Von Zwieselstein nach Moos

Langer, aber flacher Anstieg aufs Timmelsjoch. Anfangs steiler Abstieg auf dem »Urweg« ins Passeiertal. Leichte, aber lange Etappe. Wasser gibt es unterwegs und am Timmelsjoch. Kinder und Genießer: Zu lange, anfangs ereignislose Etappe, evtl. mit dem Linienbus von Zwieselstein zum Timmelsjoch. Komfortables früheres Etappen-Ende beim Ghf. Hochfirst oder in Rabenstein möglich (Autor: Robert Mayer)
20 km
1080 m
8.00 h
Der E5 führt von Zwieselstein an der Gurgler Ach entlang und durch saftiges Wiesengelände in Richtung Osten. Bis zu einer Alm ist die Straße sehr gut zu gehen, danach wird sie zum Pfad, der im weiteren Verlauf gemächlich ansteigt, auf den Timmelsbach trifft, diesen überquert und dann auf der rechten Seite weiterführt. Über eine Brücke wechselt man wieder die Bachseite, überquert die Timmelsjochstraße und geht rechts an dieser entlang. Erst nach 5,6 Kilometern (2.15 Std.) entfernt sich der Urweg Timmelstal von der meist ruhigen Teerstraße.
Vorbei an kargen Schafweiden führt unser Pfad jetzt unterhalb des Legerlen bis zum Passo de Rombo, dem Timmelsjochpass (2491 m; 3.30 Std., 7,2 km). Von der Raststätte (Bushaltstelle) östlich, geht es nach wenigen Metern steil hinunter ins Passeirer Timmelstal. Ein malerisch gelegenes, zerfallendes Steinhaus (2298 m) unter uns weist den Weg. Entlang dem schmalen alten Pfad, dem wir nun an Viehweiden vorbei folgen, stoßen wir immer wieder auf kunstvoll aufgeschichtete Steinmauern als Begrenzung – sicher ein Hinweis darauf, wie ungemein wichtig dieser Jochweg für die Tiroler aus dem Ötz- und dem Passeiertal früher war. Viehtrieb, Handel, Wallfahrten und Schmuggel, von allen wurde dieser Weg genutzt. Heute trifft man auf ihm außer den Hirten nur mehr auf E5-Wanderer.
Ein paar hundert Höhenmeter tiefer, wo der Timmelsbach in die Passer mündet (1770 m; 4.45 Std.), weist ein Infoschild auf das 800 Jahre alte Schneebergwerk hin.
Hinweis.
Wer aber zum Gasthaus Hochfirst an der Timmelsjochstraße möchte, der muss schon 500 Meter vorher rechts auf den alternativen Weg abbiegen.
Der E5 führt nun etwa 700 Meter an der Teerstraße entlang, bis er rechts zu den malerischen Holzgehöften von Schönau (1640 m; 5.15 Std., 11,7 km) hinunterleitet. Auf einer breiten Kiesstraße geht es weiter nach Rabenstein (1419 m; 6.15 Std.), dessen Gehöfte und Häuser sich harmonisch an die steilen Hänge schmiegen. Zwei gute Gasthäuser bieten sich hier für eine Einkehr an. Im angrenzenden Seebertal, bekannt für seine Flora und Fauna und seinen Mineralienreichtum (z.B. Granate), ragen der Hohe First und der Granatkogel aus dem ewigen Eis der Gletscher heraus. Nach Rabenstein müssen wir wieder auf die Teerstraße und passieren links einen kleinen Steinbruch (hier finden sich viele Granateinschlüsse). Bei der Kummerseebrücke trifft unser Weg auf die Passer und verläuft entlang dieser als breiter Kiesweg nach Moos (8 Std., 19,6 km). Eine schon mehrere Jahre andauernde Hochwasserverbauung der Passer bedingt hier Umleitungen für E5-Wanderer. Die Tourist-Info ist in der Dorfmitte von Moos beim Rathaus neben dem Brunnen. Geht man Richtung Osten ins Dorf hinunter, kommt man zum Café Maria und zu den Geschäften.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied1080 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktZwieselstein (1450 m)
EndpunktMoos (987 m)
TourencharakterDie Straße auf das Timmelsjoch wurde erst 1968 fertiggestellt, unser Saumpfad über den 2509 Meter hohen Pass ist dagegen schon im 12. Jahrhundert erwähnt worden. Schon seit Jahrhunderten nutzen ihn also Händler, Säumer und Reisende und einst wohl auch Schmuggler. Bis zu 100 Kilogramm schleppten die berühmten Ötztaler Kraxenträger auf ihrem Rücken über diese unvergletscherte Kerbe der Alpen. Das Timmelsjoch, die Europäische Hauptwasserscheide und Grenze zu Italien, ist gleichzeitig auch eine Wetterscheide zwischen Nord- und Südalpen. Während an den Ötztaler Alpen die Wolkenschwaden hängen, teilt sich nur wenige Meter weiter südöstlich oft die weiße Wand wie von Geisterhand und die Sonnenstrahlen schlucken jeden Wolkenfetzen, der sich nach Italien hinüberwagt. An den sagenhaft steilen Hängen des Hinterpasseier bei Rabenstein arbeiten im Sommer die Bergbauern und bringen die getrockneten, duftenden Gräser und Kräuter mithilfe von Seilbahnen direkt in die Heuschober. Für den Wanderer ein wunderbarer Anblick, für die Bauern allerdings ein Knochenjob. Etwas weiter unten im Passeiertal, bei Ober- und Unterprisch, sagt die Talbevölkerung über die Bauernhöfe: »Bei Prisch müssen selbst die Hennen Steigeisen tragen, wollen sie nicht abstürzen.«
Wenn man zufällig das Glück hat, an einem Sonntagmorgen eine Prozession in Rabenstein zu erleben, dann mag man noch etwas vom archaischen, von festen Riten und Gebräuchen bestimmten Leben in diesem so entlegenen Bergdorf verspüren.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Bl. 039, Passeiertal (empfehlenswert, reicht von Zwieselstein bis zum Hirzer). Kompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd
MarkierungenAusreichend markiert mit roten E5-Zeichen
VerkehrsanbindungVon Zwieselstein Bus zum Timmelsjoch (8.10 und 9.25 Uhr, nach- mittags 14.55 Uhr, insgesamt sechsmal, Fahrzeit 45 Min.; Tel. +43/(0)5254/3550, www.oetztalerbus.at); gute Bus- verbindungen ins Ötztal. Anschluss mit Wanderbus vom Timmelsjoch nach Moos im Passeiertal (10.15 und 16.45 Uhr; vom 11.6.–18.10; Tel. +39/0473/ 643558, www.passeiertal.it); Fahrplanauskunft SAD, Bozen, Tel. 840000471, www.sii.bz.it, webmaster@sii.bz.it, von Mo–Sa 7.30–20 Uhr
GastronomieBar am Timmelsjoch; Ghf. Hochfirst an der Passstraße (Umweg); Ghf. Rabenstein; in Moos Café Maria und Ghf. Lanthaler, nebenan zwei Lebensmittelgeschäfte
Tipps
Der Kummersee – Schicksalssee der Passeirer. Das Passeiertal ist vom Wasser geprägt. Die Passer ist mit ihren 22 Zuflüssen 38 km lang und entspringt hoch oben im ewigen Eis. Auf dem E5 von Rabenstein nach Moos passiert man den Seehof. Hier lag früher der durch Felsstürze immer wieder aufgestaute Kummersee. Insgesamt achtmal durchbrachen seine Fluten die Fels- und Schotterbarriere und überschwemmten das Passeiertal. In Meran wurde 1419 während eines Gottesdienstes sogar die Spitalkirche samt Priester und Kirchenbesucher fortgeschwemmt und 400 Menschen kamen ums Leben. Danach ließ man den gestauten See kontrolliert ab, wobei es aber durch Leichtsinn noch einmal zu einem Unglück kam. Heute ist der See zur Wiesenfläche verlandet, aber der E5-Wanderer wird wohl noch viele Jahre immer wieder auf periodische Hochwasser-Baumaßnahmen an der Passer treffen.
Unterkunft
Ghf. Hochfirst (1860 m), Timmelsjoch 56, Tel. +39/0473/647040 bzw. +39/0473/656279 (Fam. Pöhl, geöffnet Mai–Nov., DZ Ü/F 25 Euro). In Moos: Ghf. Rabenstein, Tel. +39/0473/64700, www.rabenstein.it, info@rabenstein.it (DZ Ü/F 20 Euro; gute Küche); Ghf. Innerhütt, Pfeldererstr. 99, Tel. +39/0473/646818, Fax 646818; Café Maria, Dorf 45, Tel. +39/0473/643563, www.cafemaria.it (gute Küche, DZ Ü/F 26 Euro); Ghf. Lanthaler, Tel. +39/0473/643577 (DZ Ü/F 27 Euro). Biwakplätze z.B. an der Passer nach der Pankalm
Tourismusbüro
Tourist-Info, Dorf 78, I-39013 Moos, Tel. +39/0473/64 35 58, Fax 64 38 80, tv.moos@dnet.it, www.hinterpasseier.com; Alpine Auskunft Alpenverein Südtirol, Tel. +39/0471/99 99 55, www.alpenverein.it (Mo–Fr 10–12/15–18 Uhr)

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