Zwischen Osterseen und Aidlinger Höhe

Es ist kaum zu fassen - Da breitet sich südwestlich des Osterseengebiets eine wunderschöne Filzlandschaft aus und (fast) niemand geht hin. Wir allerdings schon, denn man kann dort genussvoll radeln und wandern. Zuvor aber machen wir Bekanntschaft mit der Toteisgegend der Osterseen, wegen ihres landschaftlichen Reizes und der faszinierenden Stimmungen ein immer beliebteres Ausflugsziel. (Autor: Armin Scheider)
5 km
15 m
1.00 h
Anfahrt über Münsing. Zu Beginn eine Empfehlung - Nehmen Sie bei der Anfahrt nach Iffeldorf zu den Osterseen möglichst die Strecke über Wolfratshausen und Münsing, denn dann passiert man ca. 500 Meter vor Holzhausen einen der schönsten Aussichtspunkte auf der Ostseite des Starnberger Sees: Im Blickfeld die Holzhausener Kirche mit Zwiebelturm und dahinter das Wettersteingebirge mit der nach Westen schroff abbrechenden Zugspitze, klare Sicht vorausgesetzt. Die weitere Fahrt verläuft über St. Heinrich und Schechen bis Iffeldorf. Naturschutzgebiet Osterseen. Im wald- und moorreichen Osterseegebiet liegen malerisch verstreut ca. 20 meist kleinere Seen, von denen der Große Ostersee flächenmäßig der größte und mit 30 Metern auch der tiefste ist. Entstanden sind die Osterseen am Ende der letzten Würmeiszeit. Wegen der zunehmenden Erderwärmung lösten sich riesige Eisblöcke, so genanntes Toteis, vom abschmelzenden Gletscher und schufen kesselförmige Becken. Als das Toteis selbst abschmolz, konnte das Wasser nicht mehr abfließen und bildete Seen und Weiher. Heute sind diese Becken mit Grundwasser aus unterseeischen Quellgumpen aufgefüllt. Das Osterseengebiet steht unter Naturschutz. Dementsprechend sind Badestrände und Wanderwege nur spärlich vorhanden. Gerühmt wird die Gegend wegen ihrer faszinierenden Landschaftsbilder und der aus Farbe und Licht erzeugten Stimmungen, die je nach Tageszeit und Sonnenstand wechseln. Leider sind die Osterseen an manchen Tagen nicht mehr dieser Hort der Stille wie in früheren Jahren. Aber selbst eine größere Zahl von Besuchern verliert sich in dem weitläufigen Gebiet. Zwei Vorzeigekirchen in Iffeldorf. Die »Heimatgemeinde« der Osterseen ist Iffeldorf, das seinerseits mit Dorf und Zugspitze im Hintergrund ein Bilderbuchpanorama abgibt. Zudem besitzt es zwei kunstgeschichtlich bedeutende Kirchen. Die Pfarrkirche St. Vitus, im Kern gotisch, wurde 1698 barock verändert. Aus der Inneneinrichtung von 1755 ragen besonders der üppige Stuck von Franz Xaver Schmuzer aus Wessobrunn und die Fresken von Johann Jakob Zeiller heraus. Im Ortsteil Heuwinkl steht die Wallfahrtskirche St. Maria von 1698, auch Heuwinklkapelle genannt. Auf dem Hochaltar thront ein gotisches Gnadenbild, ansehnlich sind auch der figurenreiche Nebenaltar und gegenüber das so genannte Chörchen im Rokokostil. Mitten im Dorf liegt der Gasthof Osterseen, wo man auf der Terrasse eine Verschnaufpause einlegen kann. Wanderung an den Osterseen. Ersten Kontakt zu den Seen vermittelt ein Rundgang von knapp fünf Kilometern Länge. Passiert werden dabei der Große Ostersee, der Fohn-, der Staltacher- und der Sengsee. Zum Reiz der Seenlandschaft kommt an einigen Stellen noch prächtiges Gebirgspanorama dazu. Die erste Etappe verläuft ab Parkplatz Osterseen auf der Route 5 nach Nordwesten hinaus und dann – kurz nach Einmünden in ein Asphaltsträßchen – rechts ab auf Route 5/7 zwischen Fohn- und Ostersee hindurch. Gegen Ende dieser Passage eine Wegspinne, wo wir der Route 5 (Bahnhof) nach Nordosten folgen. Am nächsten Wegkreuz rechts ab, wenig später an einem Campinggelände vorbei und weiter am Staltacher- und Sengsee entlang nach Iffeldorf zurück. Kurz vor Iffeldorf begeistert uns die schöne Dorfansicht mit dem Kirchturm vor dem Wettersteinmassiv und der Zugspitze. Seentour mit dem Radl. Nun vergrößern wir den Aktionsradius und beziehen neben dem Osterseegebiet auch die wunderschöne Parklandschaft zwischen Antdorf und Obersöchering in die Tour mit ein. Zunächst aber umrunden wir den Großen Ostersee, und zwar auf seiner Ostseite, wo Radeln zwar nicht untersagt ist, aber Fußgänger Vorrang haben. Also dort bitte rücksichtsvoll fahren! Ab der Nordspitze des Seengebiets bis zur Asphaltstraße nach Unterlauterbach (ca. 800 Meter) sind die Wege zwar schmal und holprig, aber noch einigermaßen befahrbar. Wenn wir das Sanatorium Lauterbachmühle erreicht haben, folgt die Etappe durch den Lauterbacher Wald. Das bedeutet oft grob geschotterte Wege und etwas erschwerte Orientierung. Aber auch diese abgelegene Fahrtroute hat ihren eigenen Reiz. Wir passieren also Gröben, den Schillersberger- und den Streitberger Weiher und gelangen nach Tradfranz. Von dort geht es zur Straße Antdorf–Weilheim, die wir ca. 600 Meter befahren, um dann nach links in das Hohenkastener Filz abzubiegen. Die nächsten Kilometer sind Genussradeln durch anmutige Moorlandschaft. Vorbei an Tradlenz kommt man nach Egenried, schlägt Ostkurs ein und berührt nun den Pollinger Weiher, den Hachtsee und den Fernweiher, alles in Bilderbuchlandschaft mit Gebirgspanorama. Von Reinthal fahren wir weiter durch Filzgegend zum Koppenbergweiher und über Obersiffelhofen bis Antdorf. Nach Iffeldorf ist es dann nur noch ein Katzensprung. Fazit: Eine Radtour mit zwei Gesichtern, herb im Norden und lieblich im Süden. Der gut 33 Kilometer lange Kurs enthält zahlreiche Steigungen, von denen uns bei bedächtiger Fahrweise aber keine überfordert. Autorundfahrt. Selbstverständlich lässt sich diese reizvolle Gegend auch per Auto erkunden. Erste Station nach Iffeldorf ist Antdorf, schon 740 Sitz eines Grafengeschlechts und damit eine der ältesten Gemeinden dieser Region. Wir fahren weiter über Rieden nach Habach. Hier verdient die Pfarrkirche St. Ulrich von 1668 Ihr Interesse. Im Innern neben Stuckdekoration und imposantem Hochaltar auch Werke zweier Bildhauer mit klangvollem Namen: Die Assistenzfiguren an Veronika- und Antoniusaltar werden Franz Xaver Schmädl zugeschrieben, die geschnitzten Gruppen »Beweinung Christi« und »Ölbergszene« in den westlichen Seitenkapellen Bartholomäus Steinle. Wir steuern weiter Südkurs, passieren das Gasthaus Höhlmühle mit gemütlichem Wirtsgarten und landen schließlich in Aidling. Wenn Sie am Ostrand des Dorfes der nach oben führenden Lichteneggstraße folgen, kommen Sie zu einem Aussichtspunkt, der zwar nicht sonderlich markant ist, dafür aber eine umso schönere Aussicht bietet, u. a. auf Rieg- und Staffelsee sowie auf Wettersteingebirge mit Zugspitze und auf das Karwendelmassiv. Falls Interesse vorhanden, können Sie von Aidling aus einen kurzen Abstecher nach Hofheim machen, wo in der kleinen Dorfkirche eine Mondsichelmadonna des namhaften Weilheimer Bildhauers Hans Degler steht. Den Kirchenschlüssel verwahrt der Mesner. Letztes Ziel unserer Rundreise ist die Filzgegend zwischen Antdorf und Obersöchering. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Diese Gegend ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Traumlandschaft, parkartig, alter Baumbestand, (fast) menschenleer und herrliche Ausblicke auf das Gebirge gewährend. Da im Auto ein Gutteil des Eindrucks verloren geht, wird empfohlen, zu parken und einen Spaziergang von gut fünf Kilometern zu machen (siehe Karte). So können Sie den Reiz dieser Landschaft besser genießen. Über Habach und Antdorf geht es nach Iffeldorf zurück.

Länge - Autoroute ca. 35 km (Iffeldorf-Habach-Obersöchering-Iffeldorf) Radtour ca. 33 km Wanderung ca. 5 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied15 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktIffeldorf/Osterseengebiet Anfahrt A 95 bis Wolfratshausen, dann via Münsing, auch Bahnanfahrt möglich
TourencharakterEs ist kaum zu fassen - Da breitet sich südwestlich des Osterseengebiets eine wunderschöne Filzlandschaft aus und (fast) niemand geht hin. Wir allerdings schon, denn man kann dort genussvoll radeln und wandern. Zuvor aber machen wir Bekanntschaft mit der Toteisgegend der Osterseen, wegen ihres landschaftlichen Reizes und der faszinierenden Stimmungen ein immer beliebteres Ausflugsziel.
Beste Jahreszeit
GastronomieIffeldorf Landgasthof Osterseen Terrasse, Di Ruhetag Habach/Höhlmühle Forsthaus Höhlmühle Garten, Mo/Di Ruhetage Aidling Gasthof Post Terrasse, Mi/Do Ruhetage
Tipps
Ehrung der Osterseen Die Osterseen erhielten im September 2006 vom Umweltministerium das Gütesiegel »Bayerns schönste Geotope«. In der Begründung wurden sie als »einzigartige Landschaften und unersetzliche Zeugnisse der Erdgeschichte« bezeichnet.
Tourismusbüro
Iffeldorf Tel. 08856/3746 www.iffeldorf.de Habach Tel. 08847/1327 www.habach.de Obersöchering Tel. 08847/211 www.obersoechering.de
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