Wessobrunn und der Paterzeller Eibenwald

Über Tausend Jahre alte Bäume, eine Himmelsleiter und eine kreuzförmige Quelle – und noch einmal Herzog Tassilo. Auf dem Weg zum Kloster Wessobrunn liegt ein besonderes Kleinod der Natur. Bei Paterzell steht mit über 2000 zum Teil sehr alten Exemplaren der größte zusammenhängende Eibenwald Deutschlands. (Autor: Michael Pröttel)
2 km
45 m
2.00 h
Direkt am Parkplatz kannman sich aus einem Holzkästchen ein informatives Faltblatt des Naturlehrpfades Eibenwald gratis mitnehmen und der guten Beschilderung zum Eibenwald folgen. Zwischen Koppeln und Weiden geht es erst flach, dann leicht absteigend auf denWald zu und in ihn hinein. Hier wendet man sich an einer Gabelung nach links und steht auch schon am Beginn des Eibenwaldrundweges. Achtung ! Alle Pflanzenteile der Eibe (mitAusnahme des roten Samenmantels) sind giftig. Entstehen konnte der Eibenwald, weil seit der letzten Eiszeit in diesemGebiet Bodenbedingungen geschaffenwordenwaren, die nur wenige Baumarten tolerieren konnten. Denn kaltes kalkhaltiges Grundwasser hatte meterdicke Schichten von Kalktuff ausgefällt, auf dem sich nur ein sehr flachgründiger und kalkhaltiger Boden entwickeln konnte – genau richtig für die geringenAnsprüche der Eibe. An den Haltepunkten des Rundweges erfährt man außerdem, dass Eibennadeln für Rehe sehr lecker, für Pferde hingegen tödlich sind; oder dass der Name Eibe auf »iwa« zurückgeht, was Armbrust oder Bogen bedeutet.

Tatsächlich waren Eiben im Mittelalter alsWaffenholz so beliebt, dass sie bereits um1600 in Oberbayern weitgehend ausgerottet waren. Andererseits wurden die Eiben von keltischen Druiden als heilige Bäume verehrt. Und auch die Germanen benutzten Eibenzweige zur Abwehr von bösem Zauber und gegen gefürchtete Dämonen. Die zweite Hälfte des Rundweges führt sehr schön an einem kleinen Bach entlang. An der Station 10 kann man sich entscheiden, ob man gleich nach rechts einer Abkürzung zurück zum Ausgangspunkt folgt, oder lieber nach links geht und somit die gesamte Rundtour absolviert. Diese leitet zuletzt allerdings auf einer breiten Forststraße zum Beginn des Lehrpfades zurück.

Um nach der Tour im Eibenwald nach Wessobrunn zu gelangen, fährt man zur Hauptstraße Weilheim–Landsberg zurück und folgt dieser nach links nach Wessobrunn. Man fährt gerade durch den Ort hindurch, um erst an einer Haarnadelkurve rechts in Richtung Haid abzubiegen und gleich wieder halbrechts dem Parkplatzschild zu folgen. Will man gleich weiter zur Tassilolinde, fährt man geradeaus weiter und nach wenigen Hundert Metern einer Rechtskurve folgend immer die Klostermauer entlang. Genau dort, wo die Straße die Mauer nach links verlässt, kann man parken. Ein schmaler Wiesenpfad führt von hier geradeaus ein kurzes Stück zu dem berühmten Baum hinunter. Der Sage nach ließ sich der Bayernherzog Tassilo III. im Jahr 753 müde von der Jagd im weichen Moos unter der hohen Linde nieder. Der Bayernherzog und letzte Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger war durstig, konnte jedoch kein Wasser finden. Ermattet schlief er ein und träumte von einem Engel: Dieser stieg mit einer Leiter vom Himmel herab und schöpfte kristallklares Wasser aus einer Quelle. Als Tassilo erwachte, hörte er Wasserrauschen. Sein Jagdgefährte Wezzo entdeckte die nahe gelegene Quelle. Tassilo nannte den Ort daraufhin Wezzofontanum (von lateinisch fons, Quelle), aus dem das heutige Wessobrunn wurde. Die kreuzförmig angeordneten Abflüsse der Quelle nahm er als göttliches Zeichen und gründete ein Kloster. Dieses besichtigt man am besten, indem man zum Parkplatz hinter der Klostermauer zurückfährt und über eine kurze Treppe zunächst zum idyllisch gelegenen Brunnenhaus mit den sagenumwobenen Quellen geht.

Von den Quellen ist es dann nur noch ein Katzensprung zum eindrucksvollen Klosterhof, der den Rest einer größeren Klosteranlage darstellt. Der Römerturm oder »Graue Herzog«, aus schweren Tuffsteinen um 1250 erbaut, gehörte zur ehemaligen Klosterkirche, die 1810 nach der Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation abgebrochen wurde. Steine von Ausgrabungen sind imTurmaufbewahrt. Im Kloster selbst (Öffnungszeiten siehe Kasten) sind der berühmte Gang im Fürstentrakt und der Tassilosaal mit Stuckarbeiten der Baumeisterfamilie Schmuzer sehenswert. Highlight der klösterlichen Pfarrkirche wiederum ist ein spätromanisches Kreuz aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, das Christus sowohl als Sieger als auch als Leidenden darstellt. Folgt man dem Hauptzugang zur Klosteranlage nach Süden, schließt ein Besuch des sogenannten Lindenplatzes (in der Mitte der Straßenschleife) die Wessobrunner Besichtigungen ab, bevor man sich in einem der Gasthöfe kulinarisch weiterbilden kann. Nicht wenige Wessobrunn-Besucher glauben, dass eine der drei alten hier stehenden Linden die berühmte Tassilolinde sei. Bei den drei Prachtexemplaren handelt es sich jedoch um eine Gerichts-, eine Befreiungs- und eine Friedenslinde, wie auf einer Informationstafel genauer erklärt wird. Am Lindenplatz steht zudem der 1875 errichtete Gedenkstein mit dem Wessobrunner Gebet, welches als ältester Text in deutscher Sprache gilt, der heute noch erhalten ist.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour2 km
Höhenunterschied45 m
Dauer2.00 h
StartortPaterzell
Ausgangspunkt Paterzell, Gasthof Eibenwald (643m)
Endpunkt Paterzell, Gasthof Eibenwald (643m)
TourencharakterAuf dem Weg zum Kloster Wessobrunn liegt ein besonderes Kleinod der Natur. Bei Paterzell steht mit über 2000 zum Teil sehr alten Exemplaren der größte zusammenhängende Eibenwald Deutschlands. Im Anschluss an die Waldwanderung entlang eines Naturlehrpfades rundet der nette Ort Wessobrunn mit einem sehenswerten Kloster, uralten Linden und netten Einkehrmöglichkeiten den Tagesausflug ab.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungVon München auf der A95 und A952 nach Starnberg und weiter auf der B2 nach Weilheim; hier ca.7km der Beschilderung Landsberg/ Wessobrunn folgend zum Zellsee; gleich dahinter nach links Richtung Forst/St. Leonhard; einen Kilometer später wieder nach links nach Paterzell zur Parkmöglichkeit unterhalb des Gasthofes Eibenwald
GastronomiePaterzell: Landgasthof Zum Eibenwald, Tel.08809/92 04-0, www.landgasthof-eibenwald. de; Wessobrunn: Gasthof Zur Post, Tel.08809/208, www.post-wessobrunn.de
Informationen
Kloster Wessobrunn: Führungen März–Okt. Di–Sa 10, 15, 16Uhr, So 15, 16Uhr; Nov.–Feb. Di–Sa 15Uhr, So 15, 16Uhr, Tel.08809/52 11-0

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