Zum Rifugio Pian de Fontana

Abwechslungsreiche und unschwierige, aber lange Bergwanderung durch herrliche Landschaft, sehr sonnig; stellenweise Trittsicherheit erforderlich: Carestiatohütte – Passo Duran – Forcella Moschesin – Pra della Vedova – Rifugio Pian de Fontana (Autor: Eva-Maria Troidl, Stefan Lenz, Ludwig Graßler)
Auf dieser Tour trennen sich die Klettersteiggeher, die am nächsten Tag auf der Via Ferrata Marmol die Schiara überqueren möchten, von den Bergwanderern, die ins Cordèvoletal absteigen und mit dem Bus nach Belluno fahren. Hat man sich die Schiara zum Ziel gesetzt, sollte man zeitig aufbrechen, denn es gilt, das Rifugio Pian de Fontana (Quellenalm) zu erreichen. Im letzten Wegdrittel müssen beim Erklimmen der Cime di Città 650 Höhenmeter im Auf- und 750 Höhenmeter im Abstieg bewältigt werden. Wer sich hingegen für die Abstiegsvariante entschieden hat, kann den heutigen Tag etwas gemütlicher angehen. Man schlendert genussreich zum Etappenziel Pramperethütte (41/2 Std.), die in eine wahre Bilderbuchlandschaft eingebettet ist. Die Quellenalm passiert man dann erst am folgenden Tag. Hinweise für den Abstieg ins Cordèvoletal finden sich in der Tourenbeschreibung der nächsten Wanderetappe.
Von der Carestiatohütte wandern wir zunächst auf der Zufahrtsstraße des Schutzhauses Richtung Passo Duran. Nach etwa 20 Minuten zweigen wir dann rechts auf einen Fußweg ab (Wegmarkierung 554 und Dolomitenweg 1) und erreichen zehn Minuten später den Pass. Das wenig befahrene Passsträßchen verbindet das Agordino mit dem Zoldano. Südlich des Duranpasses findet man überhaupt erst seit 1966 Wegzeichen. Unsere Route hinüber auf die Schiara hat der bekannte Bergsteiger Professor Giovanni Angelini markiert. Hier auf dem Pass hat sich schon so mancher Venedigwanderer verlaufen, da sich direkt gegenüber dem Abstiegsweg auf der anderen Straßenseite eine alte Ausschilderung zur Pramperethütte befindet. Wir gehen jedoch nicht diesen Wiesenweg hinauf, sondern folgen der Autostraße nach rechts hinunter bis zu dem Parkplatz im Bereich der ersten großen Serpentine. Dort wandern wir bei der Wegmarkierung 543 oder Dolomitenweg 1 links in den Wald hinein. Nach einem kurzen Aufstieg zur Forcella Dagarai (1620 m) streben wir über Schotterhänge, durch Latschengestrüpp und Felslabyrinthe der von Unkraut eingewachsenen Malga Moschesin zu. Dabei verläuft unser Pfad erst ein Weilchen auf fast gleicher Höhe und steigt dann gemächlich auf 1800 Höhenmeter zur Moschesinalm an, die wir nach 2 1/4 Stunden Gehzeit vom Passo Duran erreichen. Auf der alten Holzbank vor einer der Hütten genießen wir beim Rasten die friedvolle Stille dieses einsamen Fleckchens sowie das kühle Brunnenwasser der Alm.
Wir bleiben auf dem Weg 543 bzw. Dolomitenweg 1, der uns auf die Forcella Moschesin (1940 m) bringt. Oben öffnet sich erneut ein Ausblick in das stille Zoldano, diesmal hinaus zum Hauptort Forno di Zoldo. Das Joch stellt auch eine der nördlichen Begrenzungen des noch jungen Nationalparks Belluneser Dolomiten dar, den wir in den nächsten zwei Tagen besser kennen lernen werden. Im Jahr 1990 gegründet, wurde der Park, der sich über 32 000 Hektar erstreckt, erst im Jahr 1993 mit einer eigenen Verwaltung ausgestattet. Oberstes Anliegen ist der Schutz der einmaligen und überaus artenreichen Flora, die sich entwickeln konnte, da Teile der Nationalparkfläche in den letzten Eiszeiten nicht vergletschert waren und andernorts ausgestorbene Pflanzen dort überleben konnten. Natürlich gibt es auch besonders schützenswerte Tierarten, so z. B. die äußerst seltene Aspisviper, die vor allem an den sonnenverwöhnten Südhängen im Bereich der Quellenalm ein Rückzugsplätzchen gefunden hat. Es kann also nicht schaden, wenn wir unsere Augen für die Schönheiten der Natur in diesem Fall besonders weit offen halten.Unterhalb des Jochs trennt sich der Abstiegsweg ins Zoldano nach links von unserer Route, dem Dolomitenweg 1, dem wir jedoch bis Belluno die Treue halten. Kurz danach auf dem Pra della Vedova (»Witwenwiese«) knickt unser Pfad dann nach Süden ab. Wanderer, die sich für die Übernachtung auf der Pramperethütte entschieden haben oder die dort eine Pause einlegen wollen, halten sich hier weiter Richtung Osten und gelangen auf dem Weg 521 in wenigen Minuten zur Hütte.
Falls unser Tagesziel aber die Pian de Fontana ist, steht uns jetzt der Aufstieg zu den weltentrückten Gipfelgraten zwischen Monte Talvena und Cime di Città bevor. Über Latschenhänge führt der Weg Nr. 514 hinauf zur Portela del Piazedel (2097 m) und weiter über Schotterterrassen zur Forcella la Sud dei Van di Città, wo wir nach etwa 11/2 Stunden mit knapp 2400 Metern den höchsten Punkt der Etappe erreicht haben. Von nun an geht's bergab und zwar teilweise sehr steil, weswegen nochmals volle Konzentration angesagt ist. Wie weite Logen in einem riesigen Amphitheater öffnet sich beim Abstieg zum Rifugio Mulde um Mulde. Die seit geraumer Zeit nicht als Viehweide genutzten Wiesen sehen ungewohnt aus. Anders als in anderen Nationalparks existiert hier ein Bewirtschaftungsverbot, das auch konsequent umgesetzt wird. So kommt man in den Genuss einer Bergwelt, die sonst selten zu finden ist. Nach etwa 11/2 Stunden Gehzeit erreichen wir schließlich das wunderschön gelegene Rifugio Pian de Fontana (1632 m).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1500 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktCarestiatohütte oder Passo Duran.
EndpunktRifugio Pian de Fontana (auch Bivacco Renzo dal Mas genannt).
TourencharakterZwischen den Tälern des Agordino und des Zoldo führt uns diese Tagesetappe hindurch bis in den Dolomiten-Nationalpark. Im ersten Teil des Weges blicken wir ins Agordotal hinab, während wir im zweiten Teil nach der Forcella Moschesin in den Einzugsbereich des Zoldo kommen. Der Kontrast zwischen den spitzen, schroffen Felszacken der Dolomitengipfel und den tief eingeschnittenen grünen Tälern macht die südlichen Dolomiten so einmalig schön.
Beste Jahreszeit
KartentippKompasswanderkarte 77 Alpi Bellunesi, 1:50 000; Tabacco 4 Dolomiti Agordine e di Zoldo, 1:50 000; Tabacco 025, Dolomiti di Zoldo, Cadorine e Agordine, 1:25 000.
MarkierungenWegmarkierung 543 oder Dolomitenweg 1 (Dreieck mit Nr. 1) bis zur Pra della Vedova, ab dort Wegmarkierung 514 bzw. Dolomitenweg 1.
VerkehrsanbindungKeine.
GastronomieRifugio Pramperet, ca. 10 Min. abseits des Weges; Wasser an der Malga Moschesin.
Tipps
Auch auf diesem Weg herrscht Wassermangel. Die einzige Möglichkeit, direkt an der Route die Wasservorräte aufzufüllen, ist der Brunnen an der Malga Moschesin. Diese Gelegenheit sollte genutzt werden. An heißen Tagen brennt die Sonne auf dieser nahezu schattenlosen Tour unbarmherzig herab.
Unterkunft
Rifugio Pramperet, CAI-Sektion Oderzo, 20. Juni bis 20. September, Tel. 0442/71 63 54; Rifugio Pian de Fontana, Betreiber Comune Longarone, 25. Juni bis 30. September, Tel. 0335/6 09 68 19.
Tourismusbüro
Ufficio Turistico Agordo, Tel. 0437/6 21 05; Parco Nazionale Dolomiti Bellunesi, Piazzale Zancanaro 1, I-32032 Feltre, Tel. 0439/33 28.

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