Zur Lämmerenhütte

Wenig anstrengende Hütten- und Bergabwanderung, die sich leicht bis zur Zunge des Wildstrubelgletschers ausdehnen lässt. Faszinierend der 2 km lange Lämmerenboden mit seinen mäandernden Wasserläufen, packend die Eis- und Felskulisse unter dem Wildstrubel. Ein Gletscherpfad (10 Stationen) informiert über naturkundliche Besonderheiten; die Broschüre dazu bekommt man am Gemmipass und auf der Lämmerenhütte. (Autor: Eugen E. Hüsler)
11 km
1100 m
4.00 h
Wasserläufe mäandern hier zwischen Sand und Geröll, wechseln immer wieder ihren Lauf und ihre Farbe. Sind sie frühmorgens noch ganz klar, werden sie im Lauf des (Sommer-)Tages immer trüber. Die Gletscher schwitzen, die Bäche schwellen an und tragen kleinste Staubteilchen und Sandkörner mit, lagern sie erst in dem weiten Boden ab, befördern sie schließlich zu Tal und hinaus aus den Alpen. Fast die Hälfte der Alpenmasse – so schätzen Forscher – ist auf diese Weise bereits abgetragen und fern der Gipfel und Grate abgelagert worden. Eisige Zeiten Auch das Eis wird weniger, seit etwa 150 Jahren, dem Ende der sogenannten »Kleinen Eiszeit«. Im Jahr 1878 reichte die Zunge des Wildstrubelgletschers noch hinunter in den Lämmerenboden, mittlerweile hat er sich bis hinter den Felsriegel des Lämmerenhorns zurückgezogen, die Grenze zwischen Nähr- und Zehrgebiet liegt mittlerweile auf etwa 2800 Meter. Sein Vorfeld präsentiert sich als immense Geröllwüste, in der das Leben nur langsam wieder Fuß fasst. Die ersten, die hier siedeln, sind zähe Pionierpflanzen wie Flechten, deren bekannteste Art die gelbgrüne Landkartenflechte ist, und Moose. Dann folgen Pflanzen wie das Rundblättrige Täschelkraut, deren Wurzelwerk weit in die Tiefe reicht. Erst viel später kommen als erste Holzpflanzen die Weiden und die Moorbeeren dazu. Letztere sind enge Verwandte der Heidelbeere. Mächtige Felsriegel wie jene am Schwarzhorn (3105 m) umrahmen den Lämmerenboden; sozusagen eine Etage höher thront auf einer grünen Terrasse die Lämmerenhütte (2501 m). Sie beherbergt eine kleine Ausstellung zum Thema Gletscherrückgang. Der ist auch am Lämmerengletscher abzulesen. Ließ sich das Schwarzhorn noch vor einem Jahrzehnt vergleichsweise problemlos übers Eis besteigen, muss man heute in den Fels ausweichen. Capra ibex Die Felsregion ist das Terrain des Steinwilds, und die wenig scheuen Steinböcke kann man in der Umgebung der Lämmerenhütte gut beobachten. Ihre Kletterkünste verdanken die recht schweren Tiere (ein ausgewachsener Bock kann bis zu 100 kg wiegen) ihren speziellen, den alpinen Bodenverhältnissen angepassten Hufen. Deren feste Ränder sorgen für Standfestigkeit, die weichen Ballen verhindern ein Abrutschen. Seine zwei Hufzehen kann der Steinbock einzeln bewegen, wodurch sich der Fuß fast allen Unebenheiten des steinigen Untergrunds anpasst. Der Capra ibex: ein perfekter Kletterer. Der Gemmiweg Kletterfertigkeit braucht’s weder für die Wanderung zur Lämmerenhütte noch für den Abstieg nach Leukerbad. Letzterer galt einst als extrem gefährlich, und noch 1878 notierte Mark Twain, der ewige Spötter, die in Sänften auf den Berg getragenen Ladys wären »seekrank und bleich und weiß wie der Schnee des Mont Blanc« gewesen. Bei Edward Whymper kann man nachlesen: »Auf dem steilen Weg über die Gemmi konnte ich die Manieren des schweizerischen Maulesels beobachten. Vielleicht ist es nicht Rache, was den Esel veranlasst, die Beine seines Reiters an Zäunen oder Mauern zu reiben und an schlimmeren Stellen so zu tun, als ob er strauchle, aber seine üble Gewohnheit, stets an der Außenseite des Weges zu gehen, ist unbedingt eine Folge seiner Verbindung mit dem Menschen.« Damals führte über die Gemmi bereits ein »Wagenfuhrweg«, also eine vergleichsweise komfortable Trasse, 1740 errichtet von Tiroler Bauleuten, »die dieser Arbeit kundig und darinnen sehr fertig und mit allem nöthigen Werkzeug schon versehen sind«. Begangen wurde die Gemmi vermutlich bereits in der Vorzeit. Ursprünglich führte der Passweg allerdings weiter östlich über die sogenannte Alte Gemmi, eine Scharte im Bereich der Plattenhörner und gut 400 Meter höher. Sie hatte den Vorteil, dass der Abstieg nach Leukerbad zwar steil und länger war, aber nicht in gefährliches Felsgelände führte. Zur Lämmerenhütte Die Hüttenwanderung beginnt mit einem kurzen Abstieg, vorbei an dem neuen und am alten, leer stehenden Berghotel. Wenig weiter zweigt der Weg nach Leukerbad ab, geradeaus geht’s zum Lämmerenboden (Hinweis »Lämmeren Süd«). Die Markierungen leiten links der mäandernden Wasser taleinwärts; dabei bietet sich freie Sicht auf den Wildstrubelgletscher. Nicht zu übersehen ist auch der breite Felsriegel, der den Boden abschließt. Auf solider Brücke quert man den Gletscherbach, dann geht’s im Zickzack bergan. Eine breite Rinne ermöglicht den weiteren Aufstieg; Hanfseile helfen dabei über die leichten Felsstufen zu dem abgeflachten Rücken, auf dem die schmucke Lämmerenhütte (2501 m; 1.30 Std.) steht. Eine gute Spur leitet von dem Haus unter den Südabstürzen des Lämmerenhorns hindurch zur Zunge des Wildstrubelgletschers (hin und zurück etwa 1 Std.). Im Vorfeld des Eisstroms entdeckt man typische Landschaftsformen wie Schliffe, Rundhöcker, Moränen. Oft halten sich auch Steinböcke in der Umgebung der Hütte auf. Zurück zur Gemmi Für den Rückweg bietet sich der Weg an, der am nördlichen Rand des Lämmerenbodens verläuft, dabei den Lämmerensee (2296 m) tangiert. An seinem Ausgang überquert er die Lämmerendalu und leitet zurück zur bereits erwähnten Verzweigung (2.30 Std.). Hinab nach Leukerbad Hier fädelt man ein in den historischen Gemmiweg. Fast überall meterbreit, steigt er zunächst über ein paar Schleifen ab zur Unteren Schmitte (ca. 2060 m), wo eine große Tafel auf den »Leukerbadner Klettersteig« hinweist. Gleich anschließend folgt der spektakulärste Abschnitt des »Wagenfuhrweges«: In kurzen Kehren schraubt er sich durch die wilde Kulisse abwärts, senkrechte Felsen links und rechts. Eine längere Querung nach rechts führt schließlich zum Ausstieg am Wandfuß (ca. 1725 m). Auf einem guten Weg, der bald zum Sträßchen wird und schließlich noch einen Asphaltbelag bekommt, wandert man hinab und hinaus nach Leukerbad (1402 m; 4.15 Std.).

Thermentour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortLeukerbad (1402 m)
AusgangspunktBergstation (2346 m) der Gemmipass- Seilbahn
EndpunktLeukerbad
TourencharakterDie höchsten Gipfel der Gemmiregion stehen im Osten des Passes, angeführt vom Rinderhorn (3698 m), der größte Gletscher – jener des Wildstrubels – liegt im Westen. Und davor breitet sich eine lang gestreckte, flache Talmulde aus, der Lämmerenboden.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 263 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungDen berühmten Kurort Leukerbad erreicht man von Susten im Rhonetal (Bahnstation) über eine gut ausgebaute Straße (Linienbus).
GastronomieBerghotel Wildstrubel, Juni–Nov., Tel. 027/470 12 01, www.gemmi.ch. Lämmerenhütte, Mitte Juni– Mitte Okt., Tel 027/470 25 15, www.laemmerenhuette.ch
Tipps
Die Alpentherme: Am Südfuß der Gemmi, im Dalatal, liegt der traditionsreiche und geschätzte Thermalkurort Leukerbad. Er präsentiert sich seit den 1990er-Jahren in schickem Outfit mit neu gestaltetem Dorfplatz, einer luxuriösen Alpentherme und dem großen Burgerbad. Der damalige Bürgermeister wollte Leukerbad zu einer Top-Destination im Alpenraum machen, übernahm sich dabei aber total. Zurück blieb ein Schuldenberg, fast so hoch wie die Gemmiwand (348 Millionen Franken), und als erste Schweizer Gemeinde überhaupt wurde Leukerbad vorübergehend unter Zwangsverwaltung des Kantons Wallis gestellt. Einen Hang zur Übertreibung ließen auch schon die Kurgäste längst vergangener Zeiten erkennen, denn trotz eindringlicher Warnungen von ärztlicher Seite – »Es sol auch der badend / dieweil er im Bad sitzt / nit essen und trincken« – war es durchaus üblich, sich die Badezeit mit mehr oder weniger opulenten Mahlzeiten zu vertreiben: »Kalb, Lamm, Zicklein und junges Hammelfleisch, Waldvögel, Frischlinge, junge Rehe, junge Hasen, junge Tauben, Schuppenfische aus fließendem Wasser, frische weich gekochte oder in Wasser gestockte Eier, Erbsbrühe, Gersten-, Reis- und geröstete Hafersuppen usw.« waren im 16. Jahrhundert fester Bestandteil einer erfolgreichen (genussvollen?) Kur. Die Quellen sprudeln immer noch, beleben Geist und Sinne, vor allem nach einem schönen Wandertag: täglich etwa drei Millionen Liter 48–51 °C heißes Heilwasser. Burgerbad mit zehn Thermalbädern und großem Wellnessbereich, geöffnet täglich von 8–22 Uhr.
Informationen
Tourist-Info Leukerbad Tourismus, Rathaus, CH- 3954 Leukerbad, Tel. 027/ 472 71 71, E-Mail: info@leukerbad. ch, www.leukerbad.ch