Radtour durch die Kendlmühlfilzn

Rundtour auf ausgeschilderten Rad- bzw. Wanderwegen, wenig Schatten. Kann ab Feldwies verkürzt werden (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
38 km
234 m
4.00 h
Unsere Radtour führt durch den westlichen Teil - durch die Kendlmühlfilzn und über den Westerbuchberg zum Chiemseeufer. Unterwegs gibt es den alten Torfbahnhof und das Museum Klaushäusl zu besichtigen, und entlang der Route erfreut die vielfältige Flora und Fauna des Hochmoors den Naturliebhaber. Zudem locken zahlreiche gute Badmöglichkeiten am Chiemseeufer zur Erfrischung, die wir mit dem Rad ganz stressfrei und ohne lästige Parkplatzsuche erreichen. Also Badesachen nicht vergessen! Grassau ist der Ausgangspunkt für diese Radtour. Vom öffentlichen Parkplatz hinter dem Gasthaus zur Post fahren wir durch die Obermoosbachstraße nach Obermoosbach und von dort auf der Birkenallee geradeaus ins Moor, die Kendlmühlfilzn. Ein Verbotsschild hindert uns am Geradeausweiterfahren, und das ist auch sinnvoll, denn die heutigen Wege waren einst Trassen der Feldbahn, die den Torf von den Abbaustellen zur Verladestation brachte. Die Gleise verlaufen immer noch mehr oder weniger eingewachsen und damit auch mehr oder weniger sichtbar im Boden und verursachen böse Stürze, wenn wir sie beim Radeln übersehen. Wer Lust hat, lässt das Rad hier kurz stehen und wandert etwa 15 Minuten geradeaus weiter bis zum Aussichtsturm, von dem aus man das Moor überblicken kann. Auf der einen Seite des Wegs hat sich das Moor bereits wieder regeneriert, und es ist ein kleiner See entstanden, der langsam zuwächst. Auf der anderen Seite sieht man doch deutlich die Spuren der Bagger, die den Torf abgegraben haben.
Wir kehren zu den Rädern zurück und biegen (von der ursprünglichen Fahrtrichtung aus gesehen) links ab und nach etwa 600 Metern nochmals links. Der Weg führt uns wieder aus dem Moorgebiet heraus und dann erneut rechts Richtung Rottau. Dort, wo der Weg am nächsten zur Fahrstraße verläuft, lädt uns das nur wenige Meter entfernte Technikmuseum Brunnhaus/Klaushäusl zu einem Besuch ein.
In Rottau fahren wir an der Kirche vorbei und folgen dann dem Achental-Radweg auf der Eichetstraße zur Bahnlinie München– Salzburg. Vor dem Übergang biegen wir rechts ab und erreichen, stets den Gleisen folgend, den Torfbahnhof, der jeden Samstag zwischen 14 und 16 Uhr besichtigt werden kann. Wir bleiben auf dem Weg, der sich nun von der Bahntrasse abwendet. Dann passieren wir einen großen Heustadel und die dortige Abzweigung nach links. Wir fahren weiter geradeaus und wählen erst die nächste Abzweigung links zum Wald. Vom Waldrand aus führt die Straße im Links-rechts-Knick auf den Bergrücken des Westerbuchbergs. Schon nach etwa 100 Metern stoßen wir auf eine Straße, die oben am Berg entlang führt. Wir wenden uns nach rechts, fahren durch eine kleine Mulde mit einer Abzweigung, zu der wir später zurückkehren werden, und kommen so direkt ins Dorf Westerbuchberg mit seiner mittelalterlichen Kirche. Ihr in der späten Gotik nur als Fresko an die Wand gemalter Altar der 14 Nothelfer ist einmalig, genauso wie der Blick über den Friedhof und die Kendlmühlfilzn hinweg auf die Kette der Chiemgauer Berge: Hochfelln und Hochgern, die Hochplatte und die Kampenwand stehen uns direkt gegenüber, und durch das Tal der Tiroler Ache glänzen die hellen Kalkwände des Kaisergebirges zu uns herüber.
Zurück an der Abzweigung erreichen wir in wenigen Minuten den Ort Übersee. Der Name stammt aus einer Zeit, in der das Wasser des Chiemsees noch fast bis an den Ortsrand reichte – von Norden aus gesehen lag der Ort »überm See«. Der Achental-Radwanderweg führt uns weiter nach Feldwies, und unter der Autobahn durch erreichen wir das Chiemseeufer. Unser Weg macht jetzt einen großen Bogen durch den westlichen Teil des Achendeltas. Wir fahren immer am Seeufer entlang, passieren das Strandbad, an dem wir beim Rückweg wieder vorbeikommen werden, und können an den vielen, extra ausgewiesenen Uferstellen eine Rast zum Baden einlegen.
Unser Weiterweg führt um die nördlichste Spitze des westlichen Achendeltas herum und an der kleinen Nikolauskapelle vorbei zum Vogelbeobachtungsturm Lachsgang, von wo aus sich die zahlreichen Wasservögel beobachten lassen, die im Mündungsgebiet der Tiroler Ache leben. Wir wenden uns nun vom See ab und fahren über die Felder auf die Ortschaft Seethal zu. Am Gasthof Sonnenhof vorbei erreichen wir wieder das Strandbad und von dort auf dem bekannten Weg unter der Autobahn hindurch Feldwies.
Im Ort fahren wir links zur Hauptstraße, folgen ihr gut 100 Meter nach rechts und radeln dann den Schildern »Grabenstätt « nach zur Tiroler Ache. Am Damm geht es jetzt rechts flussaufwärts; wir passieren die Bahnlinie, eine Straßen- und eine Fußgängerbrücke und überqueren schließlich den Fluss bei der nächsten Straßenbrücke. Von hier führt der Weg mehr oder weniger nah am Fluss entlang nach Staudach. Wir überqueren nochmals die Tiroler Ache und radeln neben der Fahrstraße zurück nach Grassau zu unserem Ausgangspunkt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour38 km
Höhenunterschied234 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortGrassau
AusgangspunktGrassau
EndpunktGrassau
TourencharakterNach der letzten Eiszeit war der Chiemsee sehr viel größer als heute und reichte im Süden bis an den Fuß der Berge. Bei der Verlandung im Lauf der Jahrtausende entstand ein ausgedehntes Moorgebiet, das die Tiroler Ache in zwei Teile trennt.
Hinweise
KartentippKompass 1 - 50 000, Blatt 10 Chiemsee
Markierungen
VerkehrsanbindungAuto. Über die A 8 München–Salzburg bis zur Ausfahrt Feldwies und weiter nach Grassau; Parkplatz hinter dem Gasthaus zur Post
GastronomieGasthäuser gibt es in jedem größeren Ort an der Strecke, besonders empfehlenswert - das Gasthaus Sonnenhof in Seethal
Tipps
Die Kendlmühlfilzn und der Torfbahnhof. Das riesige Moor zwischen Chiemsee und den Bergen entstand nach der Verlandung des südlichen Teils des Chiemsees nach der letzten Eiszeit. Die Bauern der Umgebung nutzten immer schon den Torf des Moors als willkommenes Brennmaterial, doch was sie entnahmen, spielte bei der Menge des Torfbestands und bei seinem jährlichen Zuwachs praktisch keine Rolle. Das änderte sich schlagartig, als man etwa ab der Mitte des 19. Jh. begann, den Torf industriell abzubauen. Um die gewaltigen Mengen abfahren zu können, wurde ein eigener Torfbahnhof gebaut. An ihm endeten die zahlreichen Feldbahnen, und hier wurde der Torf aufgearbeitet und in Eisenbahnwaggons umgeladen. Im letzten Drittel des 20. Jh. begann ein langsames Umdenken. Die Bevölkerung begriff, dass hier eine einmalige Landschaft unrettbar verloren ginge, würde man den Torfabbau im bisherigen Maßstab weiterbetreiben. Die Einsicht siegte, und 1988 erfolgte die Einstellung des Torfabbaus; 1992 wurde die gesamte Fläche unter Naturschutz gestellt. Die Renaturierung begann, und auch auf unserem kurzen Weg durchs Moor sind allenthalben wieder vernässte Flächen sichtbar, auf denen erneut Torf entsteht - 1mm pro Jahr! Der Torfbahnhof wird heute als Bayerisches Moor- und Torfmuseum geführt (Infos unter www.torfbahnhof-rottau.de). Vor allem für Kinder ist die Fahrt mit dem Feldbahnzug ein besonderes Erlebnis, und wir Erwachsene lernen, welch einmalige Landschaft so ein Moor ist und welch wichtige Aufgaben es für den Erhalt einer gesunden Umwelt übernimmt.
Verleih
Informationen
Alljährlich findet im August in Übersee der große »Chiemsee Reggae Summer« statt, ein Open-Air-Festival, das inzwischen jährlich mehr als 25 000 Besucher anzieht und somit das größte Reggae-Fest Europas ist, mit den bekanntesten Reggae-Künstlern der Welt. Man sollte die Karten möglichst schon im Vorjahr kaufen, denn sie sind sehr schnell ausverkauft.
Höchster Punkt
Unterkunft
Tourismusbüro
Touristinformation Grassau, Kirchplatz 3, 83224 Grassau, Tel. 08641/697960, www.grassau.de
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