Von Beckum ins Lippetal

Aussichtsreiche »Bergtour« in Wäldern und Wiesen mit unwesentlichen Anstiegen und ebenso kleinen, erfreulichen »Abfahrten«. (Autor: Bernhard Pollmann)
60 km
150 m
5.00 h
Der Einstieg in die 100-Schlösser-Route befindet sich am Westrand der (autofreien) Altstadt von Beckum an der B 61 Richtung Hamm (Hammer Straße); Orientierungspunkt ist das tempelartige Denkmal für die Weltkriegsgefallenen neben der Martinskirche und dem Westteich.
Vom Stadtmuseum am Markt in der Altstadt von Beckum lenken wir an der mächtigen gotischen Kirche (darin der goldene Prudentiaschrein, einer der bedeutendsten Reliquienschreine Westfalens) vorbei zur Werse und folgen der autofreien Promenade längs des Flüsschens rechts zum Westteich. Vor dem Teich überqueren wir die Werse auf einer Stegbrücke, befinden uns nun auf der 100-Schlösser-Route und folgen der Wabennummer 180 Richtung »Herzfeld«. Autofrei führt der Rad- und Wanderweg neben einem der Quellbäche der Werse aufwärts, oben an der alten Landwehr wechselt die Route links auf einen Laubwaldweg, viele Bäume sind efeuumwunden, die Landwehr ist als efeuüberwucherter Wall deutlich erkennbar. Nach Queren der kleinen Straße Dalmer passiert der Waldweg eine Schutzhütte und senkt sich steil hinab zur Radroutenverzweigung im Tal des Göttfricker Bachs. Hier zweigt die neue 100-Schlösser-Route rechts ab (im Text beschrieben in gegenläufige Richtung), während wir der »alten« 100-Schlösser-Route aufwärts folgen (weiterhin Wabe 180): Sie passiert in erstklassiger Aussichtslage die Windmühle am Höxberg sowie das Hotel-Restaurant »Zur Windmühle« und führt an Tierfreigehegen vorbei zur Soestwarte.
Hinter der Soestwarte zweigt die alte 100-Schlösser-Route auf einen Waldweg ab. Schon bald laden Schutzhütte und Bänke zur Rast, schließlich geht es an einer Straße (Heddigermarktstraße) halb rechts ab auf den Radweg, wobei wir gleich darauf im Wald die »neue« 100-Schlösser-Route einmünden sehen. Am Ende des Waldstücks wechselt die 100-Schlösser-Route rechts auf den asphaltierten Anliegerweg »Unterberg I«. Aussichtsreich leitet er durch das Gebiet des aus verstreut in der Feldflur liegenden Einzelgehöften bestehenden Weilers Unterberg I. Bald nach Passieren einer Kapelle zweigt die Schlösserroute rechts auf den asphaltierten Anliegerweg »Unterberg II« ab, wendet sich im nächsten Waldstück rechts und wechselt an einem Parkplatz links auf den von Büschen gesäumten Assenweg, der gleich in einen Wald eintaucht und dann Haus Assen erreicht. Das von parkartigem Gelände umgebene Renaissance-Wasserschloss ist nur von der Straße aus einsehbar – ein schöner Blickpunkt am Weg. An der Verzweigung vor Haus Assen treffen wir auf die Römerroute; wer hier abkürzen will, folgte der Römerroute quabbeabwärts an der unter Denkmalschutz stehenden Quabbemühle vorbei nach Lippborg und trifft dort wieder auf die 100-Schlösser-Route. Wir bleiben jedoch an Haus Assen auf der 100-Schlösser-Route (links), die im Gleichlauf mit der Römerroute durch Waldstücke und Feldfluren nach Herzfeld führt. Schon von weitem zeigt sich der Turm der aufwändigen neugotischen Wallfahrtskirche Sanct Ida (1901) an legendenumwobener Stelle im Lippetal. Karl der Große schenkte den Königshof Herzfeld (»Hirschfeld«) an der Lippe dem sächsischen Grafen Ekbert und dessen Gemahlin, der fränkischen Grafentochter Ida. Als Ekbert und Ida zu Ekberts Burg reisten und in den Wäldern an der Lippe übernachteten, erschien Ida im Traum ein Engel, der ihr bedeutete, hier einen Tempel zu bauen. Mithilfe eines zahmen Hirschs, der ihr die Steine herbeitrug, errichtete Ida eine dem heiligen Germanus geweihte Steinkirche, in der sie nach ihrem Tod825 beigesetzt wurde. An ihrem Sarg sollen sich viele Wunder ereignet haben, bereits im Jahr 980 wurde sie heilig gesprochen. Von der Kirche leitet die 100-Schlösser-Route über die Lippebrücke – im Flussbett ist der »grüne Weg«, den Ida und ihr zahmer Hirsch gewandelt sein sollen, angeblich noch zu sehen – und erreicht nach Verlassen eines Waldstücks die imposante Schlossanlage Hovestadt. Das Renaissance-Wasserschloss ist seit 1710 im Besitz und bewohnt von den Grafen von Plettenberg. Errichtet wurde es 1563–72 von Laurenz von Brachum an der Stelle einer Burg der Kölner Erzbischöfe an einem Lippeübergang – eine strategisch wichtige Lage. Die barocke Vorburg (1733) mit Schlosskapelle ist ein Werk Conrad Schlauns. Der Barockgarten (18. Jh.) ist seit 1997 als Park öffentlich zugänglich.
Aus dem Schlosspark tretend, führen 100-Schlösser-Route und Römerroute links weiter (Schlossstraße) und trennen sich wenig später. Während die Römerroute weiter lippeaufwärts führt, zweigt die 100-Schlösser-Route rechts ab (Frischenweg) und leitet durch die Feldmark in das Dorf Oestinghausen und nach Lippborg an der Mündung der Quabbe in die Lippe. Neben der Quabbe erhebt sich die neogotische Basilika Sankt Cornelius und Cyprian. Nun gibt die Wabennummer 186 an Verzweigungen die Route vor. Wir folgen (von der Kirche aus) der Hauptstraße kurz rechts und biegen gleich darauf an der Kreuzung rechts ab: Römer- und 100-Schlösser-Route leiten hinaus in die Feldmark, vorübergehend rückt der monströse Thorium-Hochtemperatur-Reaktor Hamm-Uentrop ins Blickfeld, doch schon bald zweigt die Schlössermarkierung rechts ab und führt zurück auf die Baumberge. Bald nach Durchfahren eines Golfplatzes lädt am Kruzifix vor dem Weiler Sudholt eine Bank zur Rast, am Hermannsberg erwartet ein kurzer Anstieg, dann lenken wir der weithin sichtbaren Windmühle am Höxberg zu und stoßen kurz davor auf die bekannte Route: Die Wabennummer 180 führt an der Landwehr vorbei zurück nach Beckum.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour60 km
Höhenunterschied150 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMarkt in Beckum; mehrere Parkhäuser, kein Bahnhof.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDiese landschaftlich eindrucksvolle Berg- und Talfahrt führt über die südlichen Beckumer Berge zum Wasserschloss Haus Assen, zur Ida-Wallfahrtskirche in Herzfeld und zum Renaissanceschloss Hovestadt, einer der imposantesten Wasserschlossanlagen des Münsterlands; von Lippborg im Lippetal geht es durch das flachwellige Schichtstufenland der aussichtsreichen Beckumer Berge zurück nach Beckum.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte 1:50000 Radelpark Münsterland, Blatt Kreis Warendorf.
MarkierungenSchloss, Richtungspfeile und namentliche Ausschilderung.
VerkehrsanbindungA 2 Ruhrgebiet – Hannover Ausfahrt Beckum. Keine Bahnanbindung.
GastronomieBeckum, Windmühle, Soestwarte, Lippborg.
Tipps
Variante: Die Route lässt sich mit Hilfe der Römerroute (Haus Assen – Lippborg) gut in zwei eigenständige Kurztouren teilen. Wer von Beckum nach Haus Assen fährt und direkt über Lippborg nach Beckum zurückfährt, hat einen Rundkurs von nur 41 km vor sich.
Informationen
Wer die Rundfahrt abkürzen will, findet im Naherholungsgebiet Höxberg einen idealen Ausgangspunkt. Hier finden sich Tierfreigehege, die denkmalgeschützte Windmühle mit erstklassiger Aussicht, zwei Hotel-Restaurants und die Soestwarte. Letztere ist ein mehrfach umgebauter mittelalterlicher Landwehrturm, der als Aussichtsturm begehbar ist und Darstellungen von »Beckumer Anschlägen« enthält: Die Beckumer galten früher als die Schildbürger Westfalens, der berühmteste ihrer Streiche war der Beckumer Pütt (die Beckumer Bürger fielen in einen Brunnen, als sie Wasser holen wollten), nach dem das bedeutendste Beckumer Volksfest benannt ist, die »Pütt-Tage«.
Tourismusbüro
Stadt Beckum, Schul-, Sport- und Kulturamt, Alleestraße 72, 59269 Beckum Tel. 02521/29253, Fax 02521/2955253, Internet www.beckum.de. Gemeinde Lippetal, Bahnhofstraße 7, 59510 Lippetal. Tel. 02923/980223, Fax 02923/980232, Internet www.lippetal.de.
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