Wümme - Von Lauenbrück nach Ottersberg

Herrliche Kleinflussfahrt. Vom Start in Lauenbrück bis Scheeßel fließt die Wümme als schmaler Fluss in z.T. sehr engen Kurven durch eine stille Waldlandschaft. Ab Scheeßel wird sie breiter, ist aber auf dem gesamten beschriebenen Abschnitt sehr naturnah; es gibt viele seltene Pflanzen und Tiere zu entdecken. (Autor: Michael Hennemann)
Der Wegverlauf.
Am Einstieg in Lauenbrück ist die Wümme nicht einmal 5 m breit, und gleich, nachdem wir hinter der ersten engen Kehre die Straßenbrücke der B75 hinter uns gelassen haben, übernimmt die Natur das Kommando; schnell übertönt das vielstimmige Vogelgezwitscher den Verkehrslärm. Die Wümme bleibt schmal und schlängelt sich durch idyllische Wälder und vorbei an Wiesen. Nachdem wir eine kleine Holzbrücke erreicht haben, beginnt der wohl schönste Waldabschnitt, der bis Scheeßel reicht. Ein Eisvogel flattert vor uns her, und eine Bisamratte schiebt ein grünes Grasbüschel im Maul über den Fluss. Ursprünglich stammt der Bisam, der keine Ratten-, sondern eine Wühlmausart ist, aus Nordamerika und wurde 1905 bei Prag in Europa als Pelztier eingeführt. Er verwilderte, verbreitete sich schnell und wurde entlang den Flüssen zu einem Problem, denn durch die unterirdischen Bisambauten werden die Deiche beschädigt und bieten Angriffspunkte für die Erosion.
An der Helvesieker Brücke haben wir Scheeßel erreicht, und die Anlegestelle am linken Ufer bietet uns eine erste Möglichkeit zum Campingplatz zu kommen. Eine weitere Möglichkeit liegt weiter flussabwärts in einer fast 270°-Kurve mit einem schönen Sandstrand.
Eine der in der Kleinstadt Scheeßel nicht gerade reich gesäten, touristischen Attraktionen ist das von malerischen Eichen umringte Niederdeutsche Hallenhaus in der Ortsmitte. Hier hat der Heimatverein ein kleines Museum eingerichtet und sorgt mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen dafür, dass altes, traditionelles Handwerk nicht vergessen wird. Im ehemaligen Landarbeiterhaus werden Kurse für das Weben mit historischem Gerät, wie z.B. einem Bauernwebstuhl, angeboten. Der Hofschafstall wird als Kunstgewerbehaus für Ausstellungen genutzt, und in der Halle des Kornspeichers übt man ein einst in der Stadt ansässiges Handwerk aus: Nach altüberlieferten Verfahren werden Stoffe mit Pappe bedruckt und mit Indigo gefärbt. Eine Schusterstube sowie weitere Gerätschaften fast vergessener Berufe runden das Angebot ab. Führungen im Meyerhof sind ganzjährig nach Voranmeldung (Heimatverein Niedersachsen e.V. Scheeßel, Tel. 04263/8551) möglich.
Auch im nächsten Abschnitt bleibt die Wümme im Wald; dass wir uns in oder nahe einer Stadt befinden, merken wir erst hinter der nächsten Straßenbrücke, wo die Grundstücke und Häuser bis ans Ufer reichen. Das Wehr der Mühle in Scheeßel kündigt sich deutlich an. Die Mühle in Scheeßel war ursprünglich eine Öl- und Lohmühle, in der seit dem Bau 1835 zunächst Öl aus Ölsamen und Lohe aus Eichenrinde zum Gerben von Leder gewonnen wurde. Erst 1869 wurde die Mühle zu einer Kornmühle umgebaut und um eine Sägerei erweitert, die die überschüssige Energie nutzen konnte. Eine Dampfmaschine diente dazu, bei Wasserknappheit die Mühle anzutreiben. Die Strömung nimmt nun merklich ab; die aufgestaute Wümme sucht sich den Weg in die Breite und fächert sich in mehrere Arme auf. Wir halten uns rechts, um zur Umtragestelle zu gelangen. Die Portage ist einfach, wir müssen nur kurz eine Straße überqueren. Wie so oft an einem kleinen Fluss ist auch hinter diesem Wehr der Wasserstand sehr flach. Das ändert sich aber sofort, nachdem der Mühlengraben sein Wasser wieder an die Wümme zurückgegeben hat.
Im Vergleich zur Staustrecke wird die Wümme zwar wieder schmaler, bleibt aber breiter als zu Beginn der Tour bei Lauenbrück. Auch die Kurven sind nicht mehr so eng und statt Wäldern überwiegen nun bis Rotenburg vor allem Wiesen. Blütenteppiche des flutenden Hahnenfußes und die purpurnen Blütenstängel des Blutweiderichs steuern weiße und purpurfarbene Farbtupfer bei.
Nach einigen kleinen Brücken und einer problemlos zu fahrenden Stufe kündigt die Eisenbahnbrücke Rotenburg an. Nach einer Holzbrücke für Fußgänger hat der örtliche Kanuverein seine Kanuslalomstrecke im Fluss aufgebaut. Links davon legen wir am Anleger an, um das nur ein paar Schritte entfernte, recht hübsche Stadtzentrum zu erkunden. Neben dem großen Erlebnisbad Ronululu mit Saunalandschaft und Riesenrutsche zählt der Kulturpfad, der zu zahlreichen Kunstwerken und Skulpturen wie dem »Paar-oh-die Brunnen« auf dem Marktplatz führt, zu den Hauptattraktionen der Stadt.
Nach dem Wiedereinsteigen in die Bootsluken folgen zwei kleinere Stufen, eine weitere Fußgänger- und die Straßenbrücke, dann wir es wieder einsam, und die Wümme sucht sich ihren Weg durch eine weitläufige Wiesenlandschaft. Unter der nächsten Straßenbrücke versperrt das Unterstedter Wehr die Weiterfahrt. Wir legen am Steg davor rechts an, umtragen über die Brücke und setzen am rechten Ufer hinter dem Wehr wieder ein.
Anschließend passieren wir eine Eisenbahnbrücke, dann folgt eine bei niedrigem Wasserstand eventuell etwas steinige Stufe. Nächstes Hindernis ist das Ahausener Wehr, das für erfahrene Kanuten kein Problem darstellt, am linken Ufer aber auch kurz umtragen werden kann.
Gleiches gilt auch gut 2 km später für das erste von zwei Wehren in Hellwege. Gut 1 km weiter können wir an der Straßenbrücke aussteigen und am Gasthof eine Pause einlegen. Nach weiteren 2 km erwartet uns das letzte Wehr dieser Tour, das problemlos befahren werden kann, wenn das Schott geöffnet ist; ansonsten kann es einfach am linken Ufer umtragen werden.
Langsam wird das Dröhnen der Autobahn A1 lauter; bevor wir deren Brücke unterfahren, erreichen wir am rechten Ufer den Anleger von Everinghausen, wo gleich zwei Campingplätze mit Restaurant um die Gunst der Paddler buhlen. Direkt hinter dem Anleger läutet die Autobahnbrücke den letzten Tourenabschnitt ein. Knapp 1 km später teilt sich die Wümme, und nach links rauscht der stark verbaute Südarm über ein Wehr. Wir halten uns rechts, paddeln vorbei an der Einmündung der Wieste und erreichen bald die Straßenbrücke in Ottersberg, hinter der wir anlegen können und einen guten Endpunkt für unsere Wümme-Kanutour finden. Von hier sind es knapp 1,5 km Fußweg auf der »Großen Straße« bis zum südlich gelegenen Bahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour45 km
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBootsanleger in Lauenbrück.
EndpunktAnleger an der Straßenbrücke in Ottersberg.
TourencharakterDie Wümme entspringt in der Lüneburger Heide und fließt durch naturbelassene (bzw. mittlerweile wieder renaturierte) einsame Wald- und Wiesenlandschaften.
Befahrbarkeit.
Prinzipiell ganzjährig, in besonders trockenen Sommern reicht der Wasserstand im ersten Abschnitt von Lauenbrück bis Scheeßel für eine Befahrung evtl. nicht aus.
Befahrungsregeln.
Bitte nutzen Sie zum Ein- und Ausstieg und für die Rast nur die gekennzeichneten Stellen, und achten Sie auf ausreichenden Wasserstand (Pegelstand unter www.tourow.de).
Hindernisse.
Mehrere Wehre, die kurz und unproblematisch zu umtragen sind. Scheeßel: Mühlenwehr, kurz rechts umtragen. Unterstedt: Wehr, links aussetzen und über die Brücke umtragen, am rechten Ufer wieder ein- setzen. Ahausen: Wehr, für Geübte befahrbar, ansonsten kurz links umtragen. Hellwege: zwei Wehre, das erste für Geübte befahrbar, ansonsten links umtragen; das zweite Wehr ist gut fahrbar, wenn geöffnet, ansonsten links umtragen.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungA1 Abfahrt 47 (Sittensen), weiter auf der B75 bis Lauenbrück; hinter dem Ortseingang erste Möglichkeit (Schmiedeberg) rechts und der Ausschilderung zum Boots- verleih/Einsatzstelle folgen. Transfer: Zugverbindung im 60-Min.-Takt zwischen Ottersberg (Bahnhof ca. 1,5 km Fußweg von der Aussatzstelle) und Lauenbrück.
GastronomieRotenburg - Restau- rants im Stadtzentrum. Hellwege: »Kaisers Gasthaus«. Evering- hausen: Restaurants an den beiden Campingplätzen. Ottersberg: Imbiss und Restaurants nahe der Aussatzstelle.
Tipps
Otto-Modersohn-Museum Fischerhude. 1907 kam der Maler Otto Modersohn nach dem Tod seiner Frau Paula aus Worpswede nach Fischerhude. Viele Künstler sind ihm gefolgt, und noch heute leben Maler, Schriftsteller und Grafiker in dem stillen Wümme-Dorf, in dem aber kein Kunstbetrieb stattfindet und es ruhiger und weniger touristisch zugeht als in Worpswede. Das Museum (Tel. 04293/328, www.modersohn-museum.de, geöffnet täglich 10–18 Uhr) zeigt neben Werken Otto Modersohns auch viele Gemälde von Paula Modersohn-Becker.
Verleih
Lauenbrück - Wümme-Kanuverleih Rutner, Schmiedeberg 37, Tel. 04267/ 1543, www.wuemmekanu.de. Hellwege: Kanuverleih Karin Küsel, Viehweg 1, Tel. 04264/ 702.
Unterkunft
Lauenbrück - Campingplatz Alte Löweninsel, Tel. 04267/355 (ca. 500 m von der Einsatzstelle entfernt). Scheeßel: Campingplatz Waidmannsruh, Tel. 04263/1221; Zeltmöglichkeit beim TSV Scheeßel, Ansprechpartner Lothar Scheele, Tel. 04263/3901, www.kanu-scheessel.de. Everinghausen: Camping-Paradies Grüner Jäger, Everinghauser Dorfstr. 17, Tel. 04205/319113, wwww.camping-paradies.de; Campingplatz Eikhöfe, Everinghauser Dorfstr. 18, Tel. 04205/430.
Tourismusbüro
Touristikverband Landkreis Rotenburg, Am Pferdemarkt 1, 27356 Rotenburg, Tel. 04261/ 81960, www.tourow.de.