Berühmtes Bergdorf oberhalb von Meran

Hafling: Wandern im Reich der Pferde

Die Gegend um Hafling und Vöran war lange Zeit schwer zugänglich. Dadurch hat sie sich eine starke Identität und eine besondere Energie erhalten. Am schönsten lässt sie sich diese beim Wandern erspüren. 
 
Das sonnige Hochplateau über Meran ist ein ideales Gebiet für Wanderer. © Nina Hölmer
Das sonnige Hochplateau über Meran ist ein ideales Gebiet für Wanderer.
Ob mit etwas Hüftgold oder ganz schlanken Fesseln, mit geflochtenem Zopf oder wallender Mähne. Ob spritzig-temperamentvoll oder ruhig – »Hauptsache blond«, lautet das Motto in Hafling. In dem Bergdorf oberhalb von Meran dreht sich alles um die Pferde mit der hellen Mähne: die Haflinger. Sie weiden im Sommer auf den Almwiesen und ziehen im Winter geduldig Schlitten durch die Landschaft.

Die Heimat der robusten Pferde ist auch ein ideales Gebiet für Wanderer: Für jene, die mit der Bergbahn Meran 2000 hinauffahren und den trubeligen Gassen von Meran bei einer kurzen Tour entkommen wollen. Für jene, die auf dem Fernwanderweg E5 unterwegs sind oder auf der siebentägigen Hufeisentour durch die Sarntaler Alpen.

Für Eltern, die auf einfacher, aussichtsreicher Tour ihren Kindern die Natur nahe bringen, ebenso wie für ambitionierte Gipfelstürmer. Die Sonnenterrasse über Meran ist ein Ort, der eine besondere Anziehungskraft hat. Und zwar auch auf die Einheimischen. Denn die kommen immer wieder zurück in ihre Bergdörfer – oder gehen erst gar nicht weg. So wie Karl Gruber.

Hafling, Vöran, Meran - überall aussichtsreich

Ein wenig ist es wie bei der Queen: Wenn die Fahne an der Kuhleitenhütte gehisst ist, dann ist Karl oben. Und die Fahne weht oft. Karl Gruber, der zunächst unter anderem acht Jahre die Meraner Hütte bewirtschaftete, erfüllte sich mit dem Kauf dieses Schutzhauses vor vier Jahren einen Traum.

Haflinger
In Hafling dreht sich fast alles um die blonden Pferde. (© Nina Hölmer)

»Wenn Du ein Bergmensch bist, dann kommst Du davon nicht mehr los«, sagt er. »Dann willst Du ständig hier oben sein.« Hier oben, das ist einer der Premiumplätze auf diesem von der Sonne verwöhnten Fleckchen Erde. Am Fuße des Großen Ifinger auf 2360 Metern vergisst der eine oder andere Gast, seine Speckknödelsuppe zu löffeln. Zu einnehmend ist der Blick auf Dolomiten und Kalterer See, auf Brenta, Königsspitze, Ötztaler und Stubaier Alpen.

Wer in dieser Region Urlaub macht, sieht sich ständig mit kulinarischen Versuchungen konfrontiert. Es geht etwas deftiger zu als unten im Tal, aber nicht weniger anspruchsvoll. Das Fleisch ist zart, der Käse hausgemacht, die Knödel würzig. »Wir verwenden hauptsächlich Produkte von hier«, sagt Franz Reiterer, der seit 30 Jahren gemeinsam mit Frau Maria und Tochter Barbara die Vöraner Alm bewirtschaftet. Von Mai bis Oktober gibt es auf ihrer 1875 Meter hoch gelegen Alm Hammelbraten, Speckomelette und Kaiserschmarrn. Mountainbiker strampeln die 600 Höhenmeter von Vöran aus hier herauf, Wanderer kommen von Hafling-Dorf über einen der einfachen Wege.

»Hier ist es nirgendwo zu steil, aber überall aussichtsreich und es gibt viele schöne Einkehrmöglichkeiten«, sagt Franz mit Blick auf seine gut gefüllte Terrasse. Einige seiner Gäste waren schon als Kinder hier und kommen jetzt selbst mit dem eigenen Nachwuchs. Auf dem Felssporn am Tschögglberg, westlich von Vöran, hat der Künstler Franz Messner die Landschaft zum Kinostar gemacht. Im Knottnkino sind 30 Sessel aus Stahl und Kastanienholz im Boden verankert. Wer hier Platz nimmt, auf Texelgruppe und Weißhorn blickt, der bekommt oftmals noch einen zweiten Film dazu, der im Inneren abläuft, der zur Ruhe und neuen Erkenntnissen kommen lässt.

Ausblick Meran
Im Knottnkino schaut man auf Texelgruppe und Weißhorn. (© Nina Hölmer)

Steinerne Kraftorte

Es gibt einige solcher Plätze hier, an denen irgendwie eine besondere Energie herrscht. So wie an der kleinen Kapelle St. Kathrein. Nur 50 Einwohner hat der gleichnamige Ortsteil, der zu Hafling gehört. Hier haben sich schon Promis wie die Volksmusiker Stefanie Hertl und Stefan Mross das Ja-Wort geben. Das romanische Gotteshaus thront auf einem heidnischen Kultplatz. »Die Fresken aus dem 14. Jahrhundert sind gerade erst freigelegt worden«, erzählt Peter Reiterer, Präsident des Tourismusvereins Hafling- Vöran-Meran 2000, stolz.

Der Hof seiner Familie, der heute ein Hotel beherbergt, liegt direkt in Laufweite zur Kirche. Und auch wenn Reiterers Blick jeden Tag auf die Kirchenmauern fällt – noch immer glänzen seine Augen, wenn er mit dem großen Eisenschlüssel die hölzerne Kapellentür aufschließt.

Diese Magie spüren einige Wanderer auch an den Stoanernen Mandln. Hunderte Steinmännchen türmen sich seit einem halben Jahrtausend teils mannshoch auf dem Schöneck in den Himmel. Hexentänze und Teufelsfeiern sollen hier stattgefunden haben, so erzählen es Gerichtsprotokolle aus dem Jahr 1540.

Hafling
In der Kapelle St. Kathrein haben schon Promis wie Stefanie Hertel und Stefan Mross geheiratet. (© Nina Hölmer)

Dass diese Region eine so starke Identität hat, liegt auch daran, dass sie so lange schwer erreichbar war. Die Straße von Meran nach Hafling wurde erst 1980 gebaut. Jahrzehntelang waren viele Orte am Tschögglberg nur via Seilbahn oder Saumpfade mit Hilfe der Pferde zugänglich. Wer dann den alten Bauern sieht, wie er mit Pfeife im Mundwinkel und Krückstock in der Hand in kleinen Schritten zur Weide trippelt und dem blonden Tier den Hals tätschelt, der weiß: das ist eine ganz besondere Verbindung.

Basiswissen: Wandern rund um Hafling

  • Wie ankommen? Mit dem Zug von München in 4½ Std. mit 1x Umsteigen nach Meran. Von dort mit dem Autobus in 30 Minuten nach Hafling
  • Wie rumkommen? Die »BusCard Meran und Umgebung« kostet 15 € und gewährt 7 Tage freie Fahrt mit dem Bus im Großraum Meran.
  • Sich orientieren: Kompass »Meran« und »Tschögglberg/Salten «, Tabacco »Meran und Umgebung«
  • Wo wohnen? Rustikale Zimmer und gute Küche hat das Hotel Sonnenheim, Falzebenerstraße 63 in Hafling. Perfekt gelegen für viele Wanderungen. www.sonnenheim.com
  • Wo anklopfen? Tourismusverein Hafling – Vöran – Meran 2000, St. Kahrein-Straße 2B, Tel. 00 39/ 04 73/27 94 57, www.hafling.com
  • Mehr erfahren: »Meraner Land – die 40 schönsten Touren«, Bruckmann Verlag, München
  • Extra-Tipp: Nach Voranmeldung gibt es im Reitstall Sulfner montags eine Stallbesichtigung um 17:30 Uhr, bei der Interessierte alles über die genügsamen Pferde erfahren
Nina Hölmer
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