Nach Bad Waldsee

Auf kleinen Nebenstraßen führt uns diese Tour durch die abwechslungsreiche Hügellandschaft Oberschwabens, von Ravensburg über Weingarten mit seiner weltberühmten Basilika bis nach Bad Waldsee. (Autor: Michael Graf, Paul Bickelbacher)
26 km
1030 m
2.00 h
Von Ravensburg nach Baindt: Wir verlassen Ravensburg durch das Frauentor, auf dem Radweg entlang der viel befahrenen Gartenstraße und später an der B30 bis Weingarten. Dabei bemerkt man kaum, dass man von einer Stadt in die nächste fährt, da die beiden mittlerweile fast zusammengewachsen sind. Die Basilika von Weingarten ist nicht nur die größte Deutschlands, sondern auch eine barocke Schöpfung europäischen Rangs. Mit ihren Ausmaßen von 102 m Länge und 66,75 m Kuppelhöhe ist sie in etwa halb so groß wie der Petersdom zu Rom. Die Welfenfürstin Judith schenkte dem dazugehörigen Benediktinerkloster im Jahr 1094 eine Heilig-Blut-Reliquie, die schnell zum Ziel einer Wallfahrt wurde. Das Kloster blühte und gedieh und wurde im 13.Jh. reichsfrei. Als ehemals reichstes Kloster Schwabens wurde es 1803 säkularisiert, jetzt beherbergt es wieder eine Benediktinerabtei. Die heutige Kirche wurde 1715 von Franz Beer begonnen und von Donato Giuseppe Frisoni aus Ludwigsburg vollendet. Im Inneren überwältigt zuerst der harmonische Raumeindruck. Die Stuckarbeiten von Franz Schmuzer, die Fresken des noch jungen Cosmas Damian Asam und die gewaltige Rokokokanzel des Weingartners Fidel Sporer, die förmlich um den Pfeiler herum drapiert ist, bestimmen das Bild. Auch das kunstvolle Chorgestühl des Joseph Anton Feuchtmayer verdient unsere Beachtung. Die berühmte Gabler-Orgel, hervorragend eingepasst in die Empore, ist eine der größten und klangvollsten Deutschlands. Die Heilig-Blut-Reliquie, die hinter Glas im Altar am Choreingang liegt, ist Anlass für den bekannten Blutritt von Weingarten. Er findet alljährlich am Freitag nach Christi Himmelfahrt statt, es nehmen mehrere Tausend Reiter teil. Dabei fällt in der Nacht auf den Freitag die Sperrstunde in Weingarten, da Teilnehmer während der ganzen Nacht ankommen. Um 4 Uhr am Blutfreitagmorgen wird die erste hl. Messe gefeiert, um 7 Uhr beginnt dann die Prozession. Mit den Reitern in Frack und Zylinder, den Fahnen und Standarten und den prächtig herausgeputzten Pferden, begleitet von Musikkapellen, ist der Blutritt ein beeindruckendes Schauspiel.Am Verkehrs- und Touristenamt am Münsterplatz vorbei in die Heinrich-Schatz-Straße. Dieser folgen wir nach Norden, weiter in die Bahnhofstraße, die sich in der Baienfurter Straße fortsetzt. Ab Trauben Radweg bis Baienfurt benutzen. Dort links ab, über die Wolfegger Ach und die belebte Bergatreuter Straße gegenüber in die Baindter Straße. Wir erreichen Baindt und bleiben auf dieser Straße, bis sie einen Knick nach links hinab macht. Will man die sehenswerte Kirche und Klosteranlage von Baindt besichtigen, muss man an dieser Stelle geradeaus die Gartenstraße und dann die Thumstraße hoch zur Kirche nehmen. Von der seit 1376 reichsunmittelbaren Zisterzienserabtei ist die einstige Größe nur noch zu erahnen. Erhalten geblieben sind der Südtrakt, einige Wirtschaftsbauten, der Pfarrhof und das Gästehaus. Die Pfarrkirche geht auf das 13. Jh. zurück. Sehenswert ist v. a. das ausdrucksvolle Pestkreuz im linken Seitenschiff aus dem 14. Jh. Von Baindt nach Bad Waldsee: Sonst folgen wir der Straße nach links, am Kreisverkehr Richtung Sulpach und die B30 unterqueren. Nach rechts in die alte Dorfstraße, die durch Sulpach hindurchführt. An der größeren Straße nach rechts auf die zwei Gehöfte zu. Dort geht rechts ein Kiesweg, die Kümmerazhoferstraße, ab, der zum Wald führt. Am Waldanfang zweigt links der beschilderte Kiesweg nach Mochenwangen ab. Dieser verläuft schnurgerade durch den schönen Sulpacher Wald. Beim Abenteuerspielplatz links, gleich wieder rechts und noch vor der Eisenbahnbrücke nochmals rechts. Auf einem Kiesweg parallel zur Bahnlinie im einsamen, waldigen Tal des Schussentobel ca. 10 km bis nach Durlesbach. Dort steht links, vor dem ehemaligen Bahnhof, eine Schmalspurlok mit zwei Wagen. Dahinter geht es rechts Richtung Reute. In Reute immer geradeaus, an der Kirche zur Guten Beth vorbei. Anschließend führt ein Radweg auf der rechten Straßenseite bis nach Bad Waldsee. Der Name der Stadt Waldsee geht nicht, wie man vermuten würde, auf die umgebenden Wälder zurück, sondern stammt von Walchen, Wälschen oder Welschen und bezeichnet die Fremden, wahrscheinlich die mit der keltischen Restbevölkerung vermischten Alemannen, die sich hier niederließen. Bad Waldsee gehörte, wie andere Städte Oberschwabens, bis 1806 zu Vorderösterreich. Die Altstadt liegt zwischen dem Schlosssee und dem Stadtsee, die doppeltürmige Barockkirche prägt deren Stadtbild. Innen wirkt v. a. der mächtige Hochaltar von Dominikus Zimmermann mit seltenen Scagliola-Stuckarbeiten (Stuckmarmor- intarsien). Im linken Seitenschiff ist das überlebensgroße vergoldete Bronzeepitaph des Truchsessen Georg I. von Waldburg zu bewundern. Es stellt eine der bedeutendsten Plastiken der Frührenaissance im deutschen Südwesten dar. Im Stadtzentrum ist das gotische Rathaus mit dem festlichen Fassadengiebel eindrucksvoll. Als einziger Überrest der Stadtbefestigung blieb nur das Wurzacher Tor im Südosten der Altstadt erhalten. Das Wasserschloss, aus einer früheren Wasserburg hervorgegangen, beherbergt heute eine Management-Schule und ist nicht zugänglich.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied1030 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktRavensburg, Frauentor.
EndpunktBad Waldsee, Bahnhof.
TourencharakterLeicht hügelig, landschaftlich sehr abwechslungsreich.
Beste Jahreszeit
KartentippBodensee Gesamtgebiet, 1:75 000, Kompass.
MarkierungenLokal.
VerkehrsanbindungAnreise Mit der Bahn über Friedrichshafen oder Ulm. Verkehrsverbindungen Von Ravensburg bestehen Bahnverbindungen nach Friedrichshafen und Ulm und von Bad Waldsee nach Kißlegg und Wangen bzw. nach Aulendorf und von dort aus zurück nach Ravensburg.
GastronomieZahlreiche Gaststätten in Ravensburg und Bad Waldsee.
Verleih
Bahnhof in Ravensburg.
Unterkunft
Jugendherberge in Ravensburg.

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