Bad Kissinger Hütte

Auf der Sonnenseite des Aggensteins (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
10 km
850 m
3.00 h
Von Pfronten zur Bad Kissinger Hütte.
Der Anstieg von der Nordseite führt zunächst durch die Reichenbachklamm und im weiteren Verlauf am Plattenbach entlang zur ehemaligen Grenzhütte. Von dort erreicht man über den so genannten »Bösen Tritt« den Grat, von dem aus nur wenige Minuten zur Hütte zu gehen sind. Aufgrund des steilen Anstiegs über den Fels ist der »Böse Tritt« bei feuchter Witterung nicht zu empfehlen.
Anstieg von Süden.
Ausgangspunkt für diese Seite ist Grän. Vom Wanderparkplatz Enge folgt man zunächst dem Güterweg bis kurz vor die Talstation der Materialseilbahn. Rechter Hand führt nun ein ausgetretener Steig durch den Wald bergauf. Beim Queren des Seebachs gibt es einige schöne Stellen, um sich im Wasser zu erfrischen und eine Rast einzulegen. Danach geht es die meiste Zeit in engen Serpentinen recht steil durch den spärlich wachsenden Wald bergauf – der zunehmend schöne Blick auf die Allgäuer Hochalpen spornt jedoch an. Die beeindruckendste Stelle des Aufstiegs ist das Erreichen des Grats, wenn man auf der anderen Seite in das tief darunter liegende Vilstal blicken kann. Von hier kommen diejenigen herauf, die den Anstieg von Norden durch die Reichenbachklamm gewählt haben.
Die Variante über den Breitenberg.
Sehr schön zu gehen ist auch der weniger bekannte Anstieg über die Ostlerhütte. Startplatz ist der Wanderparkplatz Fallmühle, etwa auf halber Strecke an der Straße zwischen Pfronten und Grän. Zunächst zieht der Steig relativ steil durch den Wald bis zum vorderen Gipfel des Breitenbergs hoch. Hier beginnt ein Gratweg, der nur noch leicht ansteigend bis zur Ostlerhütte führt. Nach einem zwischenzeitlichen kurzen Abstieg läuft man dann auf dem »langen Strich« hinauf zum Aggenstein. In diesem Bereich geht es stellenweise steil hinab, sodass Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich sind. Hat man den Gipfel des Aggensteins erreicht, ist es nur noch knapp eine halbe Stunde Abstieg bis zur Bad Kissinger Hütte.
Wechselhafte Geschichte.
Erstmals wird 1880 eine Hütte am Aggenstein urkundlich erwähnt. Später setzte sich der Name Pfrontener Hütte durch. Als 1957 die Sektion Ludwigsburg die Hütte übernahm, war sie schon so baufällig geworden, dass nur noch ein Abriss in Frage kam. Nach Errichtung der Materialseilbahn konnte 1960 auch die Hütte von Grund auf neu gebaut werden. Sie wurde später von der Sektion Bad Kissingen übernommen und von zahlreichen freiwilligen Helfern sowie dem Team der Hüttenwirtin in den heutigen Topzustand gebracht.
Spitzenplatz unter 146 Hütten.
Beim Hüttentest der Bayerischen Alpenvereinsjugend kommt die Bad Kissinger Hütte auf den hervorragenden siebten Platz unter insgesamt 146 bewerteten Hütten. Bestnoten gab es unter anderem für die Bewirtung, das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie für Gemütlichkeit und Sauberkeit. Der selbst gebackene Kuchen aus guten Zutaten ist nur zu empfehlen. Viele Übernachtungsgäste schwärmen auch vom Frühstücksbüfett, das auf Hütten noch eine Rarität ist. Nicht zuletzt trägt die Lage zur großen Beliebtheit der Hütte bei.
Klettern am Aggenstein.
Schon im Frühjahr sind an der Südwand des Aggensteins die ersten Kletterer unterwegs, da diese dank der intensiven Sonneneinstrahlung sehr früh eisfrei und trocken ist. Typisch für den Aggenstein sind die vielen Kanten und Grate, die das Klettern etwas einfacher machen. Die Einstiege auf der Südseite sind in 15 Minuten von der Bad Kissinger Hütte aus zu erreichen. Um die Nordwand besteigen zu können, ist man hingegen erst einmal 45 Minuten unterwegs.
Der Gräner Höhenweg.
Ein relativ leicht zu gehender Weg, bei dem nur wenige kleine Anstiege zu bewältigen sind, beginnt direkt an der Bad Kissinger Hütte. Durch die Südwestlage gibt es bei schönem Wetter durchgängig Sonnenschein, zudem hat man meist einen herrlichen Blick auf die Gipfel der Allgäuer Hochalpen. Von der Bad Kissinger Hütte geht es zunächst ein Stück weit leicht abwärts zur Sebenalpe. Danach steigt der Weg wieder etwas an und führt unterhalb der Sebenspitze (1938 m) und der Sefenspitze (1948 m) vorbei zum Füssener Jöchle (1818 m), wo es wegen der Bergbahn etwas lebhaft zugeht. Nach dem Reintaler Jöchle wird es wieder merklich ruhiger, weiter unten sieht man schon die Otto-Mayr-Hütte liegen. Nach dem Besuch des dortigen Alpenblumengartens bietet sich die Möglichkeit, entweder über das Füssener Jöchle nach Grän abzusteigen oder den Güterweg hinunter nach Musau zu nehmen, um von dort mit der Bahn nach Pfronten zurückzukehren.

Länge.
Von Enge über den Steig (Weg Nr. 411, 2 Std.); von Grän mit der Seilbahn auf das Füssener Jöchle und von dort über den Gräner Höhenweg (2 1/2 Std.); vom Parkplatz Fallmühle über Ostlerhütte und Breitenberg (3 1/2 Std., Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung erforderlich); von der Talstation der Breitenbergbahn durch die Reichenbachklamm (2 Std., nur bei trockener Witterung); von der Bergstation der Breitenbergbahn über den »Bösen Tritt« (1 1/2 Std., nur bei trockener Witterung).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied850 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPfronten oder Enge
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie Bad Kissinger Hütte liegt direkt auf der deutsch-österreichischen Grenze und ist von beiden Seiten her begehbar. Während der Nordanstieg größtenteils im Schatten liegt, bekommt man beim Südanstieg bei entsprechendem Wetter Sonne pur zu spüren.
Die Aussicht ist verlockend. Schon vom Tannheimer Tal aus ist die Bad Kissinger Hütte unterhalb des Aggensteins deutlich zu erkennen. Der gesamte Anstieg liegt in der Sonne und stellt deshalb besonders im Frühjahr und Herbst ein beliebtes Tourenziel dar. Wer hingegen mit der Bahn anreist, muss mit dem schattigen Nordanstieg von Pfronten aus vorlieb nehmen, was allerdings im Hochsommer ein angenehmer Vorteil ist. Egal, welche Route man wählt, auf der Terrasse der Hütte sitzen beide Seiten vereint am Tisch und genießen die herrliche Aussicht auf die Allgäuer Hochalpen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 04, Tannheimer Tal, 1:35.000
VerkehrsanbindungStündliche Bahnverbindung von München über Kempten nach Pfronten-Ried. Mit dem Auto fährt man auf der A 7 Ulm–Kempten über die Ausfahrt Oy-Mittelberg nach Pfronten oder von München auf der B 12 über Marktoberdorf bzw. ab Landsberg auf der B 17 über Füssen nach Pfronten. Geparkt wird bei der Talstation der Breitenbergbahn. Zum Anstieg von der österreichischen Seite gelangt man von Pfronten über die Landstraße nach Enge bzw. über die Bundesstraße zwischen Bad Hindelang und Reutte/Tirol. Unterhalb von Enge befindet sich ein Wanderparkplatz.
Tipps
Der Haldensee. Wer hätte nicht Lust, nach der Wanderung noch ein kühles Bad zu nehmen? Der Haldensee südlich von Grän wird von mehreren Zuflüssen gespeist und kann damit eine gute Wasserqualität vorweisen. Das Strandbad wurde am westlichen Ufer etwas abseits der lauten Durchgangsstraße eingerichtet. Das Pfrontener Bergwiesenheu. Eine neue Einnahmequelle für ihre Bergbauern hat die Stadt Pfronten erschlossen. Ein auf 53 Grad erwärmter Heusack wird in der medizinischen Wärmebehandlung eingesetzt, wobei auch die Inhaltsstoffe seltener Gräser und Kräuter positiv auf den menschlichen Organismus wirken. Daneben wird aus dem Heu ein Körperpflegemittel hergestellt sowie ein bekömmlicher Heuschnaps. Selbst die lokalen Gastronomiebetriebe sind auf den neuen Trend eingestiegen und bereiten etliche Gerichte mit dem würzigen Heu zu.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1788 m. Erbaut: Um 1880, Neubau 1960, renoviert 1998 (DAV-Sektion Bad Kissingen). Bewirtschaftet: Täglich zwischen Mitte Mai und dem dritten Sonntag im Oktober. Kulinarischer Tipp: Apfelstrudel und Zucchini-Nuss-Kuchen. Hüttenwirtin: Andrea Walcher. Telefon: 0043/676/3 73 11 66. Betten: 8. Lager: 57. Materialbeschaffung: Über Materialseilbahn oberhalb von Enge. Besonderheit: Die Hütte liegt direkt auf der Grenze zwischen Österreich und Deutschland.
Tourismusbüro
Tourismusverband Tannheimertal, A-6675 Tannheim, Tel.: 0043/5675 / 6 25 30, Fax: 0043/5675 / 68 12, E-Mail: info@tannheimertal.com, Internet: www.tannheimertal.com

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