Vom Nebelhorn zum Laufbacher Eck

Im ersten Teil einfacher Höhenweg ohne größere Steigungen entlang steiler Grasflanken (hin und zurück; je nach Kondition kann die Wanderung entsprechend verkürzt werden), im zweiten Teil steiler Abstieg vom Seealpsee ins Oytal über den Gleitweg, gute Trittsicherheit und alpine Erfahrung erforderlich. (Autor: Gerald Schwabe)
Beginn am Höfatsblick Die Wanderung beginnt an der Nebelhornbahn- Mittelstation Höfatsblick auf 1927 Metern und führt auf breitem Weg, zunächst am Edmund-Probst-Haus vorbei, einige Höhenmeter abwärts, bevor dieser wieder gemächlich zum Zeigersattel hinaufzieht. Und schon haben wir einen der prächtigsten Ausblicke des Allgäus erreicht. Wie in einem gewaltigen Amphitheater breitet sich ein atemberaubendes Panorama vor uns aus: der Seealpsee als zentraler Blickfang, als Hintergrundkulisse die ganze Bandbreite der Allgäuer Hauptkette von der Höfats über die Trettachspitze und den Biberkopf bis zum Widderstein und den Hohen Ifen im Kleinwalsertal. Dieser Platz drängte sich als ausgiebiger Rastplatz geradezu auf, wenn wir nicht gerade erst gestartet wären. Grandioser Höhenweg Anderseits bleibt uns dieses Panorama für den weiteren Weg erhalten, sodass wir uns ohne Bedauern lösen können. Nur wenige Meter weiter treffen wir auf den Abzweig hinunter zum Seealpsee und ins Oytal, dem wir später noch folgen werden. Vorerst bleiben wir jedoch auf unserem Pfad, der jetzt etwas schmaler wird und ohne nennenswerte Steigungen am linken Hang dieses weiten Kessels entlangführt. Die kurze Strecke bis zum Schochen (2100m) wird sich vermutlich trotzdem etwas in die Länge ziehen, weil man immer wieder stehen bleiben muss, um die herrliche Aussicht zu genießen. Unterhalb des Schochen schließlich lassen wir den Seealpsee-Kessel hinter uns, der Pfad folgt dem Hang, biegt links um die Kurve und bietet uns einen wunderschönen Blick auf den spektakulären Talschluss des Oytals mit dem Talkessel der Käseralpe zwischen Höfats und Großem Wilden; scharfe Augen können den Stuibenfall erkennen. In Wegrichtung rückt die auffällige Gestalt des Schneck ins Auge. Ebenso wie die Höfats besteht dieser Berg aus sogenannten Aptychenschichten, einem sehr widerstandsfähigem Kalkstein, der uns diese scharfkantigen, bis oben mit Gras überzogenen Gipfel beschert. Der Weg zieht sich weiter entlang steilen Wiesenflanken und erreicht schließlich – nach einer kleinen drahtseilgesicherten Felspassage – den Anstieg zum Laufbacher Eck (2178m). In weiten Serpentinen steigen wir die 150 Höhenmeter zum Pass hinauf. Jenseits der Scharte dominiert die mächtige Pyramide des Hochvogels die Szenerie. Ein paar Meter bringen uns auf den eigentlichen Gipfel, auf dem wir die fantastische Rundumsicht genießen können. Nach ausgiebiger Rast wandern wir die Serpentinen wieder hinab und folgen unserem Hinweg zurück in Richtung Nebelhorn. Wer sich angesichts des noch folgenden Abstiegs zum Seealpsee seine Kondition einteilen möchte oder generell ungern den gleichen Weg zurückgeht, der kann einfach so weit gehen, wie er mag. Dieser Höhenweg ist auch ohne Erreichen des Laufbacher Ecks absolut lohnend. Zum Seealpsee Der Höhenweg ist auf dem Rückweg sicherlich ebenso schön wie auf dem Hinweg und bietet nun aus anderer Perspektive und in anderem Licht ganz andere Genüsse. Nach einer gemütlichen Wanderung hat uns der weite Seealpsee-Kessel wieder. Kurz vor Erreichen des Zeigersattels biegen wir nach links auf den anfangs schon erwähnten Pfad hinab zum Seealpsee. Auf halber Strecke passieren wir die kleine Hintere Seealpe, die uns während der Alpsaison mit Getränken versorgen kann. Hinter der Hütte folgen wir dem Abzweig nach rechts und steigen zum Seealpsee ab. Dieser See ist ein Phänomen: Das Seealpsee- Panorama vom Zeigersattel gehört sicherlich zu den bekanntesten Motiven des Allgäus, am See selbst ist es allerdings fast immer menschenleer. Grund sind wohl die rund 300 Höhenmeter Abstieg, die die Wasserfläche vom Ausblick trennen. Nur wer übers Oytal absteigt, kommt fast zwangsläufig am See vorbei. Uns soll es nur recht sein, dass wir dieses Idyll für uns alleine haben und die himmlische Ruhe genießen können. Wie die meisten hochalpinen Seen ist auch der Seealpsee durch die hobelnde Wirkung eines Gletschers entstanden, der neben einer Vertiefung (dem Kar) auch eine Karschwelle herausmodelliert hat, hinter der sich der See schließlich aufgestaut hat. Direkt hinter dieser Karschwelle fallen die »Seewände« gefährlich und fast senkrecht gut 600 Meter bis zum Boden des Oytals ab. Man ist also gut beraten, auf den Wegen zu bleiben, was bedeutet, dass wir vom Ufer erst wieder ein paar Höhenmeter auf einem schmalen Pfad aufwärtssteigen müssen, ehe wir den Hauptweg erreichen, der uns hinunter ins Oytal bringt. Dieser sogenannte Gleitweg ist teilweise sehr steil, ausgesetzt und an manchen Stellen drahtseilgesichert und setzt gute Trittsicherheit sowie alpine Erfahrung voraus. Abstieg ins Oytal Wir folgen dem aussichtsreich hoch über dem Oytal verlaufenden Pfad, anfangs noch recht gemächlich, dann in steilen Serpentinen bergab durch Felspartien und Steilgrashänge, queren einen Bach und erreichen – nach einigen unangenehm rutschigen, aber kurzen Schotterpassagen – den Talboden des Oytals knapp oberhalb des Oytalhauses. Der weitere, gegen Nachmittag nicht mehr ganz so überlaufene Weg ist ein gemütlicher Spaziergang mit leichtem Gefälle nach Oberstdorf. Nach zwei Kilometern können wir uns zwischen zwei etwa gleich langen Wegvarianten entscheiden: Entweder bleiben wir geradeaus auf der weitgehend sonnigen Teerstraße (bis kurz vor dem steilen Endstück bei der Schattenberg-Skisprungschanze ein schmaler Waldweg in wenigen Minuten hinab zur Nebelhornbahn- Talstation führt); oder wir wenden uns nach links auf den Dr.-Hohenadl-Weg, der schöner, aber überwiegend im Schatten entlang dem rauschenden Oybach und später der Trettach bis zu unserem Ausgangspunkt zurückführt

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour24 km
Höhenunterschied1400 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, 813m
AusgangspunktNebelhornbahn-Talstation (www.nebelhorn. de) bzw. Nebelhornbahn- Mittelstation Höfatsblick, 1927m
EndpunktSchochen, 2100m; Laufbacher Eck, 2178m
TourencharakterDer Panoramaweg zum Laufbacher Eck steht auf meiner persönlichen Liste der schönsten Touren im Allgäu ganz oben. Ohne allzu großes Auf und Ab verläuft er entlang der 2000-Meter-Höhenlinie hoch oberhalb des Oytals und bietet fantastische Ausblicke auf die Allgäuer Hochalpen und den wunderbaren Seealpsee.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungBus und Bahn nach Oberstdorf; Parkplatz an der Nebelhornbahn- Talstation
GastronomieBergrestaurant Höfatsblick und Edmund-Probst-Haus (Nebelhornbahn- Mittelstation), 1927m; Hintere Seealpe, 1750m; Oytalhaus 1010m
Höchster Punkt
Laufbacher Eck, 2178m

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