Die Watzmann-Überschreitung von Süd nach Nord

Die berühmte Tour neu betrachtet (Autor: Joachim Burghardt)
Der Watzmann ist ein einzigartig geformtes Gebirgsmassiv, das alle umliegenden Berge überragt und einer ganzen Landschaft Identität gibt. Er war Schauplatz alpinistischer Sternstunden, ein Ort großer Freude und bergsteigerischer Meilensteine. Aber er verkörpert auch eine dunkle, geschichtslose Dimension von Sage und Mythos und ist einer der Berge, an denen zu viele Leben zu früh zu Ende gingen. Superlative tragen zu seinem Status bei und werden von diesem wieder neu provoziert. Manche sagen - die schönste Überschreitung, die höchste Wand, die meisten Todesopfer, der höchste ganz auf deutschem Gebiet liegende Berg und dergleichen mehr. Abertausende krabbeln jedes Jahr über seine Grate, übernachten in seinen Hütten, starren vom See aus in seine Wände. Kurz: Der Watzmann ist der Berg schlechthin weit und breit. Im Gegensatz zu manch anderem Magneten des Massentourismus ist er aber auch heute noch ein Berg, der Wildheit und Unberührtheit vermitteln kann.
Ein September-Wochenende am Watzmann kann vieles bedeuten: Suffgeschnarch und Verdauungsdünste im überfüllten Matratzenlager, groteske Bergsteigerstaus am Grat, aber eben auch – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – die Einsamkeit des wilden, öden Hochgebirges. In Rufweite des Trubels, so möchte man fast sagen, thront eine strenge Stille über Fels und Abgrund – in der vergessenen Watzmann-Westwand, auf der so gut wie nie betretenen Griesspitze, dem Watzmannlabl oder der Schüttalpelschneid. Man muss diesen einsamen Orten nicht ihre Stille nehmen, muss sie nicht unbedingt selbst aufsuchen, zumal dann, wenn sie entlegen und schwer zu erreichen sind. Die vorgegebene Infrastruktur der Pfade und Markierungen kann genügen, um das Gebirge in seiner ganzen Tiefe zu erleben. Allein schon ein Blick aus der Ferne, mit dem Wissen um dieses Hintergründige, mag ein Anreiz sein fürs Unterwegssein auch auf vielbegangenen Routen. Und selbst einer hundertfach beschriebenen Tour wie der Watzmann-Überschreitung kann man sich auf diese Weise neu nähern.
Gegen den Mainstream.
Es ist schon seltsam: Die Watzmann-Überschreitung dürfte eine der am häufigsten beschriebenen Bergtouren der Nördlichen Kalkalpen sein – aber alle halten sich an die fast dogmatische Nord-Süd-Richtung, die aufgrund der Lage des Watzmannhauses natürlich gewisse Vorteile bietet. Sehr viele Bergsteiger beschreiben jedoch den steilen Knieschnackler-Abstieg von der Südspitze ins Wimbachtal als den mit Abstand schlimmsten Teil der ganzen Tour – warum also nicht einmal die Überschreitung umgekehrt ausführen, von Süden aufsteigen und die Gelenke schonen? Für Bergsteiger mit viel »Schmalz« in den Wadln spricht nichts dagegen. Schon Peter Carl Thurwieser stieg bei der Erstbesteigung der Südspitze im Jahr 1832 von Süden auf, Hermann von Barth 1868 ebenso, und Johann Punz (»Preissei«) überschritt 1873 mit Josef Pöschl zum ersten Mal alle drei Spitzen von Süd nach Nord. Wie oft der Bergführer Johann Ilsanker von Süden her aufstieg, bleibt leider ein Geheimnis – wir wissen nur, dass er bis zu seinem Tod im Jahr 1893 über tausend Mal auf dem Watzmann stand!
Der weite Weg durchs Wimbachtal bis zur Wimbachgrieshütte ist die erste Etappe der Unternehmung und eine gute Möglichkeit, sich für den folgenden Steilaufstieg aufzuwärmen. Und bereits dieses Tal hat viel Sehenswertes zu bieten, siehe die Beschreibung bei Tour 28. Nur die Konditionsstärksten brechen schon frühmorgens an der Wimbachbrücke auf, um die gesamte Überschreitung an einem Tag durchzuführen – oder in weniger als fünfeinhalb Stunden, auch das kommt vor. Angenehmer ist es da sicherlich, in der Wimbachgrieshütte zu übernachten und anderntags in aller Herrgottsfrühe die Watzmannbesteigung anzupacken.
Zunächst geht es von der Hütte aus auf dem Wanderweg in Richtung Trischübel weiter, bis auf einer Höhe von 1432 Meter links ein beschilderter Steig abzweigt und an den Fuß der Watzmann-Südsüdwestflanke heranführt. Das angenehm flache Wimbachgries bleibt nun zurück, und sofort geht es steil in die Höhe. Im ersten Teil des Aufstiegs vermitteln sandige und latschenbewachsene Rinnen den Weg, und schwere Eisenketten helfen hier und da bei der Fortbewegung. Die Umgebung ist höchst bizarr: Immer wieder beeindrucken wilde, brüchige Felstürme abseits des Weges – sie bestehen aus brüchigem Ramsaudolomit, der den Sockel des Watzmannmassivs bildet, während der obere Teil aus festerem Dachsteinkalk besteht. Trotz Vegetation eine Art Mondlandschaft!
Das Untere Schönfeld.
Nach dem Aufstieg in einer steilen Erdrinne folgt auf gut 1850 Meter Höhe das Untere Schönfeld, eine kleine, idyllisch anmutende Wiesenfläche. Auch wenn man es nicht glauben mag: Dieses grüne Fleckchen wurde in früheren Zeiten als Weide genutzt. Mit welchen Strapazen und harten Naturerfahrungen muss die Viehwirtschaft hier verbunden gewesen sein – wir können uns heutzutage ja kaum mehr vorstellen, wie die Tiere überhaupt hier heraufkamen! Links unterhalb, in wenigen Schritten zu erreichen, liegt das »Goldbründl« in einer kleinen Schlucht versteckt: ein Bächlein mit herrlichen Gumpen, das allerdings in Trockenperioden versiegt. Aus der Wiesenlandschaft des Unteren Schönfelds steigen wir dann steil und über zunehmend von Geröll verschüttete Hänge zum nächsten Felsriegel auf. Dieser wird in gekonnter Linienführung überwunden, an einzelnen Stellen helfen Drahtseile. Auf gebahntem Weg durch so eine Steilflanke steigen zu können und dabei lediglich Ausschau nach der nächsten Markierung halten zu müssen, ist doch eigentlich ein großer Luxus. Wer den Watzmann schon einmal vom Hundstod oder vom Steinernen Meer aus gesehen und sich beim Anblick seiner vermeintlich senkrechten Südwestflanke (vgl. Foto S. 117 oben) kopfschüttelnd vorgestellt hat, dass da eine markierte Route hindurchführt, der wird vor Ort bewundernd feststellen, dass man fast ohne Kletterei durchkommt! Hermann von Barth hatte es hier im Jahre 1868 natürlich deutlich schwerer. Sein Bericht vom damals noch weitgehend weg- und markierungslosen Aufstieg lässt viel von den Orientierungsproblemen und Unwägbarkeiten erahnen, die seinerzeit mit dem führerlosen Bergsteigen verbunden waren.
Das Obere Schönfeld.
Anstrengend ist die Tour natürlich noch heute: Rund 1400 steile Höhenmeter trennen die Südspitze von der Wimbachgrieshütte, und das vielleicht unangenehmste Stück folgt schließlich mit dem Oberen Schönfeld, einem riesigen Schutthang. Zugegeben, diese Passage lässt sich im Abstieg komfortabler überwinden als im Aufstieg, wenn es heißt »zwei Schritte vor, einen zurück«. Dafür haben wir uns der Knieprobleme, die beim Abstieg über die Steilflanke oft auftreten, im Gegenzug für einige Aufstiegsmühen entledigt. Achten wir einmal auf die Umgebung: Links unserer Aufstiegsroute befindet sich im Südwestgrat der Watzmann-Südspitze die Griesspitze, die zu den unbekanntesten und am seltensten bestiegenen Bergen der Berchtesgadener Alpen zählt. Sie ist nur schwer zu erreichen und aufgrund ihrer Brüchigkeit und Entlegenheit auch kein sonderlich angenehmes Ziel. Rechts dagegen zieht die Schönfeldschneid zur Südspitze hinauf: ein sehr langer und brüchiger Grat, der in einzelnen Abschnitten schon Ende des 19. Jahrhunderts überklettert wurde. Nach dem Oberen Schönfeld ist das Schlimmste geschafft, es folgt nur noch die Gipfelwand, in der es, vor allem wenn viele Bergsteiger unterwegs sind, zu Steinschlag kommen kann. Immer den Markierungen folgend klettern und steigen wir durch das Felsgelände wenig schwierig, aber steil hinauf, und dann ist es soweit: Die Südspitze, früher auch Schönfeldspitze genannt, liegt mit ihrer flachen Gipfelkuppe vor uns!
Gipfelstaunen.
Es wäre eine Sisyphos-Arbeit, das unvergleichliche Panorama in allen Einzelheiten zu beschreiben. Einzelne Details ringen uns Staunen und Freude ab, wenn wir etwa die charakteristischen Gestalten von Dachstein und Großglockner in der Ferne erkennen. Anderes wiederum wirkt beinahe aberwitzig, phantastisch im wahrsten Sinne des Wortes, so zum Beispiel der Tiefblick auf die winzigen Schiffe auf dem Königssee 2100 Meter tiefer! Das Steinerne Meer liegt uns ausgebreitet zu Füßen, Göll, Hochkönig und Hochkalter grüßen aus verschiedenen Richtungen herüber, und beim Blick hinab ins Wimbachtal meinen wir das Fließen der Schuttströme förmlich zu sehen. Nun zahlt es sich aus, schon im ersten Morgengrauen den Fuß an die Steilflanke gesetzt zu haben: Denn die vielen Bergsteiger, die sich vom Watzmannhaus über den Grat herüberwälzen, erreichen meist erst am späten Vormittag die Südspitze – so ist ein stilles, wirklich sprachlos machendes Gipfelerlebnis nicht unwahrscheinlich.
Der berühmte Watzmanngrat.
Spätestens beim Weitergehen über den berühmten Watzmanngrat ist wieder die volle Konzentration gefragt. In vielfachem Auf und Ab geht es zur Mittelspitze hinüber – streckenweise genau auf der Gratschneide, seltener auf der Ostseite mit atemberaubenden Blicken hinunter in die Ostwand, oft auf der Westseite. Zahlreiche einfache Kletterstellen gestalten den Weg sehr abwechslungsreich, während ein paar anspruchsvollere Passagen mit Drahtseilen gesichert sind. Der größte Teil der Wegstrecke besteht jedoch aus Gehgelände. Die Faszination dieser Tour blieb nach den ersten Begehungen in den 1860er Jahren natürlich nicht lange verborgen: Im Jahre 1907 wagten schon dreihundert Personen den Übergang über den damals gerade erst gesicherten Grat, und heute geht die Zahl in die Tausende. Der Abgrund auf der linken Seite hinab ins Wimbachtal ist übrigens fast ebenso gewaltig wie der zum Königssee – das ist die fast unbekannte und völlig im Schatten der Ostwand stehende Watzmann-Westwand. Sie ist rein klettertechnisch gesehen einfacher zu überwinden und fast ebenso hoch wie die Ostwand, wird allerdings wegen der wenigen verfügbaren Informationen und des geringeren Prestigefaktors nur selten aufgesucht. Bereits 1869 wurde die Westwand im Abstieg durchstiegen, und Wilhelm von Frerichs besuchte sie im Zuge einer ungewöhnlichen Watzmann-Überschreitung: Er gelangte im Jahr 1900 aus dem Watzmannkar über die Ostwand auf die Mittelspitze und stieg dann über die Westwand ins Wimbachtal ab! Es ist überhaupt auffällig, dass am Watzmannstock einige schwierige Touren zunächst im Abstieg und erst später im Aufstieg bewältigt wurden. Neben der Westwand war dies auch bei der oben erwähnten Schönfeldschneid, der Südflanke der Watzmannfrau und weiteren Routen der Fall.
Die Watzmann-Mittelspitze selbst, die wir je nach den Verhältnissen am Grat in ein bis zwei Stunden von der Südspitze aus erreichen, ist der schroffste Gipfel des gesamten Massivs. Früher wurde sie auch »Nördliche Watzmannspitze« oder »Hochspitze« genannt und war 1881 das Ziel der ersten Durchsteigung der Watzmann-Ostwand, während Ostwandbegeher heutzutage fast immer zur Südspitze aussteigen. Die Rundumsicht von der Mittelspitze ist nach der Gratüberschreitung vielleicht nicht mehr ganz so gewaltig und überraschend wie von der Südspitze, aber es wäre vermessen, hier zwischen schön und weniger schön zu unterscheiden. Das letzte Stück des langen Watzmanngrates führt von der Mittelspitze zum Hocheck hinüber. Einzelne versicherte Stellen erfordern noch einmal Konzentration und festes Zupacken, dann ist das Ende des anspruchsvollen Übergangs erreicht. Die kleine Unterstandshütte auf 2650 Meter Höhe, im Jahre 1898 erstmals errichtet, befindet sich nach einer Renovierung endlich wieder in gutem Zustand und kann sogar als Übernachtungsmöglichkeit in Betracht gezogen werden. Eine Nacht in dem kleinen Hüttchen mit so gut wie keiner Einrichtung erfordert allerdings eine gute Ausrüstung inklusive warmem Schlafsack.
Über 2000 Höhenmeter bis ins Tal.
Der Abstieg zum Watzmannhaus fällt unseren müden Beinen nun zweifellos weitaus leichter als der Steilabstieg von der Südspitze ins Wimbachtal. Der von Skifahrern im Frühjahr gern befahrene weglose Nordhang des Hochecks, der zur Gugel und über die Abfahrtsschneise bis zur Stubenalm führt, wird auch im Sommer ab und zu begangen und stellt eine sehr direkte Abstiegsmöglichkeit dar. Wir wollen aber auf dem regulären Weg dem Watzmannhaus einen Besuch abstatten und wandern daher auf dem markierten Pfad immer nahe dem Nordostgrat zum sogenannten Hochstieg hinunter, der die letzte drahtseilgesicherte Felspassage mit sich bringt. In weiten Serpentinen führt der Weg dann zum Falzköpfl hinab, auf dem das Watzmannhaus in unvergleichlicher Lage steht. Glücklich, wer sich jetzt noch die Zeit nehmen kann, eine Nacht zu bleiben. Die Annehmlichkeiten eines gemütlichen Hüttenabends, am besten natürlich werktags und nicht gerade in der Hauptferienzeit, tun nach erfolgreicher Überschreitung doppelt gut. Nach Sonnenuntergang vor der Hütte zu sitzen und mitzuerleben, wie im Tal die Lichter angehen, ist ein schöner Abschluss eines großen Bergtages. Zuletzt sind es dann noch gut 1300 Höhenmeter über die Falzalm, die Mitterkaseralm und die Stubenalm hinunter zur Wimbachbrücke, wo die Tour dann mit einem Fußbad im eiskalten Wasser der Ramsauer Ache endet.

GEHZEITEN.
Wimbachbrücke – Wimbachgrieshütte 2–2:30 Std., Watzmann-Südspitze 3:30–5 Std., Mittelspitze 1–2 Std., Hocheck 0:30 Std., Watzmannhaus 1:30 Std., über die Mitterkaseralm zur Wimbachbrücke 2:30–3 Std.; insgesamt 11–14 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour23 km
Höhenunterschied2330 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortRamsau, 670 m
AusgangspunktWimbachbrücke, 620 m
EndpunktWatzmann-Südspitze, 2712 m; W.-Mittelspitze, 2713 m; W.-Hocheck, 2651 m
TourencharakterIm Wimbachtal einfacher Wanderweg. Aufstieg zur Südspitze steil, lang und mühsam, Stellen I, bei Nebel schwierige Orientierung. Am Grat viele ausgesetzte und abgespeckte Felspassagen (I–II), nur stellenweise mit Drahtseilen gesichert, kein durchgehend gesicherter Klettersteig! Abstieg zum Watzmannhaus unschwierig (Stelle I), danach breite Wanderwege. Sehr gute Kondition, Bergerfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, nur bei guten Verhältnissen und nicht bei Gewittergefahr begehen! Ausreichend Getränke sowie evtl. Helm und Klettersteigset mitführen!
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Je nach Schneeverhältnissen Juli–Oktober
KartentippUmgebungskarte »Nationalpark Berchtesgaden« 1 - 25 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der B 305 zur Wimbachbrücke, Bus von Berchtesgaden
GastronomieWimbachgrieshütte, 1326 m. Touristenverein Naturfreunde, bew. Anfang Mai bis Ende Oktober. E-Mail - bernd_kreh@web.de, Tel.: 08657/344; Watzmannhaus, 1928 m. AV-Hütte, bew. Ende Mai bis Mitte Oktober. Tel.: 08652/96 42 22, www.watzmannhaus.de; Tagesbetrieb auf der Mitterkaseralm
Tipps
Das Watzmannhaus wurde durch die Sektion München des DAV in den Jahren 1887/88 gebaut, da die zuvor als Unterkunft genutzten Almen – z. B. die Gugelalm – der aufkommenden Touristenströme nicht mehr Herr wurden. Der extra dafür engagierte italienische Baumeister Valentin Raspamonti war eine schicksalhafte Gestalt: Nachdem er bei früheren Hüttenbauarbeiten schon die linke Hand verloren hatte, geriet er Jahre nach dem Bau des Watzmannhauses in große finanzielle Not und ersuchte schließlich sogar die Sektion München, ihn beim Kauf einer Drehleier zu unterstützen, mit der er fortan sein Dasein zu fristen gedachte. Das neben der ständigen Überfüllung größte Problem des Watzmannhauses war in den ersten Jahrzehnten der Wassermangel. Im Jahre 1912 fand man endlich unterhalb des Hochecks auf ca. 2370 Meter Höhe eine Quelle, die den dringendsten Bedarf vorerst deckte. Erster Wirt des Watzmannhauses war von 1888 bis 1905 übrigens Johann Grill (»Kederbacher«), der berühmte Erstersteiger der Watzmann-Ostwand. Interessant ist auch, welche Spuren der Postkartenboom des frühen 20. Jahrhunderts am Watzmannhaus hinterließ: Von 1911 bis 1929 wurden im Haus laut Sektions-Chronik sage und schreibe 500 000 Ansichtskarten abgesetzt, und 1924 wurde dem damaligen Hüttenwirt die Pacht gekündigt, da er unerlaubterweise auf eigene Rechnung Postkarten beschafft und verkauft hatte. Bei der Suche nach einem Nachfolger wurde schließlich der Wirtin Emma Strobl der Vorzug gegenüber zahlreichen anderen Bewerbern gegeben, da sie den Vorsitzenden der Sektion München, Georg Leuchs, mit ihrer freundlichen Art überzeugt hatte. Dieser war inkognito in ihrer Gaststätte in Hallthurm eingekehrt und hatte, um sie auf die Probe zu stellen, absichtlich nur einen halben Pfannkuchen bestellt – und bekam ihn!
Informationen
Die unbekannte Watzmannsage. Im Gegensatz zur bekannten Sage vom grausamen König Watzmann, der zur Strafe in Stein verwandelt wird, ist die Sage mit den Erdmännchen kaum bekannt. Darin ist ebenfalls vom grausamen König die Rede, der seine Bauern quält, indem er sie vor den Pflug spannt. Eines Tages erscheint jedoch ein »kaum zwei Zoll hohes Männlein« aus der Erde, das den Bauern Rettung verspricht. Wenn Watzmann wieder seine Hunde auf sie hetzt, so seine Anweisung, sollen sie Kieselsteine auf ihn werfen. Gesagt, getan - Als der König anderntags seine Hunde auf die Bauern hetzte, warfen diese mit Steinchen, die sich im Flug plötzlich zu ungeheuren Felsen vergrößerten, und auf jedem ritt ein Erdmännchen. Hunde und Herr wurden von den Steinmassen zugedeckt, der Bauer und seine Gefährten aber wanderten nach Tirol aus. Noch heute hört man manchmal das Winseln der Hunde, wenn in einer Felsspalte des Berges der Wind pfeift …

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Joachim Burghardt

Vergessene Pfade um den Königssee

Stille Wege und einsame Gipfel rund um den Königssee - ein alpiner Genuss für den Bergsteiger, der nicht nur dorthin gehen mag, wohin alle schauen!

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema