Zur Pisciadùhütte

Recht steinige Wanderung am Nordrand des Sellamassivs mit gesicherten Passagen sowohl im Auf- als auch im Abstieg. Trittsicherheit und etwas Bergerfahrung sind deshalb unerlässlich. Grandios die Felskulisse; dazu gibt’s noch ein paar schöne Ausblicke ins Hochabtei. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Felsenburg.
Wenig Fernsicht, dafür packende Dolomitenbilder bietet die Höhen- und Hüttenwanderung vom Grödner Joch zur Pisciadùhütte und hinab ins Mittagstal, dazu interessante Einblicke in den Bau des Massivs. Das besteht – vereinfacht gesehen – aus zwei Stockwerken: Ungeschichteter Schlerndolomit bildet den Sockel und Hauptdolomit, bis zu 400 Meter mächtig, die meisten Gipfel. Dazwischen sind tonhaltige und deshalb weitgehend wasserundurchlässige Raiblerschichten eingelagert. Sie schützen den Schlerndolomit vor Verwitterung und bilden im Sellamassiv das mächtige Ringband, auf dem auch die Pisciadùhütte steht.
Durchs wilde Val Setùs.
Der Anstieg zu diesem schön gelegenen Refugium vollzieht sich in zwei Etappen: zunächst vom Grödner Joch (2121 m) auf gutem Weg kurz bergan gegen den Col de Frea, dann ohne Höhengewinn mit schöner Aussicht unter den Nordwänden des Col de Mesores östlich zur Mündung des Val Setùs. Eine deutliche Geröllspur führt in dem von senkrechten Mauern flankierten Schlund (im Frühsommer oft Schneereste) aufwärts gegen die Felsen. Fix verankerte Drahtseile helfen über Schrofen und kleine Steilstufen zum Ansatzpunkt des Grabens am Sella-Ringband. Nun nach links und kurz absteigend zur Pisciadùhütte (2585 m; 1.30 Std.). In einer Mulde hinter der Hütte liegt der seichte Lech dl Pisciadù, überragt von der imposanten Nordwand des gleichnamigen Gipfels (Cima Pisciadù, 2985m). Dieser hat eine »schwache« Rückseite und lässt sich auf einem kleinen Steiglein vergleichsweise leicht besteigen (ab Pisciadùhütte 2 Std. hin und zurück; nur für erfahrene, trittsichere Berggänger).
Ins Mittagstal.
Beim Weiterweg, der zunächst ostwärts über flache Karrenböden verläuft, hat man die bizarren Felszacken der Campanili di Val Mesdì und den Boèseekofel (2913 m) vor sich. Zunächst noch verborgen bleibt der wilde Graben des Mittagstals; dafür kann man am Exnerturm (2494 m) ein paar bunte Punkte beobachten, die sich im Steilfels nach oben bewegen und die berühmte Hängebrücke passieren: Klettersteigler.
Nach Kolfuschg.
Ein paar Drahtseile erleichtern auch den Abstieg ins Val de Mesdì; dabei wachsen die Felsen rundum immer höher in den Himmel. Drunten im Geröllboden (Gämsen!) sieht man sich von senkrechten, grauen Mauern buchstäblich umstellt; nur das Grün über der Talmündung setzt da einen freundlichen Kontrast. Beim Abstieg rückt Kolfuschg allmählich näher, überragt von seinem »Hausberg«, dem Sassongher (2645 m). Neben dem gischtenden Bach steigt man ab in den lärchenbestandenen Talboden. Ein guter Weg führt flach hinüber nach Kolfuschg (1645 m; 3.30 Std.).

Grödner Joch – Pisciadùhütte 1.30 Std., Pisciadùhütte – Kolfuschg 2 Std. Insgesamt 3.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied950 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortKolfuschg (1645m), Ferienort östlich unterhalb des Grödner Jochs
AusgangspunktGrödner Joch (2121m), Straßenübergang vom Hochabtei ins Grödner Tal
EndpunktKolfuschg
TourencharakterEs mag etwas pathetisch klingen, das Wort von der Gralsburg, doch wer den Bergstock über den vier größten ladinischen Tälern erstmals zu Gesicht bekommt, wird wohl unwillkürlich an eine Festung denken: riesige Mauern rundum, mit Türmen bewehrt, schwer zugänglich das Innere, und über allem die flache Pyramide des Piz Boè (3152m). Den hat die Technik allerdings schon lange erobert; unübersehbar thront ein riesiger Reflektor am höchsten Punkt der Burg, und die vom Pordoijoch aus-gehende Seilbahn degradiert die Gipfelbesteigung – immerhin auf einen Dreitausender – zum besseren Alpinspaziergang. So bewegt sich an Schönwettertagen oft ein bunter menschlicher Tatzelwurm vom Sass Pordoi (2950m) hinüber und hinauf zum großen Südalpenpanorama.
Hinweise
Grödner Joch – Pisciadùhütte 1.30 Std., Pisciadùhütte – Kolfuschg 2 Std. Insgesamt 3.30 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 07 »Alta Badia–Arabba–Marmolada«
VerkehrsanbindungZum Grödner Joch kommt man aus dem Hochabtei und vom Grödner Tal über die gut ausgebaute, im Sommer aber sehr stark befahrene Passstraße. Gute Busverbindungen aus beiden Tälern
GastronomiePisciadùhütte, Ende Juni bis Ende September, Tel. 0471/836292
Tourismusbüro
Tourismusverband Alta Badia, Col-Alt-Str. 36, I-39033 Corvara, Tel. +39/0471/83 61 76, Fax 83 65 40, info@altabadia.org, www.altabadia.org

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