Zur Drei-Zinnen-Hütte

Lange, recht anstrengende Wanderung, die aber ein Höchstmaß an Landschaftseindrücken vermittelt. Im Mittelpunkt stehen die Drei Zinnen mit ihren einmaligen Nordwänden. Einkehr am Wendepunkt der Runde; überwiegend gute Wege. Oberhalb des Wildgrabenjochs kurze gesicherte Passage (leicht) (Autor: Eugen E. Hüsler)
18 km
1160 m
6.00 h
La Grande Guerra.
Ganz und gar unromantisch ist die Geschichte, mit der man in den Sextener Dolomiten fast auf Schritt und Tritt konfrontiert wird. Die Alpenfront verlief in Sichtweite der Drei Zinnen, und sowohl der Toblinger Knoten als auch der Paternkofel waren in den Jahren 1915–17 heftig umkämpft. An Letzterem fand der legendäre Bergführer Sepp Innerkofler den Tod – neben vielen namenlos gebliebenen Soldaten auf beiden Seiten.
»Mitten in dem höllischen Sturm klettert er empor, ruhig und fest, Griff für Griff. So nah jagen von unten herauf die Kugeln gegen den Gipfel, daß der Sepp einmal die Hand ausstreckt und probiert, ob er nicht schon mit den Fingern in den Kugelschwarm greifen kann. Und rundum schlagen die Geller auf und der Fels spritzt und staubt. [...] Und er springt hinauf zum Gipfel. Aber mitten im Sprung sieht er einen Wälschen auf der Schanzmauer, ein schmales, dunkles Gesicht. Da wirft der Sepp die Arme in die Luft – Christi! – und fällt hintüber, wälzt sich im Fallen noch seitab, daß er die andern im Riß nicht niederschlägt. Beim Oppelkamin bleibt er liegen.«
So pathetisch liest sich der Tod Sepp Innerkoflers in dem biografischen Roman von Karl Springenschmid. Augenzeugen sahen es viel nüchterner: Möglicherweise wurde der »Sepp« sogar vom eigenen Sperrfeuer getroffen.
Zum Großen Wildgrabenjoch.
Vom Parkplatz an der Staatsstraße (1406 m) wandert man auf dem Fahrweg ins Tal der Rienz, das sich bald als echte Dolomitenidylle entpuppt: schroffe Felsen links wie rechts, ein rauschender Bergbach und gelegentlich sogar eine Zinnenaussicht. Besonders schön zeigt sich dabei die Nordwand der Westlichen Zinne (2973 m) mit ihrer markanten Kaminreihe. Sie wurde 1935 erstmals von Riccardo Cassin und Vittorio Ratti durchstiegen – eine Route im Schwierigkeitsgrad VI+, anspruchsvoller als die legendäre Comici-Route an der Großen Zinne.
Rechts mündet das Val del Rinbianco ein, links eine Viertelstunde weiter der Große Wildgraben (1 Std.; Tafel). Dieser macht seinem Namen alle Ehre, wird aus dem gewundenen, steil ansteigenden Waldweg doch schon bald eine Geröllspur. Sie leitet über das riesige, ummauerte Schotterfeld im Talinnern berg-an (Gämsen!) und zuletzt über ein paar Serpentinen hinauf ins Große Wildgrabenjoch (2289m; 3Std.).
Die Drei.
Am Joch weisen rot-weiße Markierungen rechts in eine tiefe, felsige Rinne (Seilsicherungen). Sie mündet gut 50 Meter höher auf die Schwabenalm. Mit freier Sicht auf die Drei Zinnen wandert man hinüber und hinauf zu jenem markanten Rücken (2519 m), der von der Felsbastion des Schwabenalpenkopfs zum Gwengalpenjoch abfällt. Er war wie der »Kopf« im Ersten Weltkrieg befestigt. Während des Weiterwegs, der absteigend das Gwengalpenjoch (2446 m) tangiert, hat man zwei weitere, hart umkämpfte Gipfel im Blick: den Toblinger Knoten (2617 m) mit dem vorgelagerten Sextener Stein und den Paternkofel (2744 m), den Schicksalsberg Sepp Innerkoflers. Beide können auf rekonstruierten Kriegswegen bestiegen werden; jener auf den Paternkofel verläuft durch einen langen, stockfinsteren Stollen (Galleria Paterna).
Rummelplatz.
Unser Weg steigt über aus-gedehnte Karrenböden bis zum Fuß des Toblinger Knotens an, knickt dann nach rechts ab und läuft hinüber zur Drei-Zinnen-Hütte (2405 m; 4.30 Std.), dem Wendepunkt und der einzigen Einkehrmöglichkeit an der Tour. Hier treffen sie sich alle, ob sie nun von der Drei-Zinnen-Straße herüber- oder aus dem Fischleintal heraufkommen, was Küche und Service des Gasthauses mitunter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt. Blendet man den Vordergrund aus, bleibt immer noch die einmalige Dolomitenkulisse. Ein Blickfang ist der wuchtige Zwölfer (3094 m) im Südosten; im Norden, rechts des Toblinger Knotens, stehen die Trabanten der Dreischusterspitze, und direkt über dem Altensteiner Tal ragt der Einser (2698 m) in den Himmel, von dem im Herbst 2007 ein mächtiger Bergsturz abging (siehe Tour 34).Wer Lust hat, kann von der Drei-Zinnen-Hütte aus den kleinen Abstecher zur Galleria Paterna unternehmen (Tafel). Der ehemalige Kriegsweg folgt dem mit bizarren Türmen besetzten Nordgrat des Paternkofels (»Frankfurter Würstl«), ehe er im Bergesinnern verschwindet. Steil ansteigend (Treppen) führt die mehrere Hundert Meter lange Galleria Paterna bis zum Fuß des Gipfelaufbaus; einige wenige Felsenfenster spenden ab und zu etwas Licht. Eine Lampe ist trotzdem unerlässlich! (Bis zum Tunneleingang und zurück etwa 20 Minuten.)
Abstieg.
Der Abstieg ins Rienztal führt vom Toblinger Riedl bzw. der Drei-Zinnen-Hütte zunächst in ein paar Schleifen über einen steinigen Hang hinunter auf den Rienzboden und dann flach hinaus zu einem markanten Geländeabbruch. Hier lohnt es sich, eine Pause einzulegen; der Rummel um die Drei-Zinnen-Hütte ist angenehm fern, und das steinerne Dreigestirn hat man immer noch im Blick. Direkt über der Talmündung ragt die Hohe Gaisl auf, viel größer und viel unbekannter als die »Drei«. Der erst jüngst hergerichtete Weg steigt nun über ein paar Kehren und eine weite Schleife hinunter in den Zirmboden. Weiter talauswärts wird aus dem schönen Waldweg eine Sandstraße. Auf ihr wandert man zurück zum Parkplatz an der Strada d’Alemagna (6.45 Std.).

Parkplatz – Großes Wildgrabenjoch 3 Std., zur Drei-Zinnen-Hütte 1.30 Std., zum Parkplatz 2.15 Std. Insgesamt 6.45 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1160 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortToblach (1241m) im Pustertal, auf der Wasserscheide zwischen Rienz und Drau
AusgangspunktWanderparkplatz gegenüber vom Hotel Drei Zinnen (1406m)
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas Bild hat Ewigkeitswert, es schmückt unzählige Kalender und Bergbücher, und als Postkartensujet sind die Drei Zinnen mit ihren Nordwänden bestimmt schon um die ganze Welt gereist. Alle Welt will sie sehen, aus der Ferne, von der Nähe. Einen Weg zu dem berühmten Drei-gestirn mag ich besonders, obwohl er ziemlich weit und anstrengend ist: jener durch das Rienztal hinauf zur Schwabenalm. Die große Runde ist eine einzige Verneigung vor den Drei Zinnen (2999 m); man startet beim berühmten Gipfelblick an der Strada d’Alemagna, wo kein Bus vergisst anzuhalten, erlebt mit etwas Glück frühmorgens, wenn’s noch ruhig ist, wie erste Sonnenstrahlen die Gipfelfelsen umspielen, während Nebelfetzen aus dem Rienztal aufsteigen. Und abends, wenn du zurückkommst, müde, aber glücklich, haucht das letzte Licht der untergehenden Sonne den Nordwänden nochmals Leben ein, leuchtend rotes, ehe Nachtschwärze sich über die Felsen legt. Sind Bergsteiger vielleicht Romantiker?
Hinweise
Parkplatz – Großes Wildgrabenjoch 3 Std., zur Drei-Zinnen-Hütte 1.30 Std., zum Parkplatz 2.15 Std. Insgesamt 6.45 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungVon Toblach durchs Höhlensteintal bis zur Mündung des Rienztals, 9 km. Gute Busverbindungen
GastronomieDrei-Zinnen-Hütte, Ende Juni bis Ende September, Tel. 0474/972002
Informationen
Naturpark Sextener Dolomiten. Das Kerngebiet der Sextener Dolomiten – soweit es zu Südtirol gehört – ist heute ein Naturpark (rund 110 Quadratkilometer). Er erstreckt sich vom Höhlensteintal im Westen bis zum Kreuzbergpass an der Grenze zum Comélico, von den bewaldeten Talflanken über die Almböden bis zu den felsigen Gipfelhöhen. Die Schutzvorschriften verhindern weitere Eingriffe in die hier noch intakte Bergnatur, schließen Besucher aber keineswegs aus. In den Tourismusbüros liegen Broschüren aus, in denen auf verschiedene Aspekte des Parks (Geologie, Flora und Fauna) eingegangen wird; im Sommer werden auch geführte Parkwanderungen angeboten.
Tourismusbüro
Tourismusverein, Dolomitenstr. 3, I-39034 Toblach, Tel. +39/0474/97 21 32, info@toblach.info, www.toblach.info

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Wanderführer Dolomiten Ost

Dieser Wanderführer präsentiert einen spannenden Mix zwischen Alt- und Unbekanntem, dazu viele interessante Tipps zur Region, ihren Eigenheiten.

Jetzt bestellen