Durch die Kendlmühlfilzn zum Chiemsee

Schöne Rundtour durch ein Moorgebiet, dann am Chiemseeufer entlang und zurück neben der Tiroler Ache. Fast ausschließlich ausgeschilderte Rad- bzw. Wanderwege, oft ungeteerte Nebenstraßen, relativ sonnig. Die Tour lässt sich – z. B. wenn man mit Kindern unterwegs ist – ab Feldwies verkürzen. (Autor: Lisa und Wilfried Bahnmüller)
39 km
100 m
3.00 h
Grassau ist der Ausgangspunkt unserer heutigen Radtour. Vom öffentlichen Parkplatz hinter dem Gasthaus zur Post fahren wir durch die Obermoosbachstraße nach Obermoosbach und von dort auf der Birkenallee geradeaus in das Moor. Ein Verbotsschild hindert uns, geradeaus weiterzufahren. Das ist auch sinnvoll, denn die heutigen Wege waren einst Trassen der Feldbahn, die den Torf von den Abbaustellen zur Verladestation brachte. Die Gleise liegen immer noch mehr oder weniger eingewachsen im Boden und können böse Stürze verursachen. Wir biegen links ab und nach ca. 600 m nochmals links. Der Weg führt uns wieder aus dem Moorgebiet hinaus, dann rechts Richtung Rottau. Dort, wo er am nächsten an die Fahrstraße herankommt, lädt uns das nur wenige Meter entfernte Technikmuseum Brunnhaus zu einem Besuch ein. Nach Westerbuchberg: In Rottau fahren wir an der Kirche vorbei und folgen dann dem Achental-Radweg auf der Eichetstraße zur Bahnlinie München–Salzburg. Vor dem Übergang biegen wir rechts ab und erreichen stets den Gleisen folgend den Torfbahnhof, der jeden Samstag zwischen 14 und 16 Uhr besichtigt werden kann. Wir bleiben auf dem Weg, der sich jetzt von der Bahntrasse abwendet. Dann passieren wir einen großen Feldstadel und die dortige Abzweigung nach links. Wir wählen den nächsten Abzweig links zum Wald. Vom Waldrand aus führt die Straße im Links-rechts-Knick auf den Bergrücken des Westerbuchberges. Schon nach etwa 100 m stoßen wir auf eine Straße, die oben am Berg entlangführt. Wir wenden uns nach rechts, fahren durch eine kleine Mulde mit einer Abzweigung, zu der wir später zurückkehren werden, und kommen so direkt in das Dorf Westerbuchberg mit seiner mittelalterlichen Kirche. Ihr in der späten Gotik nur als Fresko an die Wand gemalter Altar der 14 Nothelfer ist einmalig, genauso wie der Blick über den Friedhof und die Kendlmühlfilzn auf die Kette der Chiemgauer Berge.Zum Chiemsee: An der Abzweigung zurück, erreichen wir in wenigen Minuten den Ort Übersee. Der Name stammt aus einer Zeit, in der das Wasser des Chiemsees noch fast bis an den Ortsrand heraneichte. Von Norden aus gesehen war das der Ort »Überm See«. Der Achental-Wanderweg führt uns weiter nach Feldwies. Unter der Autobahn hindurch erreichen wir den Chiemsee. Unser Weg macht jetzt einen großen Bogen durch den westlichen Teil des Achendeltas. Wir fahren immer am Seeufer entlang, passieren das Strandbad, auf das wir beim Rückweg wieder treffen werden, und können an einer der vielen eigens dafür ausgewiesenen Uferstellen eine Rast zum Baden einlegen. Unser Weiterweg führt um die nördlichste Spitze des westlichen Achendeltas herum und an der kleinen Nikolauskapelle vorbei zum Vogelbeobachtungsturm Lachsgang. Von hier aus lassen sich die zahlreichen Wasservögel beobachten, die im Mündungsgebiet der Tiroler Ache leben. Jetzt wenden wir uns vom See ab und fahren über die Felder auf die Ortschaft Seethal zu. Am Gasthof Sonnenhof vorbei erreichen wir wieder das Strandbad und von dort auf dem bekannten Weg unter der Autobahn hindurch Feldwies.Zurück nach Grassau: In Feldwies fahren wir links zur Hauptstraße, folgen ihr für gut 100 m nach rechts und radeln dann der Beschilderung »Grabenstätt« nach zur Tiroler Ache. Am Damm geht es jetzt rechts flussaufwärts, wir passieren die Bahnlinie, eine Straßenbrücke und eine Fußgängerbrücke und überqueren schließlich den Fluss bei der nächsten Straßenbrücke. Von hier führt der Weg mehr oder weniger nah am Fluss entlang nach Staudach. Wir überqueren nochmals die Tiroler Ache und radeln neben der Fahrstraße zurück nach Grassau.

Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour39 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGrassau, Parkplatz Nähe Pfarrkirche hinter dem Gasthof zur Post
EndpunktGrassau
TourencharakterNach der Eiszeit war der Chiemsee sehr viel größer als heute. Im Süden reichte er bis an den Fuß der Berge. Bei der Verlandung im Laufe der Jahrtausende ist ein ausgedehntes Moorgebiet entstanden, das die Tiroler Ache in zwei Teile trennt. Unsere Radtour führt durch den westlichen Teil, durch die Kendlmühlfilzn zum heutigen Chiemseeufer.
Hinweise
DIE KENDLMÜHLFILZN UND IHR TORFBAHNHOF. Die Kendlmühlfilzn, das riesige Moor zwischen dem Chiemsee und den Bergen, entstand nach der Verlandung des südlichen Sees nach der letzten Eiszeit. Die Bauern der Umgebung nutzten immer schon den Torf des Moores als willkommenes Brennmaterial. Ursprünglich spielten die Mengen, die sie entnahmen, angesichts des jährlichen Zuwachses praktisch keine Rolle. Das änderte sich schlagartig, als man etwa ab der Mitte des 19. Jh. begann, den Torf industriell abzubauen. Um die gewaltigen Mengen abtransportieren zu können, wurde sogar ein eigener Torfbahnhof gebaut. An ihm endeten die zahlreichen Feldbahnen, hier wurde der Torf aufgearbeitet und in Eisenbahnwaggons umgeladen. Im letzten Drittel des 20. Jh. begann ein langsames Umdenken. Die Bevölkerung begriff, dass hier eine ein-malige Landschaft unrettbar verloren wäre, wenn der Torfabbau im bisherigen Maßstab weiterbetrieben würde. Diese Einsicht führte dazu, dass 1988 der Torfabbau eingestellt und 1992 die gesamte Fläche unter Naturschutz gestellt wurde. Inzwischen hat die Re-naturierung begonnen, und selbst auf unserem kurzen Weg durch das Moor können wir allenthalben wieder vernässte Flächen erkennen, auf denen erneut Torf entsteht: 1 mm pro Jahr!Der Torfbahnhof wird heute als Bayerisches Moor- und Torfmuseum geführt, die Öffnungszeiten für geführte Besichtigungen erfährt man über die Tourist-Info Grassau. Für Kinder ist vor allem die Fahrt mit dem Feldbahnzug ein besonderes Erlebnis, und wir Erwachsene lernen, welch einmalige Landschaft so ein Moor ist und welch wichtige Aufgaben ihm beim Erhalt einer gesunden Umwelt zukommen.
KartentippBayerisches Landesvermessungsamt, Chiemsee und Umgebung, 1:50 000
VerkehrsanbindungAuf der A 8 München–Salzburg, Ausfahrt Feldwies, und weiter nach Grassau.
GastronomieZahlreiche Gasthäuser am Weg, besonders gut hat uns das Gasthaus und Hotel Sonnenhof in Seethal gefallen.
Tipps
BADEMÖGLICHKEITEN: Am Chiemsee im Strandbad und an den zum Baden freigegebenen Uferstellen

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Wilfried und Lisa Bahnmüller

Radeln am Wasser im Allgäu

Forggensee, Alpsee, Hopfen- oder Grüntensee sind immer einen Badestopp wert. Doch lohnt es sich, vor dem erfrischenden Sprung ins kühle Nass die welligen Hügel des Allgäus mit den Kuhweiden und Almen zu erkunden. Lisa Bahnmüller hat die schönsten Touren entlang von Flüssen und Bächen, durch Berge und Täler recherchiert – reich bebildert und kundig beschrieben. Mit allen wichtigen Infos für unterwegs.

Jetzt bestellen
Tags: