Zu Besuch beim Glasbläser in Schmidsfelden

Einfache Wanderung auf Wald- und Wiesenwegen sowie geteerten Forstwegen (Autor: Martina Gorgas)
Wer schon immer wissen wollte, wie das eigentlich funktioniert, dass aus Quarz und anderen Naturmaterialien Glas wird, kann hier dem Glasbläser oder seiner Kollegin bei der Arbeit zusehen – das macht auch großen und kleineren Kindern Spaß.
Die abwechslungsreiche Rundwanderung beginnt am Ortsanfang von Schmidsfelden. Wir überqueren die Brücke über die Eschach und folgen der Ausschilderung in Richtung Blockwiesen. Wir wandern hier durch die Adelegg auf dem »GlasMacherWeg«, der mit insgesamt 18 Stationen ausgeschildert ist und in mehreren Tagestouren erkundet werden kann. Bei unserer Tour beschränken wir uns auf einen kleinen Ausschnitt ab Schmidsfelden, dem Schmuckstück des GlasMacherWegs, wie wir gleich am Einstieg auf einer Schautafel erfahren. Der geteerte Forstweg verläuft zwischen Wiesen und bewaldeten Stücken am sogenannten Quarzpocher an der Eschach vorbei. Zu Zeiten der Glashütte haben hier Frauen und Kinder Quarzsteine gesammelt. Mit etwas Glück wird man auch heute noch fündig. Vor allem Kinder haben Spaß daran, die Schuhe auszuziehen und im flachen Wasser nach Quarzsteinen zu suchen.
An der Eschach nach Blockwiesen
Im Folgenden verläuft unser Weg zuerst flach, dann leicht ansteigend und in den Wald hinein. Wenig später zweigt rechts in Richtung Blockwiesen ein Schotterweg ab, dem wir folgen. Im weiteren Verlauf wandern wir schön sonnig am Waldrand dahin und genießen die Ruhe dieser wenig begangenen Wanderroute. Unser Weg geht nun in einen schmalen Waldpfad über. Eine weitere Tafel informiert über die Adelegg, wie die bewaldeten Höhenzüge rund um Schmidsfelden heißen, und ihre typischen Gesteinsschichten aus Sandstein, Ton und Nagelfluh. Wir laufen weiter an der Eschach entlang und erreichen nach einer guten halben Stunde Blockwiesen, die nächste Station auf dem GlasMacher- Weg. Hier stand bereits im 17. Jahrhundert ein Sägewerk. In der Eschach wurden von hier aus Baumstämme geflößt oder getriftet. Heute braucht man schon etwas Fantasie, um sich das vorzustellen – am besten gelingt das auf der Brücke, die hier über die Eschach führt.
Bergauf zurück nach Schmidsfelden
An der Brücke machen wir kehrt und laufen ein kurzes Stück auf dem Hinweg wieder zurück, bis wir nach etwa 300 m rechts dem Schild zum Seppenhof folgen. Jetzt beginnt der anstrengende Part der Wanderung, weil der Weg recht steil bergauf führt, zuerst im Wald, danach nicht minder steil am Waldrand entlang. Zur Rechten kommen wir an einer Pferdeweide vorbei und freuen uns über das über die Weide tollende Fohlen. Weiter geht es über mehrere Kehren bergauf. Einen Abzweig nach rechts lassen wir links liegen und halten uns links, auf dem breiten Schotterweg bleibend. An der nächsten Wegkreuzung gehen wir erneut links, jetzt recht steil bergab in Richtung Schmidsfelden. Dieser Abzweig ist leider nicht ausgeschildert, aber kaum zu verfehlen: Bergab kommen wir an einem Hochstand vorbei und sehen bereits im Tal die ersten Häuser des historischen Weilers. Kurz danach folgen wir links dem Abzweig auf einem schmalen Waldweg, der uns nach Schmidsfelden (jetzt ausgeschildert) bringt, anfangs bergab, dann eben verlaufend. Wenig später haben wir das Glasmacherdorf erreicht und stehen wieder an der Brücke am Ortseingang, wo unsere Wanderung begonnen hat.
Die Glasmacher in Schmidsfelden
Vom 17. bis 19. Jahrhundert war die Adelegg, das waldreiche Mittelgebirge zwischen Leutkirch, Isny und Kempten, Heimat zahlreicher Glasmacher. Sie nutzten das reichlich vorhandene Holz, um ihre Glasöfen anzufeuern. Ihre Frauen und Kinder sammelten an den Sand- und Uferbänken der Bäche die im Nagelfluhgestein eingelagerten Quarzgerölle und Kalk. Im kleinen Dorf Schmidsfelden, das 1824/1825 entlang einer schnurgeraden Straße angelegt wurde, sind besonders viele Relikte aus der Zeit der Glasmacher erhalten. Den Kern des Dorfes bildet die mächtige ehemalige Glashütte mit ihren auffälligen Holzbalken im Inneren. Einst arbeiteten hier an die 30 Glasmacher, woran noch heute einige der alten Glasöfen erinnern. Mehrere Info-Tafeln erläutern das Handwerk der Glasmacher. Am Wochenende und in den Sommerferien können Sie hier dem Glasbläser bei seiner Arbeit zuschauen. Auch wenn er mittlerweile einen modernen Ofen benutzt, sein Werkzeug ist noch traditionell: Pfeife, Zange und Model.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
StartortSchmidsfelden
AusgangspunktSchmidsfelden
EndpunktSchmidsfelden
TourencharakterDer Weiler Schmidsfelden, auf halbem Weg zwischen Leutkirch und Kempten, zählt zu den wenigen noch heute erhaltenen Glasmacherdörfern in Deutschland. Im Jahr 1898 wurde die dort ansässige Glashütte stillgelegt, doch seit 2003 arbeitet in dem mittlerweile sanierten Gebäude wieder ein Glasbläser.
Hinweise
Glasmuseum. Das Glasmuseum informiert anschaulich über die Geschichte der Glasmacherei: Erzählt wird von den wohlhabenden »Glasbaronen«, wie die Hütteneigner genannt wurden, die es teilweise zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben – besonders in Schmidsfelden. Sie konnten sich teure Kleider und Kunstwerke leisten und standesgemäß heiraten. Dem gegenüber stand das harte Leben der einfachen Glasmacher. Doch auch sie verdienten damals verhältnismäßig gut und waren als lustige Gesellen bekannt, die gerne dem Alkohol zusprachen. Geöffnet Apr.–Okt. Sa 13–17 Uhr, So/Fei 10–17 Uhr; Juni–Aug. auch Mi 14–17 Uhr; Nov.–März So/Fei 14– 17 Uhr; Dez.–Feb. geschlossen; Eintritt Erwachsene € 4,50, Kinder ab 10 Jahren € 3 (inkl. Wertgutschein über € 2 für den Glasladen)
KartentippKompass Nr. 187, Oberschwaben (Isny–Wangen– Leutkirch), 1:50 000 oder GlasMacherWeg 1:10 000 (Herausgeber: Marktgemeinde Buchenberg, Rathaussteige 2, 87474 Buchenberg)
VerkehrsanbindungAuto. Auf der A 96 München– Lindau bis Ausfahrt Leutkirch West; auf der Bundesstraße über Leutkirch in Richtung Isny, dann links in Richtung Kempten (Hinweis auf Glasmacherdorf Schmidsfelden beachten) und später rechts nach Schmidsfelden; im Ort Parkplatz Bahn. Bahnlinie München– Kempten, Haltestelle Kempten Hauptbahnhof; ab Kempten Bus 80 Richtung Kreuzthal, Buchenberg
GastronomieCafé Remise. Der Name Café täuscht. In der Remise am Ortsausgang gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern eine kleine Karte mit leckeren kleinen Gerichten: frische Salate mit Ziegenkäse oder Fisch, den Käseteller von Rohmilchkäse oder geröstete Maultaschen. Als besondere Spezialität gelten die diversen Flammkuchen. Am Sonntag treffen sich die Einheimischen hier gerne zum Brunch. Im Sommer sitzt man schön vor dem Haus, bei schlechtem Wetter in der geschmackvollen Stube. Geöffnet Do–So

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