Vorderkaiserfeldenhütte

Ganzjährig geöffneter Wanderstützpunkt (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
24 km
880 m
4.00 h
Aufstieg durch das Winkelkar zur Pyramidenspitze.
Als Ausgangsort bietet sich der Wanderparkplatz an der Aschingeralm gut 2 Kilometer östlich von Buchberg an. Bevor der eigentliche Anstieg durch das Winkelkar beginnt, muss quasi als Warm-Up noch eine ordentliche Hürde genommen werden: der Übergang über die Jofenalm zur Winkelalm. Zunächst folgt man dem Fahrweg in südöstlicher Richtung bis in die Senke, wo rechts der spärlich markierte Steig abzweigt und erst über Wiesen, dann sehr steil durch Wald emporführt. Nach Passieren der urigen Alm geht es steil hinab, sodass wir fast alle erklommenen Höhenmeter wieder einbüßen.
An der Winkelalm rüstet man sich für den Aufstieg durch das Winkelkar. Zunächst wandert man direkt auf die abweisenden Nordwände der Pyramidenspitze zu und gewinnt über Gras- und Schutthänge rasch an Höhe. Der Steig wendet sich nach Westen einer Steilstufe zu, in der die Kletterpassagen mit Drahtseilen gesichert sind. Schließlich erreicht man über den Nordgrat und eine letzte atemberaubende Leiter den Gipfel der Pyramidenspitze (1997 m).
Dreiste Bergdohlen in ihrem Element.
Auf der Pyramidenspitze fühlen sich die Bergdohlen heimisch. Teilweise sind die schwarzen Vögel so dreist, dass keine Brotzeit vor ihnen sicher ist. Wer also unbeschwert den Blick auf die gegenüberliegenden Wilder-KaiserWandabstürze von Roßkopf über Ellmauer Halt und Totenkirchl im Wilden Kaiser schweifen lässt, darf sich über ganz ungenierte »Annäherungsversuche« nicht wundern. Ob die dreisten Vögel auch um die Köpfe der Kletterer in der Totenkirchl-Nordwand schwirren? Mit dem Fernglas lassen sich etwaige Seilschaften im Wilden Kaiser beobachten. Großartig ist im Übrigen auch der Blick über den Wilden Kaiser hinaus in Richtung Kitzbüheler Alpen, Hohe Tauern und Zillertaler Alpen.
Die meisten Wanderer steigen über den Normalweg durch das Kaisertal zum Gipfel auf. Dementsprechend viel ist hier oft los und deswegen haben sich die Tiere auch so gut an die Menschen gewöhnt. Vom Stripsenjochhaus führt ebenfalls ein Steig zur Pyramidenspitze. Diese wird übrigens von einem Aussichtspunkt weiter südlich noch um fünf Meter überboten. Mit einem Abstecher dorthin kann man sogar die 2000-Meter-Grenze knacken.
Genussreicher Gratweg zur Vorderkaiserfeldenhütte.
Nach ausgiebiger Brotzeit wartet der Abstieg über die fünf Gipfel Elferkogel (1916 m), Zwölferkogel (1912 m), Einserkogel (1924 m), Petersköpfl (1745 m) und Naunspitze (1633 m) zur Vorderkaiserfeldenhütte, wobei die Gipfelsammler bei einigen dieser Berge allerdings schon noch ein paar Zusatzmeter aufsteigen müssen. Da der Steig stets auf oder in der Nähe des langen Grates verläuft, sind kleinere Gegenanstiege ohnehin nicht zu vermeiden. Dabei ergeben sich immer wieder eindrucksvolle Tiefblicke in die nördlichen Wandabstürze des Zahmen Kaisers. Hinter dem Petersköpfl beginnt schließlich der Schlussabstieg über steile Latschenfelder. Alternativ steigt man noch vor dem Zwölferkopf in ein steiles Latschenkar ab und wandert von der Hinterkaiserfeldenalm fast eben zur Vorderkaiserfeldenhütte.
Abenteuer am Ende.
Um unsere Rundtour abzuschließen, folgt man zunächst dem Fahrweg ein Stück abwärts und dann rechts dem Steig in Richtung Buchberg. Dabei quert die Route an manchen Stellen abenteuerlich unterhalb von Steilwänden. An der Ebbser Jagdhütte hält man sich rechts auf dem Fahrweg, überwindet einen weiteren Gegenanstieg und gelangt schließlich über das Berggasthaus Köllenberg zum Ausgangsort zurück (Wegweiser beachten).
Schöne Aussicht in das Inntal.
Bevor die Zeit zum Abstieg drängt, genießen wir noch die einzigartige Stimmung auf der Hüttenterrasse. Die Vorderkaiserfeldenhütte ist an schönen Bergtagen meist gut besucht. Nachdem der direkte Anstieg von Kufstein auf bequem breiten Wegen zurückgelegt wird, schaffen es auch Familien und weniger trittsichere Wanderer bis hier hinauf. Nach der ersten Steilstufe gleich zu Beginn wird das Kaisertal deutlich flacher. Man wandert auf dem Fahrweg gemütlich talein, bis man noch vor dem Pfandlhof links abzweigt und auf nach wie vor gutem Weg steiler in Richtung Zahmer Kaiser emporsteigt. Auf Höhe der Rietzaualm stößt man wieder auf den Fahrweg und bewältigt die letzten Höhenmeter bis zur Hütte.
Hauptattraktion auf der Hütte ist der kaiserliche Blick in das Inntal. Das breite Tal öffnet sich nach Südwesten, sodass man von der Terrasse, sofern das Wetter mitspielt, eine wunderschöne Abendstimmung genießt. Wenn sich die Sonne neigt, schimmern die Wände des Wilden Kaisers in gelben, orangefarbenen und roten Farbtönen. Wer sich bis zur Dämmerung nicht sattsehen kann, kann sich gleich in der Hütte für eine Übernachtung einquartieren.
Aufwändiger Jeeptransfer.
Das Hüttenwirtepaar Mirlach hat die Hütte erst seit Sommer 2003 gepachtet und sich seitdem rasch eingelebt. Sie bewirtschaften das Haus das ganze Jahr über und locken somit auch Wintergäste. Als größeres Problem erweist sich jedoch die Versorgung. Denn so weit und großzügig sich das Tal im mittleren und oberen Abschnitt zeigt, so eng ist es im Ein- und Ausgangsbereich. Die erste Steilstufe kann mit dem Fahrzeug nicht zurückgelegt werden. Dort befindet sich die so genannte Sparchenstiege, über die ein breiter Weg führt. Der Hüttenjeep muss also von Kufstein erst aufwändig mit einer Seilwinde über diese Stiege nach oben katapultiert werden, bevor er als Transportmittel fungieren kann. Ein solcher Vorgang dauert unter Einsatz von zehn bis fünfzehn Arbeitern drei bis vier Stunden.

Länge.
Durch das Kaisertal zunächst über Stufen auf dem so genannten Sparchensteig, dann noch vor dem Berghotel Pfandl links ab und auf gemütlichem Weg zur Hütte (2 1/2 Std.). Der schattige Nordanstieg führt von Buchberg am Kaiser über die Ebbser Jagdhütte zum Teil sehr steil durch Wald zur Hütte (2 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour24 km
Höhenunterschied880 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKufstein-Sparchen, Buchberg am Kaiser
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterWer bei der Besteigung der Pyramidenspitze ein wenig Nervenkitzel in Form von atemberaubenden Tiefblicken verträgt und sich die Vorderkaiserfeldenhütte für eine gemütliche Kaffeerunde aufsparen will, der sollte den Anstieg durch das Winkelkar wählen und den gesamten Bergstock des Zahmen Kaisers über- bzw. sogar umschreiten. Die Rundtour ist mit knapp 1500 Höhenmetern und rund acht Stunden Gehzeit sehr lang und anstrengend, dafür abwechslungsreich, kurzweilig und landschaftlich großartig. Selbst unter befreundeten Bergsteigern fanden wir niemanden, der diese grandiose Route in dieser Form schon einmal gegangen ist.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 9, Kaisergebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn bis Kufstein, dort mit dem Bus oder zu Fuß nach Sparchen bis zum Eingang des Kaisertals. Mit dem Auto auf der Inntalautobahn bis Ausfahrt Kufstein Nord, in Kufstein Richtung Ebbs, dann abbiegen Richtung Kaisertal (Wanderparkplatz). Um nach Buchberg zu gelangen; nimmt man auf der Inntalautobahn die Ausfahrt Niederndorf und folgt nach der Ortsdurchfahrt rechts der beschilderten Abzweigung.
Tipps
Kaiserdurchquerung. Wer das Kaisergebirge in vier bis fünf Tagen durchqueren will, steigt am ersten Tag zur Vorderkaiserfeldenhütte auf und übernachtet dort. Weiter geht es über die Pyramidenspitze zum Stripsenjochhaus. Am dritten Tag gelangt man durch die Steinerne Rinne zur Gruttenhütte; wer am Folgetag die Ellmauer Halt im Visier hat, nächtigt dort zweimal. Die letzte Etappe führt zum Hintersteiner See und von dort mit dem Bus zurück nach Kufstein.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1388 m. ERBAUT: 1901 (DAV-Sektion Oberland). Bewirtschaftet: Ganzjährig. Kulinarischer Tipp: Zillertaler Zergln (Kartoffelrösti aus Krautkas und Topfen); auf Wunsch Wildgerichte, Bergkäse. Hüttenwirte: Bonnie und Kurt Mirlach. Telefon: 0043/5372/6 34 82, Mobil: 0043/676/344 97 30. BETTEN: 33. Lager: 60. Materialbeschaffung: Materialseilbahn von Kufstein bis Pfandl; 7 Kilometer Wirtschaftsweg mit dem Jeep bis zur Hütte.
Tourismusbüro
Tourismusverband Kufstein, Unterer Stadtplatz 8, A-6330 Kufstein, Tel: 0043/5372 / 622 07, Fax: 0043/5372/ 614 55, E-Mail: kufstein@netway.at Internet: www.kufstein.at

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