Waltenbergerhaus und Mädelegabel

Wilde Landschaft im Herzen der Allgäuer Alpen Dies ist keine bequeme Bergwanderung für Anfänger. Das hochalpine Gelände mit einigen Schrofen- und Felspassagen erfordert alpine Erfahrung, Trittsicherheit und stabiles Wetter. (Autor: Dieter Seibert)
Zum Waltenbergerhaus (2084 m) Vom unteren Ende des Parkplatzes marschieren wir nicht auf der Straße, sondern links davon auf einem promenadeartigen Fußweg über Anatswald in die Birgsau (956 m) mit großem Gasthaus. Weiter geht es flach über die Wiesen talein, dann auf dem Sträßchen zwischen Bäumen bergauf – unterhalb eine Klamm – nach Einödsbach (1116 m, Gasthaus) mit dem berühmten, so viel fotografierten Blick auf die Trettachspitze (2595 m). Beim Weiterweg halten wir immer links oberhalb des Baches auf diesen Gipfel zu; man kommt dabei an zwei Wasserfällen vorbei. Im weitgehend waldfreien, aber üppig bewachsenen, sehr scharf eingeschnittenen V-Tal führt der Weg weiter nach Südosten und Süden ins Bacherloch, ein Tal, zu dem die Bezeichnung »Loch« bestens passt, ist es doch ungewöhnlich scharf eingeschnitten und von bis zu 600 m hohen Steilhängen flankiert. Ab etwa 1500 m Höhe klettert der Steig im Zickzack über die linksseitigen Halden empor und quert dann – bestens angelegt – eine fast senkrechte Felspassage. Danach folgen Mattenhänge zur Hütte, die auf einem Vorsprung knapp unter den Wänden thront. Auf die Mädelegabel (2645 m) Vom Waltenbergerhaus wandern wir schräg empor ins schmale, geröllgefüllte Vordere Bockkar. Auf der linken Seite steigen wir hinauf zu den Felsen. In dem plattigen, brüchigen Gestein gelangen wir ohne ernstere Schwierigkeiten, teilweise mit Drahtseilhilfe, in eine Lücke knapp oberhalb der Bockkarscharte (2504 m). Auf der anderen Gratseite führt der Heilbronner Weg vorbei. Auf ihm geht es zu einer Ecke hinaus, dann hinab zu den Resten des Schwarzmilzferners. Über das flache Schneefeld führt die Route ganz nach Norden und empor auf eine Schulter im Ostgrat der Mädelegabel. Den guten Markierungen folgend steigt man in einfacher Kletterei über den festen, nicht ausgesetzten Fels noch ein gutes Stück bis auf den Gipfel. Abstieg über Kemptner Hütte (1844 m) Über den Grat geht es wieder zurück auf den Schwarzmilzferner. Nun wenden wir uns nach Osten und laufen über Hänge und durch eine Mulde auf Gras und Geröll hinab auf die Schwarze Milz, die so heißt wegen des dunklen Gesteins. Dann gelangen wir – meist querend südlich unter der Felsruine Kratzer hindurch – auf eine 2190 m hohe Schulter. Der Weg führt hinaus zum Grenzrücken, über ihn ein Stück tiefer und dann nach Norden über Hänge und Böden zur stattlichen Kemptner Hütte (1844 m). Von der Hütte wandern wir in einem nach Südosten ausholenden Bogen unter den wilden Zacken der Krottenspitzen hindurch in den Sperrbachtobel und durch diese wüst-ursprüngliche Landschaft rasch abwärts, dann links hinaus zum Vorsprung »am Knie« und über steiles Gras hinab ins innerste Trettachtal. Wir bleiben immer rechts des Baches, bis wir talaus in die Spielmannsau mit Gasthaus gelangen. Noch etwa 5 km geht es nun flach nach Norden am Christlessee und am Golfplatz vorbei zum Renksteg und mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt. Mit Familie und Kindern Diese große, zweitägige Tour eignet sich nicht für den Nachwuchs. Mit ihm unternimmt man höchstens einen Ausflug nach Einödsbach, was zwar problemlos, aber auch nicht gerade abwechslungsreich ist (evtl. Bus in die Birgsau nützen). Der Heilbronner Weg Den berühmten Hüttenübergang kann man gut in unsere Rundtour einbeziehen. Man steigt dann zur Rappenseehütte auf (siehe Tour 9), begeht den Höhenweg bis zur Bockkarscharte, übernachtet im Waltenbergerhaus und besteigt am nächsten Tag, wie hier beschrieben, die Mädelegabel (oder »erledigt« Heilbronner Weg plus Mädelegabel an einem Tag).

Dauer - Zum Waltenbergerhaus 4 Std., über die Mädelegabel zur Kemptner Hütte gut 4 1/2 Std., Abstieg ins Tal 3 1/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1780 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberstdorf (813 m), Zentrum der Oberallgäuer Hochgebirgswelt. Start beim Parkplatz der Fellhornbahn (905 m).
TourencharakterMädelegabel heißt der berühmteste Felsgipfel in den Allgäuer Alpen. Er ist nicht der höchste Berg dieses Gebirges, wie man immer wieder lesen kann, sondern der vierthöchste; der Name kommt auch nicht von Mädel, wie ebenfalls behauptet wird, sondern leitet sich von einem kleinen Mähder, also einer Mähwiese, her. Die Tour ist zudem aufwendig und etwas umständlich, trotzdem lockt dieser Berg sehr viele Menschen an. Unsere Route führt beim Auf- wie beim Abstieg jeweils durch einen sehr eindrucksvollen Tobel. Das Bachloch wird von Riesensteilhängen überragt, sodass dieses Tal ganz von den Lawinen geprägt wurde und wird, während wir beim Rückweg ins Tal den Sperrbachtobel durchqueren, der geradezu ein Schulbeispiel an Urwüchsigkeit, aber auch Erosion in den Bergen bietet, die ja seit Beginn der Auffaltung auch wieder abgetragen werden. Man nächtigt in einer – im Vergleich mit anderen Allgäuer Stützpunkten – kleinen und ursprünglichen Hütte in grandioser Lage am Fuß der Felszacken, die den ungewöhnlichen Namen Berge-der-guten-Hoffnung (2415 m) tragen. Der mittlere Teil der Rundtour verläuft in einem recht hochalpinen Gelände mit mächtigen Felszinnen, viel Geröll, Schnee bis in den Sommer hinein und einer Art Minigletscher.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamt 1 - 50000, Blatt Allgäuer Alpen.
VerkehrsanbindungVon der Allgäu-Autobahn (Ausfahrt Waltenhofen) auf der B 19 an Sonthofen vorbei zum Kreisel vor Oberstdorf. Dort rechts, bei der nächsten Abzweigung links und auf großer Straße im Tal der Stillach zum Parkplatz. Bahnstrecke von Kempten, von dort Bus bis in die Birgsau.
GastronomieWaltenbergerhaus (2084 m), DAV, 82 Schlafplätze, Tel. 08322/700156. Kemptner Hütte (1844 m), DAV, 285 Schlafplätze, Tel. 08322/700152. Einkehr in den Ghs. Einödsbach, Spielmannsau, Christlessee.
Tipps
Heilbronner Weg Der Heilbronner Weg dürfte die bekannteste Route dieser Art in den gesamten Alpen sein, eine Mischung aus Höhenweg und Klettersteig. Bereits am 23. Juli 1899 wurde dieser Steig »zwischen Himmel und Erde« eröffnet, eine erstaunliche Leistung in jener Zeit, in der man noch alles auf dem Rücken von Vier-, aber auch Zweibeinern schleppen musste – und die Zugänge sind hier bekanntlich besonders weit und steil. Die Einweihung des Weges wurde zu einem Festtag für das Oberallgäu. Weniger die 256 aus Heilbronn geschickten Flaschen – diese Stadt liegt ja mitten in einem großen Weinbaugebiet –, mehr das Neue, Aufsehen erregende dieses seinerzeit ungewöhnlich kühnen Weges über die höchsten Kämme (2615 m am Steinschartenkopf) sorgte für Furore. Die Linienführung über die Grate statt quer durch die Flanken und Kare war bahnbrechend in jener Zeit. Die 342 Schlafplätze in der Rappenseehütte dokumentieren, wie beliebt auch heute diese Steiganlage noch ist; unterwegs kann es an spannenden Stellen wie der Eisenleiter am Steinschartenkopf zu regelrechten Staus kommen. Mit dieser extremen Entwicklung haben die Pioniere vor 107 Jahren bestimmt nicht gerechnet.
Höchster Punkt
Mädelegabel (2645 m) Waltenbergerhaus (2084 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Touristinformation Oberstdorf, Marktplatz 7, 87561 Oberstdorf, Tel. 08322/7000, E-Mail: tvb.oberstdorf@tourismus-bayern.com.
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