Malerwinkel und Rabenwand

Zwei wunderschöne Aussichtspunkte am Königssee (Autor: Joachim Burghardt)
5 km
200 m
2.00 h
Der Königssee ist schattig und tief in die umliegenden Berge eingebettet, immer mit der ihm eigenen charakteristischen Kühle und einem Überfluss an kaltem, klarem Wasser. So zeigt er sich zumindest dem Betrachter, der knapp über der Wasseroberfläche und inmitten von Bäumen im Malerwinkel steht und seinen Blick bis nach St. Bartholomä schweifen lässt. Dieser Ort ist einer der ganz wenigen am Königssee, die für jedermann zu Fuß erreichbar sind und eine schöne Aussicht bieten. Das wussten im 19. Jahrhundert schon zahlreiche Künstler, die die beliebte Gebirgsansicht mit dem Pinsel verewigten und dem Malerwinkel seinen Namen gaben. Ihre Werke sind heute noch vielerorts zu sehen. Der Bekanntheitsgrad und die leichte Erreichbarkeit des Malerwinkels sorgen natürlich dafür, dass hier oftmals nicht die Ruhe einkehrt, die so sehr zu diesem See gehört. In diesem Fall ist es geboten, einen geringfügig längeren Weg in Kauf zu nehmen und dem etwas ruhigeren Aussichtspunkt an der Rabenwand einen Besuch abzustatten.
Durch das Dorf Königssee.
Die Rundwanderung zum Malerwinkel und zur Rabenwand beginnt am großen Königssee-Parkplatz, der an manchen Wochenenden mit seinen Blechlawinen selbst schon fast eine Sehenswürdigkeit – allerdings von zweifelhafter Schönheit – ist. Da er schon 1929 erbaut wurde, bildet er mit seinen Belegungszahlen ein Stück deutscher Motorisierungsgeschichte ab - Im Jahr 1955 parkten hier beispielsweise 72 Mal so viele Motorräder wie 1970! Auf dem Weg in Richtung Seelände gilt es nun zuallererst, den Trubel der im Jahr 2008 neu gebauten Seestraße mit ihren vielen Kitsch- und Souvenirläden zu verkraften. Wer nach der Reizflut aus volksdümmlich dudelnder Musik, Hundebekleidung und »Country-Feelings for Men« noch aufnahmefähig ist, wendet sich am Seeufer nach links und passiert auf der Uferstraße die im Wasser stehenden Bootshütten. In Richtung Malerwinkel führt die Straße ein paar Meter aufwärts und taucht dann unasphaltiert in den Wald ein; das auffällige Café (Villa Beust) bleibt rechts liegen. Der bestens ausgebaute breite Waldweg fällt nun wieder leicht ab und leitet in wenigen Minuten zum Aussichtspunkt am Malerwinkel, wo zwischen den Bäumen der Blick nach Süden über den See frei wird. Die Kapelle von St. Bartholomä ist in einer Entfernung von vier Kilometern gut auszumachen, und am Horizont ragt die Schönfeldspitze in markanter Pyramidenform auf.
Der Steig zur Rabenwand.
Der weitere Wegverlauf folgt zunächst dem Malerwinkelrundweg: Vom Malerwinkel geht es in mehreren großen Spitzkehren im Wald aufwärts und dann etwas flacher in nördlicher Richtung, bis bei einer Abzweigung auf 710 Meter Höhe ein Schild den Rabenwandsteig ankündigt. Hier rechts ab und auf dem nun schrofferen, aber nach wie vor unschwierigen und ungefährlichen Weg südlich und südöstlich bergauf. Zuletzt geht es über einige Stufen und mit Holzgeländer zum Aussichtspunkt, wo drei Rastbänke einladend bereitstehen. Erst hier wird plötzlich der Blick frei, und auch der Kenner staunt immer wieder ungläubig, wenn er nach dem gedankenverlorenen Unterwegssein im dunklen Wald schlagartig in der Sonne steht und wie aus einer Loge auf das herrliche Gewässer schaut. Ohne Zweifel gehört dieser Ort zu den herausragenden Aussichtspunkten des Berchtesgadener Landes, vor allem wenn man seine verhältnismäßig leichte Erreichbarkeit in Betracht zieht.
Königssee-Erinnerungen.
Es ist bei diesem faszinierenden Anblick schlicht unvorstellbar, dass der Königssee, als er im Jahre 1834 der gleichnamigen Gemeinde zum Kauf angeboten wurde, kein Interesse fand und notgedrungen beim Staat verblieb! Der Kommentar des Königsseer Gemeinderats damals: »Was tun wir mit dieser Lack.« Noch viele weitere Eigentümlichkeiten dieses Sees kann man sich ins Gedächtnis rufen, wenn man den Blick über seine glatte Fläche schweifen lässt. Etwa dass er von 1904 bis 2008 mehr als fünfzehn Mal im Winter so fest zufror, dass man zu Fuß nach St. Bartholomä gehen konnte. 1929 landete gar ein Flugzeug zweimal auf ihm. Oder auch, dass er aufgrund seines hohen Kalkgehalts die gruselige Eigenschaft hat, Wasserleichen innerhalb weniger Jahre zu versteinern. Schon mehrmals wurden Menschen, die Jahre zuvor freiwillig oder unfreiwillig in den dunklen Tiefen des Königssees geblieben waren, in statuenartiger Form geborgen.
Für Fotografen ist die Arbeit am Aussichtspunkt bei der Rabenwand nicht immer einfach, da bei der Perspektive in Richtung Süden die Sonne nie im Rücken steht, sondern oftmals ungünstig von vorne scheint und die Lichtverhältnisse schwierig gestaltet. Daher ist es am besten, früh am Vormittag zur Rabenwand zu gehen, wenn die Sonne noch niedrig steht und die Hänge westlich des Königssees kräftig zum Leuchten bringt. Ein tolles Fotomotiv sind auch die Schiffe, die je nach Jahres- und Tageszeit in regelmäßigen Abständen lautlos vorbeigleiten und schöne Wellenmuster erzeugen. Ganz lautlos sind sie allerdings doch nicht immer, denn wer genau hinhört, kann das Mikrofon des Bootsführers vernehmen und sogar einzelne Satzfetzen verstehen! Auch das berühmte Flügelhornspiel, das bei der Brentenwand anschlägt und als ein- oder zweifaches Echo zurückgeworfen wird, kann bei günstigen Verhältnissen von der Rabenwand aus gehört werden. Wenn man sich irgendwann sattgesehen hat, wartet noch der kurze und unproblematische Rückweg ins Dorf Königssee. Zunächst geht es auf dem Rabenwandsteig zurück, bis er wieder in den Malerwinkelrundweg einmündet. Auf diesem nun rechts bergab, bald über einen Bach und in wenigen Minuten zur Talstation der Jennerbahn, wo vielleicht schon der Bus wartet und der Weg zum Parkplatz nicht mehr weit ist.

GEHZEITEN.
Parkplatz Königssee – Malerwinkel 0:30 Std., Rabenwand 0:40 Std., Parkplatz Königssee 0:40 Std.; insgesamt 1:30–2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied200 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
StartortDorf Königssee, 604 m
AusgangspunktDorf Königssee, 604 m
Endpunkt Aussichtspunkt am Fuß der Rabenwand, 790 m
TourencharakterEinfacher, sehr lohnender Aussichtsrundweg. Der Malerwinkelrundweg ist bestens ausgebaut und ohne jede Schwierigkeit zu begehen. Der Rabenwandsteig ist etwas alpiner und schroffer, jedoch ebenfalls unschwierig. Bei nassem Laub Rutschgefahr.
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Frühjahr und Herbst, vor allem vormittags und abends
KartentippUmgebungskarte »Nationalpark Berchtesgaden« 1 - 25 000 oder AV-Karte Bayerische Alpen BY 22 »Berchtesgaden/Untersberg« 1:25 000
VerkehrsanbindungMit Bahn oder Auto nach Berchtesgaden, weiter mit Bus (diverse Linien) oder Auto bis zum großen Parkplatz am Königssee
GastronomieDiverse gastronomische Betriebe an der Seelände oder im Dorf Königssee
Tipps
Unweit vom Aussichtspunkt an der Rabenwand und mit diesem durch einen schmalen, ungepflegten Pfad verbunden, befindet sich der Königsbachfall. Je nach Jahreszeit und Wetterlage ändert er sein Aussehen - Nach längeren niederschlagsfreien Perioden im Herbst tröpfelt er als Rinnsal in den Königssee, nach mehrtägigem Regen schwillt er dagegen zu voller Größe an. Früher hatte der Königsbach auch forstwirtschaftliche Bedeutung: Er wurde mit Klausen aufgestaut, während unterhalb große Mengen geschlagenen Holzes im Bachbett aufgeschichtet wurden. Sobald die Klause geöffnet wurde, stürzte das aufgestaute Wasser mit solcher Kraft nach unten, dass das Holz mitgerissen wurde und schließlich über die steilen Felshänge des Königsbachfalls direkt zum Königssee hinabfiel. Holzstürze dieser Art wurden oft als Schauspiel für illustre Gäste veranstaltet. Aber auch heute noch ist der Königsbachfall – ob vom See aus betrachtet oder unmittelbar aus der Nähe – sehr sehenswert. Ungeübte bleiben jedoch besser auf den markierten Wegen und genießen seine Schönheit vom Schiff aus!
Informationen
Zwei lohnenswerte und unschwierig zu Fuß erreichbare Aussichtspunkte am Königssee
Höchster Punkt
Aussichtspunkt am Fuß der Rabenwand, 790m

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