Zwischen Museumsinsel und Gendarmenmarkt

Abwechslungsreicher Spaziergang auf

Fußwegen neben breiten Straßen, wenig Schatten. (Autor: Tassilo Wengel)
6 km
70 m
1.00 h
Zum schönsten Platz Berlins Wir starten am Bahnhof Friedrichstraße und nehmen zunächst Kurs auf die Straße Unter den Linden. Auf diesem Prachtboulevard zwischen Spreeinsel und Tiergarten biegen wir nach links. In Höhe der Deutschen Staatsbibliothek gehen wir nach rechts und in die Charlottenstraße. Sie führt uns direkt zum Gendarmenmarkt, der als schönster Platz Berlins gilt und mit dem Französischen Dom, dem Konzerthaus Berlin (Schauspielhaus) und dem Deutschen Dom von einem prachtvollen Ensemble klassizistischer Baukunst umgeben ist. Seinen Namen erhielt er, weil hier seit 1708/1709 das Eskadron »Gens d’Armes« von FriedrichI. seine Stallungen hatte. Das Zentrum des Platzes bildet das Schauspielhaus mit dem Schiller-Denkmal, das vom Französischen Dom einerseits und dem Deutschen Dom andererseits flankiert wird. Das Schauspielhaus – 1800–1803 von Carl Gotthard Langhaus vom französischen Komödienhaus zum Königlichen Schauspielhaus gewandelt – brannte 1817 ab und wurde von 1819 bis 1821 von Karl Friedrich Schinkel in seiner heutigen Gestalt errichtet.Der Französische Dom wurde 1701 nach dem Vorbild der 1688 zerstörten Hugenottenhauptkirche gebaut, drei Jahre später stellte man auf der gegenüberliegenden Seite die »Neue Kirche« für die preußische lutherische Bevölkerung fertig. Die charakteristischen Kuppelvorbauten beider Kirchen mit den barocken Kuppeltürmen prägen die Silhouette seit 1785. Während der Französische Dom immer noch Gotteshaus ist, präsentiert der Deutsche Dom die Dauerausstellung »Fragen an die Deutsche Geschichte« und von einer Empore aus erhält der Besucher einen zauberhaften Überblick über einen Teil der Stadt.In das Nikolaiviertel Hier biegen wir nach links in die Mohrenstraße und folgen beim U-Bahnhof Hausvogteiplatz der Niederwallstraße bis zur Gertraudenstraße. Dort wenden wir uns nach links, überqueren die Gertraudenbrücke und gehen am Petriplatz vorbei. Nach dem Überqueren der Breiten Straße erreichen wir die Mühlendammbrücke. Hier kann man lange verweilen und dem regen Schiffsverkehr auf der Spree zuschauen. An der Ecke fällt auch das Ephraimpalais auf, das als »schönste Ecke Berlins« gilt. Es war der begnadete Baumeister Friedrich Wilhelm Diederichs, der zwischen 1762 und 1765 aus einem Apothekerhaus dieses prachtvolle Stadtpalais für Veitel Heine Ephraim schuf. Er war nicht nur Pächter der Münze unter Fried-richII., sondern auch Bankier und Hofjuwelier. Interessant ist, dass dieses Gebäude im Zuge der Erweiterung des Mühlendamms vollkommen abgetragen, seine 2493 Fassadenteile nummeriert und im Wedding eingelagert wurden. 1983 begann der Wiederaufbau, der 1987 abgeschlossen werden konnte, sodass dieses Gebäude wieder mit seiner pracht-vollen Fassade glänzt. Nach links einbiegend, nähern wir uns allmählich dem Nikolaiviertel von der Spreeseite, einer wunderschönen Kulisse am Märkischen Ufer. Zunächst kommen wir über die Poststraße zur Nikolaikirche, die ihre heutige Form mit den beiden Tür-men zwischen 1876 und 1878 erhielt. Sie dient als Ausstellungsraum des Berliner Stadtmuseums. Es hat seinen Sitz im Knoblauchhaus (Poststraße 23), einem Museum mit Ausstellungen zur Geschichte der angesehenen Familie Knoblauch, zu der neben Kaufleuten und Stadträten auch der Architekt Eduard Knoblauch (1801–1865) gehörte. Neben zahlreichen Villen und Stadthäusern baute er die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Im Gebäude laden die »Historischen Wein-stuben« zum Verweilen ein. Wenige Meter daneben ist die Gerichtslaube, seit 1270 als historisches Gebäude mit verschiedener Nutzung und inzwischen ein Restaurant mit schönem Biergarten.Am Spreeufer entlang zur Museumsinsel Wir gehen die Poststraße weiter bis zur Rathausstraße und dort nach rechts zum Roten Rathaus. Auf einem bemerkenswerten Ter-rakottafries von 200 Meter Länge ist die Geschichte der Stadt abzulesen. Den Platz vor dem Roten Rathaus schmückt der Neptunbrunnen (1891) mit reicher Ausstattung. Wir gehen die Rathausstraße zurück und biegen vor der Brücke nach rechts ab, gehen am Ufer der Spree entlang, unterqueren die Brücke am Berliner Dom und steigen die Stufen aufwärts. Nach rechts kommen wir am Berliner Dom vorbei, dann am Lustgarten mit dem Alten Museum und überqueren die Schlossbrücke. Diese schmücken acht strahlend weiße Figuren aus Carrara-Marmor, die die Siegesgöttinnen Athene und Nike mit einem Jüngling darstellen. Nach dem Überqueren der Schlossbrücke ist der Schlossplatz erreicht. Rechts lädt der Lustgarten vor dem Alten Museum zur Rast ein, vom Berliner Dom überragt. Nahe dem abegrissenen Palast der Republik stehen der Neue und Alte Marstall sowie das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR.Unser Weg führt am Lustgarten vorbei und biegt vor dem Zeughaus nach rechts. Über die Straße Am Zeughaus gelangen wir zur Straße Am Kupfergraben und erreichen die Museumsinsel mit den Eingängen zum Bodemuseum und dem Pergamonmuseum.Nach dem Besuch gehen wir bei der Georgenstraße nach links, kommen an mehreren ein-ladenden Gaststätten vorbei und erreichen wieder den Ausgangspunkt am Bahnhof Friedrichstraße.Die Berliner Museumsinsel Die vom Wasser umschlossene Museumsinsel beherbergt fünf großartige Museumsbauten, die zwischen 1830 und 1930 entstanden. Als eines der ersten öffentlichen Museen Deutschlands baute man 1830 das Alte Museum mit dem Kupferstichkabinett sowie einer Sammlung Zeichnungen, zur Entlastung wurde 1843 mit dem Neuen Museum begonnen, das im Zweiten Weltkrieg stark zerstört war und gegenwärtig noch restauriert wird. Als dritter Museumsbau entstand zwischen 1867 und 1876 die Nationalgalerie, die eine umfangreiche Sammlung europäischer und vor allem deutscher Malerei des 19.Jh. zeigt. Zwischen 1898 und 1904 baute man auf dreieckigem Grundriss das Kaiser-Friedrich-Museum. Nach der Wieder-eröffnung in den 1950er Jahren wurde es als Bodemuseum eröffnet, nach Wilhelm von Bode benannt, der ab 1906 Direktor der königlichen Museen war. Es präsentiert unter anderem das Ägyptische Museum mit einer umfangreichen Papyrussammlung, Spätantike und Byzantinische Kunst sowie das Münzkabinett. Bode war auch der Initiator für den letzten Bau auf der Museumsinsel, das Pergamonmuseum, das erst 1930 fertiggestellt wurde. Es beherbergt die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst und das Vorderasiatische Museum.Kneipen, Kietz und Künstlerszene Nördlich von Alt-Berlin beginnt jenseits der Weidendammer Brücke die Spandauer Vorstadt, einst ein Sammelbecken jener Menschen, die im Zuge der wachsenden preußischen Hauptstadt an den Rand gedrängt wurden. Zwischen Kasernen, katholischen und jüdischen Friedhöfen gehörten Mietskasernen mit Hinterhöfen, Kellerbehausungen, Logierhäuser und Notunterkünfte zum Bild. Zeugnis dieser Zeit sind die Hackeschen Höfe am S-Bahnhof Hackescher Markt, ein 10000 Quadratmeter umfassendes Areal mit acht Hinterhöfen. Sie wurden 1906 errichtet und boten damals wie heute Wohnungen, Geschäfte und Vergnügungseinrichtungen. Inzwischen restauriert und saniert, sind sie mit ihrem besonderen Flair sowie zahlreichen Cafés, Restaurants und Galerien ein besonderer Anziehungspunkt. Vom Hackeschen Markt führt die Oranienburger Straße mit ihren Kneipen und der schrillen Off-Szene an der weit-hin sichtbaren wieder aufgebauten Neuen Synagoge vorbei in Richtung Friedrichstraße. Dieses jüdische Gotteshaus wurde von Eduard Knoblauch entworfen, 1886 eingeweiht und 1943 durch Bomben schwer beschädigt. Die Grundsteinlegung für die Neue Synagoge erfolgte 1988, 50 Jahre nach der Pogromnacht. Sie beeindruckt äußerlich durch die maurisch inspirierten goldenen Kuppeln, im Inneren erinnert eine ständige Ausstellung an das Leben der jüdischen Gemeinde. Jedes Jahr im November finden internationale jüdische Kulturtage statt.

Bahnhof Friedrichstraße – Mühlendammbrücke 0.30Std. – Schlossbrücke 0.30Std. – Bahnhof Friedrichstraße 0.45Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied70 m
Dauer1.00 h
AusgangspunktBerlin, Bahnhof Friedrichstraße.
EndpunktBerlin, Bahnhof Friedrichstraße.
TourencharakterDie Mitte Berlins ist auch das historische Zentrum und Keimzelle der Stadt. Hier trifft man auf Schritt und Tritt auf Sehenswürdigkeiten, die bis zu

den Anfängen der Stadt als »Königsstadt« im 17.Jh. zurückreicht. Vom Brandenburger Tor aus durchquert die Straße Unter den Linden das

Zentrum mit der Friedrichstraße und führt in ihrer Verlängerung der

Karl-Liebknecht-Straße bis zum Alexanderplatz mit der Weltzeituhr. Auf dem Weg drängen sich historische Gebäude vom Barock bis zum preu-

ßischen Klassizismus. Staatsbibliothek, Humboldt-Universität, Alte Bibliothek, Deutsche Staatsoper, Palais Unter den Linden, St.-Hedwigs-Kathedrale und Zeughaus sind nur die wichtigsten. Ein kleiner Abstecher durch die Oberwallstraße führt zur Friedrichswerderschen Kirche (erbaut 1824–1831 von K.F. Schinkel) mit dem sehenswerten Schinkelmuseum. Am Bahnhof Alexanderplatz steht der 365 Meter hohe Fernsehturm der 1969 von Walter Ulbricht eröffnet wurde. Im Telecafé in 200 Meter Höhe wird der Gast in

20 Minuten auf einem Drehring bei Kaffee und Kuchen einmal um die Achse des Fernsehturms gedreht und kann sich an der herr-

lichen, wechselnden Aussicht erfreuen. Gleich am Fernsehturm steht die Marienkirche (um 1270 begonnen), neben der Nikolaikirche die älteste noch erhaltene Pfarrkirche Berlins.
KartentippStadtplan Berlin City, 1:16000
VerkehrsanbindungAuto: Von der A10 (Berliner Ring) im Süden: Abfahrt Dreieck Nuthetal auf A115 bis Dreieck Zehlendorf, dort auf B1 bis Friedrichstraße. Von der A10 (Berliner Ring) im Westen: Abfahrt Berlin-Spandau, auf B2/5 bis Friedrichstraße. Von der A10 (Berliner Ring) im Norden: Abfahrt Berlin-Weißensee, auf der B2 bis Friedrichstraße. Von der A10 (Berliner Ring) im Osten: Abfahrt Berlin-Hellersdorf, auf der B1/5 bis Friedrichstraße. Bahn/Bus: S-Bahn S1 Oranienburg – Wannsee, S2 Bernau – Blankenfelde, S5 Strausberg-Nord – Westkreuz, S7 Ahrensfelde – Potsdam, S9 Flughafen Berlin-Schönefeld – Spandau, U6 Berlin-Tegel – Alt Mariendorf
GastronomieGendarmenmarkt: Fassbaender & Rausch Chocolatiers mit Schokoladenrestaurant, Charlottenstraße 60 (am Gendarmenmarkt). Nikolaiviertel: Zum Nussbaum, Am Nussbaum 3; Restaurant Ephraim’s, Spreeufer 1; »Historische Weinstuben« im Knoblauchhaus, Poststraße 23; Gerichtslaube mit Biergarten, Poststraße 28.
Tipps
Schokoladen-Restaurant Bei Fassbaender & Rausch am Gendarmenmarkt kommen vor allem Schokoladenliebhaber auf ihre Kosten. In den Verkaufs- räumen werden außergewöhnliche Kreationen der Confiserie aus den besten Kakao-Anbaugebieten der Welt angeboten. Eine Etage darüber kann man im Schokoladen-Restaurant heiße Trinkschokolade in atemberaubender Vielfalt ebenso genießen wie außergewöhnliche Menüs und köstliche Desserts. Zum Nussbaum Hier war schon Heinrich Zille Stammgast, der berühmte Berliner »Pinsel-Heinrich«. Seine Zeichnungen zieren die Wände und Nischen im Lokal, das ursprünglich seit 1571 auf der Fischerinsel stand und im Krieg zerstört wurde. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts im Nikolaiviertel wieder aufgebaut, gehört auch der »Hungerturm« als typisches Wahrzeichen der Berliner Kneipen am Tresen zur Ausstattung. In einer Vitrine werden Kleinigkeiten wie Bouletten, Rollmöpse oder Spreewaldgurken hinter Glas präsentiert. Auf der Speisekarte findet man vor allem deftige Berliner Gerichte wie Sülze, Blutwurst oder Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree, Linseneintopf mit Knacker und mehr.
Unterkunft
Buchung über Tel. 030/250025, Fax 030/25002424, Internet-Buchung: www.berlin-tourist-information.de

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