AUF DEM KOCHER-JAGST-RADWEG

Von der Mündung der Jagst in den Neckar bequem talaufwärts nach Jagsthausen, über einen Höhenrücken in das Kochertal; entlang des Kochers talabwärts; asphaltierte Rad- und Wirtschaftswege, mehrmals auf Straßen. Wenn die Tour auf zwei Tage angelegt wird mit einer Übernachtung in Jagsthausen, können Kinder mitradeln. (Autor: Ute und Peter Freier)
79 km
370 m
5.00 h
Weinberge und zwei reizvolle Städtchen - Bei Heuchlingen, wo das Deutschordensschloss nicht zu übersehen ist, wechseln wir auf die andere Flussseite. Auf der Talsohle passieren wir Untergriesheim, durchfahren Herbolzheim und erreichen Neudenau. Auf Höhe der Jagstbrücke lohnt ein kurzer Abstecher in das erhöht liegende Städtchen mit seinen engen, mit Kopfstein gepflasterten Gassen, Fachwerkhäusern und kleinem Marktplatz. Auf der Talsohle führt der Radweg zur St.-Gangolfs-Kapelle, einer Wallfahrtskirche für Reiter, wie die Hufeisen an den Türen zeigen; jeweils am zweiten Sonntag im Mai findet der traditionelle Gangolf-Ritt statt. Vorbei am Freibad und an Weinbergen entlang radeln wir in das kleine Siglingen, wo in der Weingasse eine historische Kelter steht und im Gasthaus Traube heimischer Fasswein ausgeschenkt wird.Der Radweg folgt zunächst der Durchgangsstraße, biegt dann rechts ab, passiert das in einem Park gelegene Schloss Assumstadt, heute ein Hotel-Restaurant, und mündet wieder in die Talstraße ein. Vorbei am Schloss Domeneck und an Weinbergen erreichen wir den Stadtrand von Möckmühl. Möckmühl: Das rund 1200 Jahre alte Städtchen ist von einer gut erhaltenen Stadtmauer umgeben, die knapp acht Meter hoch und mit einem durchlaufenden Rundbogenfries geschmückt war. Vor der Stadtmauer verlief eine zweite Mauer, eine sogenannte Zwingermauer, wie am Hexenturm noch zu sehen ist. In der Stadt fallen, vor allem um den Marktplatz, restaurierte Fachwerkhäuser auf. Überragt wird das Städtchen vom Bergfried der einstigen Burg, in der im Jahr 1519 Götz von Berlichingen, der hier als Amtmann tätig war, gefangen genommen wurde. Das Schloss ist eine moderne Zufügung vom Anfang des 20. Jahrhunderts und wie der Bergfried nicht zugänglich.Nach Jagsthausen: In Möckmühl überqueren wir die Jagst und folgen dem Radweg weiterhin talaufwärts auf der engen Talsohle. An den Talhängen werden nur noch einzelne Weinberge bewirtschaftet, sodass die meisten Terrassen inzwischen überwachsen sind. Unter der hohen Autobahnbrücke (A81) hindurch gelangen wir nach Widdern, mit 1800 Einwohnern die kleinste Stadt Baden-Württembergs mit kleinem, verwinkeltem Stadtkern. Wir bleiben zunächst rechts der Jagst auf einem Wirtschaftsweg wenige Meter unterhalb der Straße, wechseln bei Olnhausen auf die andere Talseite hinüber und erreichen auf einem asphaltierten Fuß- und Radweg neben der Durchgangsstraße Jagsthausen. Jagsthausen: Die Häuser des kleinen Ortes gruppieren sich um die Kirche mit einem auffälligen achteckigen Turm. In der Nähe des Rathauses informiert das in einem kleinen Park gelegene Römische Freilichtmuseum über die Zeit, als Jagsthausen römische Siedlung am obergermanisch-rätischen Limes war. Am Ortsrand stehen die drei Schlösser der Familie Berlichingen, die seit 1330 im Besitz der Siedlung Jagsthausen ist: direkt an der Kirche das Rote Schloss (17. Jahrhundert), dahinter, etwas versteckt, das Weiße Schloss (18. Jahrhundert), heute Familiensitz, und die sogenannte Götzenburg. In dieser einstigen mittelalterlichen Wasserburg, letztmals um 1876 umgebaut und heute umgeben von einem Park, wurde im Jahr 1480 Götz von Berlichingen geboren. Hinüber ins Kochertal: Vom Schloss kehren wir auf der Ortsdurchfahrt ca.200 Meter zurück, biegen links ab (mehrere Radmarkierungen, u.a. Burgen-Radweg und Hohenlohe-Ostalb-Weg) und überqueren die Jagst. Nun beginnt der Anstieg auf einem Sträßchen zum Waldrand – hier ein Grillplatz mit Schutzhütte – und zum Weiler Edelmannshof auf der Höhe des Bergrückens. Wir biegen rechts und kurz darauf links ab und fahren bequem hinunter nach Sindringen. Sindringen: Das kleinste der Städtchen im Kochertal wurde unweit des Flusses angelegt, weshalb die teilweise noch gut erhaltene Stadtmauer an der Flussseite gleichzeitig als Hochwasserschutz diente. Der ehemalige Ortsadel zog eine erhöhte Position vor und erbaute das Schloss an der Nordostecke der Stadt. Am Schloss, das in seiner heutigen Form aus dem 16. Jahrhundert stammt, fällt der massige, viereckige Turm auf sowie die ehemalige Umfassungsmauer, in die das Backhaus, die Arrestzelle und Ställe an- und eingebaut wurden. Im Mittelpunkt des Städtchens steht die ursprünglich romanische, im 18. Jahrhundert umgebaute Kirche zum Heiligen Kreuz. Jeweils Mitte Mai findet in der Ortsmitte ein Töpfermarkt statt, der zahlreiche Interessierte anlockt. Ländliche Idylle im Kochertal: Der Kocher-Jagst-Radweg verläuft rechts des Kochers, der sich durch die hügelige Landschaft windet. Auf den nächsten Kilometern passieren wir kleine, ländlich wirkende Ortschaften und wechseln mehrmals die Flussseite. Auf Höhe von Bürg, einem Dorf mit Renaissanceschloss, bietet sich ein kurzer Abstecher an in das Städtchen Neuenstadt am Kocher. Allerdings liegt der interessante Teil des Städtchens mit Schloss, Resten der Stadtmauer, Stadttor und Lindenanlage etwas erhöht.Hinter Bürg entfernt sich der Radweg vom Fluss und führt nach Kochertürn und Stein am Kocher mit dem Renaissance-Wasserschloss Presteneck (kein Zugang, da bewohnt). Beim Weiler Lobenbacherhof geht es wieder hinunter auf die Talsohle und an Weinbergen entlang nach Oedheim, dessen alter Ortskern am Südufer des Flusses liegt. Wir bleiben am Nordufer und erreichen Hagenbach, wo wir noch vor der Kirche rechts abbiegen in den Jagstfelder Weg und zum Ausgangspunkt am Solefreibad zurückkehren. Verlängerte Variante: Wer über ausreichend Kondition verfügt, radelt im Jagsttal knapp sechs Kilometer weiter zur barocken Klosteranlage Schöntal und überquert den Hügelrücken auf der Straße Schöntal – Neuhof – Edelmannshof – Sindringen; Tourlänge dann 93 km.

BADEMÖGLICHKEITEN Freibad bei Jagstfeld und 1,5 km hinter Neudenau; in Möckmühl; in Oedheim; Solefreibad in Bad Friedrichshall.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour79 km
Höhenunterschied370 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBad Friedrichshall, Ortsteil Jagstfeld.
EndpunktBad Friedrichshall, Ortsteil Jagstfeld.
TourencharakterDie Flüsse Kocher und Jagst verlaufen parallel zueinander und münden bei Bad Friedrichshall in den Neckar. In den Flusstälern wechseln sich reizvolle Landschaften und interessante Städtchen ab. Um beide Täler auf dem 330 km langen und durchgehend markierten Kocher-Jagst-Radweg zu erfahren, benötigt man ungefähr eine Woche Zeit; die hier vorgeschlagene Rundtour können durchtrainierte Radler an einem Tag bewältigen. Wer genussvoll radeln und sich unterwegs alle Sehenswürdigkeiten anschauen möchte, macht eine zweitägige Tour daraus mit Übernachtung in Jagsthausen.Ausgangspunkt der Tour ist Bad Friedrichshall, eine junge Stadt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den Zusammenschluss mehrerer Ortschaften, u.a. Kochendorf, Jagstfeld und Hagenbach, entstand. Namen gebend war der erste württembergische König Friedrich I., der im Jahr 1816 in Jagstfeld mit Erfolg nach Salz bohren ließ. Es entstand die Saline »Friedrichshall«, die bis 1895 in Betrieb war, und das Dorf wurde zum Bad mit Solebad und Badhotel. Ein Kurort im üblichen Sinn ist Bad Friedrichshall nicht, doch in salzhaltigem Wasser kann man sich im Solefreibad entspannen.Vom Parkplatz beim Solefreibad fahren wir auf der Hohen Straße zurück in Richtung Ortsmitte und queren die B27 sowie die Bahnlinie. Nach rechts durchfahren wir die Marienstraße und die Friedhofstraße, queren erneut die B27 und sind jetzt auf dem Kocher-Jagst-Radweg, der im Jagsttal talaufwärts führt.
Hinweise
BADEMÖGLICHKEITEN - Freibad bei Jagstfeld und 1,5 km hinter Neudenau; in Möckmühl; in Oedheim; Solefreibad in Bad Friedrichshall.
KartentippRadwanderkarte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg, Blatt 57 (Tauber-Hohenlohe), 1 - 100000.
MarkierungenKocher-Jagst-Radweg; zwischen Jagsthausen und Sindringen Radwegweiser
VerkehrsanbindungPkw - A6 Kreuz Weinsberg–Kreuz Walldorf, Ausfahrt 37 (Heilbronn/Neckarsulm); B27 über Neckarsulm nach Bad Friedrichshall-Jagstfeld; dort rechts abbiegen in die Hohe Straße in Richtung Hagenbach/Oedheim und 1 km zu Parkplatz bei Freibad. Bahn: Bad Friedrichshall-Jagstfeld ist Station an den Linien Heilbronn–Heidelberg und Heilbronn–Würzburg.
GastronomieIn Bad-Friedrichshall, Untergriesheim, Herbolzheim, Neudenau, Siglingen, Züttlingen, Möckmühl, Widdern, Jagsthausen, Sindringen, Gochsen, Neuenstadt am Kocher, Kochertürn, Stein am Kocher, Oedheim.
Tipps
GÖTZ VON BERLICHINGEN - Seine Berühmtheit verdankt der Ritter Götz von Berlichingen (1480–1562) dem deftigen Ausspruch »Leck mich am ...«, dem sogenannten »Schwäbischen Gruß«, und seiner eisernen Hand. Bereits mit 24 Jahren verlor er in einer Schlacht seinen rechten Unterarm und ließ sich daraufhin eine künstliche, bewegliche Hand aus Eisen fertigen, um weiterhin reiten und das Schwert schwingen zu können. Im Bauernkrieg (1524–25) stand er, obwohl er ein Adliger war, aufseiten der Bauern, die sich den Forderungen der adligen Herren widersetzten, und wurde nach der Niederlage der Bauern zur Strafe auf seine Burg Hornberg verbannt. Seine Lebensgeschichte verewigte Johann Wolfgang von Goethe im Schauspiel »Götz von Berlichingen«, das jeden Sommer im stimmungsvollen Innenhof der Götzenburg aufgeführt wird. Seine eiserne Hand kann im kleinen Museum in der Burg bewundert werden (geöffnet Mitte Mai–Okt.).SCHILLERWEIN AUS DEM JAGSTTAL: Mehr als 100 Winzer aus Möckmühl, Neudenau, Ruchsen und Widdern haben sich zusammengeschlossen zur Winzergenossenschaft »Unteres Jagsttal«. Die an den Steilhängen des Jagsttals auf Muschelkalk angebauten Weiß- und Rotweine werden gemeinsam gelesen, gekeltert und ausgebaut. So entsteht der für die Region typische Schillerwein, so genannt seiner schillernden Farbe wegen. Wein aus eigenem Anbau wird u.a. ausgeschenkt im traditionsreichen Gasthaus Traube in Siglingen.SOLEFREIBAD BAD FRIEDRICHSHALL: Nicht nur der Entspannung, sondern auch der Gesundheit dient ein Besuch im Solefreibad, wo man sich im beheizten, leicht salzhaltigen Wasser tummeln kann. Man hat die Wahl zwischen einem 50 m langen Sportbecken mit Massagedüsen, einem Wellenbecken, in dem jeweils zur vollen und halben Stunde die Wellen anrollen, und einem Spaßbecken mit Strömungskanal und Unterwasserliegen. Kinder haben ihren eigenen Bereich mit Rutsche und Matschplatte.
Tourismusbüro
Verkehrsamt, Rathausplatz 1, 74177 Bad Friedrichshall, Tel. 07136/832-100, www.friedrichshall.de

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