Zur Puezhütte

Recht lange, mäßig anstrengende Pass- und Höhenwanderung. Etwas Ausdauer erforderlich. Wer die Puezspitzen besteigen will, plant vorteilhaft eine Übernachtung in der gleichnamigen Hütte ein. (Autor: Eugen E. Hüsler)
14 km
1200 m
5.00 h
Übers Crespëinajoch.
Die Runde beginnt so gemütlich wie aussichtsreich auf einem bequemen Weg, der unter den bizarren Felszacken der Cirspitzen über blumenreiche Almwiesen in leichtem Auf und Ab ost-wärts führt. Links baut sich der Gran Cir (Große Cirspitze, 2592 m) auf, ein lohnendes Ziel für trittsichere Bergwanderer: Der markierte, an zwei Stellen gesicherte Anstieg verläuft durch die markante Schlucht, quert dann unter Überhängen rechts hinaus in die felsige, aber gestufte Südflanke, über die man den Gipfel gewinnt (1 Std. vom Weg, knapp 1.30 Std. vom Grödner Joch).
Zur Rechten, jenseits des Grödner Jochs, steht der doppelstöckige Bau der Gralsburg Ladiniens, das Sellamassiv: im Sockelbereich Schlerndolomit, über den wasserundurchlässigen Raibler Schichten, die das mächtige Ringband bilden, markant gebankter Hauptdolomit. Im Rücken hat man noch einen »Großen« der Grödner Dolomiten, den Langkofel (3181 m), mit seiner gewaltigen Nordostwand; im Osten, über dem Hochabtei stehen zwei weitere Dreitausender, Lavarela und Conturines (3064 m), und hinter den grünen Wellen der Pralongià ragen die Tofane (3244 m) in den Himmel.
Am Fuß der Clarkspitze (2538 m), bei der Ütia Clark (2222 m), beginnt der ordentlich markierte Weg anzusteigen; zwischen Bergsturztrümmern und Felszacken schlängelt er sich hinauf zum Cirjoch (Danter les Pizes, 2469 m). Dahinter öffnet sich das stille Val de Chedul, nordseitig überragt von der breiten Mauer des Mont de Sëura (2548 m). Nicht zu übersehen ist rechts die Forcela de Crespëina (Crespëinajoch, 2528 m; 1.30 Std.), zu der man nach einer Hangquerung hinaufsteigt.
Mondlandschaft.
Jenseits der markanten Scharte erstreckt sich das ausgedehnte, im Süden vom Sas Ciampac (2672m) über-ragte Crespëina-Hochplateau: Geröllhänge, von Wind und Wetter zernagter Stein, Fels-buckel, dazwischen kaum Grün, und am nördlichen Horizont die Puezspitzen (2913 m) – auch keine Augenweide. Wenig unterhalb des Wegs liegt, etwas verloren, das stille Seeauge des sagenumwobenen Lech de Crespëina (2374 m). Die markierte Route quert in leichtem Auf und Ab das Plateau hinüber zur Forcela de Ciampëi (2366 m), wo ein Weg von Kolfuschg herauf einmündet.
Hier schließt die Gherdenacia an – noch so eine eigenartige grün-felsige Buckellandschaft, die so gar nicht in unser Bild von den Dolomiten passen will. Was für ein Gegensatz zu dem markanten Bugfelsen des Sassongher (2565 m), der über steile Felsen in den Talkessel von Corvara abstürzt! Besonders ins Auge sticht ein isolierter, stark verwitterter Kegel, der mitten im Karstgelände thront und ein bisschen so aussieht, als hätte hier jemand eine Riesenfuhre Bauschutt abgeladen. Er besteht aus sogenannten Neokomschichten, die für ihren Reichtum an Versteinerungen berühmt sind. Das Vorkommen gilt allerdings als praktisch ausgebeutet.
Puez – Hütte und Gipfel.
Geologisch Interessantes bietet auch die Umgebung der Puezhütte (2475 m; 3.15 Std.), die der Weg, in einem weiten Bogen am Rand der Gherdenacia entlang laufend, ansteuert. Am Südhang des Puezstocks sind gut entwickelte Neokom-mergel aufgeschlossen; das weiche, bräunliche Gestein liegt hier auf einem Sockel aus Hauptdolomit, der wiederum die Puezspitzen bildet: eine klassische Überschiebung.
»Hausberg« der Puezhütte ist die Östliche Puezspitze (2913 m) – kein Berg mit Schönheitspreis, wie sie in den Dolomiten ja massenhaft vergeben werden, aber mit einer bemerkenswerten Aussicht. Wer auf der Alpenvereinshütte übernachtet, kann anderntags den Gipfel auf einem markierten Weglein besteigen, dabei die kühle Morgenluft genießen und von oben dann das große Dolomiten-panorama: Da stehen sie dann alle, die Schönen und Berühmten, deren unverwechsel-bares Profil Bergsteiger aus aller Welt kennen – von den Geislerspitzen über Langkofel und Sella bis in die Zoldaner, Ampezzaner und Sextener Dolomiten.
Abstieg.
Der Weg von der Hütte zurück ins Tal startet als schöne Höhenwanderung und führt oberhalb der Felsabbrüche des innersten Langentals flach hinüber zum Munt de Puez (2449 m). Dabei genießt man eine prachtvolle Aussicht auf Langkofel und Schlern, die beide über der Talmündung stehen; genau im Süden liegt jetzt die Trümmerwelt des Crespëina-Plateaus. An der Puezalpe gabelt sich der Weg; rechts geht es weiter zur Regensburger Hütte (2037 m), links hinunter ins Tal, einen Durchschlupf in dem fast vollständig »ummauerten« Tal nutzend. Beim Rückweg über den Plan Ciasota öffnet sich dann mehr als einmal, links wie rechts, ein schauerlich wilder Graben, der sich zwar zum Langental hin öffnet, aber keinerlei Zugang erkennen lässt: die Welt der Gämsen und Steinadler. Mit etwas Glück kann man den »König der Lüfte« beobachten, wie er auf der Suche nach etwas Essbarem über dem Tal kreist; ein Paar der herrlichen Vögel brütet in den Steviafelsen.
Alte Mauern.
Der Talweg führt an der kleinen St.-Silvester-Kapelle (1632 m) vorbei; wenig später kommt rechts unter den senkrechten Felsen der Steviolawand die Ruine der Burg Wolkenstein ins Blickfeld. Das bleiche Gemäuer wurde 1225 erstmals urkundlich erwähnt; Ende des 15. Jahrhunderts von venezianischen Truppen zerstört, später wieder aufgebaut, aber dann verlassen, verfiel sie bald.
Am Siedlungsrand von Wolkenstein (1560 m) hält man sich links und spaziert zurück zur Talstation der Dantercëpies-Gondelbahn (5.30 Std.).

Bergstation – Forcela de Crespëina 1.30 Std., Forcela de Crespëina – Puezhütte 1.45 Std., Puezhütte – Wolkenstein 2.15 Std. Insgesamt 5.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortWolkenstein (1560m), Ferienort im innersten Grödner Tal
AusgangspunktBergstation der Dantercëpies-Gondelbahn (2298m); Talstation Wolkenstein
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterWer am Vortag auf der Seiser Alm gewandert ist, den Duft frischen Heus in der Nase und das Bilderbuchprofil des Langkofelmassivs vor Augen, der wird die Kontraste auf der Runde über die Puezhütte und hinab ins Langental – nomen est omen! – besonders stark empfinden. Und wenn sich über dem Sellamassiv auch noch dunkle Gewitterwolken auftürmen, fühlt sich der Wanderer auf dem Puezplateau angesichts riesiger Geröllhänge, zerborstener Grate und wie beliebig durcheinander ge-worfener Bergsturztrümmer in eine Kulisse von geradezu danteskem Zuschnitt versetzt: Baustelle Dolomiten. Was für ein Kontrast zu all den fantastischen Felsprofilen rundum, dem Drachenrücken der Geisler, der Riesenmauer des Langkofels und der unvergleichlichen Felsenfestung der Sella!
Hinweise
Bergstation – Forcela de Crespëina 1.30 Std., Forcela de Crespëina – Puezhütte 1.45 Std., Puezhütte – Wolkenstein 2.15 Std. Insgesamt 5.30 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 05 »Gröden–Seiseralm«
VerkehrsanbindungWolkenstein erreicht man vom Eisacktal auf gut ausgebauten Straßen. Busverbindungen mit Bozen, Waidbruck, Klausen und Brixen
GastronomiePuezhütte, Mitte Juni bis Ende September, Tel. 0471/795365
Tourismusbüro
Tourismusverband Gröden, I-39047 St. Christina, Dursanstr. 80/c, Tel. +39/0471/77 77 77, Fax 49 22 35, info@valgardena.it, www.valgardena.it

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