Ilsefälle, Plessenburg und Ilsestein

Durch das romantischste Wasserfalltal des Harzes Waldwanderung auf zum Teil wurzeligen und insbesondere an den Wasserfällen steinigen Pfaden, die festes Schuhwerk erforderlich machen. (Autor: Bernhard Pollmann)
11 km
400 m
3.15 h
en Ilsefällen Der mit dem Zeichen »Grünstrich« markierte Heinrich-Heine-Wanderweg beginnt am Parkplatz Am Blochhauer, dem zentralen Wanderwege-Ausgangspunkt des Luftkurorts Ilsenburg. Von hier folgt er dem Bach unter alten Buchen aufwärts, mündet nach Passieren des Brunnenhauses Prinzess-Ilse-Quelle bei der Blankschmiedebrücke auf die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Ilsetalstraße (wer abkürzen will, findet hier rechts einen Wanderparkplatz), folgt ihr an einem Ferienhaus vorbei aufwärts und zweigt vor der nächsten Brücke auf einen felsigen Weg im Buchenhochwald ab. Nun beginnt der faszinierende Schluchtabschnitt des Ilsetals. Bald nach Überqueren der Ernst-Helbig-Brücke (benannt nach einem Harzer Landschaftsmaler der Romantik, 1802–1866) erreicht der Heine-Wanderweg die Schutzhütte am Zanthierplatz am Fuß des 150m hoch aufragenden Ilsesteins, über den unser Rückweg führt. Der Sage nach wohnt in diesem Felsen aus rötlichem Granit die Fee, nach der Bach und Tal benannt sind. Am Zanthierplatz tritt der Heine-Wanderweg in das Naturschutzgebiet Rohn- und Westerberg ein und folgt der Ilse auf einem bequemen Waldweg weiter aufwärts. Links des über Blockwerk tanzenden Bergbachs bleibend, passiert der Weg eine gewässerkundliche Messstation und eine Abzweigung zur Plessenburg und tritt dann in einen blockreichen, hallenartigen Buchenhochwald ein. Vorübergehend verwandelt sich der Weg in einen Steilhangpfad, passiert am Ende des Naturschutzgebiets erneut eine Brücke, wechselt an der Mündung des Sandtalbachs vorübergehend in das Große Sandtal, überquert den Sandtalbach auf der nächsten Brücke und erreicht kurz hinter einer weiteren Wegeverzweigung die Wasserfälle. Vor dem ersten der Unteren Ilsefälle überquert der Heinrich-Heine-Weg den Bach, passiert eine Rastanlage mit Sitzbänken und Tisch und führt steinig hinauf zum Heine-Denkmal, wo im Bereich der Oberen Ilsefälle erneut Sitzbänke zur Rast laden. Steinig führt der an nassen Stellen mit Bohlen ausgelegte Pfad im Hang über dem Wasserfallbach aufwärts, dann flacht das Gelände ein, und nach Passieren der Bremer Schutzhütte erreicht der Heine-Wanderweg die Verzweigung an der Roten Brücke der Ilsetalstraße. Plessenburg Während der Heinrich-Heine-Wanderweg an der Roten Brücke die Ilsetalstraße quert und weiter Richtung Brocken führt, zweigen wir links ab auf den Unteren Gebbertsweg, der nach kurzer Steigung bequem im Hang durch Fichtenforste Richtung Plessenburg führt. Im Nordhang des Dreisageblocksbergs lädt eine Sitzbank zur Rast ein mit schönem Profilblick zur Paternosterklippe hoch über dem Ilsetal, hinter dem sich Rohn- und Westerberg runden. Angeblich ähneln die Felsen der Paternosterklippe aus dieser Perspektive einem betenden Mönch vor einem Altar. Wenig später tritt an die Stelle des Fichtenforsts ein schöner Buchenmischwald, und wir erreichen das Ausflugslokal Plessenburg. Die 1775/76 an der Stelle eines seit dem Mittelalter betriebenen Köhlerplatzes als Jagdhaus erbaute Plessenburg ist eines der beliebtesten Ausflugsrestaurants im Nordharz. Attraktive Wander- und Radwege führen aus allen Himmelsrichtungen zur autofreien Waldgaststätte, die von Mai bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet hat (November bis April 10 bis 17 Uhr, Mittwoch Ruhetag). An Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen ist die Plessenburg auch mit der erdgasbetriebenen Nationalpark-Buslinie 288 Wernigerode – Ilsenburg – Elbingerode – Wernigerode erreichbar (Info und Fahrplan - www.plessenburg.de). Aussichtsreiche Paternosterklippe Von der Plessenburg folgen wir dem Zufahrtsweg hinab zur Nationalpark-Bushaltestelle und wechseln hier auf den schmalen Waldweg Richtung »Ilsenburg«. Der mit den Zeichen »Rotpunkt« und »grünes X« markierte Weg erreicht bald die Paternosterklippe, eine Granitfelsengruppe auf dem Bergsporn hoch über der Einmündung des Loddenketals in das Ilsetal. Die Felsen gewähren einen ausgezeichneten Blick über die tief eingeschnittenen Täler von Ilse und Loddenke hinweg zum Brocken, aus dem ca. 120m tiefer gelegenen Ilsetal dringt das Rauschen der Wasserfälle herauf. Die Sage berichtet: Als die Ritter vom benachbarten Ilsestein wieder einmal das Benediktinerinnenkloster Sankt Veit in Drübeck überfielen, flüchteten die Schwestern in dieses hohe Felsenversteck, das ihnen ein Pater gezeigt hatte. Als die ritterlichen Unholde sie aufspürten, beteten die Jungfrauen auf dem Felsen ein Paternoster (lateinisch: »Vaterunser«) und sprangen in das Ilsetal hinab, um den Wüstlingen zu entkommen. Der Pater aber, der ihnen das Versteck gezeigt hatte, versteinerte vor Entsetzen. Sagenumwobener Ilsestein Von der Paternosterklippe senkt sich der Weg im Wald hinab zur Ilsesteinquelle, die in einem Blockmeer zu Tage tritt, und führt hinauf zum riffartigen, geländergesicherten Gipfel des 150m aus dem Tal aufragenden Ilsesteins (474m, Ausflugsgaststätte), einem der herausragenden Aussichtsfelsen des Harzes: Weit schweift der Blick nordwärts über Ilsenburg hinaus auf das Harzvorland, während im Süden der mächtige Brocken über dem tief eingeschnittenen Ilsetal wacht. Das Brausen der Wasserfälle dringt herauf bis zur Spitze des Felsens. Der Gipfel des aus einem rötlichen Granit bestehenden Ilsesteins gewährt einen vorzüglichen Blick ilsetalaufwärts und zum Brocken. Dort oben entspringt die Ilse im Hang der Heinrichshöhe, der bis etwa 1800 »Kleiner Brocken« genannten Nachbarkuppe des Brockens. Auf dem Quellberg der Ilse, der heute aus Naturschutzgründen nicht betreten werden darf, soll der Teufelsaltar gestanden haben, eine Felsklippe, auf der Hexen »liebliches Rauchwerk entzündet« und »sogar neu geborene Kinder« geopfert haben sollen. Schon Alexander von Humboldt beobachtete, dass der rötliche Granit des Ilsesteins eine Abweichung der Kompassnadel bewirkt; die Ursache der Magnetwirkung wird auf starken Eisengehalt zurückgeführt. Das Kreuz auf dem Ilsestein soll an die Gefallenen der antinapoleonischen Befreiungskriege 1813/14 erinnern. Spuren einer Felsenfestung auf dem Ilsestein werden in das 11. Jh. datiert. Auch die Sage berichtet, dass hier vorzeiten ein Schloss stand; es soll das Schloss eines Harzkönigs gewesen sein, der eine sehr schöne Tochter namens Ilse hatte. »Nah dabei hauste eine Hexe, deren Tochter über alle Maßen hässlich aussah. Eine Menge Freier warben um Ilse, aber niemand begehrte die Hexentochter. Da zürnte die Hexe und wandte durch Zauber das Schloss in einen Felsen, an dessen Fuß sie eine nur der Königstochter sichtbare Tür anbrachte. Aus dieser Tür schreitet noch jetzo alle Morgen die verzauberte Ilse und badet sich im Flusse, der nach ihr heißt. Ist ein Mensch so glücklich und sieht sie im Bade, so führt sie ihn mit ins Schloss, bewirtet ihn köstlich und entlässt ihn reichlich beschenkt. Aber die neidische Hexe macht, dass sie nur an einigen Tagen des Jahres im Bade sichtbar ist. Nur derjenige vermag sie zu erlösen, der mit ihr zu gleicher Zeit im Flusse badet und ihr an Schönheit und Tugend gleicht« (Grimm, Deutsche Sagen: Nr. 316). Die Brüder Grimm berichten weiter, dass der Sage nach der zerklüftete Ilsestein ursprünglich ein einziger, zusammenhängender Felsen war: »Bei der Sündflut flohen zwei Geliebte dem Brocken zu, um der immer höher steigenden allgemeinen Überschwemmung zu entrinnen. Eh sie noch denselben erreichten und gerade auf einem andern Felsen zusammenstanden, spaltete sich solcher und wollte sie trennen. Auf der linken Seite, dem Brocken zugewandt, stand die Jungfrau; auf der rechten der Jüngling, und miteinander stürzten sie umschlungen in die Fluten. Die Jungfrau hieß Ilse. Noch alle Morgen schließt sie den Ilsestein auf, sich in der Ilse zu baden. Nur wenigen ist es vergönnt, sie zu sehen, aber wer sie kennt, preist sie.« Vom Ilsestein führt der Weg in hallenartigem Buchenmischwald an den Adlerklippen und weiteren im Steilhang anstehenden Felsen vorbei zu einer Schutzhütte. Hier muss man sich je nach Ausgangspunkt entscheiden: Links geht es hinab zum Parkplatz bei der Blankschmiedebrücke, geradeaus gelangt man zurück zum Blochhauer.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied400 m
Dauer3.15 h
Schwierigkeit
StartortDer Luftkurort Ilsenburg liegt im Ilsetal am Harznordrand an der Straße der Romanik.
AusgangspunktParkplatz (330m) im Ilsetal am Ende des für den öffentlichen Verkehr freigegebenen Teils der Ilsetalstraße in Ilsenburg. Alternativ Parkplatz Am Blochhauer, dem zentralen Wanderwege-Ausgangspunkt in Ilsenburg.
TourencharakterDer von Wasserfällen, artenreichen Laubmischwäldern und schroffen Felsszenerien geprägte Schluchtabschnitt des Ilsetals oberhalb von Ilsenburg ist eines der naturschönsten und berühmtesten Harztäler. Die malerischen Kaskaden des Wildbachs Ilse im Granitblockwerk inspirierten Heinrich Heine während seiner Harzwanderung im September 1824 zum Gedicht »Die Ilse«. Die Ilsetal-Schlucht liegt teils an der Grenze des Nationalparks Harz und teils im Naturschutzgebiet Rohn- und Westerberg, zu dem auch die Hänge und Felsen beidseits des Tals gehören, darunter der 150m senkrecht aus dem Tal aufragende Ilsestein, einer der schönsten Aussichtspunkte des Harzes. Die Ilsetal-Schlucht zählt auch aus botanischer und geologischer Sicht zu den interessantesten Harztälern. Den teilweise geländergesichert geführten Heinrich-Heine-Weg begleiten schroffe Granitwände und von Moosen und Flechten besiedelte Felsen, alles überdacht von artenreichen Mischwäldern, in denen die Buche dominiert.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wander-, Radtouren- und Langlaufkarte 1 - 50 000, Blatt 1019 Ostharz.
VerkehrsanbindungA 395 Braunschweig – Bad Harzburg bis Dreieck Vienenburg, weiter auf der B 6 in Richtung Wernigerode.
GastronomiePlessenburg, Ilsestein.
Tipps
Heinrich Heine - Die Ilse Ich bin die Prinzessin Ilse Und wohne im Ilsenstein; Komm mit nach meinem Schlosse, Wir wollen selig sein. Dein Haupt will ich benetzen Mit meiner klaren Well', Du sollst deine Schmerzen vergessen, Du sorgenkranker Gesell! In meinen weißen Armen, An meiner weißen Brust, Da sollst du liegen und träumen Von alter Märchenlust. Ich will dich küssen und herzen, Wie ich geherzt und geküsst, Den lieben Kaiser Heinrich, Der nun gestorben ist. Es bleiben tot die Toten, Und nur der Lebendige lebt; Und ich bin schön und blühend, Mein lachendes Herze bebt. Komm in mein Schloss herunter, In mein kristallenes Schloss, Da tanzen die Fräulein und Ritter, Es jubelt der Knappentross. Es rauschen die seidenen Schleppen, Es klirren die Eisensporn, Die Zwerge trompeten und pauken Und fiedeln und blasen das Horn. Doch dich soll mein Arm umschlingen, Wie er Kaiser Heinrich umschlang; Ich hielt' ihm zu die Ohren, Wenn die Trompet' erklang.
Tourismusbüro
Tourismus GmbH Ilsenburg, Marktplatz 1, 38871 Ilsenburg, www.ilsenburg.de

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