten: täglich 11–17 Uhr, Tel. 03843/76 93 61). Die Hauptsehenswürdigkeit der einstigen Residenzstadt ist das Renaissanceschloss (I). Der Prachtbau mit seiner fantasievoll gestalteten Fassade und dem ansprechenden Schlossgarten lädt im Inneren zur Besichtigung ein. Bestaunt werden dürfen die Künste und Kunstschätze der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. Im Festsaal bewundern wir die reichlich verzierte Stuck-Kassettendecke mit teils vollplastisch heraustretenden Figuren, die exotische Jagd- und Kampfszenen darstellen (Öffnungszeiten: Di–So 10– 18 Uhr,Tel. 03843/75 20, www.schloss-guestrow.de).

Etappen auf einen Blick.
km 0 Krakow am See, ansprechende Radtour durch Wald und Flur über Alt Sammit, km 10 Groß Breesen, schöne Landschaft, dann Belliner Schloss und Feldsteinkirche, km 14 Bellin, durch den Wald Koitendofer Tannen, danach folgt das Dorf Kirch Rosin, km 22 Mühl Rosin, an der Nordseite des Inselsees schöne Badegelegenheit, km 27 Güstrow, in der Barlachstadt bewundern wir das prächtige Renaissanceschloss

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour27 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortKrakow am See
AusgangspunktKrakow am See, Rathaus
EndpunktGüstrow
TourencharakterWelliges Wald- und Ackerland erwartet uns auf der beschaulichen zehnten Etappe. Zum Abschluss des Tages erkunden wir die Stadt Güstrow, die vor allem mit ihrem Schloss, dem Dom und einem historischen Zentrum glänzt.
Hinweise
Bademöglichkeiten entlang der Strecke.
KartentippTopografische Karte 1:50 000, L2338 Güstrow, ISBN 978-3-8326-1008-1, www.laiv-mv.de
VerkehrsanbindungKrakow am See hat zurzeit keine Bahnhaltestelle. Von Süden die A19 über die Abfahrt Linstow verlassen und auf der L204 zum Zielort.
GastronomieGüstrow: Kurhaus am Inselsee, Heidberg 1, Tel. 03843/85 00; Marktkrug, Markt 14, Tel. 03843/68 12 82; Villa Italia, Domplatz 10, Tel. 03843/68 32 32.
Verleih
Güstrow: Fahrradhaus Karrasch, Speicherstr. 1, Tel. 03843/68 11 93; Meiser, Bachstr. 1a, Tel. 03843/822 48; Fahrradmarkt H. Stahl, Lange Straße 49, Tel. 03843/68 40 10.
Unterkunft
Groß Breesen: Gutshotel Groß Breesen, Groß Breesen 1, Tel. 038458/500, www.gutshotel.de. Mühl Rosin: Waldhof, Waldhof 1, Tel. 03843/85 66 63, www.waldhof-mv.de. Güstrow: Gästehaus am Schlosspark Güstrow, Neuwieder Weg, Tel. 03843/24 59 90, www.gaestehausguestrow.de
Tourismusbüro
Güstrow Tourismus e.V., Franz-Parr-Platz 10, Tel. 03843/68 10 23, www.guestrowtourismus.de

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