Zur Bergwerkswelt am Schneeberg

Einfache Streckenwanderung auf Wald- und Forstwegen; Bergpfad innerhalb des Bergbaumuseums über 150 Hm. (Autor: Peter Mertz)
10 km
150 m
4.00 h
Die BergbauWelt Ridnaun Schneeberg Unter diesem Namen bieten sich die ehemalige Ridnauner Bergwerksanlagen heute den Besuchern für spannende und kurzweilige Besichtigungen an. Doch zuvor sollten wir einige Fakten zu diesem einzigartigen Bergwerk erfahren. Die Bergwerksanlagen am Schneeberg erstrecken sich von 2000 bis 2650 Meter Höhe und gehören zu den am längsten fördernden Bergwerken der Alpen. Die Stollen liegen am Ende des Lazzachertals, das von Maiern aus in die Ötztaler Alpen hineinführt. Die Förderstätten waren knapp ein Jahrtausend in Betrieb und lieferten Silber, Blei und Zink, die unter extremsten klimatischen und arbeitstechnischen Bedingungen abgebaut wurden. Die erste Erwähnung eines Silberfunds stammt von 1237, doch man geht davon aus, dass schon Tausende Jahre zuvor in dem Raum primitiver Bergbau betrieben wurde. Ab dem 15. Jahrhundert machten reiche Bleivorkommen von sich reden und verliehen dem Schneeberg einen bergmännischen Höhenflug. Der Bergsegen dieses Bergwerks wie auch allen anderen in Tirol bescherte dem Land und den Fürsten wirtschaftlichen Wohlstand und überregionale politische Bedeutung. 1510 erließ Kaiser Maximilian eine Bergordnung aus 24 Artikeln, die vor allem auch die widrigen Arbeits- und Transportbedingungen am Schneeberg regelten. Zu dieser Zeit arbeiteten mehr als 1000 Knappen in den 70 Stollen. Damit die Bergmänner, Handwerker und ihre Familien die langen Anmärsche aus den Tälern nicht täglich durchführen mussten, entstand auf 2335 Metern das Knappendorf St. Martin am Schneeberg, das zur Blütezeit aus Wohnhäusern, Schule, Vereinshaus, Krankenhaus, Hotel und Geschäften bestand. Als die Knappensiedlung am 16. Juni 1967 abbrannte, bedeutete dies das Ende des Bergbaues am Schneeberg.Das Bergbaumuseum und der Museumspfad Die Besichtigung des Museums in Maiern hat vor allem die verschiedenen Arbeitsmethoden und Aufbereitungsanlagen zum Inhalt. Die noch funktionstüchtigen Brechmaschinen werden während der Führung mit ohrenbetäubendem Lärm in Betrieb genommen, daneben lernen wir einiges über die Werkzeuge, die Trachten, die chemischen Aufbereitungsmethoden und den historischen Hintergrund des Bergwerks kennen. Um das gebrochene Gestein vom Schneeberg nach Maiern zu befördern, entwickelte man im Laufe der Zeit verschiedene Methoden von Transportanlagen. Einige davon sind ebenfalls ins Besichtigungsprogramm mit eingeschlossen. Am Ende der Besichtigungstour von eineinhalb Stunden steht das Durchwandern eines 260 Meter langen, eigens geschlagenen Schaustollens, in dem die verschiedenen Phasen der Erzförderung von den frühen Anfängen bis zum Ende der Bergwerkstätigkeit hautnah gezeigt werden. Danach brechen wir direkt beim Kassengebäude zum Bergwerkspfad auf, der durch das untere Betriebs-gelände von Maiern etwa 150 Höhenmeter hinauf zum oberen Gebäude des sogenannten Bremsbergs führt. Als Bremsberg werden Rampen bezeichnet, über die Wagen (Loren) mit gebrochenem Gestein beladen auf Schienen wie Standseilbahnen zu Tal gelassen wurden, um die großen Höhenunterschiede zu überwinden. Als Antrieb diente ausschließlich die Schwerkraft. Mehrere Bremsberge waren notwendig, um das Material vom Schneeberg bis Maiern zu bringen. Den letzten Bremsberg, der gerade renoviert und funktionstüchtig gemacht wird, können wir entlang des Aufstieges einsehen. Darüber hinaus kommen wir an der Talstation einer alten Materialseilbahn vorbei, während die zuletzt gebaute Gondelbahn für die Bergknappen am gegenüberliegenden Hang ins Lazzachertal zieht. Bei der Bergstation des letzten Bremswegs können wir die verschiedenen Steinbauten besichtigen, die für den Erztransport notwendig waren. Dann wandern wir auf dem Ziehweg bis zum nächsten Bremsweg, der etwa 300 Meter entfernt ist. Dort wechseln wir nach rechts auf die Fahrstraße im Lazzachertal hinüber und folgen dieser zurück nach Maiern. Dabei kommen wir an der Talstation der zuletzt errichteten Gondelbahn vorbei, wo man einige der eiförmigen Gondeln zur Schau stellt.Der alte Transportweg des Erzes Der zweite Teil unserer Wanderung verläuft entlang des alten Transportwegs, auf dem das gewonnene Erz nach Sterzing und damit zur Eisenbahnlinie gebracht wurde. Dieser Weg war Teil eines gigantischen und für die damalige Zeit einzigartigen Transportsystems von 27,25 Kilometern Länge, das aus Saumpfaden, Bremswegen, Erzkästen und Pferdebahnen bestand und die enorme Höhe von 1900 Höhenmetern überwand. Unsere Wanderroute diente als Trasse für eine Pferde-eisenbahn, auf der das Erz bis auf die Höhe von Mareit transportiert und dort über Bremswege zu Tal gelassen wurde. Man nannte diese Wege »Flachrollbahnen«. Wir folgen der Fahrstraße talauswärts und wechseln nach ca. 300 Metern nach rechts auf die breite Trasse des Transportwegs. Diese führt mit sehr mäßigem Gefälle am südlichen Talhang entlang, umrundet den Ort Maiern und folgt stets dem Waldrand bis auf die Höhe des Hotels Sonklarhof bei Innerridnaun. Dort wechseln wir beim Hubertushof ein kurzes Stück auf eine Asphaltstraße, vorbei am Sportgelände, um später nach rechts einen Waldweg zu benützen, der uns zu einem Parkplatz an der Ridnauner Talstraße knapp vor dem Ortsteil Gasse bringt. Da die historische Trasse Richtung Mareit auf einer Länge von drei Kilometern nicht mehr besteht und mit der Talstraße überbaut wurde, beenden wir unsere Wanderung bei der Bushaltestelle an diesem Parkplatz. Wir können mit dem Linienbus nach Maiern zurückkehren oder das Auto zu Beginn der Wanderung hier abstellen und die Busfahrt zu Beginn absolvieren.

Streckenwanderung; Besichtigung und Bergbaupfad 2.30 Std., Wanderung bis Maiern 1.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied150 m
Dauer4.00 h
AusgangspunktParkplatz des Bergbaumuseums in Maiern im Talschluss des Ridnauntals (1510 m); Gasse (1342 m ).
EndpunktParkplatz des Bergbaumuseums in Maiern im Talschluss des Ridnauntals (1510 m); Gasse (1342 m ).
TourencharakterEine Bergwerksanlage mit etlichen Rekorden Das Ziel dieser spannenden Wanderung ist das Bergbaumuseum im hintersten Ridnauntal. Wer sich für das historische Bergbauwesen interessiert, wird bei diesem Aus-

flug voll auf seine Kosten kommen. Denn kaum jemand würde vermuten, dass sich am Ende dieses beschaulichen, von Kulturlandschaft und kleinen Orten geprägten Ridnauntals eines der bedeutendsten Bergwerksanlagen Europas verbirgt. Die 1967 stillgelegten Minen und Aufbereitungsanlagen wurden in jüngster Zeit Stück um Stück restauriert und zu einem sehenswerten Museum umfunktioniert. Dabei werden Führungen von eineinhalb Stunden bis Tageslänge angeboten, denn die Stollen befinden sich nicht

in Maiern selbst, sondern weit entfernt inmitten der Bergwelt des Schneebergs zwischen Ridnauntal und Passeiertal. Nach Besichtigung der An-

lagen bei Maiern können wir eine gemütliche Wanderung entlang des

alten Erzbeförderungswegs unternehmen, der früher bis Sterzing reichte und heute bis Gasse auf der Originaltrasse zu begehen ist.
KartentippFreytag & Berndt, WKS 4 Sterzing – Brixen, 1:50 000.
MarkierungenHammersymbol innerhalb des Bergwerkareals, Wegweiser für den Transportweg samt Info-Tafeln.
VerkehrsanbindungVon der A22 Brennerautobahn bei Sterzing ausfahren und der Beschilderung nach Westen ins Ridnauntal folgen; im Tal bis zum Ende der öffentlichen Straße am Bergbaumuseum. Anfahrt mit Bus/Bahn Busverbindung von Sterzing ins Ridnauntal mit Haltestellen in jeder Ortschaft bis in den Talschluss.
GastronomieGasthof Knappenstube in Maiern beim Bergbaumuseum, Gasthöfe in Ridnaun und Gasse; mehrere luxuriöse Hotels wie Hotel Sonklarhof, Hotel Resort Schneeberg, Landhaus Rainer.
Tipps
Naturerlebnisweg Schloss Wolfsthurn Beim Schloss Wolfsthurn bei Mareit am Eingang zum Ridnauntal hat man einen aus 18 Stationen bestehenden etwa einen Kilo- meter langen Naturerlebnisweg geschaffen, der sich mit Wald und Wasser entlang des Mareiter Baches beschäftigt. Dabei begegnen wir manch überraschenden Stationen wie einem hohlen Lauschbaum, einem Holzzelt, einer Wolffanggrube oder einem Rastpavillon. Der Weg ist zum Befahren mit Rollstühlen und Kinderwagen geeignet und endet am alten Schlossweiher. Parkplätze gibt es in Mareit etwa 500 Meter unterhalb des Schlosses.
Informationen
Wissenswertes Der Museumsbetrieb ist von April–Oktober Di–So 9.30–16.30 Uhr geöffnet, im Juli und August auch montags. Wahlweise stehen vier Tourpakete zur Verfügung: A Schneeberg kompakt, 1.30 Std. durch die Bergbauwelt von Maiern, mehrmals täglich; B Schneeberg Abenteuer Schicht, Tagestour von 7 Std. mit Beginn um 9.30 Uhr mit Auffahrt zum Poschhausstollen; C Schneeberg BergbauWelt, Tagestour von 10 Std. mit Beginn um 7.30 Uhr (von Mitte Juni bis Oktober), nur für Bergerfahrene, Durchwandern und Durchfahren des 6 km langen Zentralstollens; D Schneeberg Junior, 3-stündige abenteuerliche Erkundungstour für Kinder und Schüler (April bis Oktober). Rekorde der BergbauWelt Ridnaun Schneeberg Höchstes Bergwerk Europas (2000–2650 m) Höchste Dauersiedlung Europas (2335 m) Längste Übertageförderanlage der Welt (27 km) Bedeutendstes Blei- und Zinkbergwerk Tirols Über 150 km Stollen und Schächte, die teilweise zu begehen sind Über 70 verschiedene geförderte Mineralien Eines der ältesten der Alpen mit erster Erwähnung um 1237

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