Zwei Wege durchs Steinerne Meer

Ein beeindruckendes Wandererlebnis abseits des Trubels (Autor: Joachim Burghardt)
13 km
850 m
7.00 h
In diesem Tourentipp möchte ich eine Rundwanderung im Steinernen Meer vorstellen, die das markierte Wegenetz nicht verlässt und keinen Gipfel beinhaltet. Langweilig? Mitnichten, denn das ungestörte Unterwegssein in einer höchst beeindruckenden Landschaft und auf wenig begangenen Wegen kann für sich schon so erfüllend sein, dass der Gipfelhandschlag ruhig einmal ausfallen darf. Stützpunkt und Ausgangspunkt der Tour ist das Kärlinger Haus am Funtensee.
Die ersten Höhenmeter.
Westwärts steigen wir aus der grünen Mulde empor und lassen auf 1759 Meter Höhe den Weg zum Ingolstädter Haus rechts abzweigen, während wir linkshaltend direkt unter den atemberaubenden Felsüberhängen vorbeiziehen. Um diese Ausläufer des Viehkogels geht es herum, bis sich in südlicher Richtung das Viehkogeltal öffnet. Bei der Viehkogel-Jagdhütte (1889 m) würde es links (östlich) zum namensgleichen Gipfel hinaufgehen, unsere Wanderung führt uns jedoch von der Hütte immer geradeaus in südsüdwestlicher Richtung durchs Viehkogeltal. Spätestens von hier an steigen die Chancen rapide, in dieser wilden Landschaft allein unterwegs zu sein.
Durchs einsame Viehkogeltal.
Während sich rechterhand die völlig unbekannten und auch wenig ausgeprägten Schnittlauchköpfe vom Äulkopf ausgehend nach Süden immer weiter auftürmen, rückt linkerhand bald eine Erhebung ins Blickfeld, die als grasbewachsener »Tafelberg« inmitten der Felswüste auffällt - das Rotwandl (Tour 21). Sobald wir seine rötlichen Wände passiert haben, schwenkt die Route leicht nach links und bringt uns in den Genuss einer bizarren Landschaft, wie sie selbst im Steinernen Meer nicht oft anzutreffen ist. Ramseider Birg heißt diese Gegend, in der uns blaue Farbtupfer über riesige Felsplatten, mal spiegelglatt, mal wild zerfurcht, und durch allerlei wüst geformtes Steingelände lotsen. Ein großes Erlebnis, das allerdings bei Nebel oder Vereisung gemieden werden sollte! Schließlich mündet von links der Weg vom Kärlinger Haus aus dem Baumgartl ein, und wenig später erreichen wir das Riemannhaus, das etwa auf halber Strecke der heutigen Rundtour liegt und sich daher für eine Einkehr anbietet.
Der Traumweg über die Hochfläche.
Der Rückweg zum Kärlinger Haus holt etwas weiter nach Westen aus: Wir folgen dem markierten Eichstätter Weg in Richtung Ingolstädter Haus. An der Äulhöhe, bis zu der wir noch einmal rund 150 Höhenmeter im Aufstieg zu überwinden haben, ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht – nun heißt es gemütlich absteigen mit noch mehr Luft zum Schauen! Unter den Ostwänden des Achselhorns wandern wir nach Norden und gelangen bald zur Wegscheid: Links geht es in wenigen Minuten zur Weißbachlscharte hinauf, geradeaus führt der Eichstätter Weg zum Ingolstädter Haus, wir aber biegen rechts ab und spazieren über die Hochfläche (»Saalfelder Birg«) auf den Schneiber zu. Unterwegs passieren wir das »Zirbenmarterl«, das in allen Karten auf 1950 Meter Höhe links des Weges eingetragen ist; doch schon vorher, auf knapp 1980 Meter, befindet sich an der ersten Zirbe etwas abseits rechts des Weges ein Bildstock. Bald darauf können wir an einer undeutlichen Wegverzweigung wählen: Links geht es mit schwachen Markierungen zur alten Schönbichlalm, rechts auf besser markiertem Steig durchs Äultal zum Hirschentörl. Beide Varianten münden in den vielbegangenen Weg, der vom Ingolstädter Haus zum Funtensee hinunterführt (vgl. Tour 27). Auf ihm sind wir in weniger als einer Stunde wieder beim Kärlinger Haus – der Kreis schließt sich.

ETAPPEN.
Kärlinger Haus, 1630 m – Viehkogeltal – Riemannhaus, 2177 m – Eichstätter Weg – Wegscheid, 2150 m – Zirbenmarterl, 1975 m – Hirschentörl, 1885 m – Kärlinger Haus.
GEHZEITEN.
Kärlinger Haus – Viehkogeltal – Riemannhaus 3 Std., Wegscheid 1:30 Std., Zirbenmarterl – Hirschentörl 1:30–2 Std., Kärlinger Haus 0:45 Std.; insgesamt rund 7 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied850 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortDorf Königssee, 604 m
AusgangspunktKärlinger Haus, 1630 m
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer gesamte Wegverlauf ist markiert. Im Viehkogeltal und beim Abstieg von der Wegscheid sind die Markierungen nicht immer gut erkennbar. In den tieferen Lagen führt die Route über gut befestigte Wanderwege; auf der felsigen Hochfläche ist oftmals kein Pfad vorhanden, nur Markierungen und Steindauben weisen die Richtung. Trittsicherheit erforderlich, bei Nebel und Dunkelheit sehr schwierige Orientierung!
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Juli bis Oktober
KartentippAV-Karte 10/1 »Steinernes Meer« 1 - 25 000
VerkehrsanbindungMit Bus oder Auto zum Königssee, weiter mit dem Schiff nach St. Bartholomä oder Salet. Zustieg zum Kärlinger Haus siehe Tour 17, 19, 22, 27
GastronomieRiemannhaus, 2177 m. AV-Hütte, bew. Mitte Juni bis Anfang Oktober. Tel. - 0043/65 82/733 00, www.riemannhaus.de
Tipps
Unterwegs bietet sich mehrfach die Möglichkeit einer Gipfelbesteigung. In Frage kommen unter anderem Viehkogel (Zeitaufwand hin und zurück gut 1 - 30 Std.), Sommerstein (steil, 0:45 Std.), Breithorn (2 Std., vgl. Tour 24) und Schartenkopf (teils weglos, 1 Std., vgl. Tour 25). Jede einzelne dieser Besteigungen ist wenig schwierig, sollte jedoch nur bei guten Verhältnissen und genügend Zeit- und Kraftreserven unternommen werden.

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