Auf die Kneifelspitze

Einsame Pfade am beliebten Aussichtshügel (Autor: Joachim Burghardt)
7 km
600 m
3.00 h
Die Kneifelspitze mit ihren bescheidenen 1189 Metern Höhe ist natürlich kein Berg vom Schlage eines Watzmanns, eines Gölls, eines Hochkalters. Man will sie auch gar nicht als Berg, sondern eher als Hügel gelten lassen. Und doch zählt die waldige Kuppe mit der sagenhaften Aussicht zu den hervorragenden Wanderzielen des Berchtesgadener Landes. Von der Terrasse des Gipfel-Gasthauses lassen sich alle neun Teilgebirge der Berchtesgadener Alpen bestaunen – und der Talkessel liegt einem zu Füßen. »Wen Gott lieb hat, den läßt er fallen in dieses Land«, ist dort oben auf einem Kreuz zu lesen – und es fällt schwer, sich einen passenderen Ort für das abgewandelte Ganghofer-Zitat vorzustellen.
Stille Pfade an der Kneifelspitze.
Da die Kneifelspitze von einem Netz aus markierten Wegen und Fahrstraßen überzogen ist, muss man sie sich verständlicherweise meist mit anderen Wanderern teilen. Die wenigsten wissen allerdings, dass es hier neben den offiziellen Wanderwegen noch eine Reihe unmarkierter Pfade gibt, die sich teils lieblich, teils spannend durch die Wälder schlängeln. Wer gerne auf eigene Faust durch die Landschaft streift und Gefallen an Naturschönheiten ohne besondere alpinistische Ansprüche findet, dem bietet sich an der Kneifelspitze die Mög-lichkeit einer kleinen, aber feinen Überschreitung. Die Tour überwindet – gemessen an der grandiosen Aussicht – vergleichsweise wenige Höhenmeter, lässt sich daher als Halbtagestour durchführen und eignet sich hervorragend zum Saisonauftakt oder als Ausklang im Herbst. Die Paulshütte am Gipfel lädt überdies zur Einkehr ein, und so ist die Kneifelspitze ein perfektes Ziel für Freunde des gemäßigten Wanderns. Gehring schrieb schon 1912 in seinem Ausflugsführer für Berchtesgaden - Auf einen Bergführer – der damals vier Mark gekostet hätte – kann man hier getrost verzichten!
Der Aufstieg beginnt mit einem berühmten Postkartenmotiv, dem Kirchlein Maria Gern in Vordergern. Gleich oberhalb der Kirche führt eine der steilsten Asphaltstraßen Deutschlands bergauf und in den Wald. Dort dann nicht geradeaus in Richtung Marxenhöhe, sondern nach links auf der Straße weiter bis zum Lauchlehen. Wer nicht schon unten in Gern geparkt hat oder mit dem Bus gekommen ist, findet hier die letzte Parkmöglichkeit. Wie beschildert links über den Parkplatz, auf einem Wanderweg am Gehöft vorbei und bergauf. Schon wenig später mündet der Weg in einen größeren ein: Links geht es nun im Wald entlang einer größeren Wiese hinauf, bis der Weiterweg zur Kneifelspitze bei einer Verzweigung auf 1010 Meter Höhe nach rechts ausgeschildert ist. In vielen Serpentinen wandert man durch dichte Buchenwälder bergauf, die vor allem im Frühjahr und im Herbst farbenprächtig leuchten. Knapp unter dem Gipfel mündet der Wanderweg schließlich in eine steile Fahrstraße, über die in weiteren zehn Minuten das Gasthaus am höchsten Punkt erreicht wird.
Einmaliges Gipfelpanorama.
Nach dem größtenteils wenig aussichtsreichen Aufstieg im Wald ist das Erstaunen umso größer, wenn sich nun unvermittelt ein gewaltiges Panorama auftut: Links dominiert der gewaltige Hohe Göll, dahinter reihen sich die Gipfel der Gotzenberge und des Hagengebirges. Weit hinten schimmert die eisige Hochfläche des Hochkönigs, rechts davon ist das Steinerne Meer mit der Schönfeldspitze als markantester Erhebung zu erkennen. Das Königsseetal erahnt man als tiefe Einfurchung rechts der Gotzenberge. Schließlich der unumschränkte Mittelpunkt des Berchtesgadener Landes: der Watzmann mit Frau und Kindern. Rechts davon schließen sich noch der ebenso wilde Hochkalter, die Reiter Alm und das Lattengebirge an, während man sich schon weit nach rechts drehen muss, um zuletzt auch noch den Untersberg im Blickfeld zu haben. Zusammen ergibt das eine Gebirgswelt, die in allen Einzelheiten kennenzulernen ein Leben wohl nicht ausreicht!
Waldpfade im Abstieg.
Wer sich an diesem einmaligen Panorama sattgesehen hat und Lust auf einsamere Pfade hat, schlendert zunächst in wenigen Minuten hinüber zum »Salzburgblick«, wo es sich ebenfalls angenehm verweilen lässt. Gleich nordöstlich unterhalb der Rastbänke taucht ein unmarkierter Pfad in den Wald ein. Über ihn geht es – teils etwas steil, aber nie ausgesetzt – auf dem Ostrücken der Kneifelspitze oder knapp rechts (südlich) unterhalb abwechslungsreich nach unten. Aufgrund der vielen Wurzeln und des Laubs ist hier Trittsicherheit erforderlich und bei Nässe Vorsicht geboten! Nach 150 Höhenmetern Abstieg trifft man bei einem großen Kruzifix auf den breiten und markierten Kneifelspitze-Rundweg, auf dem man sich nach links (nördlich) wendet und sofort von einer ausgesetzten, aber mit Drahtseilen und Stufen entschärften Steilstufe, dem »Leiterl«, überrascht wird. Anschließend führt der Weg, der bald zur Forststraße wird, ohne jede Schwierigkeit leicht absteigend um die Nordflanke der Kneifelspitze herum. Wer nun nicht gleich nach Hintergern hinunterwandern, sondern noch einen zweiten interessanten Pfad mitnehmen möchte, hält jetzt die Augen offen: Genau in einer 90-Grad-Rechtskurve, kurz nachdem man nördlich unterhalb des höchsten Punktes der Kneifelspitze vorbeigewandert ist – ein Blick in die Karte hilft hier – und noch bevor ein Schild zum direkten Abstieg nach Maria Gern weist, zweigt nach links (südlich) in den Wald hinauf ein schwach erkennbarer Pfad ab. Auf diesem geht es nun noch einmal gut hundert Höhenmeter hinauf zum Sattel zwischen Kneifelspitze und Brauner Wand, bis dann über ein letztes, sehr schönes Wegstück linkshaltend und leicht absteigend wieder die Wegkreuzung (1010 m) vom Aufstieg erreicht wird. Die von hier an schon vom Aufstieg bekannte Route führt zurück nach Vordergern.

GEHZEITEN.
Maria Gern – Kneifelspitze 1:30 Std., Abstieg Ostseite und Stück auf Kneifelspitze-Rundweg 0:45 Std., Waldpfad und Abstieg zurück nach Maria Gern 1–1:30 Std.; insgesamt 3:30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied600 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortVordergern, 729 m
AusgangspunktVordergern, 729 m
EndpunktKneifelspitze, 1189 m
TourencharakterAuf der Aufstiegsroute und am Kneifelspitze-Rundweg breite, unschwierige Wege und Fahrstraßen, stellenweise steil. Ausnahme - das »Leiterl« am Rundweg, eine ausgesetzte, aber durch Drahtseile und gut gangbare Stufen entschärfte Steilstufe. Die beschriebenen Waldpfade sind unmarkiert, schmal und mitunter steil, jedoch meist gut sichtbar und nicht ausgesetzt. Vor allem bei Nässe ist aufgrund des vielen Laubs und der Wurzeln Vorsicht geboten: Rutsch- und Stolpergefahr
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Frühjahr und Herbst
KartentippAV-Karte Bayerische Alpen BY22 »Berchtesgaden/Untersberg« 1 - 25 000 (Hinweis: Der Pfad, der vom Gipfel der Kneifelspitze entsprechend der Tourenbeschreibung östlich hinunterführt, ist in seinem oberen Verlauf nicht in dieser Karte verzeichnet!)
VerkehrsanbindungMit dem Auto von Bischofswiesen oder Berchtesgaden nach Maria Gern. Von Berchtesgaden Bahnhof mit Bus 837 nach Maria Gern
GastronomiePaulshütte auf dem Gipfel der Kneifelspitze, 1189 m. Privat, bew. von Anfang März bis Anfang November, in der Wintersaison nur am Wochenende. Geöffnet tägl. 9–18 Uhr, keine Übernachtungsmöglichkeit! Tel. - 08652/623 38
Tipps
Es ist lohnenswert, beim Abstieg einen Abstecher zur Marxenhöhe (829 m) zu machen, die als Aussichtspunkt fast ebenso schön ist wie der Kneifelspitze-Gipfel selbst. Der Weg ist ausgeschildert und einfach. Besonders wenn die Nacht hereinbricht und Tausende Lichtpunkte das Tal erhellen, bietet sich von der Marxenhöhe ein phantastischer Blick nach Berchtesgaden. Stirnlampe nicht vergessen!
Informationen
Wallfahrtskirche Maria Gern in Vordergern
Höchster Punkt
Kneifelspitze, 1189m

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