Hüttenwandern in den Bayerischen Voralpen

Albert-Link-Hütte, 1053 m

Nicht unbedingt eine Berghütte im klassischen Sinn, vielmehr ein gepflegtes Ausflugslokal für genussreiche Stunden rund ums Jahr: Das ist die Albert-Link-Hütte oberhalb vom Spitzingsee. (Autor: Martina Gorgas)

Spaziergang zur Hütte

Um zur Albert-Link-Hütte zu kommen, muss man keine große Bergwanderung unternehmen; man erreicht sie mit einem recht gemütlichen Spaziergang. Die Hütte, mehr ein Gasthaus als eine Gebirgshütte, steht am Südrand des Spitzingsees. Vom Parkplatz der Kirche ausgehend folgen wir ab der Schranke bei der Wurzhütte der in die Valepp führenden Straße – sie ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt und sogar kinderwagentauglich. Wir spazieren gemütlich neben der plätschernden Roten Valepp, bis nach etwa 20 Min. rechter Hand der graue Steinbau der Albert-Link-Hütte auftaucht.

Dieser Spaziergang ist auch im Winter sehr schön – je nach Schneeverhältnissen entweder als Winterwanderung oder mit Schneeschuhen.

Ein Vogtländer findet seinen Platz

Uwe Gruber wollte eigentlich nur einen Sommer lang auf einer Berghütte arbeiten und dann im Herbst eine neue Stelle antreten. Doch alles kam anders: Zum einen packte ihn die Leidenschaft fürs Leben in den Bergen, zum anderen suchte der DAV gerade einen Hüttenwirt für die etwas vernachlässigte Albert-Link-Hütte. Mit seiner Lebensgefährtin Ute Werner nahm der dynamische Vogtländer die Herausforderung an: Gemeinsam mit dem DAV entwickelte er ein neues Konzept für die Hütte, die grundlegend renoviert und saniert wurde.

Neue Fenster und ein neues Dach wurden eingebaut, das Massenlager in gemütliche Mehrbettzimmer umgewandelt und die Gaststube liebevoll gestaltet. Der gelernte Bäcker- und Konditormeister (und Metzgersohn) und die Restaurantfachfrau stellten auch die Küche »auf neue Füße«: Im ehemaligen Heizöltankraum richteten sie eine Brotbackstube ein, und neben der Hütte ließen sie ein Back- und ein Räucherhaus errichten.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt: 2003 erhielt die Albert-Link-Hütte für ihren ökologischen Umbau und den nachhaltigen Betrieb das Umweltgütesiegel. Und dass auch die Gäste das neue Konzept zu schätzen wissen, zeigen die Übernachtungszahlen, die sich in wenigen Jahren nahezu verdoppelt haben.

Holzofenbrot, Räucherkäse und Kaiserschmarrn

An manchen Tagen riecht man die Albert-Link-Hütte schon von Weitem. Dann steht der Chef vermutlich gerade auf der Terrasse und zieht mit langen Holzlatten kleine, runde Holzofenbrote aus dem Backofen. Jeden Tag bereitet er in der Backstube im Keller den Biosauerteig zu. Je nach Brotsorte kommen Buttermilch, Gerstenmalz und frische Kräuter hinein. Das köstliche Vollkorn- und Bauernbrot wird auf der Hütte zu vielen Gerichten serviert, landet aber auch anderswo auf den Tellern der Gäste, etwa im Arabella-Sheraton Hotel am Spitzingsee.

Doch nicht nur Brot kommt aus dem Backofen, auch altbayerischer Leberkäse, Käse und natürlich verschiedene Kuchen. Nicht minder aromatisch duften der würzige Bergkäse, der Wildschinken und der Bauernspeck, die im Räucherhaus neben dem Backofen geräuchert werden

.Eine besondere Spezialität des Hauses ist der karamellisierte Kaiserschmarrn, den es in drei verschiedenen Versionen gibt. Uwe Gruber erzählt, dass der Kaiserschmarrn so mächtig und gehaltvoll sei, weil er nach traditionellem Rezept mit Schmalz zubereitet werde – schließlich musste er früher hungrige Holzarbeiter sättigen. Heute freuen sich auch Wanderer über die üppigen Portionen.

Schmankerl für zu Hause

Und weil selbst mehrere Besuche auf der Albert-Link-Hütte nicht ausreichen, um alle Köstlichkeiten zu probieren, holt man das am besten daheim nach. Auf der Hütte werden je nach Angebot selbst gemachte Wildsalami oder -schinken, geräucherter oder Wildkräuterkäse und natürlich das Holzofenbrot verkauft. Sehr lecker sind auch die selbst gemachten Gelees, besonders das Löwenzahngelee.

Kraft aus der Natur schöpfen

Seit Kurzem können die Gäste der Albert-Link-Hütte nicht nur gesund essen, sondern auch gesund schlafen: Die Betten der Zimmer und Lager sind neuerdings mit aromatisch duftenden Heukräuterkissen ausgestattet. Laut Hersteller kann man mit ihrer Hilfe im Schlaf Stress abbauen und Kraft für Körper, Geist und Seele schöpfen.

Wenn Sie mehr über die Wildkräuter erfahren möchten, die im Spitzinggebiet wachsen, können Sie an einer geführten Kräuterwanderung teilnehmen. Unterwegs erfährt man jede Menge über ihre Verwendung und sammelt selbst verschiedene Kräuter. Den Abschluss bildet eine schmackhafte Kräutermahlzeit (Informationen und Anmeldung über den DAV oder direkt bei den Miesbacher Kräuterpädagogen, Tel. 08025/99 53 56).

Hin- und Rückweg insgesamt 40 Min.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour2 km
Höhenunterschied10 m
Dauer0.50 h
StartortSpitzingsee (1090 m)
TourencharakterLeichter Spaziergang auf breiter Forststraße, auch mit Kinderwagen möglich.
Hinweise
Aus der Hüttengeschichte -  Die Geschichte der Albert-Link-Hütte ist sozusagen die Geschichte des Skisports. Als dieser in den 1920er-Jahren immer populärer wurde, gründete die DAV-Sektion München die erste Skiabteilung unter der Leitung von Albert Link. Da die Skikurse und Wettkämpfe häufig im Spitzinggebiet ausgetragen wurden, erwarb der DAV die kleine Valeppalm als Stützpunkt, die aber dem zunehmenden Andrang bald nicht mehr gewachsen war. 1939 riss man die Alm ab und errichtete an ihrer Stelle ein Berghaus im alpenländischen Stil. Zu Ehren Albert Links erhielt das 1940 eingeweihte Haus seinen Namen.
KartentippAV-Karte 1:25 000, 7/1 Bayrischzell/Schliersee; UK 12
VerkehrsanbindungAuto: Auf der A 8 München–Salzburg bis zur Ausfahrt Weyarn, weiter nach Miesbach und auf der B 307 über Hausham, Schliersee und Fischhausen-Neuhaus zur Abzweigung der Spitzingstraße; dann über den Spitzingsattel zum großen Parkplatz bei der Kirche (gebührenpflichtig)
Zug: Mit der BOB (Bayerische Oberlandbahn) nach Schliersee, vom Bahnhof Schliersee mit dem Bus zum Spitzingsee
Tipps
Drei-Seen-Tour: Die DAV-Sektion München hat eine sehr reizvolle mehrtägige Tour um Schlier-, Spitzing- und Tegernsee mit Anreise, Übernachtung, Halbpension und Lunchpaketen zusammengestellt. Die Stationen der Tour sind Spitzingsattel, Schönfeldhütte, Rotwandhaus, Pfanngraben, Albert-Link-Hütte, Spitzingsee, Untere Firstalm und Enterrottach. Informationen dazu finden Sie unter www.huettentrekking.de oder bei der Albert-Link- bzw. der Schönfeldhütte.
Unterkunft
Albert-Link-Hütte, Valepper Str. 8, 83727 Schliersee-Spitzingsee, Tel. 08026/ 712 64, Fax 08026/ 78 25 95, www.albert-link-huette.de
Hüttenwirt: Uwe Gruber
Öffnungszeiten: Ganzjährig geöffnet, Montag Ruhetag; Betriebsferien im April und Dezember
Schlafplätze: 36 Zimmerlager, 27 Matratzenlager

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