Von Dachau nach Oberschleißheim

Abwechslungsreiche und flache Rundtour meist auf Rad- und Feldwegen im Münchner Norden. Entlang der Strecke viele Besichtigungsmöglichkeiten. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
45 km
220 m
4.00 h
Von der S-Bahn radeln wir noch ein Stück nach Norden bis zur großen Schleißheimer Straße, in die wir rechts einbiegen. Schon begleitet der Schleißheimer Kanal unseren Weg. Am Dachauer Ortsende wechseln wir zum Radweg auf die linke Straßenseite. Nach insgesamt ca. 5,7 km können wir mithilfe der Ampel die große Autostraße sicher in den Kalterbachweg überqueren. Nun folgen wir den Schildern zur Regattastrecke, die 1972 für die Münchner Olympiade erbaut wurde. Am Wochenende tummeln sich hier jede Menge Inlinefahrer, die eine 10 km lange autofreie Runde um den See ziehen. Atemberaubend sind die waghalsigen Sprünge von Bungee-Jumpern, die den Kick im Sturz vom Kran ins Wasser suchen. Wir umrunden die Ruderregattastrecke in Ufernähe. Am Ende radeln wir aufwärts, dann links in die Kuppelfeldstraße. Sie bringt uns bis zum Würmkanal, dem wir nach links folgen. Am Ende überqueren wir auf einem Brücklein einen weiteren Kanal, bleiben noch kurz geradeaus und biegen für 30 m links (Beschilderung Oberschleißheim), gleich darauf rechts in den nicht beschilderten Feldweg ein. Er verläuft immer noch parallel zum Würmkanal. An der Autobahn geht es rechts-links unter ihr hindurch, und wir radeln für ein Stück auf einem schmalen Pfad durch jungen Wald. Auf einem Feldweg erreichen wir an den Tierkliniken Oberschleißheim. Ankunft bei den Schlössern: Jetzt rechts in die Veterinärstraße und nun immer stur geradeaus durch die verschiedenen großzügigen Innenhöfe, bis wir durch den Maximilianshof kommen und unvermittelt vor der prächtigen Westseite des Neuen Schleißheimer Schlosses stehen. Im Osten grenzt die nach französischem Vorbild mit Wasserspielen geplante Gartenanlage an. Sie ist jedoch für Fahrradfahrer tabu. Deswegen schieben wir entweder unseren Drahtesel hindurch oder umrunden das Areal rechter Hand, der Beschilderung »Isarauen«, dann links »Garching« folgend entlang der Schlossmauer. An deren Ende bleiben wir links und fahren am Schloss Lustheim vorbei über den Schleißheimer Kanal in die Hochmuttingerstraße. Nach der Siedlung überqueren wir die große Freisinger Landstraße und radeln über den Wanderparkplatz in den Wald immer der Beschilderung »Berglwald«, dann »Unterschleißheimer See« nach. Auf ruhigen Radwegen geht es mitten durch den Ort Unterschleißheim. Unter der S-Bahn hindurch, dann immer geradeaus durch den Furtweg, über die A 92 bis zum Unterschleißheimer See. Ab hier wenden wir uns nun der Beschilderung Haimhausen zu. An der Feldwegkreuzung mit der zweifachen »Haimhausen«-Beschilderung bleiben wir weiter geradeaus und kommen über eine Serpentine auf einem Hügel zu einer Teerstraße. Links, abwärts und an den ersten Häusern rechts in den Leitenweg sind wir gleich darauf am Amperufer im Ortsteil Otterhausen. Bis Haimhausen radeln wir rechts, vorbei am Haimhauser Schloss, das heute eine internationale, exklusive Privatschule beherbergt.Der Amperradweg In der Ortsmitte folgen wir links der Beschilderung »Amperpettenbach«, zunächst über den Kanal und dann über die Amper. Nach der Brücke biegen wir in den ersten Feldweg links und folgen nun für die nächsten 14,5 km stur der Beschilderung nach Dachau zurück. Dafür wechseln wir in Ampermoching erneut das Ufer und erreichen an einigen Fischteichen vorbei die ersten Häuser von Dachau. Die S-Bahn ist gut ausgeschildert (Achtung: Zu Beginn führt der Radweg schlecht erkennbar durch die Toreinfahrt eines Gutshofs/Gärtnerei). Wir radeln durch die modernen Industriegebiete und erreichen über den Parkplatz der KZ-Gedenkstätte von Dachau die Würm. Ihr folgen wir nach Süden bis zur Schleißheimer Straße. Diese kennen wir bereits vom Hinweg, und nun sind es nur noch wenige Meter zurück bis zum Startpunkt am Bahnhof.Dachau Der Name der Kreisstadt Dachau hat durch das erste Konzentrationslager der Nationalsozialisten international keinen besonders guten Klang. Das ist mehr als bedauerlich, denn zum einen wurden die Dachauer bei dem Bau des Lagers nicht gefragt, und zum anderen überdeckt es die Tatsache, dass Dachau eine außerordentlich liebenswerte Stadt ist, deren Geschichte bis auf die Steinzeit zurückgeht. Von den Kelten stammt der Name der Stadt, das keltische »Dahauua« bedeutet so viel wie lehmige Flusslandschaft. Ein bedeutendes städtebauliches Merkmal erhielt Dachau in der zweiten Hälfte des 16. Jh., als die Wittelsbacher auf dem Hügel über der Altstadt ein gewaltiges Schloss mit vier Flügeln als Sommerresidenz erbauen ließen. Nach den Zerstörungen während der Zeit Napoleons hat sich allerdings nur der Südflügel erhalten. Im 19. Jh. wurde Dachau zu einer bedeutenden Künstlerkolonie vor den Toren Münchens. Maler wie Spitzweg oder Leibl holten sich in der Moorlandschaft der Umgebung Anregungen für ihre Bilder. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Dachau zu einer bedeutenden Schul- und Einkaufsstadt. Durch den S-Bahn-Anschluss wurde sie überdies zur Wohnstadt für viele Bürger, die in München arbeiten.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour45 km
Höhenunterschied220 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktDachau, S-Bahnhof
EndpunktDachau
TourencharakterWir brauchen nicht bis Versailles zu reisen. Wir haben alles vor Ort. Den Kontrast der heutigen Radtour bilden die künstlich, aber technisch raffiniert angelegten Kanäle, die barocken Schlossanlagen Oberschleißheims mit ihren prunkvollen Gärten und der für den Rückweg gewählte Radweg entlang der sehr naturbelassenen Amper. Schöne Bade- und Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke.
Hinweise
DAS SCHLÖSSER-ENSEMBLE IN OBERSCHLEISSHEIM. Herzog Wilhelm V. von Bayern war außerordentlich fromm und überdies ein großer Bauherr. Dass er seine zahllosen Prachtbauten auch bezahlen musste, interessierte ihn nicht. Es kam, wie es kommen musste: 1597 war der Staat Bayern pleite, Wilhelm wurde aufs Altenteil geschickt, und sein Sohn, der spätere Kurfürst Maximilian I., übernahm die Regierung. Als Ruhesitz kaufte man Wilhelm ein Gut in Schleißheim. Daraus entstand schließlich das noch relativ bescheidene Alte Schloss, in dem er noch 30 Jahre wohnen sollte. Seinem ehrgeizigen Urenkel Max Emanuel, dem »Blauen Kurfürsten«, erschien dieses Schlösschen nicht mehr standesgemäß. Er plante einen gewaltigen Palast am Rande einer riesigen Gartenanlage, er sollte in ganz Europa Aufsehen erregen. Weil er rasch eine für ihn standesgemäße Unterkunft bei seinen Hofjagden haben wollte, ließ er zunächst das Parkschlösschen Lustheim bauen, in dem heute die Meißner Porzellansammlung des Staates Bayern untergebracht ist. Das Neue Schloss war als gewaltige Anlage mit zwei weiten Innenhöfen geplant, seine Ausführung hätte allerdings zu einem erneuten Staatsbankrott geführt. So entstand nur der Ostflügel, auch der prächtig genug, um einem König zur Ehre zu gereichen. In seinen weiten Räumen ist heute eine Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung untergebracht.
KartentippRadlkarte Dachau, Stadt und Umland, Galli Verlag, 1:50 000
VerkehrsanbindungDachau liegt nördlich von München, der Bahnhof liegt in der Unteren Stadt und ist ausgeschildert. Mit der S 2 von München.
GastronomieZwei schöne Biergärten entlang der Tour: die Schlosswirtschaft Oberschleißheim, direkt in einem Nebengebäude des Schlosses, mit einmaliger Kulisse; und das Waldrestaurant »Bergl« mit Biergarten mitten im Wald
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Unterschleißheimer See, Regatta-Badesee

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