Von Bacharach nach Koblenz

Der Weg führt in weiten Teilen weiter parallel zur Bundesstraße auf dem sehr gut befahrbaren Radweg. Schöner Asphalt also unter den Reifen – aber leider auch Motorengeräusche als Wegbegleiter. (Autor: Karsten-Thilo Raab und Ulrike Katrin Peters)
49 km
430 m
5.00 h
Bacharach lädt zum Bummeln durch seine schmalen Gässchen ein. Mittelalterliches Flair umgibt das alte Weinstädtchen – kein Wunder, war es doch ursprünglich ein römisches Heiligtum für den Gott Bacchus. Ein Zeuge aus dem 14. Jahrhundert, als sich hier viele Könige und Kaiser während der Fürstenversammlungen einquartierten, ist bis heute die Ringmauer, die zwischen Münzturm und Zollhof sogar noch begehbar ist. Neben dem Wahrzeichen der Stadt, der hochgotischen Wernerkapelle aus dem 13. Jahrhundert, sind das Zehnthaus, der Posthof, die Amtskellerei sowie das Haus Sickingen sehenswert. Über der Stadt thront die Burg Stahleck, erstmals 1135 urkundlich erwähnt. Ein toller Panoramablick auf Bacharach, das oft als »heimliche Hauptstadt der Rheinromantik« bezeichnet wird, bietet sich übrigens vom Postenturm aus.Von Bacharach bis zum berühmtesten Felsen Deutschlands, der Loreley, sind es genau 12km. Nachdem man die Stadt hinter sich gelassen hat, geht es weiter auf einem sehr breiten Radweg mit zwei Radspuren, parallel zur Bundesstraße, während rechts der schnell fließende Rhein mit mehreren kleinen Inseln in den Blick kommt. 2,2km hinter dem Bacharacher Mönchsturm erscheint zu rechten Kaub (Bhf.) mit der herrlichen Pfalz und der Burg Gutenfels im Hintergrund. In Kaub (Bhf.) lohnt sich ein Stopp – über mehrere Durchgänge kann man mithilfe von Treppenstufen, die bis direkt hinunter an den Fluss führen, einen noch besseren Blick auf den Pfalzgrafenstein erlangen. Direkt gegenüber der Rheinpfalz befindet sich ein Denkmal, das daran erinnert, dass General Blücher mit seinen Truppen am 31.12.1813 hier über den Rhein setzte, um gegen Napoleon zu kämpfen. Ab Kaub fahren wir weiter parallel zur Bundesstraße auf dem betonierten Radweg. Das Tal wird zunehmend enger und die Weinhänge zunehmend steiler. Nach knapp 5km kommt linker Hand die nächste Burg in den Blick: Malerisch erhebt sich Burg Schönburg auf den Höhen von Oberwesel (Bhf.) auf der linksrheinischen Seite. Direkt bei Oberwesel macht der Rhein einen starken Knick. Wir fahren weiter entlang der Bundesstraße Richtung St. Goar (Bhf.). Der Rhein mäandriert Richtung St. Goar und überrascht durch seine Strömungsgeschwindigkeit, was damit zusammenhängt, dass das Flussbett hier viel schmaler ist. Nach der zweiten Kurve erscheint an der rechten Seite die Loreley, ein Felsen, der sich auf den ersten Blick kaum von den anderen unterscheidet, außer, dass er steiler abfällt und weniger bewaldet ist. Oben markieren Fahnen den Aussichtspunkt. Auf der linksrheinischen Seite, gegenüber der Loreley, drängeln sich die Ausflugsbusse und das Ufer ist voll mit Campingwagen und Zelten. St. Goar (Bhf.) liegt vis-à-vis der Loreley . »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl, und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.« So beginnt das berühmte Loreley-Lied von Heinrich Heine, das dem Felsen gegen-über von St. Goar Weltruhm einbrachte. Die Stadt St. Goar, die unterhalb der gefährlichen und berüchtigten Stromschnellen errichtet wurde, ist nach dem gleichnamigen Heiligen benannt. In dessen Namen pflegt man seit dem Jahr 520 das Motto: »Zieh’ nicht vorbei an St. Goar, der Stadt, die allzeit gastlich war.« Heute kümmert man sich weniger darum, Kranke zu pflegen und Durchreisende und Arme zu speisen, sondern empfängt Besucher aus aller Welt, die der berühmte Loreley-Felsen angezogen hat. Will man der Sage Glauben schenken, so hat hier die wundersame Schönheit oben am Felsen massenweise Schiffer in den Liebeswahn gerissen und so serienweise zu Schiffsunfällen geführt. Imposantes Wahrzeichen der Stadt ist die Burg Rheinfels, auf der man auch rustikal und fürstlich tafeln oder an einer Nachtführung teilnehmen kann. Besuchenswert ist daneben das Puppen- und Bärenmuseum. Auch den berühmten Rheinwein kann man hier bei einer Weinprobe, wie sie in zahlreichen Gaststätten und von Weinproduzenten angeboten wird, näher kennenlernen.Etwa 200m nach dem Loreley-Felsen ist St. Goar mit dem Ortsteil Loreley erreicht, auf der anderen Uferseite fällt eine malerische Altstadt und die Burg Katz ins Auge. Direkt nach dem Ortseingang von St. Goar kommt auf der rechten Seite das Wahrschauer- und Lotsenmuseum in Sicht. Es ist in einem kleinen Eckturm untergebracht (Mai–Sept. Mi–Sa 14–17Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet). Nach dem Wahrschauer- und Lotsenmuseum endet der Radweg und es geht wahlweise auf dem Parkstreifen oder auf der Straße weiter. Immer wieder bieten sich schöne Blicke auf die Altstadt von St. Goarshausen (Bhf.) und Burg Katz auf der rechten Rheinseite. Geradeaus kommt auf der linken Seite Burg Rheinfels in den Blick. Nach dem Parkplatz am Fähranleger der Köln-Düsseldorfer rechts wieder auf einen Weg fahren, der den Radler von der Straße trennt und ihn näher ans Ufer bringt. Am Ende des Busparkplatzes eine Linkskurve beschreiben, um dann sofort wieder rechts unterhalb der Mauer parallel zur Bundesstraße weiterzufahren. Auch hier bietet sich wieder ein toller Blick auf Burg Rheinfels. Vom Ortsende St. Goar führt der gut ausgebaute und sich weitgehend selbst erklärende Radweg entlang der Bundesstraße B9 linksrheinisch Richtung Bad Salzig und von hier weiter nach Boppard. In Boppard folgen Sie der Rheinallee, da das Befahren des Promenadenweges für Fahrräder verboten ist. Ein Abstecher ins Zentrum von Boppard (Bhf.) ist überaus lohnend. Einen Hingucker in der mittelalterlichen Stadt mit ihren historischen Fassaden bildet die spätroma- nische St.-Severus-Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die am Marktplatz steht. Neben der schönen Rheinpromenade laden die vom Trierer Kurfürsten Balduin von Luxemburg erbaute Alte Burg mit dem Städtischen Museum und der Römerpark am Marktplatz mit Überresten einer römischen Kastellbefestigung aus dem 4. Jahrhundert dazu ein, entdeckt zu werden. Letztere zählt zu den besterhaltenen Festungsanlagen der Spätantike nördlich der Alpen. Wer genug vom Radfahren hat, kann in die Hunsrückbahn umsteigen – und damit die steilste Eisenbahnstrecke Deutschlands und die landschaftlichen Reize zwischen Boppard und Emmelshausen erleben. á Abstecher zum Gedeonsblick und Vierseenblick Kurz bevor der Promenadenweg eine Rechtskurve beschreibt, empfiehlt sich ein Abstecher zum Sessellift. Dieser führt hinauf zum Gedeonsblick und zum Vierseenblick. Wer des Radelns noch nicht müde ist, kann statt der 20-minütigen Sesselliftfahrt die 4,5km hinauf zum Gipfel auch mit dem Rad zurücklegen. Allerdings gilt es dabei einige steile Passagen zu bewältigen. Hierzu nach der Talstation des Sesselliftes in das Tal hineinfahren und bei Erreichen eines »50er«-Schildes rechts hochradeln. ÜWeiter dem Uferweg von Boppard folgen. Am Ende des gepflasterten Teiles links und nach wenigen Metern wieder rechts abbiegen, um auf den Radweg entlang der Bundesstraße B9 zu treffen. Bei Flusskilometer 573 an der Bushaltestelle Bopparder Hamm trifft man auf einen weiteren historischen Meilenstein auf der linken Seite. 6,4 km nach Boppard, unmittelbar nach dem Campingplatz Sonneneck, rechts Richtung Spay abbiegen. Nach dem Ortseingangsschild, direkt vor der malerischen Kirche, rechts abbiegen und dem Linksknick des Weges folgen, vorbei an einigen Gärten. Kurz nachdem links die Rheinstraße abzweigt, liegt rechts ein weißer Kilometerstein, der in etwa die Hälfte des Rheinwegs markiert. Von hier sind es exakt 410 km von Basel und 414,13 km bis Rotterdam. (35,6 km) Weiter geht es direkt über das Werksgelände der Firma Schottel, die Ruderpropeller herstellt. Hinter dem Firmengelände halten Sie sich wieder rechts auf dem Uferweg. Für zwei kurze Wegabschnitte wird es rumpelig: Kopfsteinpflaster schüttelt den Radler hier mächtig durch. Sie fahren nun direkt am Ufer entlang. Auf der anderen Seite des Flusses erhebt sich majestätisch die Marksburg, während unten am Ufer Braunach in den Blick fällt (Flusskilometer 580). Kurz hinter Rhens (Bhf.) (hier sehenswert u.a. das mittelalterliche Rathaus) mit seinen mittelalterlichen Toren am Rheinufer wird der Radweg zu einem schmalen Trampelpfad, der sich bei Regenwetter in eine Matschpiste verwandelt. Nach ca. 500 m geht es links eine kleine Erhebung hinauf. Oben angekommen, rechts abbiegen und zum Ortseingang des Koblenzer Stadtteils Stolzenfels-Süd. Weiter geht es durch ein Wohngebiet, erst auf Asphalt, dann auf Kopfsteinpflaster. Am gegenüberliegenden Ufer kommt Lahnstein mit dem pittoresken Martinsschloss in den Blick. Nach einigen Hundert Metern geht es wieder rechts hinunter an den Rhein. Ein schöner Asphaltweg begleitet uns nun. Bis zum Deutschen Eck in Koblenz sind es von hier noch 7,3 km. Für ein kurzes Intermezzo sorgt ein 500 m langer Schotterweg, während sich zur Linken das beeindruckende Schloss Stolzenfels erhebt. Vorbei am Gelände der Königsbacher Brauerei trifft man auf die erste Brücke seit Mainz. Nach Unterquerung der Brücke geht es leicht bergan, dann entlang der Straße Rheinaue. Gepflegte Rasenflächen und Spielplätze liegen zur Rechten, zur Linken reihen sich stattliche Vorstadtvillen aneinander. Wir haben Koblenz erreicht. Am Beethovenplatz, einer kleinen begrünten Verkehrsinsel, links abbiegen in die Beethovenstraße. Wir überqueren den Kreisverkehr (Mozartplatz) und halten uns schräg gegenüber in die Mozartstraße. Etwa 300 m weiter direkt hinter der Brücke, die den Blick auf den Yachthafen freigibt, links in einen Fuß- und Radweg abbiegen. Es geht schwungvoll bergab, dann rechts weiter durch die gepflegte Parkanlage. Parallel des Rheins geht es nun immer geradeaus bis zum Deutschen Eck, vorbei an den Kaiserin-Augusta-Anlagen, der Rhein-Mosel-Halle, dem Weindorf und der Rückseite des Kurfürstlichen Schlosses. Es lohnt sich, am Deutschen Eck die wenigen Stufen hinauf auf die Aussichtsplattform des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu erklimmen und einen Blick auf den Zusammenfluss von Mosel und Rhein zu werfen. Auf der rechten Rheinseite ragt die Festung Ehrenbreitstein hoch über dem Ufer empor.

weinradeln

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour49 km
Höhenunterschied430 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBacharach.
EndpunktKoblenz.
TourencharakterDas Rheintal wird zunehmend enger, die Weinhänge zunehmend steiler. Nach Burg Schönburg erhebt sich auch die Burg Katz malerisch auf den Höhen. In Oberwesel bietet sich ein Halt an – von der in weiten Teilen begehbaren Stadtmauer hat man einen herrlichen Blick auf die Altstadt. Einen natürlichen Fotostopp bietet die Loreley, der wohl sagenumwobendste Felsen Deutschlands. Heutiges Tagesziel ist das Deutsche Eck in Koblenz.
Hinweise
km 0 Bacharach, weiter linksrheinisch über Oberwesel, St. Goar und Boppardkm 28 Boppard, weiter entlang der Rheinschleife über Spay nach Koblenz, km 49 Koblenz, Zielort erreicht
Markierungen»Rhein«/Rhein-Radweg (gelber Radler auf blauem Grund).
VerkehrsanbindungBahn: Regionalzüge bis Bacharach. ICE, IC, Regionalzüge ab Koblenz. Auto: Bacharach siehe Etappe 1. Koblenz erreicht man auf der A61 Köln–Bonn, dann auf der A48 bis Ausfahrt Koblenz-Nord und weiter auf der B9; zahlreiche Parkmöglichkeiten in der Altstadt, z.B. am Zentralplatz oder Clemensplatz.
GastronomieKoblenz: Wirtshaus am Rheinufer, Rheinstr. 2a, Tel. 0261/9734010 (mit großem Biergarten); An der Wacht am Rhein, Rheinzollstr. 8, Tel. 0261/15313; Restaurant Clemens in Diehl’s Hotel, Rheinsteigufer 1, Tel. 0261/97070 (feinste Küche mit Rheinblick).
Tipps
Lohnender Stopp: Freitagmorgens ist im Zentrum von Oberwesel (Bhf.) Markt – auf einem schönen, historischen Platz, der von Fachwerkhäusern und Überresten der Stadtmauer gesäumt wird. Von der in weiten Teilen begehbaren Stadtmauer bietet sich ebenfalls ein herrlicher Blick auf die Altstadt und auf die oben thronende Burg, auf die Zinnen der Gebäude und die verschiedenen Türme, die früher Teil der Stadtmauer waren. Ein Stopp in Oberwesel lohnt sich!Rhein in FlammenAn jedem dritten Samstag im September findet ein ganz besonderes Spektakel statt: der St. Goarer »Rhein in Flammen«. Tausende von Besuchern strömen an diesem Tag ins romantische Rheintal, um beim Zusammenspiel von Feuerwerk und nächtlichem Schiffskorso inmitten der beiden Burgen Rheinfels linksrheinisch und Burg Katz rechtsrheinisch dabei zu sein. Infos unter: www.rhein-in-flammen.blog-spot.com
Informationen
Werkstätten St. Goarshausen: Fahrrad Frickhofen, Bahnhofstr. 20, Tel. 06771/94995. Koblenz: Fahrräder Werkstatt Verleih Gottlieb-Bikes, Arenberger Str. 134, Tel. 0261/9213914.
Unterkunft
Koblenz: Diehl’s Hotel, Rheinsteigufer 1, Tel. 0261/97070, www.diehls-hotel.com (rechtsrheinisch, direkt am Fluss gelegenes nettes Hotel mit Blick auf Koblenz; Entspannung versprechen die Rheinterrasse, das Hallenbad und die Panoramasauna); Campingplatz Rhein-Mosel, Schartwiesenweg 6, Tel. 0261/82719; Jugendherberge Koblenz, Tel. 0261/ 972870 (die Jugendherberge ist in der Festungsanlage Ehrenbreitstein untergebracht; herrlicher Blick auf das Rhein- und Moseltal mit der Stadt Koblenz).
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