Survivaltipps fürs Bergsteigen: Auf Extremsituationen vorbereitet sein

Bei Spaziergängen kommt es selten zu Extremsituationen und auch gewöhnlichere und kleine Wanderungen erfordern weder besondere Kenntnisse, noch irgendeine bestimmte Ausrüstung. Ein paar Butterbrote, genügend Wasser und eventuell zwei kleine Blasenpflaster wirken bereits Wunder gegen die kleinen Strapazen. Beim richtigen Bergsteigen allerdings sieht die Sache ganz anders aus. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn sich nicht nur erfahrene Bergsteiger, sondern auch Touristen auf größere und schwierigere Touren begeben und leichtsinnig verhalten. Ganz kritisch wird es in abgeschiedenen Bergregionen ferner Länder und in extremen Höhenlagen. Wer sich auf solche Touren macht, sollte zumindest ein Grundwissen darüber haben, wie in Extremsituationen zu handeln ist. Denn Survivalgrundlagen können mitunter über Leben und Tod entscheiden.
 
Kompass und Karte gehören auch heute noch zur Survivalausrüstung, die jeder Bergsteiger bei größeren Touren bei sich tragen sollte. © fotolia.de/Franco Visintainer
Kompass und Karte gehören auch heute noch zur Survivalausrüstung, die jeder Bergsteiger bei größeren Touren bei sich tragen sollte.

Was heißt eigentlich „Survival“?

Survival heißt „Überleben“ und letzten Endes geht es bei allen Survivalmaßnahmen, Survivalratgebern und Survivaltipps genau darum: Menschen dir richtigen Grundlagen an die Hand zu geben, um ihr Überleben zu sichern. Natürlich geht es nicht um das alltägliche Überleben. Survivaltipps beziehen sich in der Regel auf das Überleben in der freien Wildbahn, in der wilden Natur, während Outdoor-Trips. Die ersten echten Survivaltrainings fanden genau für diese Zwecke beim Militär statt: Kleine Gruppen von Soldaten sollten lernen, wie sie in der Wildnis ihr Überleben sichern können und zum Rest der Truppe zurückkehren, falls man voneinander getrennt wurde.

Beim Bergsteigen sind Survivalmaßnahmen überhaupt nicht notwendig, solange sich alle in der Gruppe wohlfühlen und gesund und fit sind. Vorbereitung auf Not- und Extremsituationen ist dennoch wichtig. Denn sobald jemand in der Gruppe sich verletzt oder krank wird oder das Wetter, die Dunkelheit oder sonstige äußere Einflüsse die Gruppe dazu zwingt, an irgendeinem abgeschiedenen Fleckchen nächtigen zu müssen, kann es schnell ernst werden. Nun gilt es, zumindest Survivalgrundlagen zu besitzen. Urvertrauen in die Natur und das Leben und der Glaube an sich und die Gruppe sind eine Seite der Medaille, die vor allem mentales Training erfordern. Vor allem aber auch sind praktische Kenntnisse gefragt, die auch umgesetzt werden können.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Jene Kenntnisse beziehen sich nicht nur auf die akute Situation, in der rascher Handlungsbedarf herrscht, sondern auch auf die Vorbereitung auf eine Tour in die Berge. Mehrere verschiedene Dinge gehören zu dieser Vorbereitung:
  • So sollten zuallererst die eigenen Fähigkeiten beim Wandern und Bergsteigern nüchtern und vernünftig eingeschätzt werden. Nicht nur die Fitness des Einzelnen, sondern die der ganzen Gruppe zählt. Im Grunde heißt das: Die Gruppe ist so schwach, wie ihr schwächstes Glied, weshalb die Route anhand des Schwächsten der Gruppe bestimmt werden sollte.
  • Es gibt einfache, es gibt aber auch schwierigere Routen. Dann gibt es besonders anspruchsvolle Klettersteige und Bergtouren, bei denen viel Fitness gefragt ist. Wenn hier nicht alle Faktoren stimmen, sollten solche Touren selbst von Fortgeschrittenen gemieden werden. Einer dieser Faktoren ist das Wetter. Nur die richtige Wetterkunde und das Wissen über mögliche Temperaturschwankungen erlauben eine sorgfältige und gründliche Tourenplanung.
  • Ebenfalls wichtig ist es, das Gebiet und die Berge, die bestiegen werden sollen, genaustens zu kennen. Dazu gehört die Größe der Gebirgsregion, der Wälder, aber auch die generelle Geologie, die Beschaffenheit des Untergrunds usw.
  • Ebenfalls wichtig bei der Vorbereitung ist die Frage, ob eine Tour alleine in Angriff genommen werden kann oder ob ein oder mehrere Partner mitgenommen werden. Generell sollten eigentlich nur Profis alleine losziehen. Denn bereits ein weiterer Bergsteiger an der Seite minimiert das Risiko, in Extremsituationen das Überleben nur noch unter Mühen sichern zu können.

Die notwendige Ausstattung

Wie bereits erwähnt reicht es, bei normalen Touren ein wenig Verpflegung, das heißt einige Lebensmittel und vielleicht ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Pflastern und Verbandmaterial einzupacken. Wer aber zu größeren Touren in die Berge startet oder gar mehrere Tage unterwegs ist, sollte in jedem Fall auf Extremsituationen vorbereitet sein. Abgesehen von einer Camping-Grundausstattung, die vor allem auch darauf ausgerichtet ist, in freier Wildnis übernachten zu können, sollten Bergsteiger folgende Dinge mit dabei haben:
  • Ein Mobiltelefon:
Das Mobiltelefon und ein Vertrag mit gutem Empfang wird zwar nicht immer helfen und funktionieren, es eröffnet aber zumindest die Chance darauf, in einer Notsituation Hilfe rufen zu können. Jeder Bergsteiger sollte die wichtigsten Notrufnummern kennen. Diese sind:
  • Die 112 für europaweite Notrufe
  • Die 911 für Notrufe in den USA
  • Die 112 für eine Direktverbindung mit der Bergrettung in Bayern
  • Die 140 für eine Direktverbindung mit der Bergrettung in Österreich 
  • Die 1414 für eine Direktverbindung mit der Bergrettung in der Schweiz 
  • Die 18 für eine Direktverbindung mit der Bergrettung in Frankreich 
  • Die 118 für eine Direktverbindung mit der Bergrettung in Italien
Alle diese Notrufnummern können übrigens von jedem Handy aus zu jeder Zeit kostenlos angerufen werden. Im Regelfall helfen einem kompetente Krisenhelfer weiter und stehen mit hilfreichen Ratschlägen zur Seite. All diejenigen, die bereits im Voraus einer Tour in den Bergen wissen, dass sie längere Zeit durch ein funkfreies Gebiet führen wird, sollten sich ein Satellitentelefon ausleihen oder bei häufigerem Gebrauch gar kaufen.
  • Ausrüstung zur Orientierung:
Um sich in den Bergen orientieren zu können gehört mehr dazu, als einfach das Smartphone mit passenden Apps und GPS einzustecken und zu hoffen, dass der Akku durchhält und bestenfalls Internetzugang möglich ist. Vielmehr sollte auch eine klassische Karte eingepackt werden. Zusätzlich hilfreich können ein Kompass und ein GPS-Gerät sein. Orientierung in der Dunkelheit bietet eine Taschenlampe und/ oder eine Kopflampe. Hierfür sollte an ausreichend Batterien gedacht werden.
  • Das erweiterte Erste-Hilfe-Set:
Ein vollständiges und erweitertes Erste-Hilfe-Set kann mehr, als nur Blasen nach dem Wandern zu versorgen. Hinein in das Köfferchen gehören:
  • Schmerzmittel
  • Wundpflaster
  • Eine Rettungsdecke
  • Alkoholtupfer oder Iod zum Desinfizieren von Wunden
  • Verbandpäckchen
  • Sterile Wundverbände
  • Schere
  • Eine Pinzette
  • Sport-Tapes
  • Feuer und Klinge:
Ein sturmfestes Feuerzeug dient nicht nur dazu Nahrung aufzuwärmen oder gar erst zuzubereiten, sondern in erster Linie, mitunter die gesamte Wandergruppe vor der Kälte und ihren Folgen zu schützen. Im schlimmsten Fall könnten diese Folgen der Tod sein, wenn nicht die Möglichkeit besteht, mit einem Feuerzeug ein kleines Feuer zu machen, an dem die Bergsteiger sich aufwärmen und vor allem vor nächtlicher Kälte schützen können.

Das Taschenmesser wiederum gehört ebenfalls in mindestens einen Rucksack der Bergsteiger-Truppe, weil es hilft, Verbandmaterial auf die passende Größe zu schneiden oder andere Dinge zu teilen und zu zerkleinern. Außerdem ist es ein kleines Werkzeug, wenn es daran geht, etwa einen Unterschlupf für die Nacht zu bauen und Holz zu schneiden und zurecht zu schnitzen.
  • Lebensmittel: 
Schon für kleinere Touren sind Lebensmittel enorm wichtig und vor allem ausreichend Wasservorräte. Noch viel entscheidender ist dies aber bei größeren Touren. Am besten eignen sich dann Energieriegel, Konserven, Nüsse und Trockenfrüchte, da sie viele Kalorien spenden und Kraft geben, ohne allzu viel Platz im Rucksack zu vereinnahmen. Was das Wasser angeht, sollten mindestens 2 Liter pro Person pro Tag eingeplant werden, bestenfalls eher mehr.
  • Die passende Kleidung:
Gerade weil während Bergtouren oft ein schneller Wetterwechsel an der Tagesordnung liegt, sollten alle Bergsteiger über Wechselkleidung und vor allem auch Kleidung parat haben, die einige Kriterien erfüllt. Diese gelten sowohl für die Unterwäsche, als auch für die Hose, die Oberbekleidung, die Jacke und das Schuhwerk.

Die Qualität des Letzteren ist gerade für lange Touren natürlich von besonderer Bedeutung. Denn mit den richtigen Bergsteigerschuhen lassen sich nicht nur Blasen, sondern auch Druckstellen, Reibungen und Verletzungen der Achillessehne vermeiden. Nur wer weiß, dass er in einem bestimmten Paar Schuhe über Stunden hinweg wandern kann, sollte sich auf große Touren wagen, um ein ständiges Weitergehen garantieren zu können.
 
Die Kleidung sollte weiterhin rundum wasserdicht und winddicht sein. Außerdem lohnt es sich, sich bei kalten Temperaturen an das Zwiebelprinzip zu halten. Gerade auf der Nordseite von Gebirgen kann es übrigens auch im Sommer noch sehr kalt werden. Knallt dagegen die Sonne vom Himmel, ist ein atmungsaktiver Kopfschutz zu tragen


Ein Mobiltelefon kann in Notsituationen ein Lebensretter sein. Ob auf den Gipfeln Empfang ist, entscheidet die Laune der Natur. © fotolia.de/Artem

Für effektiven Schutz und für Wärme sorgen

Nicht selten kann eine Extremsituation schon alleine der Umstand sein, dass man eine Nacht im Freien verbringen muss. Es ist stockfinster, man befindet sich irgendwo im hohen Gebirge und mitunter ist kein Zelt und kein Schlafsack vorhanden. Wie soll jetzt die kalte Nacht überstanden werden? In diesem Fall ist es essentiell, zu wissen, wie man als Bergsteiger einfachen, aber effizienten Schutz vor äußeren Einflüssen findet und nachts nicht unterkühlt. 

Die einfachste Möglichkeit ist es, sich in den Bergen in einer kleineren Einbuchtung oder einer Höhle aufzuhalten und hier die Nacht zu verbringen. Besseren natürlichen Wetterschutz gibt es nicht. Andernfalls kann ein kleiner Unterschlupf auch selbst gebaut werden. Dabei helfen einige Zweige und Äste, größere Blätter und Laub, Gras und Moos.


Ein Feuer mit dünnen Ästchen und Zweigen ist einfach und schnell gelegt. Wichtig ist nur, dass man ein wetterfestes Feuerzeug dabei hat. © fotolia.de/alikaj2582

Ansonsten kann natürlich immer auf das altbewährte Feuer zurückgegriffen werden. Es bietet die zuverlässigste Wärme in der freien Wildbahn und versorgt einen innerhalb kürzester Zeit auch wieder mit wichtiger mentaler Kraft. Auf der Suche nach einer geeigneten Feuerstelle ist vor allem auf eine freie Fläche mit wenig Wald drumherum, wie etwa eine Lichtung zu achten. Gerade in den Bergen sollten sich solche Stellen sowieso recht einfach finden lassen. Diejenigen, die das Feuerzeug vergessen haben, müssen beim Feuermachen die Grundlagen des Feuerbohrens beherrschen, ansonsten könnte es  schwierig werden. Außer natürlich, ein Blitz schlägt zufällig gerade in einen nahegelegenen Baum ein. Das wiederum könnte allerdings zu ganz anderen Problemen führen.
 
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