Günther-Messner-Gedächtnissteig

Lange und anspruchsvolle Runde mit einigen felsigen, aber gesicherten Passagen.Trittsicherheit und Ausdauer unerlässlich, mit einer Übernachtung in der Schlüterhütte besonders schön. Besteigt man den Tullen, erhöht sich die Gesamtgehzeit auf knapp 8 Stunden. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Günther Messner.
Der Name des Steigs erinnert an den Bruder Reinhold Messners, der 1973 am Nanga Parbat ums Leben kam – unter nie ganz geklärten Umständen, was später zu einem Streit unter den Expeditionsteilnehmern führte, der sich endlos hinzog.
Beim Günther-Messner-Gedächtnissteig handelt es sich nicht – wie ge-legentlich kolportiert – um eine Via ferrata, auch wenn einige kürzere Passagen gesichert sind. Seine Begehung setzt aber Bergerfahrung, Ausdauer und absolute Trittsicherheit voraus. Wer beim Blick in die Tiefe leicht sein psychisches Gleichgewicht verliert, schaut sich die Geislerspitzen doch besser vom Munkel-Weg aus an.
Idealer Ausgangspunkt ist die Zanser Alm (1685 m) im hintersten Villnößtal. Da der Aufstieg südseitig verläuft, empfiehlt es sich, früh loszugehen. Die Länge der Tour legt es nahe, eine Übernachtung auf der Schlüterhütte zumindest ins Kalkül zu ziehen.
Der Günther-Messner-Höhenweg startet eigentlich beim Russiskreuz (1729 m) an der Brixner Dolomitenstraße, also auf der Nordseite der Aferer Geiseln. Eine Kombination mit den Villnösser Wegen hat aber gleich drei Vorteile: weniger Schatten, mehr Aussicht und zwei bewirtschaftete Hütten an der (etwa gleich langen) Runde.
Hinauf!
Die große Runde beginnt am Kaserillbach; auf breitem Weg wandert man taleinwärts zur Abzweigung der Herrensteige. Links neben einer mächtigen Geröllreiße geht es zunehmend steiler, aber wenigstens noch schattig, bergan. An der Weggabelung (1960 m) fädelt man in den Oberen Herrensteig (Markierung Nr. 32A) ein, der mit zunehmend freier Sicht auf die Geislerspitzen an der Südflanke der Aferer Geiseln schräg ansteigt, dabei mehrere Gräben quert und schließlich auf den blumenreichen Kofelwiesen (2200 m) in den Günther-Messner-Steig mündet (2 Std.).
Der Tullen.
Über Almböden geht es weiter gegen die bizarren Felszacken der Weißlahnspitzen (2494 m) bergan. Eine namenlose Gratsenke wird tangiert, dann quert das Weglein zwischen Grasbuckeln, Mulden und Schrofen hinüber zum kreuzgeschmückten Tullen (2653 m). Der höchste Gipfel der Aferer Geiseln lässt sich von der beschilderten Abzweigung in etwa 20Minuten auf einer schmalen Geröllspur leicht besteigen. Oben bietet sich eine phänomenale Rundsicht in den Farben Grün, Grau, Weiß und Blau. Im Süden und Osten stehen die Zackenprofile der Dolomiten, im Norden liegt das wald-reiche Pustertal, und darüber baut sich in der Ferne der weiße Firnsaum der Zillertaler Hauptkette auf. Und über allem lacht der blaue Südtiroler Himmel!
Am Kamm entlang.
Der Günther-Messner-Steig lässt den Tullen links stehen und steuert eine felsige Rinne in der Südflanke des Wälscher Rings (2646 m) an. Drahtseile erleichtern den Aufstieg; über einen steinigen Wiesenhang gewinnt man anschließend leicht den Grat. Der Höhenweg wechselt kurz in die Nordflanke (im Frühsommer möglicherweise Altschnee); nach kurzem Zwischenabstieg helfen Drahtseile auf den Gipfel (3.30 Std.), der die gleiche und ebenfalls schöne Aussicht wie der Tullen bietet.
Der Weiterweg verläuft wieder an der Son-nenseite des Kamms; in steilem Zickzack geht’s zunächst über Schrofen bergab. Dann steigt man durch eine steile und enge Rinne (Drahtseil) empor auf einen Wiesenhang. Links haltend in eine Gratsenke (2567 m) und noch weiter aufwärts in eine Minischarte (2580m) im Südwestgrat der westlichsten Ringspitze.
Dahinter verliert der Günther-Messner-Steig allmählich an Höhe (rund 150 Meter), ehe er in den schrofendurchsetzten Hängen der Ringspitzen (2625 m) erneut anzusteigen beginnt. Eine solide, etwa acht Meter hohe Leiter hilft über einen senkrechten Grataufschwung; Drahtseile leiten anschließend in Gehgelände. Aus einer Scharte führen die Markierungen links abwärts, unter überhängenden Felsen zu einer Graskuppe (schöner Blick auf den Peitlerkofel!) und über einen Wiesenhang rechts hinunter zu dem viel begangenen Weg, der, von der Peitlerscharte kommend, südlich ins weite Kreuzkofeljoch (2340 m) leitet. Großartig ist die Aussicht nach Osten, über das Hochabtei hinweg, auf die Kreuzkofelgruppe (Zehner, 3026 m) und das massige Felsduo Lavarela–Conturines; rechts dahinter zeigen sich die Tofane.
Das Haus des Franz Schlüter.
Knapp jenseits der Senke steht die Schlüterhütte (2297 m; 5.45 Std.). Sie wurde bereits 1897 eröffnet, später dann erweitert und ging nach dem Ersten Weltkrieg in den Besitz des CAI über. Die Anregung zum Bau eines Schutzhauses stammte von dem Bozner Bergsteiger Johann Santner; finanziert wurde er vom wohlhabenden Dresdner Kaufmann Franz Schlüter.
Die Umgebung der Hütte ist auch geologisch interessant, findet man hier doch gleich mehrere Gesteine der Dolomiten-Schichtfolge. Dabei liegen ältere wie Quarzphyllit auf jüngerem Schlerndolomit, und an der Graskuppe des Bronsoi sind sogar weißliche Bellerophonschichten aufgeschlossen.
Zurück ins Tal.
Wer nicht gleich in der Schlüterhütte übernachtet, wird sich wenigstens zu einer Pause verführen lassen. Im Angebot stehen nicht nur Südtiroler Speck und Kaiserschmarrn; ganz umsonst gibt es auch noch einen schönen Blick über das Villnößtal. Auf der Nordseite stehen die Aferer Geiseln, gegenüber – ein Blickfang par excellence – die Geislerspitzen.
Angemessen gestärkt nimmt man dann den Abstieg unter die Füße: anderthalb Stunden über die Gampenalm (2062 m), begleitet von den Geislerspitzen, die sich im Licht des späteren Nachmittags besonders effektvoll präsentieren. Unterhalb der Gampenwiesen mündet der komfortable Wanderweg in eine Sandstraße, die am Kaserillbach entlang zur Zanser Alm zurückleitet (7.15 Std.).

Zanser Alm – Kofelwiesen 2 Std., zur Schlüterhütte 3.45 Std., Schlüterhütte – Zanser Alm 1.30 Std. Insgesamt 7.15 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied1100 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortSt.Peter in Villnöß (1154m), Hauptort des Villnößtals
AusgangspunktZanser Alm (1685m) im innersten Villnößtal
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterWenn halbe Heerscharen drüben am Adolf-Munkel-Weg unterwegs sind, sich den Kopf verrenken beim Blick hinauf in die Felsen, an denen der kleine Reinhold Messner seine ersten Kletterversuche unternahm, ist es in den Aferer Geiseln vergleichsweise ruhig. Weniger hoch, weniger schön gebaut als die Geislerspitzen, fristen sie ein Dornröschendasein im Schatten von Sas Rigais, Fermeda & Co. Das stört Naturfreunde überhaupt nicht, und auf der ebenso langen wie abwechslungs- und aussichtsreichen Überschreitung ist man froh um die (relative) Ruhe. Denn ein schönes, nachhaltiges Naturerlebnis verträgt eben nicht allzu viel Gesellschaft ...
Hinweise
Zanser Alm – Kofelwiesen 2 Std., zur Schlüterhütte 3.45 Std., Schlüterhütte – Zanser Alm 1.30 Std. Insgesamt 7.15 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 030 »Brixen–Villnösstal«
VerkehrsanbindungAus dem Eisacktal auf guter Straße via St.Peter zum Parkplatz bei der Zanser Alm, 17 km
GastronomieFranz-Schlüter-Hütte, Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. 0472/840132. Gampenalm, Juni bis Oktober, Tel. 0348/2721587
Tourismusbüro
Tourismusverein Villnösser Tal, St. Peter 11, I-39040 Villnöß, Tel. +39/0472/84 01 80, info@villnoess.info, www.villnoess.com

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