Wander-Highlights bei Eisenach: Wartburg, Rennsteig, Drachenschlucht

Diese Waldwanderung führt auf bequemen Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden zur Wartburg, eine der bedeutendsten wieder hergestellten Burganlagen Deutschlands. Auf einer Felshöhe oberhalb von Eisenach  bildet sie einen der markantesten Blickfänge im nordwestlichen Thüringer Wald. (Autor: Bernhard Pollmann)
15 km
500 m
5.00 h

Wartburg

Ausgangspunkt ist die Bushaltestelle Wartburgschleife im Sattel zwischen Schlossberg und Wartburg an der Zufahrt zu den Großparkplätzen unterhalb der Wartburg. Der Wanderweg führt steil hinauf zur aussichtsreichen Schanze vor der Wartburg, die auf einem 180 Meter langen und bis zu 45 Meter breiten, allseitig steil abstürzenden Felsplateau thront.

Vor der Zugbrücke am Eingang zur Wartburg bietet sich ein prächtiger Blick zum Kamm des Thüringer Walds, auf den sagenumwobenen Metilstein und über Eisenach hinweg auf die Hörselberge. Wenn das Tor schon geöffnet hat, sollte man nicht zögern und einen Blick ins Innere der weitläufigen Burg werfen. Der thüringische Landgraf Ludwig der Springer ließ die Wartburg der Überlieferung zufolge im Jahr 1067, in der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen dem sächsisch-thüringischen Adel und dem Salierkönig und nachmaligen Kaiser Heinrich IV., errichten.

Bis zum Aussterben der alten thüringischen Landgrafen mit Heinrich Raspe im Jahr 1247 war die Wartburg Residenz. Unter Landgraf Hermann I. war die Wartburg ein Zentrum deutscher Dichtung. 1206/07 soll sie Schauplatz des sog. Sängerkriegs gewesen sein. Teilnehmer an diesem historisch nicht verbürgten Dichterwettstreit waren unter anderem Heinrich von Ofterdingen, Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Reinmar von Zweter. Die Gedichte, die die Herren in mittelhochdeutscher Sprache vorgetragen haben sollen, hat um 1260 ein unbekannter Thüringer aufgeschrieben. Der »Minnesängersaal« auf der Wartburg erinnert an den Dichterwettkampf.

Die berühmteste Landgräfin auf der Wartburg war Elisabeth die Heilige (1207–1231). Im Alter von vier Jahren wurde die Tochter des Königs von Ungarn mit Ludwig IV., dem Sohn des Wartburgsängerkriegs-Landgrafen Hermann, verlobt und fortan auf der Wartburg erzogen. Die Hochzeit fand statt, als Elisabeth 14 und ihr Bräutigam 20 war. Diese Ehe zweier Jugendlicher soll innig und glücklich gewesen sein. Elisabeths Mann fiel 1227 auf einem Kreuzzug und hinterließ die 20-jährige Witwe mit drei Kindern. Der neue Landgraf, Elisabeths Schwager Heinrich Raspe, jagte die Frau samt Kindern aus der Wartburg, wies ihr jedoch später Marburg als Witwensitz zu. Dort hauste Elisabeth unter dem Einfluss ihres Beichtvaters, des Inquisitors Konrad, in strenger Askese in einem kleinen Haus am Fuß des Schlosses. Sie trug Nonnengewand, ließ sich von Konrad geißeln, pflegte Arme und Kranke. 1231 starb sie, 24 Jahre alt.

1521 ließ Kurfürst Friedrich der Weise Luther »kidnappen« und auf die Wartburg bringen, um ihn dem Zugriff der Reformationsgegner zu entziehen. Luther lebte inkognito als »Junker Jörg« auf der Wartburg. Als er sich bei seiner Bibelübersetzung vom Teufel belästigt fühlte, vertrieb er nach eigener Aussage »den Teufel mit Tinte«. Daraus wurde die Legende konstruiert, Luther habe ein Tintenfass nach dem Teufel geworfen; in der Lutherstube auf der Wartburg wird ein entsprechender Tintenfleck als nicht vorhanden gezeigt.

Sängerwiese

Unter der Zugbrücke weist das Schild »Sängerwiese« auf einen Serpentinenweg, der steil abwärts führt, bis an der ersten Verzweigung die Markierung »blaues X« des Fernwanderwegs Eisenach–Budapest die Routenführung übernimmt und durch Eichen- und Buchenwälder zum Waldgasthof Sängerwiese leitet. Er trägt seinen Namen nach dem Thüringer Sängerfest des Jahres 1847 - Im August trafen sich hier 28 Männerchöre mit über 1200 Sängern zu einem einmaligen Sängerwettstreit im Wald.

Von der »Sängerwiese« führen die Markierungen »grünes Viereck« und »rotes X« im Wald weiter Richtung »Wilde Sau«. Unterwegs bieten sich zahlreiche Aussichtsstellen mit Blick zurück zur Wartburg und auf Eisenach. Schließlich laden Hütte, Tisch und Bänke am Kreuzstein Wilde Sau zur Rast. Der Kreuzstein trägt die Jahreszahl 1483 (Geburtsjahr Luthers) und ist der älteste mit einer Jahreszahl versehene Stein am Rennsteig. Das Sühnekreuz zeigt in Flachrelief einen auf einer Wildsau reitenden Jäger und einen Jagdgehilfen mit Saufeder.

Rennsteig

Kurz nach Verlassen der Wilden Sau passiert der Rennsteig die Schutzhütte an der Krummen Kahre, wo ein Gedenkstein die drei für die Rennsteiggeschichte wichtigsten Jahreszahlen zeigt: 1330 (erste urkundliche Erwähnung), 1830 (Erstbegehung durch Plänckner) und 1990 (seit dem 28.4.1990 ist der Rennsteig nach Beseitigung der Grenze in seiner gesamten Länge wieder zu begehen).

Der Rennsteig ist der Kammweg des Thüringer Walds und einer der meistbegangenen Weitwanderwege Deutschlands. Von der Mündung der Hörsel in die Werra in Eisenach-Hörschel leitet der vom Rennsteigverein betreute und mit dem Buchstaben »R« markierte Höhenweg meist als fahrradfähiger Waldweg, zuweilen auch als Gras- und Wurzelpfad via Inselsberg (916 m) und Beerberg (982 m) über die höchsten Höhen des Thüringer Walds, tritt beim Wintersportort Masserberg in die Hochfläche des Thüringer Schiefergebirges ein und wechselt östlich von Neuhaus in den Frankenwald, wo er nach 168,3 km in Blankenstein an der Saale endet.

Da viele Stätten, die der Rennsteig berührt, Brennpunkte deutscher Mythologie, Kultur und Geschichte sind, ist der Rennsteig ein Weg umwoben von Sagen, ein Weg voller Geschichte und voller Geschichten: von Räubern, Rittern und Wegelagerern, von Zwergen, weißen Jungfrauen und Hexen, von Bonifatius und Luther, Napoleon und Goethe.

Zuhauf begegnen sagenumwobene Felsen, Quellen und Grotten; Gustav Freytag lässt in seinem thüringischen Romanzyklus »Die Ahnen« den Altar des germanischen Gottes Donar auf dem Gipfel des Donnershauk (893 m) stehen. Mythos, Geschichte, Sage: Auf dem Rennsteig vermischen sich Naturschönheit und Kultur zu einem Ganzen, das selbst zum Mythos geworden ist – zum Mythos Rennsteig. 

Hohe Sonne

Von der Krummen Kahre leitet der Rennsteig geruhsam weiter durch die Wälder und erreicht die Gaststätte Hohe Sonne an der B 19. Hier besteht die Möglichkeit, mit dem Stadtbus oder zu Fuß durch die Drachenschlucht nach Eisenach zurückzukehren.

Die Hohe Sonne trägt ihren Namen nach dem Schmuckelement am Turm eines Jagdschlosses, das 1741–46 für Herzog Ernst August errichtet wurde; auch Goethe verkehrte hier. Von diesem Schloss ist der Corps de Logis erhalten, der in ein Ausflugshotel umgewandelt wurde. Wo bei diesem Gebäude der Internationale Bergwanderweg Eisenach-Budapest (EB) auf den Rennsteig einmündet, bietet sich ein schöner Blick zur Wartburg.

Unter Ausdauerläufern ist die Hohe Sonne bekannt als Startpunkt des GutsMuths-Rennsteiglaufs über die Distanz von 65 km nach Schmiedefeld; der Startpunkt liegt, von der Hohen Sonne aus gesehen, jenseits der Bundesstraße.

Drachenschlucht

Von der Hohen Sonne führt die Markierung »blaues X« auf einem Pfad in artenreicher Vegetation in die eindrucksvolle Drachenschlucht hinab. Sie ist eine rund 200 m lange, bis zu 10 m tiefe Klamm, die an einigen Stellen von senkrechten Felswänden auf bis zu 86 cm eingeengt wird. Zwischen den Felsen gischtet der Bach dahin, meist nicht sichtbar, denn damit die Drachenschlucht begehbar ist, wurden Bohlen über den Bach montiert.

In der feuchtkühlen Schlucht haben seltene Moose und andere Pflanzen ein Rückzugsgebiet gefunden. Verschiedene Sagen ranken sich um diese wildromantische Schlucht, in der einst ein furchtbarer Drache gehaust haben soll; Stadtpatron von Eisenach ist der »Drachentöter« Sankt Georg, der auch im Stadtwappen steht.

Elfengrotte und Eliashöhle

Am unteren Ausgang der Drachenschlucht führt die Markierung »Gelbstrich« links hinauf Richtung »Elfengrotte«, oben auf dem Absatz links. Der Waldweg leitet hinauf zu den Knöpfelsteichen und stößt hinter dem unteren Knöpfelsteich in ein wildromantisches, tief eingeschnittenes Tal, von dessen Hangschultern mächtige Felsen herabblicken. Wo die Felsen zusammenrücken und eine unüberwindbare Steilstufe bilden, befindet sich die stimmungsvolle Elfengrotte.

Der schmale Weg führt in der felsendurchsetzten Flanke aufwärts und mündet auf einen Wirtschaftsweg, der zum Waldgasthaus Sängerwiese zurückführt. An der Sängerwiese gehen wir kurz geradeaus Richtung Wartburg, wenden uns jedoch an der ersten Wegekreuzung (Schild: Totelreservat) links, stoßen gleich darauf auf eine Felsstufe, durch die ein mit grünem Viereck markierter Pfad hinabsteigt und dann durch wilde Felsszenerien und einzigartige Laubwaldpracht zieht.

Die ausgeschilderte Donar- oder Eliashöhle ist eine von mehreren Spalthöhlen. Zuletzt weitet sich der Pfad zum Weg und stößt auf die Wartburgschleife: Hier rechts unter der Brücke her, und wir sind zurück am Ausgangspunkt.


GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied500 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortEisenach liegt am Nordostrand des Thüringer Walds zu Füßen der Wartburg, einer der bedeutendsten Burganlagen Deutschlands.
AusgangspunktBushaltestelle Wartburgschleife (330m) an der Eselsstation unterhalb der Wartburg. Buslinie Eisenach Hauptbahnhof – Wartburg.
TourencharakterDie Wartburg ist eine der bedeutendsten wieder hergestellten Burganlagen Deutschlands, seit 1999 steht sie als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Mit einzigartiger Aussicht thront sie auf einer Felshöhe oberhalb von Eisenach und bildet einen der markantesten Blickfänge im nordwestlichen Thüringer Wald. Ihre Bedeutung liegt im Symbolcharakter für Glanzpunkte deutscher Geschichte - Sie gilt als Schauplatz des Sängerkriegs einiger der hervorragendsten deutschen Dichter staufischer Zeit, sie war Wohnort und Wirkungsstätte der heiligen Elisabeth, sie war der Zufluchtsort des Reformators Martin Luther, der hier das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte und damit einen Grundstein zur Herausbildung des Hochdeutschen legte, das Wartburgfest von 1817 war eine Demonstration für ein demokratisches, von absolutistischer Willkürherrschaft freies, einiges Deutschland. 1838–1890 wurde die inzwischen stark verfallene Höhenburg im Sinne der Romantik zum Nationaldenkmal um- und ausgebaut, wobei an der Idealisierung dieses Denkmals Künstler wie Richard Wagner (Oper »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg«, 1845) und Moritz von Schwind beteiligt waren. Von der Wartburg führt unsere Wanderung hinauf zum Rennsteig auf dem Kamm des Thüringer Walds und auf romantischen Pfaden zurück.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte (1:50 000), Blatt 1021 Westlicher Thüringer Wald, oder topografische Freizeitkarte (1:25 000) Thüringer Wald, Blatt 2 Eisenach (Thüringer Landesvermessungsamt)
VerkehrsanbindungAuto: A 4 Bad Hersfeld – Eisenach – Erfurt
GastronomieWartburg, Sängerwiese, Hohe Sonne
Tourismusbüro
Tourismus Eisenach, Am Goldberg 2, 99817 Eisenach, www.eisenach.de

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