Zum Santnerpass

Bis zur Vajolethütte gemütliche Höhenwanderung auf komfortablen Wegen; Aufstieg durchs Gartl rau, mit einigen Drahtseilsicherungen. Bei Nässe sind die glatt polierten Felsen unangenehm rutschig. Einmalig der Blick auf das Dreigestirn der Vajolettürme! (Autor: Eugen E. Hüsler)
Ins Vajolettal.
Nicht zufällig gilt Ciampediè (1997 m) als schönster Aussichtsbalkon von Vigo di Fassa; der abgeflachte Rücken bietet eine Fernsicht bis zur Marmolada und in die Pala, dazu einen Prachtblick ins felsumrahmte Vajolettal. Gut auszumachen sind auch die beiden ersten Stationen der Rosengartenwanderung: die ehemalige Almsiedlung Gardeccia (1950m), keine Gehstunde von der Seilbahn auf einem bequemen, weitgehend flach verlaufenden Weg zu erreichen, und – sozusagen ein Stockwerk darüber – die Vajolethütte (2243 m; 1.45 Std.).
Tita Piaz.
Sie hatte einst einen berühmten Wirt. Der 1879 in Pera di Fassa geborene Piaz war eine schillernde Figur. Zeitlebens ein rebellischer Geist, schwer zu bändigen und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, wurde er von den Faschisten mehr als einmal ins Gefängnis geworfen; es drohte ihm gar die Todesstrafe. Er war der ungekrönte König des Rosengartens. Hier kannte er jeden Felswinkel; 1908 überkletterte er alle sechs Vajolettürme – auch die drei nördlichen – an einem Tag. Piaz führte berühmte Leute wie König Albert I. von Belgien sowie den Herzog von Aosta, den aus dem Hause Savoyen stammenden italienischen Thronfolger. Diesen pflegte er beim Klettern jeweils mit dem Ruf »Forza Savoia!« anzufeuern.
Gleich neben dem Rifugio Vaiolet steht die kleine Preußhütte, benannt nach dem legendären Einzelgänger, der im Lauf seines kurzen Lebens (er stürzte 1913 im Alter von 24 Jahren im Dachsteingebiet ab) rund 1200 Gipfel bestieg, darunter auch viele in den Dolomiten.
Ins Gartl.
Bei der Vajolethütte (Hinweis) zweigt links der Weg ins Gartl ab, das – dem lyrischen Namen zum Trotz – vor allem steinig ist. Kein Wunder, hat doch der Fluch des Zwergenkönigs Laurin – so erzählt es die uralte Sage – den einst blühenden Rosen-garten in eine Felswüste verwandelt. So müht man sich, teilweise mit Drahtseilhilfe, durch das Steilkar bergan zur Gartlhütte (2621 m; 2.45 Std.), deren italienischer Name (Re Alberto) an den belgischen König Albert I. erinnert, einen begeisterten Alpinisten. Auf dem Weiterweg wachsen die Vajolettürme immer attraktiver ins Himmelblau. Oben am Santnerpass (2745 m; 3 Std.), einer flachen Geländeschulter unter der König-Laurin-Wand, wird die Sicht nach Westen frei, über das Eisack- und das Etschtal hinweg bis zu den fernen Firngipfeln von Adamello und Ortlermassiv. Den herrlichen Blick genießt man auch von der Terrasse der kleinen Santnerpasshütte (2734 m).
0Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg.

Ciampediè – Vajolethütte 1.45 Std., Vajolethütte – Gartlhütte 1 Std., zum Santnerpass 15 Min. Rückweg 2 Std. Insgesamt 5 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortVigo di Fassa (1393m), Ferienort an der Straße zum Karerpass
AusgangspunktBergstation Ciampediè (1997m) der Rosengarten-Seilbahn; Talstation Vigo di Fassa
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterIn einer Hitliste der schönsten Dolomitensujets würde der Blick vom Gartl auf die Vajolettürme (2813m) ganz weit vorne stehen; nicht zufällig zieren die drei schlanken, nach ihren Erstbesteigern Georg Winkler, Hermann Stabeler und Hermann Delago benannten Felszinnen fast jeden Berg-kalender, treten alljährlich Zigtausende von Postkarten mit eben diesem Sujet vom Fassatal aus ihren Weg in die weite Welt an.
Und natürlich machen sich an Schönwettertagen im Sommer jeweils viele auf, das Naturwunder einmal selbst in Augenschein zu nehmen. Das geht vergleichsweise leicht, nimmt einem die Seilbahn zum Höhenrücken von Ciampediè doch ziemlich genau die Hälfte des Anstiegs aus dem Fassatal ab. Wenig Bergerfahrene begnügen sich mit der gemüt-lichen Wanderung zur Vajolethütte und schauen sich die berühmten Drei aus der Froschperspektive an. Der Weiterweg durchs Gartl verlangt – trotz Seilsicherungen – ein Mindestmaß an Trittsicherheit. Und oben am Santnerpass (2745m) treffen sich dann Wandersleut und Ferratisti, die von der Rosengartenhütte über den Klettersteig aufgestiegen sind. Hütte, Pass und Steig erinnern an den Bozner Bergsteiger Johann Santner, unter anderem Erstbesteiger der ebenfalls nach ihm benannten Santnerspitze am Schlern.
Hinweise
Ciampediè – Vajolethütte 1.45 Std., Vajolethütte – Gartlhütte 1 Std., zum Santnerpass 15 Min. Rückweg 2 Std. Insgesamt 5 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 025 »Schlern–Rosengarten–Latemar«
VerkehrsanbindungNach Vigo di Fassa kommt man von Bozen durchs Eggental und über den Karerpass (1745m), 38km. Gute Busverbindungen
GastronomieVajolethütte, 20.6.–20.9., Tel. 0462/763292. Preußhütte, Ende Juni bis Ende September, Tel. 0368/7884968. Gartlhütte (Rifugio Re Alberto), Juni bis September, Tel. 0462/763428. Santnerpasshütte (2734m), Ende Juni bis Ende September, Tel. 0471/642230
Informationen
Schmecken viel besser, als es sich anhört: Priesterwürger. Die »strangolapreti« sind eine Spezialität des Trentino und mit den Tiroler Spinatnocken vergleichbar. Der Legende nach verdanken sie ihren recht respektlosen Namen dem Trentiner Konzil. Da sollen die Monsignori, Äbte und Kardinäle den feinen Nocken öfters etwas zu heftig zugesprochen haben, mit unguten Folgen... Die Priesterwürger wurden früher hauptsächlich freitags gegessen, als fleischlose Mahlzeit.
Tourismusbüro
Ufficio Turistico, Strada Rezia 10, I-38039 Vigo di Fassa, Tel. +39/0462/60 97 00, infovigo@fassa.com, www.fassa.com

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