Schloss und Park Rheinsberg

Auf dem Poetensteig durch die Boberow-Wälder Bequeme Waldwanderung ohne An- und Abstiege auf Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden; prinzipiell sind die Wege fahrradfähig. (Autor: Bernhard Pollmann)
11 km
100 m
3.00 h
Schloss Rheinsberg Für den Kronprinzen Friedrich d. Gr., der hier »die schönste Zeit meines Lebens« verbrachte, baute Georg von Knobelsdorff 1737–1739 eine mittelalterliche Wasserburg zu einer Dreiflügelanlage um, die das Ursprungswerk des friderizianischen Rokoko ist. Der Kunst liebende Kronprinz machte Rheinsberg zum Musenhof. Im umgebauten Schloss empfing er Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Johann Joachim Quantz, Antoine Pesne und andere, begann seinen Briefwechsel mit Voltaire und verfasste die politische Schrift »Antimachiavell«. Als Friedrich 1740 König wurde, waren »die glücklichsten Jahre« zu Ende, 1744 schenkte er das Schloss seinem Bruder Prinz Heinrich, der die Tradition des Musenhofs bis zu seinem Tod 1802 fortführte. Prinz Heinrich ließ auf der Seeseite des Schlosses die beiden Rundtürme anbauen und den von Knobelsdorff entworfenen Rokokogarten in einen Landschaftspark umgestalten. Zu DDR-Zeiten war das Schloss unzugänglich, 1991 begann die Restaurierung, die sanierten Räumlichkeiten beherbergen heute verschiedene Kulturbetriebe. Das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum erinnert an den Liebesurlaub des Schriftstellers, dessen Reise-Erzählung »Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte« (1912) seinen Ruhm begründete. Die im Kavalierhaus untergebrachte Musikakademie Rheinsberg bildet junge Musiker aus; Serenaden, Flöten-, Orgel- und Chorkonzerte von Meisterschülern erklingen im Spiegelsaal des Schlosses und in der Laurentiuskirche. Im Juli und August findet vor der malerischen Schloss-, Park- und Seekulisse das Internationale Opernfestival Kammeroper Schloss Rheinsberg statt. Auch das 2000 eröffnete Schlosstheater Rheinsberg hat sich zu einem wichtigen kulturtouristischen Anziehungspunkt entwickelt. Landschaftspark Der Rheinsberger Schlossgarten ist ein dreiteiliges Park- und Gartenreich, das überwiegend von dem Bruder Friedrich d. Gr., Prinz Heinrich, ab 1752 am Ufer des Grienericksees und unter Einbeziehung von Teilen des Rheinsberger Sees angelegt wurde. Der älteste Teil umfasst das unter Friedrich d. Gr. angelegte geometrische Schlossparterre und den barocken »Lustgarten« südlich der Schlossinsel. Prinz Heinrich erweiterte den Lustgarten durch Einbau zahlreicher Staffage- und Parkbauten (Altäre, Tempel, sieben Einsiedeleien, ein Karussell, Gondelhafen mit Leuchtturm usw.) und des Heckentheaters und gestaltete den »Boberow« genannten Buchenwald 1753–1772 durch ein sternförmig geschlagenes Alleensystem zum Boberow-Park um (prinzliches Forsthaus 1768). Die zwischen dem Lustgarten und dem Boberow-Park gelegenen Bürgeräcker (sog. Boberow-Kabeln) kaufte er auf und ließ sie zu einer »ferme ornée« (geschmückte Landwirtschaft) umgestalten, auf der Remusinsel im Rheinsberger See entstand ein chinesischer Tempel. Nach dem Tod des Prinzen, der 1802 in einer Pyramide am Standort eines ehemaligen chinesischen Karussells beigesetzt wurde, verfiel dieses fantastische Gartenreich, zahlreiche Bauwerke wurden abgetragen. Vom Schlossparterre vor Schloss Rheinsberg schweift der Blick über den waldumgebenen Grienericksee zu den Terrassenanlagen mit dem Obelisken, während sich am Südufer die Feldsteingrotte zeigt. Vor dem Südflügel des Schlosses führt die Schlossgartenbrücke über den hier aus dem See austretenden Rhin zur Hauptallee des Gartens; links befinden sich die Grabpyramide des Prinzen Heinrich († 1802) und das Heckentheater, ein 1758 durch Bäume und Hecken gestaltetes Freilichttheater, in dem Aufführungen der Kammeroper Schloss Rheinsberg und Konzerte veranstaltet werden. Die Freitreppe der Hauptallee wird von zwei Sphingen (1741) bewacht, die angeblich die Gesichtszüge von Madame Pompadour und Kaiserin Maria Theresia zeigen. Kurz nach Passieren der Sphingen kreuzt die Querachse des Parks; sie führt rechts zum in der Mitte eines ellipsenförmigen Platzes stehenden Gartensalon (1740), einem Pavillon, der ursprünglich als Mittelteil einer Orangerie geplant war. Durch das Heckenparterre gelangt man halb rechts weiter zur dreizelligen Feldsteingrotte am See. Die Egeriagrotte (1790) am Westende der Querallee wird derzeit rekonstruiert. Hier geht es rechts weiter zu den Terrassenanlagen mit dem Obelisken, wo sich ein einmaliger Blick zurück zum Schloss öffnet; der Obelisk (1791) trägt die Namen von Generälen, die nach Meinung des Prinzen Heinrich von seinem Bruder Friedrich d. Gr. nicht gebührend gewürdigt worden waren. Poetensteig und Boberow-Wälder Unterhalb des Obelisken führt der Poetensteig am Schilfgürtel des Grienericksees entlang, taucht in den Boberow-Wald ein und bietet immer wieder Ausblicke auf Schloss und Stadt Rheinsberg und die märkische Umgebung. An der ersten Aussichtsstelle verdeutlicht eine Blaustrich-Markierung, dass auch der E 10 dem Poetensteig folgt. Unter alten Buchen und Eichen führt der Steig weiter am Ufer entlang, hin und wieder lädt eine Sitzbank zur Rast. Kurz vor dem Forsthaus Boberow verlässt der Poetensteig den Grienericksee Richtung Böbereckensee (Abkürzung), während der E 10 rechts an einem Schutzhüttenrondell vorbeiführt, in schönen Laubwäldern das Forsthaus Boberow passiert, vorübergehend auf einen schmalen Waldpfad wechselt und dann an einer kleinen Badestelle den Rheinsberger See mit Blick auf die Remusinsel erreicht. Der älteste Siedlungsplatz im Rheinsberger Raum war die Remusinsel im Rheinsberger See, auf der heutigen Schlossinsel am Ausfluss des Rhin aus dem Grienericksee wurde im 12. Jh. die »Rhinburg« als Grenzfeste der Grafschaft Ruppin gegen Mecklenburg errichtet; in der Folgezeit entwickelte sich in der Nachbarschaft der Burg die Stadt, deren Bewohner in Kriegszeiten Zuflucht auf der Remusinsel suchten. Auf dem Steilufer geht es links weiter, zwischen den Zweigen fällt der Blick hinaus auf den See, an der nächsten kleinen Badestelle führt der Blaustrich waldeinwärts, um eine Landzunge abzukürzen, erreicht wenig später wieder das Steilufer und folgt ihm links zum Campingplatz Warenthin. Am Ausgang des Campingplatzes führt der E 10 rechts über die Brücke und durch die kleine Feriensiedlung Warenthin, an der Verzweigung auf einem Kopfsteinpflaster-Waldweg geradeaus. Am Ende der Ferienhäuser zeigt ein Schild links zum Großen Linowsee, wo wir dem Uferweg unter alten Laubbäumen rechts folgen (Grünstrich-Markierung). An einer aussichtsreichen Sitzbank am See kurz vor weiteren Ferienhütten zweigt der Grünstrich-Weg rechts waldeinwärts ab und führt am Ende links aussichtsreich am Rand von Wiesen weiter mit Blick auf den Kleinen Linowsee, an dem sich ein hübscher Rastplatz befindet. Kurz nach Passieren dieser Raststelle, die etwas rechts vom Weg liegt, zweigen wir hinter der Schulungsstätte scharf links in den Wald ab. Der stille Weg – an der Gabelung rechts Richtung »Böbereckensee« – führt zurück in den artenreichen Boberow-Wald, links schimmert zwischen Buchen der Große Linowsee. Schließlich blinkt der Böbereckensee zwischen den Bäumen, und wir erreichen das Arboretum an der Nordbucht. Hier laden überdachte Sitzplätze zur Rast. An den Rastbänken befinden wir uns wieder auf dem Poetensteig, der dem bewaldeten Ufer dieses idyllischen Teichrosen-Sees folgt und dann links hinauf schwingt zum ehemaligen Freundschaftstempel und zur Malesherbes-Säule. Wenige Schritte nach Passieren der Säule sehen wir links den Obelisken und Schloss Rheinsberg und wandern durch den Schlosspark zurück zum Ausgangspunkt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortDie Stadt Rheinsberg am Grienericksee im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land zählt mit dem Schloss, dem Schlosspark und dem historischen Stadtkern zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Brandenburgs.
AusgangspunktBushaltestelle und Parkplatz am Schloss Rheinsberg (55m).
TourencharakterSchloss und Park Rheinsberg an den Ufern von Grienerick- und Rheinsberger See im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land zählen zu den Kultur- und Naturkleinodien im Norden Brandenburgs. Mit der Dreiflügelanlage auf der Schlossinsel begann die Entwicklung des friderizianischen Rokoko, das später in Sanssouci seine prunkvollste Entfaltung fand. Der Schlossgarten spiegelt die Entwicklung der Gartenbaukunst vom barocken »Lustgarten« bis zum frühen Landschaftspark und ist als solcher einzigartig unter den historischen Gärten in Deutschland. Auch der Europäische Fernwanderweg 10 führt durch dieses Garten- und Waldreich, in dem Theodor Fontane, Kurt Tucholsky und andere Schriftsteller auf dem romantischen »Poetensteig« Eindrücke für ihre Werke sammelten. Unsere herrliche Waldwanderung ergänzt den Poetensteig durch den Uferweg am stillen Linowsee und durch die prachtvollen Waldmeister-Buchenwälder im Westen des Böbereckensees.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wander- und Radtourenkarte 1 - 50 000, Blatt 743 Rheinsberger Seengebiet/Ruppiner Land.
VerkehrsanbindungA 24 Berlin – Hamburg, Ausfahrt Neuruppin und via Neuruppin weiter Richtung Rheinsberg; die Straße führt am Stadtrand von Rheinsberg direkt am Schlossparkplatz vorbei.
GastronomieRheinsberg, Warenthin.
Tourismusbüro
Tourist-Information Rheinsberg, Markt, 16831 Rheinsberg, www.rheinsberg.de

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