Radtour durch Bremen

Unterwegs in der Hansestadt Bremen

Die Hansestadt Bremen wartet mit einem der schönsten Altstadtkerne Deutschlands auf. Im Jahr 2004 stellte die UNESCO das gotische Rathaus und das Wahrzeichen der Stadt, den Roland, als Weltkulturerbe unter den Schutz der Menschheit. (Autor: Bernhard Pollmann)
4 km
35 m
1.00 h
Wer mit der Bahn nach Bremen anreist, findet am Hauptbahnhof den Weser-Radweg nicht ausgeschildert: Als Zubringer fungiert der »Bremer Stadtweg«, der in einer hoch attraktiven Besichtigungsroute durch die historische Altstadt zur Schlachte, der Promenade an der Weser, führt. Dort erfolgt der Einstieg in den Weser-Radweg. Umgekehrt ist der Abstecher in die Bremer Altstadt ein Muss vom Weser-Radweg aus.

Windmühle am Wall

Aus dem Hauptbahnhof Bremen tretend, geht es rechts der Straßenbahnhaltestelle über den Bahnhofsplatz und geradeaus, wobei das Schild »Bremer Stadtweg/Grüner Ring« die Route unter der Brücke her durch die Bahnhofstraße weist. Am Hillmannplatz führt unser Weg halb links, dann rechts in den Herdentorsteinweg, bald mit schönem Blick auf die Windmühle in den Wallanlagen.

Die Windmühle am Wall, die einzige erhaltene Windmühle der Bremer Alt- und Neustadt, ist das Wahrzeichen der Bremer Wallanlagen, die Flügel des 30 m hohen Galerieholländers spiegeln sich im Stadtgraben. 1802 wurden die Stadtmauern auf dem Wall geschleift und das Wallgelände zu einem Park umgestaltet; die damalige Bockwindmühle auf einer Bastion in der Nähe des Herdentors blieb stehen. Nach einer kompletten Sanierung wurde die Mühle 1998 anlässlich des Mühlentags neu eröffnet: Die drei unteren Stockwerke werden als Restaurant »Kaffeemühle« und als Wohnräume genutzt; vom vierten Stock bis zur Mühlenkappe reicht der denkmalgeschützte Bereich, der von der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen betreut wird.

Ein Stadtplan von 1796 verzeichnet zwölf Windmühlen in Bremen, jeweils sechs in der Alt- und der Neustadt. Während der industriellen Revolution verschwanden die Windmühlen, da die wuchernde Bebauung mit hohen Häusern als Windbrecher wirkte und die neuartigen Dampfmühlen effektiver als die alten Windmühlen arbeiteten. Lediglich die Wallmühle am Herdentor blieb erhalten und wurde 1889 von der Stadt gekauft. Nach dem Brand von 1898 beschloss die »Deputation für Spaziergänge« der Bremer Bürgerschaft, die Mühle »im Interesse der landschaftlichen Eigenart unserer Wallanlagen« wiederaufzubauen.

Bremer Marktplatz

An der Ampel an der Kreuzung Herdentor/Am Wall zeigen die Radroutenpfeile des »Bremer Stadtwegs« geradeaus und gleich links (Schüsselkorb), während geradeaus die Fußgängerzone ebenfalls zum Ziel führt (schieben!) – dem Marktplatz. Der Bremer Marktplatz mit seiner geschlossenen historischen Bebauung im Herzen der Altstadt zählt zu den schönsten Europas.

Als Weltkulturerbe ausgewiesen sind das im Kern gotische Rathaus und die monumentale Mantelfigur des Roland (1404), hinzu kommen der Sankt-Petri-Dom mit seiner mächtigen Zweiturmfront, die »Schütting« genannte Handelskammer, das moderne »Haus der Bürgerschaft« (Parlamentsgebäude) und zahlreiche Kaufmannshäuser im Stil der Weserrenaissance. Auch die Einkaufspassagen im Bereich des Marktplatzes mit ihren zum Teil exklusiven Geschäften sind beachtenswert. Besondes sehenswert sind der Lloyd-Hof und die Lloyd-Passage, die Katharina und das Hillmann-Center.

Rathaus

Das 1405–1410 erbaute Bremer Rathaus am Marktplatz steht seit 2004 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Der im Kern gotische Saalgeschossbau erhielt 1608/09 durch den Bremer Architekten Lüder von Bentheim seine Prunkfassade im Stil der Weserrenaissance und zur Zeit des Barock weiteren üppigen Architektur- und Bildschmuck, ehe er 1909/13 rückseitig versetzt mit dem Neuen Rathaus zu einem vielgesichtigen Bezugspunkt in der Altstadt verbunden wurde.

Die dreischiffige Erdgeschosshalle des Rathauses war von Anfang an zur Nutzung als Kaufhalle für das »Marktvolk« konzipiert, während die Obere Halle für Repräsentationszwecke gedacht war: In ihr tagte jahrhundertelang der Rat der Stadt, heute ist der 41 m lange, 15 m breite und 8 m hohe Saal Bremens repräsentativster Festsaal und bildet den Rahmen für Empfänge und Konzerte.

Die überlebensgroßen Figuren des Kaisers und seiner sieben Kurfürsten auf der Südseite des Rathauses sollten die Unabhängigkeit der Stadt von der Kirche verdeutlichen. Zu den künstlerischen Kleinodien des Rathauses zählt die Güldenkammer, ein von Heinrich Vogeler zu Beginn des 20. Jh. ganz im Zeichen des Jugendstils umgestalteter Raum. Alle Details vom Türgriff bis zum Leuchter sind in den verschlungenen Zierformen des Jugendstils aufeinander abgestimmt. – Rathausführungen veranstaltet die Bremer Touristik-Zentrale.

Ratskeller

Der gotische Ratskeller (1405), eine dreischiffige elfjochige Halle, ist das »köstliche Fundament« des Rathauses. Prunkvolle alte Weinfässer mit üppigen Schnitzereien geben dem Hauptraum seine unverwechselbare Atmosphäre, das älteste Weinfass stammt aus dem Jahr 1723. Besucher können in der 60-seitigen Weinkarte aus rund 600 verschiedenen Weinen aus deutschen Weinbaugebieten wählen.

Im Hauptraum sitzen die Gäste an langen Holztischen; um 1600 entstanden die »Priölken«, kleine, halbrunde Zimmerchen, die früher mit Öfen geheizt wurden. Hauff- und Bacchuskeller wurden 1620 als Weinlager gebaut, sind heute jedoch ebenfalls für die Gäste geöffnet. Im Hauffkeller ließ sich Wilhelm Hauff zu seiner Weinnovelle »Fantasien im Bremer Ratskeller« (1827) inspirieren, Max Slevogt schmückte 1927 die Wände al fresco mit Illustrationen zur Novelle.

Fassade

Die Arkaden der Renaissance-Fassade sind reich geschmückt, das Figurenprogramm in den Zwickeln neben den elf Arkaden enthält 22 symbolträchtige Szenen aus der Geschichte der Stadt bzw. zu Tugenden, die als beispielhaft herausgestellt werden. Der zweite Arkadenbogen von links enthält die für Bremen bedeutsamste Darstellung: Eine mit einem Waffenrock bekleidete Frau legt schützend den Arm um ein Nest, in dem eine Henne mit ihrer Brut sitzt.

Die Bremer Gründungssage berichtet, dass eine Anzahl heimatlos gewordener Menschen per Schiff über die Weser kam und in der Dämmerung einer Henne folgte, die für ihre Küken ein Nachtlager suchte. Wo sich die Glucke auf einer Düne niederließ, gründeten die Neuankömmlinge eine Siedlung, aus der die Stadt Bremen hervorging. Bei wandernden Handwerksburschen galt die Glucke als Wahrzeichen des Bremer Rathauses.

Bremer Stadtmusikanten

Das Märchen der Brüder Grimm erzählt von vier alten Tieren: einem Esel, einem Hund, einer Katze und einem Hahn. Niemand will sie mehr haben, also machen sie sich auf den Weg nach Bremen, um dort Stadtmusikanten zu werden. In der Nacht verjagen sie Räuber aus deren Haus, indem sie sich aufeinander stellen und eine Kostprobe ihres »musikalischen Talentes« geben; die Bösewichter erschrecken so sehr, dass sie fliehen. Die Skulptur der aufeinander stehenden Tiere auf der Westseite des Rathauses schuf 1952 Gerhard Marcks.

Roland

Der steinerne Bremer Roland (1404) auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ist eine der repräsentativsten und ältesten erhaltenen Rolandsstatuen, die im Mittelalter als Symbol für Marktrecht und städtische Hochgerichtsbarkeit auf Marktplätzen in Europa errichtet wurden. Bremer Roland und Rathaus stehen als Welterbe der Menschheit unter Schutz, weil sie ein außergewöhnliches Zeugnis für bürgerliche Autonomie und Souveränität darstellen.

Das hölzerne Standbild, das sich ursprünglich an der Stelle des steinernen befand, wurde 1366 von Soldaten des Erzbischofs Adalbert II. verbrannt. Der danach errichtete, ebenfalls hölzerne Roland wurde 1404 durch die 5,5 m hohe steinerne Mantelstatue ersetzt. 1513 kamen der Baldachin sowie der Schild mit Doppeladler und Umschrift hinzu. Die Umschrift mahnt, Gott für die Freiheit zu danken, die Kaiser Karl der Stadt verliehen hat.

Die Säule misst vom Sockel bis zur Spitze des Baldachins 10,21 m. Der Überlieferung zufolge ist die Unabhängigkeit der Stadt nicht ernstlich gefährdet, solange der Roland auf dem Marktplatz steht. Als Ersatz liegt aber sicherheitshalber ein hölzerner Roland im Ratskeller bereit.

Schnoor

Mit ihren wie an einer »Schnur« (daher der Name) aneinander gereihten Häusern von mittelalterlichen Flussfischern, Handwerkern und Gewerbetreibenden ist die Schnoor Bremens eine wunderbar sanierte Mittelalter-Altstadt: Exklusive Läden, nostalgische Kneipen, Straßencafés und Restaurants laden in den schmalen Gassen zum Bummeln und Genießen ein. Die Bausubstanz stammt aus der Zeit ab dem 15. Jh., das Haus Nr. 15 ist inschriftlich auf das Jahr 1402 datiert.

Böttcherstraße

Die Laden- und Museumsmeile mit geschlossene Bebauung aus der Zeit des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, versetzt mit Jugendstildekor insbesondere von Worpsweder Künstlern, zieht alljährlich Millionen von Besuchern an. Finanziert wurde die Bebauung der 110 m langen »Kunstgasse« von dem Bremer Unternehmer Ludwig Roselius, dem Erfinder des entkoffeinierten Kaffees.

1904 erwarb er am platzartig erweiterten Knick der Böttcherstraße das Roseliushaus für seine Kaffee-Handels AG (Kaffee HAG); in diesem Giebelbau ist heute der größte Teil seiner Mittelalter-Sammlungen untergebracht, darunter Gobelins, Glasmalereien und Bilder von Lucas Cranach. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ Roselius die mittelalterlichen Häuser der Böttcher (Fassmacher) abreißen und durch Neubauten, teils in historisierender norddeutscher Backsteinarchitektur, teils im nüchtern-funktionalistischen Geschmack der Zeit, ersetzen. Führender Künstler war der schon auf der Mathildenhöhe und in Worpswede tätige Bernhard Hoetger.

Er erbaute u.a. das Paula-Becker-Modersohn-Haus (1926/27) als »antirational« expressiv konzipiertes Raumgefüge; es beherbergt die umfangreichste Sammlung von Werken des Dortmunder Bildhauers, Malers, Architekten und Designers. Die Schlachte ist seit ihrer Eröffnung im Jahr 2001 als Weserpromenade und »maritime Erlebniswelt« das zweite touristische Prunkstück Bremens neben der Altstadt.

An der autofreien Promenade zwischen Wilhelm-Kaisen- und Stephaniebrücke finden sich mehr als ein Dutzend Anleger für Restaurant-, Ausflugs-, Hotel-, Theater- und Traditionsschiffe. Die Schlachte war die Keimzelle der Stadt am Fluss: Jahrhundertelang befand sich hier der einzige stadtbremische Hafen, über den die Hansekoggen Ladung und Reichtum in die Stadt brachten. Im 19. Jh. verlor das Bremer Weserufer seine maritime Notwendigkeit, die Anleger und Werften blieben verfallende Erinnerung an eine Zeit des Wohlstands. Erst mit dem Jahrtausendwechsel ist die Schlachte wieder Herzstück geworden: eine Promenade zum Sehen und Gesehenwerden, eine Flaniermeile mit Sommergärten, Gastronomie und Kultur. Selbst das Wohnen am Fluss hat wieder an Wert gewonnen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied35 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBremen Hbf.
EndpunktBremer Schlachte; dort befindet sich der Einstieg in den Weser-Radweg.
TourencharakterGut ausgeschilderte Schlendertour, deren Höhepunkte direkt neben dem Radweg, jedoch fast alle in Fußgängerzonen liegen.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 29 Bremen und Umgebung (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
MarkierungenNamentliche Ausschilderung als »Bremer Stadtweg«.
VerkehrsanbindungDB-Linie Hamburg–Bremen. Mit dem Auto über die A1 Hamburg–Bremen– Ruhrgebiet.
Gastronomieauf Schritt und Tritt.
Tourismusbüro
Bremer Touristik-Zentrale, Findorffstraße 105, 28215 Bremen, Tel. 0 18 05/101030, Internet: www.bremen.de.
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