Zum ersten Vorarlberger Alpmuseum

Rundwanderung auf einfachen Almwegen, ein kurzes Stück auf gutem Steig, durch eine malerische Almlandschaft. (Autor: Karin Pegoraro, Manfred Föger)
5 km
350 m
2.00 h
Vom Gemeindezentrum in Schröcken wandern wir auf der schmalen Asphaltstraße rechts an der Kirche vorbei und halten geradeaus über einen Parkplatz auf einen geschotterten Almweg zu. Leicht ansteigend geht es der Schlucht der jungen Bregenzer Ach entgegen. Schon nach wenigen Metern beginnt sich der Weg zum ungestümen Bergbach hin abzusenken. Rechts fällt der Hang Schwindel erregend in die Tiefe. Im Laufe der gut 10 000 Jahre seit der letzten Eiszeit hat sich die Ach tief in das weiche Gestein eingegraben.
Leicht absteigend kommen wir an den tiefsten Punkt der Schluchtquerung und überschreiten den Bach auf einer soliden Brücke. Bald bleibt der Fichtenwald zurück und wir erreichen die Weideflächen der Vorderen Alp Felle. Der Weg beschreibt eine sanfte Kehre und leitet auf die alten Gebäude zu, die heute nur mehr als Lager benutzt werden oder gar im Verfall begriffen sind. An der nächsten Kehre können wir einen kurzen Abstecher zu den alten Alpgebäuden machen und den malerischen Ausblick genießen.
Wir wandern zur Kehre zurück und kommen in wenigen Minuten zum Neubau des Alpgebäudes, das oberhalb des ursprünglichen Standortes in sehr sonniger Lage errichtet wurde. Es ist eines der höchstgelegenen Objekte, das in die Bregenzerwälder Käsestraße aufgenommen wurde. Auch wenn wir erst gut 20 Minuten unterwegs sind, lohnt sich hier eine kurze Rast, um den Blick in die Runde schweifen zu lassen und die typische Atmosphäre der Almlandschaft in uns aufzunehmen.
Vom Almgebäude gehen wir nur wenige Schritte auf dem breiten Almweg weiter, zweigen aber sogleich links auf einen schmalen Bergweg ab, der uns erneut hinunter zur Bregenzerach bringt. Auf einer 2002 errichteten Brücke queren wir den Bergbach. Die Wanderung führt in leichter Steigung hinauf zur neuen Almstraße, auf der wir uns nach rechts wenden und bald die reichen Weidegründe rund um die Alp Batzen erreichen. Nur wenige Minuten trennen uns jetzt von der alten Almhütte, die direkt am Weg liegt. Im September 2002 fand hier im Rahmen einer traditionellen Segnung die feierliche Eröffnung des 1. Vorarlberger Alpmuseums statt. 1998 war das 400 Jahre alte Gebäude in letzter Minute vor dem Abriss gerettet worden. Seither bemüht sich der Kulturverein »uf m Tannberg« rührig um seine Erhaltung und die Wiederbelebung als Museum.
Was ist nun das Besondere an dieser Idee? Die meisten bekannten Museen zeigen eine in langjähriger Sammeltätigkeit entstandene Schausammlung von Gegenständen, die möglichst Originale und nicht Nachbildungen oder nur Abbildungen sein sollen. Diesem Ziel entsprechend präsentiert das »Alpmuseum auf der Alp« ausschließlich authentische Objekte. Doch damit nicht genug. Diese werden am authentischen Ort ihrer langjährigen Verwendung gezeigt, im authentischen Gesamtzusammenhang ihres sozialhistorischen Hintergrundes belassen und können in der durch die Alpwirtschaft geformten Berglandschaft erlebt werden. Getreu diesem Konzept zeigt das Alpmuseum keine Vitrinen, Schautafeln und ähnliche Präsentationen. Die Sammlung der in den Räumen ausgestellten Gegenstände beschränkt sich gezielt auf die Momentaufnahme der Einrichtungen, wie sie im Augenblick der funktionsfähigen Sennalp gegeben war. Dieser Eindruck wird nicht durch Überladung verfälscht; es ist das Alltägliche der Arbeitswelt, welches hier erhalten bleibt. Geöffnet ist das interessante Haus an saisonal vereinbarten Tagen (zu erfahren bei der Tourist-Info oder auf der Homepage www.alpmuseum.at); einzelne Mitglieder des Kulturvereins stellen sich ehrenamtlich als Museumsbetreuer zur Verfügung und begleiten die Besucher auf ihrem Blick in die Vergangenheit.
Nach dem eindrücklichen Exkurs zu den Ursprüngen der Alpwirtschaft fallen die wenigen Meter hinauf zur neuen Sennalp Batzen nicht mehr schwer. Mit ein bisschen Glück kann man dem Senner Christian bei der Herstellung des köstlichen Alpkäs über die Schulter schauen. Und natürlich wird hier auch eine kräftige Jause serviert.
Wer Lust hat, unternimmt vor dem Abstieg noch einen kurzen Abstecher hinauf zu den beiden Gebäuden der Heimet uf m Büel, die an die einstige Dauersiedlung Schröckner Älpele erinnert. Ein Vorgängerbau entstand schon Mitte des 15. Jh. als Walserhaus, die heutigen Gebäude stammen aus dem frühen 17. Jh. – auch hier ist die lange Geschichte lebendig und im wörtlichen Sinn begreifbar.
Für den Abstieg nach Schröcken folgen wir dem neuen Almweg talwärts. Dabei eröffnen sich immer wieder malerische Ausblicke auf den hinteren Bregenzerwald, die uns beim Anstieg entgangen sind. Die Abzweigung des Steiges, auf dem wir heraufgekommen sind, lassen wir links liegen und folgen weiter der breiten Schotterpiste, die schließlich in die alte Tannbergstraße mündet; sie ist heute für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Lediglich an einem Wochenende im Herbst geht es hier recht laut zu; dann findet nämlich in den Haarnadelkurven und zahlreichen Kehren eine traditionelle Bergrallye statt. Doch an normalen Tagen stört nichts unseren Abstieg. Bald kommt die Kirche von Schröcken ins Blickfeld und wenige Minuten später sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung in die Vergangenheit (1:30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied350 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGemeindezentrum von Schröcken (1269 m).
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDie Almkultur hat die Landschaft und die Menschen des Bregenzerwaldes über Jahrhunderte nachhaltig geprägt. Doch kaum in einer anderen Gemeinde hatte das Alpwesen einen derartig hohen Stellenwert wie in Schröcken. Neben der Säumerei, dem Transport von Käse, Salz und anderen Waren über den Hochtannbergpass, war die Alpwirtschaft der wesentliche Erwerbszweig der Region. Doch von den alten Almen ist im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen und EU-geförderten Sanierungen nur mehr wenig übrig geblieben – die traditionelle Sennalp ist heute eine bedrohte Art! Auf dieser Tour lernen wir das Leben und Wirtschaften der Senner kennen.
Beste Jahreszeit
Kartentippfreytag & berndt-WK Bregenzerwald, 1:50 000. Kompass-WK 2 Bregenzerwald – Westallgäu, 1:50 000.
MarkierungenÜbliche Wanderwegemarkierung; Wegweiser an allen wichtigen Kreuzungspunkten.
VerkehrsanbindungSchröcken liegt direkt an der Bregenzerwald-Bundesstraße B 200 im hintersten Teil der Region. Bei direkter Anreise in den Ort empfiehlt sich als Alternative die Fahrt vom Arlberg über die Verbindung Lech–Warth bzw. aus dem Tiroler Lechtal über den Hochtannberg. Die Buslinie Nr. 40 (Dornbirn–Warth) verkehrt ganzjährig nach Schröcken, die Linie Nr. 42 (Schoppernau–Lech) nur in den Sommermonaten.
GastronomieVerschiedene Einkehrmöglichkeiten in Schröcken; unterwegs in den Alpen Felle und Batzen.
Unterkunft
Verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten im Talort.
Tourismusbüro
Warth-Schröcken Tourismus, Heimboden Nr. 2, A-6888 Schröcken, www.tiscover.at/schroecken
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