Ausflug ins markgräfliche Ansbach

In der Stadt des fränkischen Rokoko machen wir Bekanntschaft mit schönen Kirchen, der markgräflichen Residenz, dem Markgrafenmuseum und mit Kaspar Hauser, dem Findelkind Europas. Zum Ausgleich radeln wir dann aufs Land und besuchen die kleine Bilderbuchstadt Wolframs-Eschenbach.
GPS-Track beinhaltet nur die Radtour (Autor: Armin Scheider)
25 km
345 m
2.00 h
Bummel durch Ansbach. Urzelle der Stadt war ein 748 gegründetes Benediktinerkloster, erstmals genannt wurde die Stadt 1221. Als Stadtherren fungierten in den folgenden Jahrhunderten die Staufer und ab 1331, als Stadt und Stift hohenzollerisch wurden, bis 1791, also über 450 Jahre, die Nürnberger Burggrafen respektive Brandenburger Markgrafen. 1456 kam das kaiserliche Landgericht nach Ansbach, die Stadt wurde Residenz und 1525 protestantisch. Anfang des 18. Jh. erfolgte der Umbau der Stadt zur barocken Residenz. 1792 schließlich wurde Ansbach nach Thronverzicht des Markgrafen preußisch und fiel 14 Jahre später endgültig an Bayern.Ausgangspunkt des Stadtrundgangs ist der Bahnhof. Wir folgen der 100 m links versetzten Karlstraße, überqueren den Karlsplatz, an dem u. a. die Ludwigskirche und die Karlshalle von 1778 stehen, und wenden uns an der verkehrsreichen Promenade links, bis wir auf das Herrieder Tor treffen, einen spätmittelalterlichen Torbau mit barockem Turm. Dort betreten wir die Altstadt. Über Uz- und die ansehnliche Platenstraße kommen wir zur Johanniskirche aus dem 15. Jahr-hundert. Im schlichten Innern sind ein Grabmal als Altaraufsatz sowie ein Renaissance-Altar um 1525 und Jugendstilfenster im Chor bemerkenswert. Hinter der Kirche das Markgrafenmuseum (Mai–Sept. täglich 10–17, sonst Di–So 10–17 Uhr), u. a. mit Fayencen, Porzellan, Gemälden und Münzen sowie historisch-naturwissenschaftlichen Sammlungen und einer Abteilung über Kaspar Hauser (siehe Kasten). Nur ein paar Schritte sind es zur ehemaligen Stiftskirche St. Gumbertus aus dem 15 Jh., deren dreitürmige Fassade Ansbachs Wahrzeichen ist, zusammen mit dem ungleichen Turmpaar der Johanniskirche. Der nüchterne Innenraum steht ganz im Gegensatz zu dem vom Langhaus abgetrennten Chor, in dem die Schwanenritterkapelle untergebracht ist. Ihre Schaustücke sind wertvolle Grabplatten und Totentafeln sowie das Tafelbild »Christus in der Kelter« und ein Ordensaltar von 1484. In der Fürstengruft unter der Kapelle stehen prachtvolle Sarkophage vieler Markgrafen (im Sommer Fr/Sa 15–17, So 11–12 und 15–17 Uhr). Die angrenzende Krypta um 1040 ist Ansbachs ältestes Baudenkmal.Sehenswert sind auch Gebäude rund um St. Gumbertus. So an der Nordseite die Hofkanzlei, ein Spätrenaissancebau mit sieben Giebeln, auch das schöne Stadthaus (1532) an der Westseite mit dem Georgsbrunnen, schließlich noch interessante Stiftshöfe aus dem 16. Jh. am Johann-Sebastian-Bach-Platz, wie z. B. der Beringershof.Von diesem Platz geht es zur nahe gelegenen Residenz. Das markgräfliche Renaissanceschloß (16. Jh.) ist Ansbachs Glanzpunkt. Bei den Führungen durch 27 Prunkräume (April–Sept. täglich 9–17 Uhr stündlich, im Winter 10–15 Uhr) erlebt man prächtige Raumfolgen, reiche Stuckierung und eine erlesene Einrichtung, alles in stilechtem Rokoko. Im Kachelsaal wird eine be-deutende Sammlung Ansbacher Fayencen und Porzellan ausgestellt. An der Promenade gegenüber liegt der Hofgarten, wo auch ein Gedenkstein für Kaspar Hauser steht. Die Orangerie an der Nordseite des Parks wurde 1728 errichtet und ist eines der größten Gartenschlösser Frankens.n Information: Tel.: 0981/513 04; www.ansbach.den Einkehr: Gasthaus Zum Mohren, Pfarrstr. 9, Biergarten; Café/Restaurant Orangerie, im Hofgarten, Gartenterrasse (Mo Ruhetag); Gasthaus Kronacher, Kronacherstr. 1, Gartenterrasse (Di Ruhetag).Radeln bis Wolframs-Eschenbach. Nachdem wir uns in einem netten Straßencafé vom Stadtbummel erholt haben, starten wir am Bahn-hof zur Radtour. Hinaus geht es nach Osten über Bahnhof-, Matthias-Oechsler- und Adalbert-Pillip-Straße, zunächst auf recht nüchterner Strecke. Jenseits der Unterführung folgen wir dem Sträßchen An-der-Kläranlage bis zu seinem Ende. Ab hier führt ein Schotterweg entlang der Fränkischen Rezat weiter nach Osten, jetzt in ansprechender Auenlandschaft mit weiten Ausblicken. In Steinbach folgen wir dem Schild nach Ratzenwinden, biegen an der Haarnadelkurve links auf den Plattenweg ab und erreichen den Ort Rutzendorf. Nach einem Links-Rechts-Links-Knick sind wir wieder auf einem Plattenweg auf Ostkurs und kommen in reizvoller Landschaft mit schöner Aussicht nach Lichtenau. Wir radeln geradeaus ins Zentrum und dort rechts weiter nach Boxbrunn, wo wir nach kräftigen Steigungen ankommen, um dann rund 2,5 km nach Süden fortzusetzen, unter der A 6 hindurch und im Wald bis zur Straße Wattenbach – Gotzenmühle. Hier biegen wir rechts und nach 1 km wieder links Richtung Gotzendorf ab. Über eine Hochebene mit Wind-rädern, weiten Ausblicken und einigen Anstiegen gelangen wir nach Wolframs-Eschenbach.Der im 11. Jh. erstmals erwähnte und 1332 zur Stadt erhobene Ort war Heimat des Dichters und Minnesängers Wolfram von Eschenbach (»Parzifal«) und gehörte fast 600 Jahre dem Deutschen Orden an, der ihn ab dem 14. Jh. ausbaute. 1796 ging die Ordensherrschaft zu Ende, die Stadt kam 1806 zu Bayern.Wir betreten die von einer intakten Ringmauer umgebene Altstadt durch das Obere Tor und folgen der Hauptstraße mit ihren statt-lichen Fachwerk- und Giebelhäusern des 15. Jahrhunderts. Die Straße führt zum Wolfram-von-Eschenbach-Platz, um den sich bedeutende Bauten gruppieren: das gotische und 1730 barockisierte Frauenmünster, in dem Stuck, Fresken und Flügelaltäre, wie der kostbare Rosenkranzaltar (1510), sehenswert sind. Davor steht das Alte Rathaus (1687) mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Museum (April–Okt. Di–So 14–17, So auch 10:30–12, im Winter nur Sa/So 13–16 Uhr). An der Westseite schließt sich das ehemalige Deutschordensschloss von 1623 an, heute Rathaus der Stadt. Die elegante Frontseite mit zwei Eckerkern zeugt vom Glanz der Ordensära. Links folgt die ehemalige Ordensvogtei, ein schönes Fachwerkhaus des 17. Jh., heute Gasthaus.n Information: Tel.: 09875/975 50; www.wolframs-eschenbach.den Einkehr: Alte Vogtei, Hauptstr. 21, Biergarten (im Sommer Mo Ruhetag).Rückfahrt nach Ansbach. Nach Besichtigung dieses schönen Städtchens und einer kurzen Ruhepause in der Alten Vogtei verlassen wir die Altstadt durch das Untere Tor und radeln an der Südseite der Stadtmauer entlang zur Richard-Wagner-Straße. Dort geht es rechts ab und nach dem Badweiher links auf die Waizendorfer Straße weiter nach Waizendorf. 1,5 km nach diesem Ort lenkt ein Schild rechts Richtung Bammersdorf. Nach kurzer Fahrt in stiller bäuerlicher Gegend kommen wir dort an und setzen Richtung Zandt fort, nun in einem reizvollen Tal. An der nächsten Querstraße halten wir uns links, biegen 400 m nach der Zandtmühle rechts und nach weiteren 400 m ansteigend noch einmal links ab: so gelangen wir nach Oberrammersdorf. Hier folgen wir dem Schild nach Ratzenwinden und treffen nach genussvoller Abfahrt wieder in Steinbach ein. Der Schlussweg nach Ansbach ist bekannt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour25 km
Höhenunterschied345 m
Dauer2.00 h
TourencharakterIn der Stadt des fränkischen Rokoko machen wir Bekanntschaft mit schönen Kirchen, der markgräflichen Residenz, dem Markgrafenmuseum und mit Kaspar Hauser, dem Findelkind Europas. Zum Ausgleich radeln wir dann aufs Land und besuchen die kleine Bilderbuchstadt Wolframs-Eschenbach.
Beste Jahreszeit
KartentippReisekarte Franken: ADAC-Autokarte Bayern Nord, 1:200 000.Radtour Ansbach: Topografische Karte UK 50-22 Fränkisches Seenland, 1:50 000.
VerkehrsanbindungMit dem Auto ab München A 9/B 13, ab Nürnberg A 6, ab Augsburg A 8/A 7/A 6. Mit der Bahn ist Ansbach aus allen Richtungen regelmäßig und relativ schnell zu erreichen.
Tipps
Kaspar Hauser An Pfingsten 1828 taucht Kaspar Hauser aus dem Nichts in Nürnberg auf, ein junger Bursche, verwahrlost und kaum der Sprache mächtig. In Nürnberg und später in Ansbach setzt man alles daran, seine Identität zu klären: Ist er Verstoßener aus hohem Hause oder nur ein Schwindler? Ganz Europa nimmt Anteil an seinem Schicksal, aber Kaspar Hauser öffnet sich nicht, bleibt heimatlos und ein Mysterium. Im Dezember 1833 wird im Hofgarten zu Ansbach »ein Unbekannter auf unbekannte Weise ermordet«. So steht es auf seinem Denkmal am Ort der Bluttat. Sein Wohn- und Sterbehaus ist in der Pfarrstraße in Ansbach zu finden, sein Grab auf dem Friedhof Heilig Kreuz.

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