In die Domstadt an der Aller

überwiegend Asphalt- und Wirtschaftswege im Grünland. (Autor: Bernhard Pollmann)
55 km
180 m
5.00 h
Nienburger Brücke Eine Fußgängerbrücke verbindet den autofreien We- serwall am Flussufer der Nienburger Altstadt mit dem Stadtteil am West-ufer der Weser. Im 18. Jh. wurde an dieser Stelle als Spende von König
Georg von Großbritannien eine erste steinerne Weserbrücke errichtet.
Bis Ende des 19. Jh. war diese Weserüberquerung die einzige im Umkreis. Als wenige hundert Meter weserabwärts eine größere Brücke gebaut wurde, entstand hier eine erste Fußgängerbrücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der brückenlose Zustand an dieser Stelle dauerte fast
60 Jahre. Kurz nach Überqueren der Weser auf der Fußgängerbrücke wechselt der Weser-Radweg rechts in die Oyter Straße, hinter der Brückenstraße übergehend in Am Haakenwerder und auf Feldwegen zwischen Baggerseen und dem Fluss entlang. Hinter der Bundesstraße geht es durch ein Naturschutzgebiet in das Kirchdorf Marklohe.Marklohe und Schweringen Das Kirchdorf Marklohe mit der im Sommer viel besuchten Freilichtbühne ist das Zentrum einer Samtgemeinde, in der die Moorgeest zu Kurzwecken genutzt wird: Im Ortsteil Blenhorst gibt es einen staatlich anerkannten Moorkur- und Badebetrieb. In Marklohe findet sich auch ein Freibad. Vom Ortskern bei der Clemens-RomanusKirche führt der Weser-Radweg wieder hinaus in die Feldflur, passiert das pittoreske Dorf Schweringen mit der einzigen Fähre der Mittelweser, dann tauchen schon die Türme der Stiftskirche von Bücken aus der Feldflur auf.Stiftskirche Bücken Der Flecken Bücken in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya verfügt mit der ehemaligen Stiftskirche St. Materniani et Nicolai über ein kunstgeschichtliches Kleinod, den »Dom der Mittelweser«. Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit ihrer 52,2 m hohen Doppelturmfront zählt zu den bedeutendsten romanischen Bauten Niedersachsens: Die
Triumphkreuzgruppe im Inneren (um 1260) ist ein Hauptwerk norddeutscher Holzbildhauerei, die gotischen Glasfenster mit Szenen aus dem Leben der Kirchenpatrone Maternian und Nikolaus sowie aus dem Leben Christi enthalten die eindrucksvollsten niederdeutschen Glasmalereien des 13. Jh., der prächtige spätgotische Schnitzaltar ist 6 m hoch und 5,5 m breit. Erzbischof Rimbert von Bremen gründete das Stift 882 als Missionszentrum zur Christianisierung der germanischen Sachsen. Die Mönche, die er losschickte, um einen geeigneten Ort zu finden, wanderten mit einem Esel los und baten um ein göttliches Zeichen: Wo sich der Esel »bücken« würde, sollte das Stift entstehen. Während der Normanneneinfälle suchten die Erzbischöfe hier Zuflucht. Im Mittelalter wurde an zwölf Nebenaltären die Messe gelesen. Um das Stift herum entstand der Flecken Bücken. Nach der Reformation verfiel das reiche Stift, seine Kunstschätze wurden verschleudert, die goldenen und silbernen Gefäße in Münzen umgeschmolzen. Der völlig verwahrloste, teilweise als Steinbruch genutzte und verfallene Kirchenbau wurde zur Zeit der deutschen Nationalromantik 1863–1868 wiederaufgebaut und restauriert. Von Bücken führt der Weser-Radweg in einer knappen halben Stunde durch die Feldflur weiter nach Hoya. Die Stadt Hoya mit ihren Fachwerkhäusern des 17. Jh. ist das
Zentrum der Samtgemeinde Grafschaft Hoya an der mittleren Weser. An der Stelle der ehemaligen Burg der im Mittelalter wegen ihrer höfischen Kultur weithin berühmten Grafen von Hoya steht heute das Amtsgericht. Aus der ehemaligen Burgkapelle ging die am Ostufer stehende evangelische Martinskirche hervor, die heute als Kulturzentrum genutzt wird: In diesem spätmittelalterlichen, 1750–1752 barockisierten Sakralbau können die Gäste zu Rockmusik wippen, Vorträgen lauschen oder sich bei Kabarettveranstaltungen amüsieren; auch Zauberer, Jongleure u.a. Kulturschaffende treten in dem einstigen Gotteshaus auf. Als die Grafen von Hoya noch lebten, wird der Ort in dem Epos »Der jüngere Titurel« (vor 1272) als nördlichster Vorort höfischer Kultur gepriesen. Die Grafen von Hoya gründeten Burg und Kirche auf einer Insel in der Weser. Nach dem Aussterben der Grafen 1503 teilten sich die Welfen das Territorium. Im 17. Jh. entledigte sich der Ort durch Zuschütten eines der Flussarme seiner Inselnatur, sodass die Weser seither mitten durch die Stadt fließt.
Von Hoya führt der Weser-Radweg weiter durch die Feldflur, ein besonders schöner Rastplatz ist der von alten Bäumen gesäumte Alveser See, in dem auch gebadet werden kann und an dem es zwei Campingplätze gibt. Verden Kurz hinter dem Kirchdorf Oiste überquert der Weser-Radweg die Weser und führt ostwärts ins Allertal: Auf der autofreien Allerbrücke geht es hinüber in die niedersächsische Kreisstadt Verden an der Aller. Die Domstadt liegt am Südwestrand der Lüneburger Heide. Mit ihren Backstein- und Fachwerkbürgerhäusern des 16.–19. Jh. und dem gotischen Dom am Lugenstein sowie einem vielfältigen kulturellen und Freizeitangebot (Freizeitpark Verden, Ausflugsschifffahrt und Wasserwandermöglichkeiten auf Aller und Weser, Aller- und Weser-Radweg, Sachsenhain, Deutsches Pferdemuseum, Historisches Museum mit der ältesten Lanze der Welt) zählt die »Pferdestadt« zu den City-Highlights am Weser-Radweg. Der evangelische Verdener Dom Sanct Maria und Caecilia (1290–1490), eine dreischiffige gotische Hallenkirche, zählt zu den markantesten Backsteinkirchen Norddeutschlands. Er wurde als Nachfolger eines 1028 geweihten romanischen Doms errichtet, von dem der in Portasandstein erbaute Glockenturm der einzige aufrecht stehende Bauteil ist.
Verden liegt an einer seit der Steinzeit genutzten Allerfurt, die der Stadt den Namen gegeben hat: Der im Jahr 782 erstmals belegte Name »Ferdi«, aus dem der heutige Stadtname Verden entstand, bedeutet »Furt«. Das Historische Museum Domherrenhaus in einer 1708 errichteten herrschaftlichen Hofanlage enthält kulturgeschichtliche und volkskundliche Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte Verdens und der Region, zur Verdener Stadtgeschichte und zur Wohn- und Alltagskultur des 18. und 19. Jh., darunter komplette Werkstätten des traditionsreichen städtischen Handwerks (mit Zinnfiguren-Kabinett). Von überregionaler Bedeutung sind die so genannten Lehringer Funde. Im Beckmann-Zimmer des Museums sind auch standesamtliche Trauungen möglich. Südlich des Doms steht die romanische Andreaskirche, im 12./13. Jh. als Chorherrenstiftskirche errichtet, seit der Reformation evangelisch. Zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken zählt die Messinggrabplatte des Bischofs Yso († 1231); sie zeigt die lebensgroße Figur des Bischofs in vollem Ornat; in der Rechten hält Yso ein Modell der Andreaskirche, die von einem Turm überragte Stadtmauer in seiner Linken weist ihn dagegen als Bauherrn der Norderstadt-Stadtmauer aus.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour55 km
Höhenunterschied180 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWeserwall beim Rathaus an der Flussseite der Nienburger Altstadt. Vom nahen Bahnhof durch die Wilhelmstraße zur Altstadt radeln und durch die Fußgängerzonen weserwärts schieben mit dem Spitzhelm der Martinskirche als Orientierungspunkt.
EndpunktDB-Bahnhof Verden (Aller). Bis Verden gibt es am Weser-Radweg keinen Bahnhof.
TourencharakterEs geht durch landwirtschaftlich geprägtes Tiefland mit nur wenigen Kirchdörfern. Die Stiftskirche des Fachwerkdorfs Bücken und die alte Grafenstadt Hoya bilden die Hauptsehenswürdigkeiten vor Erreichen der Domstadt an der Mündung der Aller.
Beste Jahreszeit
KartentippRadwanderkarte Niedersachsen 1: 75000 Blatt 17 Mittelweser (Landesvermessung + Geobasisinformation Niedersachsen).
VerkehrsanbindungDB-Linie Minden (Westf)– Nienburg (Weser)–Verden (Aller).
Gastronomiein allen Orten am Weg.
Informationen
Die Geschichte Verdens: Die ältesten Siedlungsspuren in Verden datieren aus der Zeit um 500 v. Chr. In germanischer Zeit befand sich oberhalb der Furt eine Thing- und Kultstätte am Lugenstein, einem Findling auf einem steilen Geestvorsprung über dem Allertal. Wie viele andere bedeutende germanische und keltische Kultplätze wurde auch dieser christianisiert: Wo einst der Lugenstein lag, befindet sich heute der »Am Lugenstein« genannte Domplatz, überragt vom mächtigen Bau des gotischen Doms Maria und Caecilia. Das Wort »lug« in »Lugenstein« bezieht sich nicht auf den keltischen Gott Lug, sondern wird mit einem altnordischen Wort »log« in Zusammenhang gebracht, das zugleich »Gericht«und »Gerichtsbezirk« bedeutet und sich im Englischen als »law« = Gesetz erhalten hat; die älteste Schreibweise lautet »loegsteen«. Nach der Eroberung durch Karl den Großen war Verden Vorort des Sturmigaus, mit dessen Missionierung Karl Mönche aus den ostfränkischen Klöstern Amorbach im Odenwald und Neustadt am Main betraute. Die erste Kirche, ein karolingischer Holzbau, wurde dem heiligen Andreas geweiht und 849 durch König Ludwig den Deutschen zum Sitz eines Bischofs erhoben. Der romanische Kirchenneubau wurde 1028 geweiht, wobei das Patrozinium auf Maria und Caecilia überging, während die um 1210 südlich des Doms errichtete romanische Kirche das Andreaspatrozinium erhielt. Im Mittelalter bestand Verden aus der Bischofsstadt (»Süderstadt«) und der rund um einen karolingischen Königshof enstandenen Bürgerstadt (»Norderstadt«). Bischof Yso verlegte in den 1220er-Jahren die bischöfliche Residenz in den ehemaligen Königshof und ließ die Norderstadt mit einer Mauer umgeben; diese Stadtmauer trennte auch die Norder- und die Süderstadt. 1235 ist für die Norderstadt erstmals eine Ratsverfassung bezeugt. 1259 erhielt die Norderstadt durch den Bischof Stadtrecht, 1521–1524 war sie sogar Freie Reichsstadt, allerdings gehörte sie nie der Hanse an. Nach der Reformation wurde 1570 das lutherische Bekenntnis endgültig bestätigt, die letzten Hexenverbrennungen fanden 1617 und 1646 statt. 1676 fiel die trennende Stadtmauer, die Süderstadt wurde in die Norderstadt eingemeindet.
Tourismusbüro
Mittelweser-Touristik, Lange Straße 18, 31582 Nienburg (Weser), Tel. 05021/917630, Internet www.nienburg.de; Tourist-Information Samtgemeinde Marklohe, Rathausstraße 14, 31608 Marklohe, Tel. 0 50 21/6 0250, Internet www.marklohe.de; Grafschaft Hoya, Schlossplatz 2, 27318 Hoya, Tel. 0 42 51/8150, Internet www.hoya-weser.de; Tourist-Information Verden, Holzmarkt 15, 27283 Verden (Aller), Tel. 0 42 31/807180, Internet www.verden.de.
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