Von Königstein zur Festung

Rundwanderung mit viel Schatten; bequemer, aber lang gezogener Aufstieg, steilerer Abstieg (Autor: Tassilo Wengel)
4 km
250 m
1.00 h
Durch Königstein zur Festung.
Wir starten in Königstein bei der Postmeilensäule in der Bielastraße, überqueren die Brücke über die Biela und gehen die Pirnaer Straße entlang. Der Weg führt unterhalb der Pfarrkirche St. Marien (1810–1822 erbaut) vorbei, die einen klassizistischen Kanzelaltar beherbergt. Hier folgen wir auf einem bequemen Weg dem Hinweis zur Festung (Markierung roter Punkt) und kommen am Julius-Otto-Denkmal vorbei, das an den einstigen Kreuzkantor in Dresden erinnert. Gleich daneben steht die Stadtapotheke, das Geburtshaus von Julius Otto (1804–1877) und seinem Bruder Franz (1809–1842), die beide auch als Komponisten bekannt wurden.
Vorbei am Bier- und Speisehaus Amtshof gehen wir wenige Meter auf dem Fußweg die B172 entlang und folgen dann dem breiten, mit Steinen belegten Waldweg aufwärts. Steilere Wegabschnitte führen über Bohlenstufen. Streckenweise umgibt uns reiner Buchenwald, der besonders im Herbst seine farbliche Wirkung nicht verfehlt. Bei der wuchtigen Festungsmauer treten wir aus dem Wald heraus und halten uns an der Weggabelung links. Ab hier gilt die Markierung blauer Querstrich. Nach einer halben Stunde Wanderung stehen wir auf dem Parkplatz der Festung Königstein, wo sich auch der Aufzug zur Festung und die Kassen befinden. Ein kleiner Kaffeegarten mit Imbissangebot sorgt für das leibliche Wohl.
Rundgang 240 Meter über der Elbe.
Wer sich den romantisch-gruseligen Aufstieg nicht nehmen lassen möchte, meidet den Fahrstuhl und steigt in zehn Minuten zum Plateau der Festung auf. Der Weg führt hinter der Kasse über die Rothe Brücke (1790–1802 angelegt, seit 1890 Wippbrücke) an den äußeren Wehranlagen vorbei zum barocken Medusentor mit dem kurfürstlich-sächsischen Wappen in der Front. Durch das Torhaus, das durch das Neue Zeughaus führt, gelangen wir in das Innere der Festung.
Links neben dem Torhaus lohnt sich ein Abstecher zur Georgenburg, bevor wir den Augustplatz erreichen. Er bildete einmal das Zentrum einer kleinen Garnisonsstadt mit Gerichtsbarkeit und Marktrecht und wird von mehreren interessanten Bauten gerahmt. Rechts steht das barocke Brunnenhaus, 1735 von Jean de Bodt über dem 152,5 Meter tiefen Brunnen errichtet. Er wurde zwischen 1563 und 1569 gegraben und lieferte der Festung bis 1967 Trinkwasser. An der Südostseite des Platzes stehen Magdalenenburg und Garnisonskirche. Die zweigeschossige Magdalenenburg (1621/ 1622 errichtet) wurde 1819 zum Proviant- magazin umgebaut. Von 1725–1819 lagerte in ihrem Felsenkeller das größte Weinfass der Welt mit 250000 Liter Fassungsvermögen. August der Starke hatte es bei Pöppelmann in Auftrag gegeben, denn er wollte damit den Kurfürsten von der Pfalz mit seinen Heidelberger Fässern überbieten. Vier Böttcher bauten drei Jahre lang an dem Fass, das nur ein einziges Mal mit Meißner Wein gefüllt gewesen sein soll. In der mehrfach umgebauten Garnisonskirche sind noch Reste einer romanischen Burgkapelle und gotische Maßwerkfenster (nach 1515) zu sehen.
Wir setzen unseren Weg zwischen Brunnenhaus und Magdalenenburg fort, rechts steht das Schatzhaus (1854/55), und stoßen geradewegs auf die 1589 erbaute Alte Kaserne. Dahinter sehen wir unmittelbar an der Festungsmauer das Alte Zeughaus von 1594 mit gut erhaltenem Kreuzgratgewölbe.
Wir setzen unseren Besuch mit einem Gang entlang der Festungsmauer fort, kommen an der Faulen Magd, einem 500 Jahre alten Riesengeschütz, vorbei und genießen die Ausblicke auf das Elbsandsteingebirge. Von der Königsnase an der Ostspitze der Festungsanlage aus haben wir einen schönen Blick auf den Elbbogen. Weiter in nordwestlicher Richtung kommen wir zur achteckigen Christians- oder Friedrichsburg (1591 er- baut), dem architektonisch bedeutsamsten Gebäude der Festung. Der Name geht auf Friedrich II. von Preußen zurück, der hier mit seinem Vater auf Einladung der sächsischen Kurfürsten weilte und Feste feierte. Den ursprünglich einfachen Bau ließ August der Starke 1731 mit doppelläufiger Freitreppe und Balustrade zum barocken Festpavillon umgestalten. Am Hungerturm vorbei erreichen wir wieder den Eingang der Festung.
Abwärts auf dem Hasenweg.
Wir kehren auf bekanntem Weg zum Parkplatz zurück und folgen nun der Markierung blauer Querstrich. Achtung - Nicht die gepflasterte Fahrstraße abwärts gehen, sondern einem Pfad am Parkplatz folgen. Wir stoßen auf einen breiten Waldweg und gehen dort, wo der Hasen- weg nach rechts abbiegt, weiter geradeaus und kommen über eine Treppe zu einer Weggabelung bei einer Birke. Hier halten wir uns links und erreichen nach einer Dreiviertelstunde die Kirche im Ort Königstein.

GEHZEITEN.
Königstein – Festung 1 Std. – Königstein 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied250 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKönigstein, Postmeilensäule
EndpunktKönigstein, Postmeilensäule
TourencharakterEin Besuch der Festung Königstein gehört zu einem Aufenthalt im Elbsandsteingebirge einfach dazu. Wer sich auf Schusters Rappen zu dieser interessanten Anlage aufmacht, kommt dazu noch in den Genuss einer schönen, nicht sehr anstrengenden Wandertour. Neben den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten der Festung sind vor allem die herrlichen Aussichten auf das Elbtal die Wanderung wert.
Hinweise
GESCHICHTE DER FESTUNG KÖNIGSTEIN. Als verstärkt deutschstämmige Siedler in das Grenzgebiet zwischen dem Königreich Böhmen und der Mark Meißen drängten, besiegelte König Wenzel I. 1241 einen Grenzvertrag. Der Berg, der Böhmen zugeschlagen und auf dessen Plateau die Urkunde unterzeichnet wurde, wurde zu diesem Anlass erstmals als »Stein der Könige« (castrum in lapide regis) genannt. Um die Grenze zu sichern, ließ der böhmische König hier wenige Jahre später eine Steinburg errichten. Im Jahre 1459 fiel der Königstein dann an die Mark Meißen und damit in den Machtbereich der Wettiner. Herzog Georg der Bärtige verwandelte das Gebäude 1516 in ein Kloster, das 1524 im Zuge der Reformation aber wieder aufgelöst wurde. 1589 begann man mit dem Ausbau zur Festung, der sich über Generationen hinzog und an dem berühmte Architekten wie Pöppelmann oder Klengel beteiligt waren. Die Festung diente der sicheren Aufbewahrung von Kunstschätzen, einzelne Bauten nutzte man als Kerker für Staatsgefangene, zu denen 1706 der Erfinder des Meißner Porzellans Johann Friedrich Böttger gehörte. Auch August Bebel als Kritiker der bürgerlichen Ordnung und der Dramatiker Frank Wedekind saßen hier ein, Letzterer wegen Majestätsbeleidigung. Seit 1955 ist die denkmalgeschützte Festung Museum mit unterschiedlichen Ausstellungen, z.B. zur frühgeschichtlichen Besiedlung der Sächsischen Schweiz, zur Geschichte der Burg und zur Militärgeschichte. Nachdem die Festung Königstein niemals im Rahmen einer kriegerischen Auseinandersetzung eingenommen worden war, wurde sie im Jahre 1848 von dem 18-jährigen Schornsteinfeger Sebastian Abratzky (1829–1897) in dreistündiger »Kaminkletterei« am heute so genannten Abratzkyfelsen bezwungen. Nach zwölf Tagen Festungshaft ließ man ihn gegen das Versprechen frei, über die Angelegenheit Stillschweigen zu bewahren.
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 43
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna bis Königstein. Mit der S-Bahn oder dem Schiff bis Königstein, per Bus von Bad Schandau
GastronomieKönigstein - Bauernstuben im Schwenkehof, Bielatalstr. 58, Tel. 035021/60077; Amts- hof, Pirnaer Str. 30, Tel. 035021/68511, Di Ruhetag. Festung Königstein: Restauration Festung Königstein, In den Kasematten, Tel. 035021/64444
Tipps
POSTMEILENSÄULEN. Wer es nostalgisch liebt, kann wieder mit der Postkutsche auf Reisen gehen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die »Alte Dresden-Teplitzer Poststraße« die wichtigste Verbindung zwischen Dresden und Böhmen. Heute rollen auf ihr wieder die Postkutschen. Den Weg weisen Postmeilensäulen, von denen es in Sachsen etwa 180 gibt. Sie wurden ab 1722 auf Befehl Augusts des Starken aufgestellt, nachdem dieser die Wege hatte vermessen, kartografieren und kennzeichnen lassen. Erkennbar sind die Distanzsäulen an den königlichen Initialen A.R. (August Rex). Damals existierten im Kurfürstentum Sachsen noch verschiedene Meilenmaße. Am 17. März 1722 wurde zur Vereinheitlichung die »Kursächsische Postmeile« eingeführt, die genau 9,062 Kilometern entsprach. Auf den Distanzsäulen wurde die Fahrtzeit in Stunden angegeben, wobei eine Meile zwei Stunden entsprach. Information beim Tourismusverband Sächsische Schweiz, Tel. 03501/ 470148, oder unter www.poststrassen-erleben.de
Informationen
DER KÖNIGSTEINER BIBELPFLANZENGARTEN. Am Ortsausgang von Königstein in Richtung Pirna befindet sich auf der linken Seite ein Bibelpflanzengarten, der 2006 gemeinsam von der örtlichen evangelischen und katholischen Gemeinde angelegt wurde. Er beherbergt viele der 110 Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden, z.B. Efeu, Frauenmantel, Johanniskraut, Kronlichtnelke, Lavendel, Lilien, Rhizinus, Ysop und zahlreiche weitere Arten, die wir aus dem Alltag ken- nen. Auf einer Informationstafel findet man eine Auswahl von Bibelzitaten, in denen die Pflanzen – oft mit symbolischem Charakter – erwähnt werden. In Anlehnung an die sieben Schöpfungstage sind die Pflanzen auf sieben Beeten angeordnet, die in dem kreisförmigen Garten wie die Speichen eines Rades angelegt wurden.
Unterkunft
Königstein - Pension Sachsenstüb’l, Amtsgasse 16, Tel. 035021/68332, www.sachsenstuebel.de; Hotel & Restaurant Neue Schänke, Am Königstein 3, Tel. 035021/99960, www.neue-schaenke.de
Tourismusbüro
Haus des Gastes, Schreiberberg 2, 01824 Königstein, Tel. 035021/68261, touristinfo@koenigstein-sachsen.de, www.koenigstein-sachsen.de
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