Radtour im Ruhrgebiet

Gruga, Margarethenhöhe und Folkwang

Die Rundtour führt uns zu drei wichtigen Sehenswürdigkeiten im Essener Süden: Der bekannte Gruga-Park ist ein Familienparadies, die Margarethenhöhe die schönste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet und das Museum Folkwang ein wahrer Kunstgenuss. Die alte Bahntrasse ist ein idealer Radweg. (Autor: Matthias Eickhoff)
16 km
60 m
1.00 h

Von Essen-Rellinghausen über Rüttenscheid zur Margarethenhöhe und zurück

Ungeteerter, aber guter Radweg von Pellinghausen über die ehemalige Bahntrasse Steele-Heissen langsam bergan nach Rüttenscheid. Am ehemaligen Bahnhof Rüttenscheid (jetzt Gruga-Parkplatz) geradeaus, vorbei an Messe Essen bis Gruga-Eingang Orangerie. Der Gruga-Park gehört zu den bekanntesten Parks im Ruhrgebiet. Er entstand 1929 aus der »Großen Ruhrländischen Gartenbauausstellung«, kurz Gruga, und ist satte 65 ha groß. In dem weitläufigen Landschaftspark gibt es unterschiedlichste Bereiche mit Tropenhäusern, Mittelmeergarten, Alpenbereich und einem kleinen See.

Der Grugapark ist vor allem für seine farbenprächtige Blumenvielfalt bekannt. Vogelvolieren, ein Wildgehege, Gewächshäuser, Kunstobjekte, eine Wellness-Einrichtung und diverse Spielplätze runden das Vergnügen ab. Dazu kommen zahlreiche Sonderveranstaltungen und Ausstellungen. Einen ersten Überblick verschafft die Gruga-Bahn, die regelmäßig über das Gelände tourt. In der Gruga kann man ohne Probleme einen Tag verbringen.

Hundertwasserhaus

Gleich am Eingang Orangerie befindet sich ein nettes Restaurant (Virchowstr. 167, Tel. 0201/888 31 06, www.grugapark.de, tgl. 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit). Geradeaus über Radtrasse weiter bis Hundertwasserhaus. 2005 entstand das gelbe Hundertwasserhaus zur Linken als Rückzugsort für Familien schwerkranker Kinder. Das Uni-Klinikum liegt gleich rechts. 2007 wurde das Haus beim Wettbewerb »Deutschland – Land der Ideen« ausgewählt.

Nach 550 m links von Radtrasse und sofort rechts auf Waldweg. Vor Brücke links bergan zur Stensstraße. Schräg rechts zum Torhaus der Margarethenhöhe. Links durch das Torhaus über die Steile Straße bergan bis zum Kleinen Markt.

Die Margarethenhöhe

Im rapide wachsenden Ruhrgebiet war die Wohnungsknappheit ein drängendes Problem. Neuer Wohnraum wurde von Firmen und Zechen sehr häufig siedlungsweise erschlossen, um die eigenen Arbeiter unterzubringen. An der Margarethenhöhe entstand vor diesem Hintergrund zwischen 1909 und 1931 der Prototyp einer Gartensiedlung.

Angestoßen wurde der Siedlungsbau 1906 von Margarethe Krupp, der Witwe von Friedrich Alfred Krupp. Anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha rief sie eine Stiftung ins Leben und stellte 50 ha Land zur Verfügung. Die Pläne lieferte der Architekt Georg Metzendorf, der vor allem im ersten Bauabschnitt sehr individuelle Häuser mit großen Gärten schuf. Die Häuser waren für damalige Zeiten sehr modern ausgestattet. Am Kleinen Markt fallen die Häuser mit Laubengängen auf und gegenüber vom Hotel Margarethenhöhe schließt die wuchtige ehemalige Kruppsche Konsumanstalt den Platz ab.

Nach dem Ersten Weltkrieg vereinfachte sich der Baustil deutlich, doch am Ende konnten 16 000 Menschen auf der Margarethenhöhe wohnen. Das Besondere daran war, dass auch Nicht-Kruppianer zugelassen waren. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die Siedlung weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut und hat so ihren einzigartigen Charakter bewahrt.

Zurück zur Radtrasse und zum ehemaligen Bahnhof Rüttenscheid. Dort rechts hoch zur Wittekindstraße und rechts zur Brücke Rüttenscheider Straße. Rechts entlang der Rüttenscheider Straße bis zur Siechenkapelle. Die kleine, gelbe Siechenkapelle zur Rechten ist leicht zu übersehen. Sie ist das älteste Gebäude in Rüttenscheid und stammt aus dem Jahr 1445. Damals war das Gelände hier noch waldig und ein Areal für Aussätzige und Leprakranke. Die Funktion als Leprastation behielt das Gebäude bis 1726. Rüttenscheid wurde 1905 zu Essen eingemeindet und entwickelte sich zu einem der angesagtesten Wohnviertel der Stadt.

Museum Folkswang

Die belebte Rüttenscheider Straße (kurz: RÜ) ist voller Cafés und Restaurants, die auch abends für viel Stimmung sorgen. Weiter zum Rüttenscheider Stern. Geradeaus und hinter Café Kötter links in Kahrstraße. Über Ampelkreuzung und hinter Museum Folkwang rechts zum Eingang (Goethestraße). Das international renommierte Museum Folkwang verfügt über eine der besten Sammlungen der klassischen Moderne Deutschlands. In seinen Beständen finden sich hochkarätige Werke von van Gogh, Cézanne, Gauguin, Monet, Beckmann, Renoir und Picasso.

Regelmäßig finden überregional bedeutende Sonderschauen statt.Gegründet wurde das Museum 1902 in Hagen von Karl Ernst Osthaus. 1922 gelangte die Sammlung nach seinem Tod nach Essen, wo sie seit 1929 ausgestellt ist. Schweren Schaden fügten die Nazis dem Museum zu, da ihnen viele Künstler als »entartet« galten. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es jedoch, erneut eine international beachtliche Sammlung aufzubauen. Hinzugekommen sind inzwischen repräsentative Werke aus der Zeit nach 1945 sowie eine Fotografiesammlung.

2007 musste das benachbarte Ruhrlandmuseum weichen, da bis 2010 ein Neubau die Ausstellungsfläche des Museums Folkwang beträchtlich erweitern soll. Finanziert wird das Vorhaben allein von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Bis zur Wiedereröffnung sind wichtige Werke der Sammlung in der Villa Hügel ausgestellt. Seit Anfang 2008 werden im Altbau Sonderausstellungen gezeigt (Goethestr. 41, Tel. 0201/884 53 14, www.museum-folkwang.de).

Rückweg zum Rüttenscheider Bahnhof wie Hinweg. Von dort über Radtrasse gemütlich zurück nach Rellinghausen zum Ruhrtal Radweg runterrollen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied60 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktEssen-Rellinghausen
TourencharakterBis Margarethenhöhe geschotterter Radweg über alte Bahntrasse durch grüne Lunge, davon 3,5 km stetiger, aber mäßiger Anstieg; an Rüttenscheider Straße auch Radweg; auf Rückweg lange Abfahrt.
Beste Jahreszeit
MarkierungenÖrtliche Schilder bis Margarethenhöhe und auf Rüttenscheider Straße.
VerkehrsanbindungBahn: Kein öffentlicher Nahverkehr; S-Bahn (S 1/3/9) bis Steele, dann zum RTRW und nach Rellinghausen.
Auto: Von A 52 Abfahrt Essen-Bergerhausen und B 227 bis Rellinghausen; kleiner Parkplatz an der Zornigen Ameise.
GastronomieEssen-Rellinghausen: Drago-Restaurant Zornige Ameise, Zornige Ameise 3, Tel. 0201/44 30 40 (gemütliches Restaurant mit mehr als nur Steaks, auch Sommerterrasse). Essen-Gruga: Restaurant-Café Orangerie, Virchowstr. 167, Tel. 0201/615 37 00 (leckere türkische und mediterrane Küche am Orangerie-Eingang zur Gruga). Essen-Margarethenhöhe: Mintrops Stadt Hotel (s. Übernachten). Essen-Rüttenscheid: Café Kötter, Rüttenscheider Str. 73, Tel. 0201/77 54 59 (freundliches Café mit langer Tradition). Marabus-Eis-Cafe / Bistro (Laubenweg 8, 45149 Essen-Margarethenhöhe, T 0201-4386332). Neben einem sehr umfangreichen und leckerem Angebot an bis zu 50 verschiedenen Eisbechern, einem sehr großen Bistroangebot und vielen Crepe-Variationen ist dieses Eis-Cafe noch aus einem anderen Grunde sehr interessant:Auf einer Fläche von 80 qm hat die Inhaberin des Eiscafe's ein Airbrush-Kunstwerk ganz besonderer Art geschaffen. Mit viel Liebe zum Detail hat sie eine afrikanische Steppe unter einem weiten Himmel an Wand und Decke aufgebracht.
Verleih
Essen: Fahrradies, Frankenstr. 40–46, Tel. 0201/430 81 60.
Informationen
Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Der Neubau des Museums Folkwang steht in Zusammenhang mit einem kulturellen Großereignis, das 2010 die internationale Aufmerksamkeit auf das Ruhrgebiet lenken wird: Gemeinsam mit dem südungarischen Pécs und Istanbul werden Essen und das Ruhrgebiet als Europäische Kulturhauptstadt ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken. Ausgezeichnet werden damit u. a. die enorme kulturelle Vielfalt des Ruhrgebiets und das reiche Erbe der Industriekultur. Allein in Essen, das sich für die Region erfolgreich um den prestigeträchtigen Titel beworben hat, finden sich mit der Villa Hügel, der Abtei Werden, dem Museum Folkwang, dem Essener Domschatz und dem UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein bedeutende Kulturschätze. Dazu kommen eine dichte Theaterszene und immer wieder frische Events, wie die Love Parade, die 2007 zum ersten Mal im Revier die Boxen aufdrehte. Für 2010 ist ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm zu erwarten.
Unterkunft
Essen-Margarethenhöhe: Mintrops Stadt Hotel Margarethenhöhe, Steile Str. 46, Tel. 0201/438 60, www.margarethenhoehe.com (gehobenes Hotel am Kleinen Markt, auch fesches Restaurant und Café-Terrasse).
Tourismusbüro
Essen: Am Hauptbahnhof 2, 45127 Essen, Tel. 0201/19433, touristikzentrale@essen.de, www.essen.de

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