Wanderung im Hohen Taunus

Wandern im Taunus - Saalburg, Feldberg, Altkönig

Im Hohen Taunus - Bequeme Wald- und Aussichtswanderung auf fast durchgehend bequemen Wegen. Wer abkürzen will, startet am Sandplacken. (Autor: Bernhard Pollmann)

Auf dem Taunushöhenweg

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Saalburg/Lochmühle an der Taunusbahn; die »Lochmühle« ist ein bekannter Freizeitpark. Direkt am Bahnhof erfolgt der Einstieg in den Taunushöhenweg (Markierung »T«), der im Gleichlauf mit dem Europäischen Fernwanderweg 3 (Markierung »x«) und dem Limeswanderweg (Markierung »römischer Wachturm«) bergwärts Richtung Saalburg führt.

Der Taunushöhenweg ist der Höhen- und Kammweg des Taunus zwischen der Wetterau und dem Mittelrheintal. Von der Fachwerkstadt Butzbach am Westrand der Wetterau führt er auf einer Länge von etwa 140 km durch die Naturparke Hochtaunus und Rhein-Taunus nach Kaun im Durchbruchstal des Mittelrheins. In voller Länge ist er integriert in den Europäischen Fernwanderweg 3.

1. Station der Taunus-Wanderung: Saalburg

Nach kurzer Steigung im Wald erreicht der Taunushöhenweg die Saalburg, das besterforschte und -restaurierte Beispiel eines römischen Limeskastells in Deutschland. Angelegt um 90, wurde die Saalburg von 135 bis 213 großzügig in Stein ausgebaut. Schon wenige Jahre später überrannten die Germanen den Limes. Kaiser Wilhelm II. ließ das Kastell 1898–1907 auf den zum Teil gut erhaltenen Grundmauern rekonstruieren.

Das Saalburgmuseum dokumentiert die wechselvolle Geschichte des Kastells und des Limes auf dem Taunus. Durch den Obergermanischen Limes wurde der Hochtaunus Ende des 1. Jh. in das Römische Imperium einbezogen. Ursprünglich war dieser Limes eine Waldschneise, die als Demarkationslinie und als Marschroute für Truppenbewegungen diente; an Aussichtspunkten standen hölzerne Beobachtungstürme, an strategisch wichtigen Pässen lagen kleine Kastelle für 100 bis 200 Soldaten.

Als die Germanen immer heftiger gegen diese Grenze anstürmten, wurde der Limes stärker befestigt - Kaiser Hadrian ließ um 120 einen Palisadenzaun einpfählen und in regelmäßigen Abständen Kastelle errichten; unter Hadrians Nachfolger Antoninus Pius wurden die Holz- durch Steintürme ersetzt. Unter Caracalla schließlich erhielt der Limes Anfang des 3. Jh. seine letzte Form: Hinter dem Palisadenzaun hoben die Soldaten einen Spitzgraben aus und sicherten ihn durch einen zusätzlichen Erdwall.

Der Obergermanisch-Rätische Limes ist mit einer Länge von 550 km das größte historische Denkmal in Deutschland; seit 2005 steht diese befestigte Demarkationslinie zwischen dem römischen Kaiserreich und dem freien Germanien als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Berge am Limes

Von der Saalburg folgt der Taunushöhenweg weiter dem Limes, wobei sich nun nach einer halben Stunde Steigens im Wald das Gefühl einstellt, nun tatsächlich im Hohen Taunus zu sein: Hollerkopf (616 m), Roßkopf (632 m) und Eichkopf (620 m) heißen die höchsten Berge dieses Kammabschnitts; am Eichkopf befindet sich das nächste Römerkastell, das Kleinkastell Heidenstock.

Wie alle Namen für diese Römerkastelle stammt auch der Name »Heidenstock« aus der Neuzeit. Nach Überschreiten des Klingenkopfs (683 m), auf dem die Römer einen Wach- und Signalturm stehen hatten, passiert der Taunushöhenweg das Römerkastell Altes Jagdhaus und erreicht dann am Sandplacken (699 m) das gleichnamige Hotel-Restaurant; der Parkplatz am Sandplacken ist der meistbenutzte Ausgangspunkt für kürzere Wanderungen zum Feldberg bzw. zum Altkönig.

Feldberg - auf den höchsten Gipfel im Taunus 

Vom Sandplacken folgt der Taunushöhenweg noch ein kurzes Stück dem Limes, dann trennen sich die Wege: Während der Limeswanderweg in die Nordflanke des Großen Feldbergs wechselt, führt der Taunushöhenweg zum Gipfel. Der Große Feldberg (879 m) ist die höchste Erhebung des Taunus; als Gipfel mag man die weitflächig betonierte bzw. asphaltierte und von vielerlei Bauwerken bestandene Gipfelkuppe allerdings kaum bezeichnen: Parkplätze, Imbissbude, eine Bushaltestelle mit Verbindung Richtung Königstein, Sendeturm und Aussichtsturm.

Der sagenumwobene Brunhildisstein ist die einzige Stelle, an der sich noch ursprüngliche Natur findet, auch ein wenig der einst berühmten Aussicht lässt sich hier genießen. Bereits im 17. Jh. erstiegen Forscher diesen Berg, weil sie hier den »mons Taunus« vermuteten, den der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus in seinen »Annalen« im Zusammenhang mit dem keltogermanischen Bataver-Freiheitskrieg gegen die Römer erwähnt.

Im 18. Jh. wurde der Feldberg Ziel von Wanderern, die hierher kamen, um in der Natur zu »schwärmen«. Auch der Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe wanderte auf den Feldberg, wie er in seiner Autobiografie »Dichtung und Wahrheit« berichtet: »Durch zufällige Anregung sowie in zufälliger Gesellschaft stellte ich manche Wanderungen nach dem Gebirge an, das von Kindheit auf so fern und ernsthaft vor mir gestanden hatte. So besuchten wir Homburg, Kronberg, bestiegen den Feldberg, von dem uns die weite Aussicht immer mehr in die Ferne lockte.«

Der Altkönig

Vom Großen Feldberg senkt sich der Taunushöhenweg hinab in den Windeck-Sattel und schwingt hier links hinab zum autofreien Ausflugslokal »Fuchstanz« (662 m). Vom Fuchstanz folgt der Europäische Fernwanderweg 1 (Markierung »x«) kurz einem gepflasterten Weg Richtung »Altkönig«, zweigt bald rechts in den Hang ab, taucht in das Naturschutzgebiet ein und erklimmt, zuletzt auf einem schmalen Steig, den Altkönig.

Schon auf dem Westrücken fallen gewaltige Gesteinshaufen auf. Kurz vor Erreichen des Gipfels passiert der Steig eine Öffnung im unteren Wall der keltischen Ringwallanlage, überquert dann den oberen Ringwall und schwingt sich auf die plateauartig abgeflachte Gipfelkuppe – mit überraschender Aussicht auf die aus dieser Perspektive wie ein Spuk wirkende Gipfelbebauung des gegenüberliegenden Feldbergs. Schöner Naturwald umrahmt die Wiesenlichtung auf der Gipfelkuppe, Bänke und Tische laden zur Rast ein.

Der kegelförmige Altkönig, der mit 798 m dritthöchste Berg des Taunus, zählt zu den stimmungsvollsten Gipfeln des Gebirges und trägt eine der mächtigsten keltischen Ringwallanlagen Deutschlands. Die den steilen Bergkegel umgebende Anlage bestand aus einer doppelt geführten Ringmauer von 980 bzw. 1390 m Länge und einem Vorwerk zur Quellsicherung. Erbaut wurde sie in Stein-Holz-Konstruktion um 400 v.Chr. Die Altkönig-Anlage dominierte gemeinsam mit der benachbarten Goldgrube an der Haidtränkbach-Talenge die oberen Zuflüsse von Main und Nidda.

Ariovist, der Heerführer der germanischen Sueben, soll sich nach seiner Niederlage gegen Caesar auf diesen sagenumwobenen Berg zurückgezogen haben, auf dem noch viele Jahrhunderte lang ein Heidenkönig geherrscht haben soll. Wie die Sage berichtet, wurde der »alte König« erst zu Beginn der Neuzeit nach langer Belagerung gefangen genommen und vor den Doktor Luther gebracht: Dieser soll ihn bekehrt haben.

Vom Altkönig nach Oberursel

Vom Gipfel leitet die xMarkierung auf einem bequemen Waldweg in Serpentinen durch die Nordflanke des Altkönigs, wobei sich stellenweise eine prächtige Aussicht öffnet. Unten mündet der E1 auf den bekannten Pflasterweg, der vom »Fuchstanz« herüberführt, und folgt ihm rechts zur Weißen Mauer am Rand des Naturschutzgebiets. Dort geht es wiederum rechts ab und durch die Wälder hinab zur U-Bahn-Endhaltestelle Hohemark am Rand von Oberursel.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied500 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortBad Homburg vor der Höhe (197 m), Kurort im Naturpark Hochtaunus »vor der Höhe« des Taunus.
AusgangspunktBahnhof Saalburg/Lochmühle (289 m) an der Taunusbahn Frankfurt am Main – Oberursel – Bad Homburg – Usingen – Brandoberndorf. Alternativ Parkplatz an der Saalburg (420 m) an der Hochtaunusstraße (B 456).
EndpunktU-Bahn-Endstation Hohemark in Oberursel. Die U3 fährt von Oberursel über Bad Homburg nach Frankfurt am Main.
TourencharakterVor der Mainmetropole Frankfurt grüßen die Wälder, Täler, Burgen und Fachwerkorte des Taunus. Der bewaldete Hauptkamm erhebt sich aus dem fruchtbaren Hügelland der Wetterau, erreicht im Großen Feldberg (879 m) seine höchste Erhebung, geht im Westen in das Rebland des Rheingaugebirges über und endet in spektakulären Felslandschaften (Loreley) an dem von der UNESCO als Kulturerbe der Menschheit unter Schutz gestellten oberen Mittelrheintal. Auch der Obergermanische Limes auf seinem Kamm zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Name Taunus verweist auf die Besiedlung in keltischer Zeit - Das Wort kommt von keltisch »dunum«, was so viel wie »umwallte Höhe« bedeutet. Ursprünglich bezeichnete der Begriff Taunus nur die »Höhe«, die heute als Hochtaunus bezeichnet wird und auf der sich die höchsten Berge erheben; diese alte Bedeutung lebt in Ortsbezeichnungen wie Bad Homburg »vor der Höhe« fort. Vom Limeskastell Saalburg folgt unsere Wanderung dem Taunushöhenweg und dem Obergermanischen Limes auf dem bewaldeten Kamm des Hohen Taunus mit wunderbaren Aussichtsstellen zum Großen Feldberg, dem höchsten Berg des Taunus. Der Abstieg folgt dem Europäischen Fernwanderweg 1 über den stimmungsvollen Altkönig. Dank der guten Anbindung mit der Taunusbahn und der U3 lässt sich die Wanderung problemlos als Streckenwanderung durchführen.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt TS Ost Taunus östlicher Teil (Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation).
VerkehrsanbindungA 5 Frankfurt am Main – Gießen bis zum Homburger Kreuz, dort auf die A 661 bis zur Ausfahrt Oberursel Nord, weiter auf B 455 und B 456 zur Saalburg. Der nächste Bahnhof ist der Bahnhof Saalburg/Lochmühle an der Taunusbahn Frankfurt am Main – Bad Homburg – Usingen – Brandoberndorf.
GastronomieSaalburg, Sandplacken, Großer Feldberg, Fuchstanz.
Tourismusbüro
Tourist Info Bad Homburg, Kurhaus, Louisenstraße 58, 61348 Bad Homburg vor der Höhe, Tel. 06172/178110, Internet www.bad-homburg.de.

Buchtipp

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

zum Shop
Mehr zum Thema