Wanderweg »Der Grüne Ring«

Wer dem Wanderweg »Der Grüne Ring« rund um die Berge von Lech-Zürs am Arlberg folgt, passiert erst Taurins Höhle, in der der Riese überwinterte und sein Hab und Gut vor den kleinen Kobolden, die in der Wollgraswiese nebenan hausten, versteckte. 
 
© Arlberg Tourismus
Sein Alter ist ihm deutlich anzusehen. So grau ist der Körper aus dem einst hell strahlenden Holz geworden, dass er sich kaum noch von den umgebenden Felsen unterscheidet. Wie Falten hat die Natur über die Jahre Spuren an ihm hinterlassen. Aber er kann nicht fort, muss weiter seine mühselige Arbeit am Stierlochkopf verrichten, die er schon seit Ewigkeiten hier oben verrichtet. Wenn der Stierlochkopf mal wieder tat, was Berge eben so tun, sich bewegen, in die Höhe falten, Steine gen Tal rieseln lassen, brach Taurin in Tränen aus und räumte die schweren Felsbrocken nach oben, um sie erneut aufzuschichten. Ganz umsonst waren seine Mühen jedoch nicht. In 2000 Metern Höhe hat ihn der Bildhauer Daniel Nikolaus Kocher als sechs Meter hohe Lärchenskulptur auferstehen lassen.

In Taurins Höhle

Wer dem Wanderweg »Der Grüne Ring« rund um die Berge von Lech-Zürs am Arlberg folgt, passiert erst Taurins Höhle, in der der Riese überwinterte und sein Hab und Gut vor den kleinen Kobolden, die in der Wollgraswiese nebenan hausten, versteckte. Der einzige Mensch, der davon hätte berichten können, war der Erzählung nach ein Mann, der vor einem Unwetter in Taurins Höhle flüchtete. Doch als er erst Tage später wieder aus dem verwinkelten Felsgewölbe hinaus fand, war er stumm, ergraut und starb wenig später. 

Aber nicht nur die Geschichte des Riesen begleitet Besucher auf dem Wanderweg. Auch Butzen, Feen und blutrünstige Samurai warten am Wegesrand.

Mehr als 1000 Teilnehmer starten jedes Jahr auf der legendären Skirunde »Der Weiße Ring«. Auf dessen Spuren führt »Der Grüne Ring« in drei Tagen rund um die Berge von Lech-Zürs am Arlberg und rückt dabei die Natur in den Vordergrund. Der Wanderer soll die Langsamkeit in der Natur wiederentdecken und sich auf die Sagenwelt einlassen. 

Vielseitiges Angebot am Arlberg

Es ist ein schöner Kontrast, den Wanderer hier erleben, zwischen dem Skiort und der Wanderregion Arlberg. Denn natürlich ist die Region Lech Zürs, die zu den Top-Wintersportzielen schlechthin gehört, gezeichnet vom Skizirkus. Die Lifte, die Beschneiungsanlagen, die Pisten – sie haben ihre Spuren in der einst so wilden Landschaft hinterlassen, auch im Sommer. Doch wenn der Schnee schmilzt und die Skitouristen abgereist sind, zeigt sich die Region überraschend vielseitig. Neben diversen Tagesausflügen existieren auch einige Weitwanderwege wie etwa der 120 Kilometer lange Lechweg. 

Spuren der Walser-Vergangenheit

Lange bevor clevere Einheimische das Potential der Region Lech-Zürs als Tourismusregion erkannten und vermarkteten, ließen sich die Walser, ein raues Volk der Bergbauern aus dem Wallis, am Tannberg nieder. Die erste urkundliche Erwähnung dessen lässt sich auf das Jahr 1313 zurück führen. In hunderten von Jahren schufen die Walser zwischen Lech, Warth und Schröcken in harter Arbeit diese Alpenlandschaft. Wer mit offenen Augen am Tannberg unterwegs ist, erkennt auch sieben Jahrhunderte später an jeder Ecke die Spuren der Walser. 

Zum Beispiel am Auensattel: Einst war dies für Händler und Rösser der wichtigste Übergang von Lech nach Warth und Schröcken. Heute sind auf den einfachen Wegen Wanderer und Hunde unterwegs. Von dort sind es nur noch knapp zwei Kilometer bis nach Bürstegg. Wie in einem alten Gemälde liegen die zwei Walserhöfe und die schlichte Kirche auf den sanften Südhängen des Karhorns. Die Alpmatten, die im Sommer so idyllisch wirken, garantierten den Walsern fruchtbare Weiden. 

Doch im Winter, wenn der Schnee sich meterhoch türmte, die Lawinen ins Tal donnerten und den Weg nach Lech unpassierbar machten, dann war Bürstegg ein eisiges Gefängnis für seine Bewohner, die nichts tun konnten als auf den Frühling zu warten. 1886 verließen die letzten Walser schließlich ihre Häuser hier oben. Zurück blieben Spuren harter Arbeit und unbändigen Willens. Und die höchstgelegene Kirche des Landes, St. Martin. 

Aber das ist eine weitere Geschichte, die es hier in Lech Zürs am Arlberg beim Wandern zu erkunden gilt.
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