Weitwandern im Berchtesgadener Tal

An einem Tag von der Almbachklamm bis in die Ramsau (Autor: Joachim Burghardt)
30 km
1250 m
10.00 h
Wie wäre es, einmal das schroffe Hochgebirge so stehen zu lassen, wie es ist, und stattdessen stundenlang zu wandern, ohne auf Schwierigkeiten und Gipfel achten zu müssen? Ganz unbeschwert mit wenig Gepäck unterwegs zu sein, abwechslungsreiche Gegenden mit Schluchten, Dörfern, Wäldern, Höhenwegen zu durchstreifen und schließlich einen mittelgroßen Hügel zu besteigen? Ja, man könnte sich einmal Zeit nehmen für eine etwas ungewöhnliche Tal- und zugleich auch Höhenwanderung, vor allem dann, wenn in alpineren Lagen winterliche Verhältnisse herrschen. Es liegt eigentlich auf der Hand und wird doch selten gemacht - »Berchtesgadener Weitwandern« fast durch das gesamte Tal, von der Almbachklamm bei Marktschellenberg über Gern, Bischofswiesen und den Toten Mann bis in die Ramsau.
Von der Almbachklamm nach Hintergern.
Wenn wir mit dem Bus anreisen, tun wir die ersten von vielen tausend Schritten an der Haltestelle Kugelmühle oder Almbachklamm und spazieren dann zum Eingang der Schlucht. Die vielbeschriebene letzte Kugelmühle Deutschlands schleift hier ihre schönen steinernen Spielzeugschusser – aber welches Kind kennt dieses Wort eigentlich noch? Auf schmalen Pfaden, Treppen und Brücken steigen wir durch die Klamm, schleichen vorsichtig an überhängenden Wänden vorbei und passieren einmal sogar einen kleinen Tunnel, während unten der Bach gurgelt. Die Schlucht öffnet sich immer mehr, wird lichter, gemütlicher, und mehrmals weisen Schilder rechts nach Ettenberg hinauf. Wir bleiben jedoch bis zur Theresienklause im Talgrund, die früher als Wehr für die Holztrift diente. Nun folgen wir dem Waldweg, der noch vor der Klause links in Richtung Hintergern hinaufzieht. Bei mehreren Wegkreuzungen – die erste auf 815 m Höhe – haben wir freie Routenwahl und können beispielsweise linkshaltend dem beschilderten »kürzesten Weg« folgen und über den Bichl- oder Almbachweg ins sonnendurchflutete Gerner Hochtal hineinspazieren.
Gerner Klammweg und Maximiliansreitweg.
Auf oder neben der Straße geht es nun am Bachgütl vorbei talauswärts. Bald lässt sich die Hauptstraße rechts auf einer parallel verlaufenden Nebenstraße umgehen. Das Wallfahrtskirchlein Maria Gern lädt zu einer besinnlichen Rast ein, danach folgt mit der Gerner Klamm ein weiterer schöner Bachlauf. Der unschwierige Klammweg mündet beim Ortsteil »Am Etzerschlößl« wieder in die Hauptstraße, die man bis zu einer großen Straßenverzweigung, dem »Glückauf«, nach unten verfolgt. Rechts geht es nun ein kurzes Stück die Aschauerweiherstraße entlang, abermals rechts den Rabensteinweg hinauf und gleich wieder links auf den Maximiliansreitweg. Genussvoll wandern wir nun auf diesem herrlichen Weg am Waldrand entlang und betrachten die Gestalten von Watzmann und Hochkalter durch den Blättervorhang der Bäume. Beim Aschauhof oder auch erst ein Stück weiter verlassen wir die königliche Promenade und spazieren links (südlich) wieder zur Aschauerweiherstraße hinab, die uns ins Dorfzentrum von Bischofswiesen bringt.
Durch Bischofswiesen und die Strub.
Wir überqueren die Gleise, halten uns links und entscheiden uns dann zwischen dem Tristramweg (parallel zu den Gleisen, im Wald) und der rechts weiterführenden Alternativroute über die Steingasse und den Wassererweg. Das dritte schöne Gewässer ist dann der Böcklweiher, der sich gut für ein Päuschen eignet. Kurz zuvor besteht im gleichnamigen Ortsteil eine Einkaufsgelegenheit. Vom Weiher aus wandern wir in südlicher Richtung durch die Strub, wo schon erste Wanderschilder auf das nächste Ziel, das Söldenköpfl und den Toten Mann, hinweisen. Bei der Tankstelle überqueren wir die B 20, gehen nach rechts ein Stück die Straße entlang und biegen dann links in den Krennweg ein, der an einigen Höfen vorbeiführt und bald zum schmalen Pfad wird. Mit Seitenblicken auf die Gebirgsjägerkaserne geht es dann steil bergauf und am eingezäunten Bogensberglehen entlang, dem herrschaftlichen Prachtgut des Unternehmers und Mäzens Bruno H. Schubert. Kurz darauf dürfen wir nicht einen Fahrweg nach rechts oben verfolgen, sondern steigen in einer Linkskehre kurz ab, bis wir dann auf einer asphaltierten ebenen Straße nach rechts (westlich) weitergehen.
Söldenköpfl und Toter Mann heißen die nächsten Ziele, zu denen uns die gute Beschilderung rechts durch den Klinggraben den Weg weist. Bis zur Berggaststätte ist es jetzt noch ein kurvenreiches Stück unangenehmen Aufstiegs, der nach der bereits absolvierten Strecke nicht ganz leicht fällt – doch irgendwo müssen die Höhenmeter ja herkommen, die uns im Anschluss eine so hervorragende Aussicht ermöglichen! Wer an der Berggaststätte immer noch genügend Energie hat und einen Gipfel besteigen möchte, geht nun die letzten 450 Höhenmeter zum Toten Mann an. Wer es gemütlicher mag, schlendert zum Soleleitungsweg und darf sich darüber freuen, heute keinen nennenswerten Aufstieg mehr bewältigen zu müssen. Der Weg zum Toten Mann führt ohne Hindernisse gleichmäßig auf dem Südostrücken des Bergs nach oben und mündet in die flache Gipfelkuppe, wo die winzige Bezoldhütte und einige Rastbänke stehen. Ein Wort zum Namen des Bergs: Es wurde geschrieben, dass der Begriff »Toter Mann« auf die Bergmannssprache zurückgeht und anzeigt, dass man an diesem Berg vergeblich nach Bodenschätzen geschürft hat. Doch ist auch eine Sage überliefert, nach der hier ein Ramsauer Wandersmann im winterlichen Schneesturm den Tod fand.
Der Soleleitungsweg zum Ausklang.
Der Abstieg verläuft auf der breiten Fahrstraße in südlicher Richtung. Bei der Verzweigung am Hirscheck wandern wir nun links wie ausgeschildert in Richtung Gerstreit und Soleleitungsweg hinunter; der Abstieg nach rechts zum Schwarzeck ist eine kürzere Alternative.
Am Gasthaus Gerstreit erreichen wir wieder den Soleleitungsweg und damit den krönenden Schlussteil dieser langen Wanderung. Die Sole, die im Berchtesgadener Salzbergwerk gefördert und zum Söldenköpfl hinaufgepumpt wurde, floss auf dieser Route bis nach Reichenhall, wo Salz aus ihr gewonnen wurde. Auf diesem herrlichen, immer leicht abfallenden Höhenweg, der mitunter auch etwas übertrieben als »Balkon Gottes« bezeichnet wird, spazieren wir aussichtsreich und bequem oberhalb des Ramsauer Tals. Wer mag, kann beim Gasthaus Zipfhäusl schon die Wanderung beenden und ein-kehren oder auf den Bus warten. Es lohnt sich jedoch, das allerletzte, sehr schöne Stück auf dem Soleleitungsweg bis zum Kaltbachlehen noch dranzuhängen. Ein großer Tag ist vergangen, andere Berge sind ins Blickfeld gerückt – wir haben ein ganzes Tal durchwandert!

ETAPPEN.
Almbachklamm, 495 m – Hintergern, 820m – Bischofswiesen, 600 m –Söldenköpfl, 951 m – Toter Mann, 1391 m – Soleleitungsweg, 920 m – Kaltbachlehen, 890m.
GEHZEITEN.
Kugelmühle – Almbachklamm – Hintergern 2 Std., Vordergern – Klammweg 0:45 Std., Maximilians-Reitweg – Bischofswiesen 1 Std., Böcklweiher 0:45 Std., Strub – Gasthaus Söldenköpfl 2 Std., Toter Mann 1 Std., Gerstreit 0:45 Std., Soleleitungsweg – Zipfhäusl – Kaltbachlehen 1:30 Std.; insgesamt 8–11 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour30 km
Höhenunterschied1250 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortVordergern, 729 m; Bischofswiesen, 610 m
AusgangspunktGasthaus Kugelmühle
EndpunktToter Mann, 1391 m
TourencharakterSehr lange, aber unschwierige Wanderung. In der Almbachklamm schmale Wege, Drahtseilsicherungen. Der gesamte Rest der Tour findet auf breiten Wanderwegen oder Straßen statt. Die Länge der Wanderung (gut 30 Kilometer) erfordert bequemes Schuhwerk und gute Kondition.
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Frühjahr und Herbst. Almbachklamm im Winter nicht zugänglich, ansonsten auch ganzjährig machbar.
KartentippAV-Karte Bayerische Alpen BY22 »Berchtesgaden/Untersberg« 1 - 25 000
VerkehrsanbindungBahn nach Salzburg oder Berchtesgaden, Bus bis Kugelmühle/Almbachklamm. Mit dem Auto - B 305 bis Gasthaus Kugelmühle.
GastronomieGasthäuser in Gern und Bischofswiesen; Berggaststätte Söldenköpfl, 951 m. Privat, bew. von Mitte Dezember bis Ende Oktober, tägl. von 8–18 Uhr, Freitag Ruhetag. Tel. - 08652/23 83, www.soeldenkoepfl.de. Gasthaus Gerstreit, Gasthaus Zipfhäusl
Tipps
Die Länge der Tour ist beliebig variierbar. So kann man gleich zu Beginn die Almbachklamm weglassen und erst in Hintergern starten, das mit dem Bus 837 von Berchtesgaden erreichbar ist. Auch der Tote Mann ist kein Muss – ohne ihn »spart« man sich 450 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Der spielerische und wenig alpine Charakter der Tour wird vollends deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Wanderung unterwegs an sehr vielen Stellen spontan abgebrochen werden kann. Zahlreiche Bushaltestellen bieten die Möglichkeit zur Rück- oder Weiterfahrt.

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