Zum Rifugio Lavarella

Recht lange, aber nur mäßig anstrengende Tal- und Passwanderung, überwiegend auf alten Kriegsstraßen. Die einzige längere Steigung hat man gleich zu Beginn; wegen des schotterigen Untergrunds sind hier feste Schuhe wichtig. Viele schöne Rastplätze unterwegs, dazu drei Einkehrmöglichkeiten. (Autor: Eugen E. Hüsler)
18 km
700 m
5.00 h
Hinauf und hinein ins Fanes.
Vom Parkplatz bei der Capanna Alpina (1720 m) wandert man flach hinein in den licht bewaldeten Boden des Plan dal’Ega; rechts ragt die Cima Scotoni (2874 m) hoch in den Himmel. Durch ihre Südwestwand verlaufen einige extrem schwierige Kletterrouten.
Bären.
Der recht schotterige Weg quert auf einer soliden Brücke den Rio Sciarè und steigt dann kräftig an; er bietet Einblick in die wild zerklüfteten Südabstürze des Piz dles Conturines (3064 m), wo vor 20 Jahren Knochen urzeitlicher Höhlenbären entdeckt wurden. Die ältesten Funde dürften rund 120000 Jahre alt sein; sie belegen, dass es zwischen den Eiszeiten auch in den Dolomiten Warmzeiten gab, die selbst so großen Säugern hier das Überleben ermöglichten.
Über das Limojoch.
Oben am grünen Buckel des Col de Locia (2069 m; 1 Std.), der einen stimmungsvollen Rückblick zum Sellamassiv bietet, öffnet sich der Graben zu einem weiten, kaum mehr ansteigenden Hochtal, umrahmt von hohen Bergen, die aber alle etwas Abstand halten. Der Weg führt sanft abwärts, quert dann den ausgedehnten, flachen Boden des Gran Plan und steigt leicht an zum Ju dal’Ega (2157 m; 1.30 Std.), der Wasserscheide zwischen Hochabtei und Ampezzano. Hier zweigt links der »Tru Dolomieu« zum Piz dles Conturines ab; auf dem Almboden türmen sich mächtige Bergsturztümmer (Rastplätze).
Auf der breiten Trasse wandert man im aus-gedehnten Almgelände hinaus zur Ütia de Gran Fanes (2102 m), wo die alte Militärstraße aus dem Fanestal heraufkommt. Sie setzt sich zum nahen Limojoch (2172 m) fort. An der weiten Passsenke mit dem Lè de Limo wird der Blick auf die Kleine Fanesalm und ihre Bergkulisse frei. Auffallend ist der Neuner (2928 m) mit seinen mächtigen, steil gestellten Felsplatten. Ein paar Gehminuten jenseits des Jochs steht die Faneshütte (2060 m) und am Grünsee die Lavarellahütte (2042 m; 3 Std.). Tiroler Speck oder Kaiserschmarrn? Der Rückweg erfolgt auf derselben Route (bis zur Capanna Alpina insgesamt 5.30 Std.).

Capanna Alpina – Col de Locia 1 Std., Col de Locia – Ju dal’Ega 30 Min., Ju dal’Ega – Lavarellahütte 1.30 Std., Rückweg 2.30 Std. Insgesamt 5.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied700 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortSt.Kassian (1563m), Ferienort im Hochabtei
AusgangspunktCapanna Alpina (1720m) am Plan dal’Ega
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterBizarr, sagenumwoben, faszinierend und wüst – das Reich der Fanes. Die Überlieferung erzählt von einem Volk, das in grauer Vorzeit hier gelebt haben soll; die Wissenschaft entdeckte am Zehnerkofel eine prähistorische Wallburg und im ausgehenden Mittelalter waren die Almen Streitobjekt zwischen den Gemeinden Enneberg, Wengen und Abtei. Während des Ersten Weltkriegs entstanden im Rücken der Dolomitenfront zahlreiche Straßen und Nachschubwege, auf denen heute ganz friedliche Biker unterwegs sind. Ganz unberührt von all dem menschlichen Treiben zeigt sich die Felskulisse: bizarr der Faniskamm, schiere Felsmasse am Conturinesstock, und der Piz Taibun als eine gigantische Himmelsrampe. Hinter dem Ju dal’Ega passiert man den Rand einer mächtigen Bergsturzzone; oben am Limojoch (Ju de Limo) liegt der gleichnamige kleine See, und durch das Fanestal geht der Blick hinaus ins Ampezzano. Die Alpe Kleinfanes ist ein riesiger, grüngrauer Fleckerlteppich und ein Murmeltierparadies; am Grünsee kann man dann die Zeit wunderbar verträumen und den weißen Wolken zuschauen, wie sie über den Himmel ziehen. Wer zuerst in einer der beiden gut geführten Hütten eingekehrt ist und anschließend in dem seichten Gewässer eine »Unterwassermaus« entdeckt, muss das nicht auf den »Enzian« schieben, den der Wirt spendiert hat: Das Tierchen hört auf den Namen Wasserspitzmaus, lateinisch Neomys fodiens.
Hinweise
Capanna Alpina – Col de Locia 1 Std., Col de Locia – Ju dal’Ega 30 Min., Ju dal’Ega – Lavarellahütte 1.30 Std., Rückweg 2.30 Std. Insgesamt 5.30 Std.
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 07 »Alta Badia–Arabba–Marmolada«
VerkehrsanbindungVon Stern/La Ila (1420 m) via St.Kassian bis zur Punt de Sciarè hinter Armentarola; hier links und vorbei an einem Kieswerk zum großen Parkplatz vor der Capanna Alpina, 8 km
GastronomieÜtia de Gran Fanes, im Sommer bewirtschaftet (keine Nächtigung). Faneshütte, Anfang Juni bis Ende Oktober, Tel. 0474/501097. Lavarellahütte, Juni bis Oktober, Tel. 0474/501079
Tourismusbüro
Tourismusverband Alta Badia, Col-Alt-Str. 36, I-39033 Corvara, Tel. +39/0471/83 61 76, Fax 83 65 40, info@altabadia.org, www.altabadia.org

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