Der Höhenweg Simplon- Süd

Wenig anstrengende, sehr aussichtsreiche Hang- bzw. Höhenwanderung auf gut markiertem Weg. Zwischenabstieg nach Egga an der Simplonstraße möglich (markiert). (Autor: Eugen E. Hüsler)
14 km
1130 m
5.00 h
Ein bisschen Alpensüdseite besitzt allerdings auch der Kanton Wallis: hinterm Simplonpass. Die Gletscherwasser von Monte Leone, Fletschhorn und Weissmies fließen dem Toce zu und der mündet in den Lago Maggiore. Und trotz himmelhoch ragender Berge verströmt das Simplontal einen Hauch von südländischem Flair. Hoch über der Gondoschlucht, der letzten Barriere vor der Grenze zu Bella Italia, ist manche Alphütte aus Bruchsteinen gebaut, ganz wie die Rustici am Langensee, Klima und Flora sind jenem des Ticino sehr ähnlich, und so mancher in Simplon-Dorf hat italienische Vorfahren. Vor zwei Jahrhunderten dürfte sogar eine Mehrheit der Talbewohner Italiener gewesen sein, vorübergehend wenigstens, als Napoleon die erste moderne Passstraße über den Simplon bauen ließ (1801–1805). Von der alten Trasse ist nicht mehr viel geblieben; wer auf dem Höhenweg vom Simplonpass zum Chastelberg wandert, kann dagegen das elegant geschwungene Asphaltband der modernen Passstraße nicht übersehen. Und die im Schneckentempo dahinkriechenden Schwerlaster – rund 80 000 pro Jahr. Wenig Verkehr herrscht dagegen auf der schmalen Wanderspur hoch über dem Tal. Das stört überhaupt nicht, ganz ungestört lässt sich so auf dem Weg die fantastische Aussicht genießen. Blickfang ist natürlich das vergletscherte Trio jenseits des weit offenen Tals: Fletschhorn (3982 m), Lagginhorn (4010 m) und Weissmies (4017 m); Letzteres baut sich mit seinem gewaltigen Nordostabsturz über dem innersten Laggintal auf. Ganz klein nimmt sich im Vergleich das Seehorn (2439 m) mit seinem Antennenstachel aus, dank seiner Lage zwischen der Gondoschlucht und dem Zwischbergental bietet es aber eine fantastische Aussicht. Der packendste Tiefblick in die Gondoschlucht bildet dann den finalen Knaller der Höhenwanderung: Am Chastelbergpass (2190 m), der eigentlich nur ein Abbruch ist, schaut man hinunter in diesen monumentalen Graben. Kein Wunder, dass der alte Simplonweg diese gefährliche Strecke umging und über die Furggu ins Zwischbergental führte. Der Höhenweg Er beginnt wenig südlich des imposanten, von den Mönchen des Grossen St. Bernhard geführten Hospizes. Eine breite, sanft ansteigende Fahrspur führt in wenigen Minuten zum seichten Rotelsee (2028 m), weiß-rot-weiße Markierungen und eine deutliche Spur leiten dann über die felsdurchsetzten Grashänge der Chalberweid schräg bergan. Im Früh- und Hochsommer blüht es auf den Wiesen üppig; im Rückblick zeigen sich über der weiten Senke des Simplon die Zacken der Berner Alpen. Am Holiecht führt der Weg an einem Moortümpel vorbei; hier wird der Blick nach Süden frei, auf den mächtigen Bergstock des Fletschhorns und die Eiskatarakte des stark geschrumpften Rossbodengletschers. Nach kurzem Anstieg läuft die markierte Spur an der Howeng sanft bergab, immer mit schönster Aussicht. Bei den Alphütten von Balma (2031 m; 1.45 Std.), einem schönen Rastplatz am Fuß des Hübschhorns (3192 m), quert man den Walibach. In lichtem Wald steigt der Höhenweg oberhalb von Homatta (Zwischenabstieg nach Egga) leicht an und mündet schließlich in ein Sandsträßchen. Mit ihm geht’s unter dem massiv mit Eisen verbauten Glatthorn (2581 m) weiter zur Mündung der Chesselchumma, wo ein mächtiger Erdwall die Gefahr von Lawinen bannen soll. An der folgenden Verzweigung schlägt man den oberen Weg ein und quert an der Waldgrenze die Spilwang, dann ein Bergsturzgelände. Fantastisch der Blick durchs Laggintal auf das Weissmies. Wenig weiter, am Chastelbergpass (2190 m; 3.15 Std.), steht der Wanderer unvermittelt am 1000-Meter- Abbruch zur Gondoschlucht – wow! Die moderne Passstraße verläuft – gut zu sehen – hier fast durchgehend in Galerien. Ein paar Hundert Meter darüber liegt linker Hand die idyllische, teilweise bewaldete Talmulde von Alpje, ein paar Kilometer weiter talabwärts ist Gondo Grenzstation zu Italien. Abstieg Am Pass, der eigentlich keiner ist, weist ein Hinweisschild nach Simplon-Dorf. Man folgt dem Weglein, das den licht mit Lärchen bestandenen Hang diagonal schneidet, zu den verfallenen Hütten des Hobielestafel (2028 m). Im Zickzack geht’s dann steiler (aber angenehm schattig) bergab. Gelegentlich bieten sich Tiefblicke auf Simplon Dorf, das von der modernen Passstraße umgangen wird. Man kreuzt eine Sandpiste und ganz zuletzt die Chrummerbacheri, die längste Suone südlich des Simplons. Fast vier Kilometer lang, schöpft sie ihr Wasser beim Weiler Egga. Auf Asphalt geht’s hinein ins Dorf und kurz aufwärts zur alten Hauptstraße, wo der Postbus hält (5 Std.).

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1130 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortBrig (678 m) im Rhoneta
AusgangspunktSimplon Hospiz (1997 m), Postbushalt
EndpunktSimplon Dorf (1472 m), Postbushalt
TourencharakterDas Wallis ist ja dem Süden schon recht nahe, weshalb es auch oft (und nicht ganz zu Unrecht) mit der Provence verglichen wird. Zürcher etwa ordnen den zweisprachigen Kanton eher dem Westen zu (»Wilder Westen« lästern böse Zungen gelegentlich); sie fahren über den Gotthard in den Tessin – das ist ihr eidgenössischer Süden.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße Markierungen, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungDie Simplonstraße verbindet das obere Rhonetal (Brig) mit dem italienischen Domodossola. Postbus über den Pass
GastronomieEinkehrmöglichkeiten am Simplonpass und in Simplon Dorf
Tipps
Die Gondoschlucht Der Blick vom Chastelbergpass in die gewaltige Gondoschlucht macht natürlich neugierig, vor allem, wenn man weiß, dass der alte Stockalperweg auch in diesem Abschnitt vor ein paar Jahren rekonstruiert und zu einem interessanten Themenweg ausgebaut worden ist. Er führt von Gabi (1228 m) rechts der Doveria in die Klamm. Am Eingang, in der Äbi, steht die Ruine eines von Stockalper als Warenlager geplanten Gebäudes, das aber nie vollendet wurde. Knapp einen Kilometer weiter kommt man an einem alten Kalkofen vorbei, vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Eine moderne Fußgängerbrücke führt über den Bach zur Alten Kaserne. Im Zusammenhang mit der napoleonischen Heerstraße erbaut, beherbergt sie heute eine Ausstellung über die Verkehrsgeschichte des Simplon. Hinter dem Hochsteg nehmen die moderne Passstraße, die in einer Galerie verläuft, und der historische Weg den gleichen Verlauf. Unter, neben und auf dem Betonmonster wandert man talabwärts zur Casermetta, wo die neue Simplonstraße in einem Tunnel verschwindet. Wanderer folgen der alten Route, steigen dann über einen luftigen Steg hinauf zum Eingang von Fort Gondo, einer Talsperre aus dem 19. Jahrhundert, die vor und während des Zweiten Weltkriegs stark ausgebaut wurde. Ein 350 Meter langer Stollen wurde hier durch den Berg getrieben. Dahinter geht’s über Eisenstiegen hinab zum Bach; beim Pont des Sapins wechselt man auf einem weiteren Metallsteg zur linken Talseite. Bei Gondo, das im Jahr 2000 durch eine Unwetterkatastrophe teilweise zerstört wurde, endet der historische Passweg. Auffallendstes Gebäude in dem Flecken ist – wen wundert’s? – der Stockalperturm. Stilvoll restauriert, beherbergt er heute ein Hotel und ein kleines Museum. Gehzeit Gabi – Gondo 2 Std. Führungen im Fort Gondo von Mitte Juni bis Mitte Oktober jeweils am Samstag um 14 Uhr; Infos: Tel. 027/979 10 10.
Informationen
Tourist-Info Verkehrsverein, CH-3907 Simplon, Tel. 027/979 17 01, www.simplon.ch