Müggelsee und Müggelberge

Vier-Seen-Wanderung über die höchsten Berge Berlins Bequeme Waldwanderung teils auf festen Wegen, teils auf Wurzelpfaden. (Autor: Bernhard Pollmann)
15 km
100 m
4.00 h
Bölsche-Bohème Aus dem denkmalgeschützten neugotischen Gebäude (1900) des S-Bahnhofs Friedrichshagen tretend, queren wir rechts an der Ampelkreuzung den Fürstenwalder Damm und folgen der Bölschestraße geradeaus. Die von Einkehrmöglichkeiten und Geschäften gesäumte Bölschestraße mit ihrer relativ alten, architektonisch ansprechenden Bebauung, die zum Teil noch aus der Gründerzeit und dem Jugendstil stammt, ist die Flanier- und Einkaufsmeile von Friedrichshagen. Angelegt wurde sie 1753. Der Name des Restaurants »Zum Maulbeerbaum« erinnert daran, dass im Jahr 1852 mehr als 1000 Maulbeerbäume in vier Reihen die Straße flankierten. Vier dieser alten Bäume haben überlebt, drei von ihnen sind als Naturdenkmal ausgewiesen. Benannt ist die Straße nach dem Schriftsteller Wilhelm Bölsche (1861–1939), einer der führenden Persönlichkeiten des Friedrichshagener Dichterkeises. Dieser Friedrichshagener Dichterkreis ließ den damaligen Kurort Friedrichshagen in den 1890er- Jahren zur »Literaturhauptstadt Deutschlands« werden. Bohèmehafte Lebensführung, sozialistische Ideen, gutes Einkommen, soziales Engagement – am Müggelsee wurden Arbeiterfeten mit über 20000 Teilnehmern veranstaltet – und das Eintreten für den Schutz der nahen See- und Waldgebiete prägten diesen Kreis, dessen führende Köpfe neben Bölsche die Schriftsteller Bruno Wille (lebte 1890–1920 in Friedrichshagen) und Julius Hart (1890–95 in Friedrichshagen) sowie der Zeichner und Illustrator Fidus (1900–03 in Friedrichshagen, danach in Woltersdorf) waren. Zu den Gästen zählten neben vielen anderen August Strindberg (1892), Else Lasker-Schüler (lebte 1895–1933 in Berlin), Rainer Maria Rilke (1897–1901); die mit dem Orientalisten Friedrich Karl Andreas verheiratete Lou Andreas-Salomé traf hier ihren Geliebten Georg Ledebour (1892–94) und auch der Jugendstilmaler Walter Leistikow kam ab 1895 jeden Sommer nach Friedrichshagen, um die idyllische Landschaft zu genießen und zu malen. Müggelsee Am Ende der Bölschestraße geht es links versetzt geradeaus weiter an der Brauerei Berliner Bürgerbräu vorbei durch die Josef-Nawrocki-Straße zum Müggelpark, wo sich unter alten Platanen ein schöner Blick über den Müggelsee bietet und eine Ausflugsschiffanlegestelle befindet. Der Große Müggelsee ist mit einer Wasserfläche von 7,3 qkm der größte See und einer der bedeutendsten Wassersport- und Badeseen der Bundeshauptstadt. Eichen- und Buchenwälder säumen im Westen und Süden den bis zu 8m tiefen, von der Spree durchflossenen See, der ein Gletscherzungenbecken im Warschau-Berliner Urstromtal füllt. Auf seiner Südseite erheben sich die waldbedeckten Moränen der bis zu 115m hohen Müggelberge. Am Müggelpark unterqueren wir die Spree im 1926/27 als Fußgängerunterführung erbauten, 120m langen Spreetunnel - Er verläuft 8,5m unter der Sohle der Spree. Auch im Sommer herrschen hier kühle Temperaturen. Nach Unterqueren des Flusses stoßen wir am gegenüberliegenden Ufer auf die Waldpromenade Am Müggelsee, wo wir wenig später auf eine erste Badestelle, den Teppich, treffen. Nach einer Waldpassage erreicht der Weg die Schiffsanlegestelle beim Restaurant und Schiffanleger Rübezahl und führt – nun asphaltiert – durch Eichenwald zum Schiffsanleger Dorint Hotel am Wendenturm. Hier gehen wir rechts zur Straße, queren sie an der Bushaltestelle »Müggelseeperle« und gehen geradeaus in den Kiefernmischwald. Teufelssee und Müggelturm In sachtem Anstieg führt der Weg nach Queren der Straße in Richtung der Müggelberge, an der ersten Wegekreuzung – bei der kleinen Schutzhütte – zweigen wir rechts ab und folgen einem Naturlehrpfad durch ein Trockental hinab zur Raststelle am Forsthaus. Hier folgen wir der Lehrkabinett-Beschilderung geradeaus auf dem Lehrpfad am Rand des Teufelsmoors mit seinem Erlenbruchwald, Erlen-Grauweidenstreifen und Einblicken in Wollgrasflächen. Schließlich zweigen wir links auf den Bohlenweg längs des sagenumwobenen Teufelssees ab; der Blick fällt hinauf zum Müggelturm. Der Teufelssee am Nordfuß der Müggelberge ist ein von Mooren umgebener Toteissee. Nach dem Abschmelzen des Eises füllte sich die Senke mit Wasser, der auf diese Weise entstandene See verlandete im Lauf der Jahrtausende und ist heute nur noch bis zu 3m tief. Sagen preisen seine schaurige Schönheit, verwunschene Gestalten sollen an ihm umgehen, einst soll sich hier ein Altar des Teufels befunden haben. Am Rand des Moors betreiben die Berliner Forsten ein Natur-»Lehrkabinett«, an dem ein lohnenswerter Naturlehrpfad beginnt. Am Ende des Bohlenwegs gehen wir rechts, bis links die steile Stufenanlage zum Müggelturm abzweigt. Der 29,61m hohe Aussichtsturm auf dem mittleren (88m) der bis zu 115m hohen Müggelberge bietet ein faszinierendes Panorama der Wald-, Seen- und Stadtlandschaft im grünen Osten Berlins. Der jetzige Turm wurde 1961 in Stahlskelettbauweise erbaut (1996 grundlegend saniert), nachdem der 1889 im Stil einer chinesischen Pagode errichtete und 1890 als Aussichtsturm freigegebene Holzturm einem Brand zum Opfer gefallen war. Am Langen See Vom Biergarten unterhalb des Müggelturms steigen wir die Stufen hinab Richtung »Marienlust« , gehen unten geradeaus zum ehemaligen Schiffsanleger »Marienlust« am Langen See und folgen dem Ufer links unter zum Teil uralten Eichen. Sitzbänke laden zur Rast, zahlreich sind zwischen den Bäumen Uferstellen, an denen gebadet wird. Seit 1880 wird auf dem Langen See die Grünauer Regatta ausgetragen, seit 1891 auf einer 2000m langen geraden Strecke; während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin wurde die Grünauer Regattastrecke weltbekannt. Erster markanter Punkt ist ein FKK-Badestrand mit Wiese, auch im weiteren Verlauf finden sich immer wieder Badestellen. Auf der Hirtenwiese befand sich früher ein Campingplatz. Die Krampenburg beim Campingplatz »Kuhle Wampe« ist ein Fähranleger, dessen Name an ein früheres Aussichtslokal erinnert. Von Karfreitag bis Oktober fährt hier ca. jede Stunde eine Fähre der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über die Große Krampe zum gleichnamigen Anleger am gegenüberliegenden Ufer. Längs des Rinnensees Große Krampe gelangt man auf zwei unterschiedlichen Routen nach Müggelheim: Am Westufer führt der Grottewitzwanderweg (Grünstrich-Markierung) nach Müggelheim, am Ostufer ein unwesentlich längerer, ebenfalls mit dem Grünstrich markierter (Hoch-)Uferweg. In Müggelheim gehen wir zur Busschleife in Alt-Müggelheim. Hier fahren die Stadtbusse zurück Richtung Köpenick und Friedrichshagen. Am schönsten ist es, an der Haltestelle Müggelseeperle oder am Rübezahl auszusteigen und mit dem Ausflugsschiff zurück nach Friedrichshagen (Haltestelle Müggelpark) zu fahren.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortKöpenick an der Mündung der Dahme in die Spree ist eines der ältesten Siedlungsgebiete in Berlin. Sehenswert sind die Altstadt (Denkmal des »Hauptmanns von Köpenick« vor dem Rathaus) und die Schlossinsel mit dem Barockschloss.
AusgangspunktS-Bahnhof Friedrichshagen im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Wer abkürzen will, startet an der Bushaltestelle Rübezahl; hier gibt es auch einen großen Parkplatz.
TourencharakterDie von Laubwäldern gesäumten Uferwege am Müggelsee und am Langen See zählen zu den schönsten Wanderwegen im grünen Osten Berlins. Zwischen den beiden Seen erheben sich die waldbedeckten Müggelberge mit dem Müggelturm, der ein prachtvolles Panorama des Müggellands mit seinen Wäldern und Seen gewährt. Während die Promenaden am Müggelsee fahrradfähig sind, erwarten uns am Langen See romantische Wurzelpfade unter alten Eichen und am sagenumwobenen Teufelssee führt ein Bohlenweg durchs Moor. Der vierte See auf unserer Vier-Seen-Wanderung ist die Große Krampe bei Müggelheim.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wander- und Radtourenkarte 1 - 50 000, Blatt 746 Märkische Schweiz.
VerkehrsanbindungS-Bahn S 3 Ostkreuz – Friedrichshagen – Erkner. Mit dem Auto A 10 Berliner Ring Ost, Ausfahrt Erkner, dann via Erkner weiter Richtung Berlin/Köpenick.
GastronomieFriedrichshagen, Rübezahl, Dorint Hotel, Müggelturm, Müggelheim.
Tipps
Strandbad Müggelsee Das am Nordufer des Müggelsees gelegene Strandbad ist mit einem Kilometer Wasserfront die »Riviera« im Osten Berlins und das bekannteste Strandbad neben dem Strandbad Wannsee im Westen Berlins.
Tourismusbüro
Berlin Tourismus Marketing GmbH, Am Karlsbad 11, 10785 Berlin, Reservierungsservice Tel.:030/25 00 25, www.btm.de, www.berlin-tourist- information.de und www.berlin.de

Buchtipp

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

zum Shop
Mehr zum Thema