Von Pieve di Tremosine nach Campione

Mittelschwere Wanderung; Trittsicherheit ist nötig. Der Aufstieg aus Campione verlangt etwas Kondition. Sonnenschutz ist an heißen Tagen auf jeden Fall zu empfehlen, ebenso Getränke- und Proviantmitnahme. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
2 km
400 m
3.00 h
Wo früher die Autos gefahren sind.
Dort führt heute der Wanderweg bis in den am tiefsten gelegenen Ortsteil von Tremosine. In Campione bestimmte bis vor wenigen Jahren eine Baumwollspinnerei das Geschehen. Von dort führt ein Weg in einer engen Klamm hinauf auf die Hochfläche. Neben diesem alten Weg existiert noch immer die alte Wasserzufuhr für die Fabrik. Vorbei an dicken Rohren, Wasserkanälen bis zu einer kleinen Staumauer – alles ist noch vorhanden. Kurz vor der Mauer durchschreitet der Wanderer sogar noch einen Tunnel. Weiter geht es über steile Felsen hinauf. Dreht man sich um und blickt hinab auf den See, bietet sich ein einmaliger Ausblick: von der Klamm über das alte Fabrikgelände bis hinaus auf den See, gegenüber das Massiv des Monte Baldo. Auf der Hochfläche durchschreitet man Olivenhaine und geht oberhalb der Felsen auf bequemen Wegen wieder zurück nach Pieve. Den krönenden Abschluss bietet der Blick von der weltbekannten »Schauderterrasse« des Hotels Panorama in Pieve.
Mitten in Pieve (416m ü. NN.) startet unsere Wanderung.
Gegenüber vom Tourismusbüro führt die Via Roma auf die Piazza Cozzaglio. Neben der Bar/Gelateria befindet sich eine kleine Aussichtsterrasse. Neben dieser geht der Weg Nr. 201 (Schild Ex Porto) hinunter. Vorbei an einer Mariengrotte durchschreiten wir in Serpentinen die fast senkrechten Felsen auf ungefährliche Weise. Trittsicher sollte der Wanderer schon sein, da es auf felsigem Untergrund abwärts geht. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir eine Asphaltstraße. Links sehen wir die Fahrstraße, gehen hier rechts weg und bleiben nun auf der alten Provinzstraße. Ohne Verkehr wandern wir oberhalb des Sees auf diesem Weg, den sich die Natur langsam wieder zurückholt. Immer wieder erreichen wir Punkte, an denen sich der Blick nach unten auf die neue Gardesanastraße und über den See lohnt. Nach einem kleinen Tunnel trifft unser Weg auf die Fahrstraße. Wir gehen an dieser 200 m links entlang, überqueren sie in der nächsten Kurve vorsichtig und biegen rechts weg. Bequem schlendern wir dahin und genießen immer wieder die Ausblicke. Ganz langsam und fast unmerklich geht es bergab. Noch ein paar Tunnels, dann sind wir fast bis auf Seehöhe hinabgewandert. An der Ortseinfahrt von Campione geht es der Straße entlang bis zur Piazza Arrighini in der Ortsmitte (1.30 Std.). Diesen Platz queren wir diagonal, und schon tauchen an der Brücke die Wanderzeichen Nr. 267 für den Rückweg auf. Wer einkehren möchte, hat an der Piazza genügend Möglichkeiten.
Baumwollspinnerei in Campione.
Bis in die 70er-Jahre arbeiteten die Menschen in dieser Gegend nicht nur im Tourismus. Hauptarbeitgeber war die Baumwollspinnerei. Ein Geschäftsmann aus Gargnano kaufte 1896 die unbebaute Halbinsel Campione, um eine Baumwollspinnerei zu errichten. Als Energiequelle sollten die Wasserfälle des San Michele genutzt werden. Um die Fabrik und eine ganze Stadt aufzubauen, wurde ein Mailänder Ingenieur verpflichtet. Die Produktion begann 1900 mit 20 000 Spindeln und wuchs bis 1908 auf 35 184 Spindeln an. 725 Arbeiter, hauptsächlich Frauen, waren hier beschäftigt. Der Lohn für Männer betrug 3 Lire pro Tag, Frauen bekamen 2 und Kinder 1,20 Lire. Viele der Arbeiterinnen wohnten im Konvikt der Nonnen und bezahlten für Wohnen und Essen 70 Centesimi pro Tag. Die Fabrik entwickelte sich bis 1957 positiv weiter. 745 Arbeiter waren zu diesem Zeitpunkt beschäftigt. Danach begann wie überall in Mitteleuropa der Verfall der Textilindustrie. 1977 waren in Campione noch 345 Arbeiter angestellt, und 1981 wurde die Fabrik geschlossen. Seit dieser Zeit soll hier auf privater Basis ein Touristenzentrum aufgebaut werden, das aber bis heute noch nicht abgeschlossen ist.
Von Campione zurück nach Pieve.
Gleich nach der Fußgängerbrücke geht es rechts weg und über Stufen den Berg hinauf. Auf diesem Wegabschnitt begegnen wir den dicken Wasserrohren, die ins Tal führen. Bei einem Blick zurück erkennen wir die Ausmaße der ehemaligen Baumwollspinnerei. Heute stehen ein paar Schiffe innerhalb der Mauern. Vorbei an Wasserkanälen erreichen wir einen Tunnel und gehen hindurch. Danach führt der Weg – links und rechts mit Maschendraht gesichert – durch ein kleines Wasserwerk. Oberhalb im Tal steht eine kleine Staumauer, vor der wir über eine Brücke rechts zu den Felsen gehen. Diese gilt es nun zu erklimmen. Auf einem schmalen Weg steigen wir steil aufwärts. Ist diese Hürde genommen, sollte man auf alle Fälle den Blick ins Tal genießen: ein imposanter Ausblick aus der Schlucht, über die Industriebrache hinaus auf den See. Nach weiteren 10Minuten auf die Wegzeichen achten, damit wir den schmalen Weg an einer Felswand nicht verpassen. Diesen geht es nun weiter bergauf. Viele Arbeiter aus Tremosine gingen einst diesen steilen Weg morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause. Wir folgen der betonierten Zufahrtsstraße bis zu einer Gabelung. Kurz danach geht der Weg mit dem Schild »478 Pieve 50Min.« rechts weg. Der ebene Grasweg führt uns zu einem Anwesen mit einem Zaun. Wir gehen am Zaun entlang, bis der Naturweg in eine Straße mündet (Schild »Pieve 45Min. «). Auf dieser Straße wandern wir nun bis in den Ort Pieve (2 Std.). Dort angekommen, sehen wir auf der rechten Seite das Hotel Panorama mit seiner berühmten Terrasse. Auf dieser können wir den zurückgelegten Weg noch einmal Revue passieren lassen und dabei die sensationelle Aussicht genießen. Am Dorfplatz von Pieve locken ebenfalls viele Einkehrmöglichkeiten.

Wandern Gardasee

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour2 km
Höhenunterschied400 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortTremosine, Ortsteil Pieve
AusgangspunktPiazza Cozzaglio in Pieve
EndpunktPiazza Cozzaglio in Pieve
TourencharakterAlleine die Anfahrt nach Pieve di Tremosine ist schon eine Sensation an sich. Wählt man die Abfahrt Pieve Porto (Hafen), kommt der Autofahrer auf die 1913 eingeweihte Straße durch die Brasa-Schlucht. Bis 1913 diente lediglich ein Aufzug zum Transport von Waren von und auf die Hochebene von Tremosine, sogar Personen sollen hier auf abenteuerliche Weise nach oben und unten abgeseilt worden sein, wie alte Bilder be legen. Ein Ingenieur aus Tremosine, Arturo Cozzaglio, plante die Straße. Seiner Ausbildung nach war er Hydrologe und Geologe ohne jeden akade - mischen Titel. Der Autodidakt im Straßenbau konnte die beiden Priester Zanini und Milesi davon überzeugen, dass dieser Straßenbau gelingen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Vorhaben als nicht durchführbar abgetan worden. Die Priester saßen im Gemeinderat von Pieve und gewannen den Grafen und Abgeordneten Vincenzo Bettoni für das Projekt. Er war es, der den damaligen Staatspräsidenten Zanardelli zu einem Sondergesetz überredete - Die Straße wurde zur Hälfte vom Staat und zur anderen Hälfte von den Gemeinden in Tremosine gebaut. Für die vierjährige Bauzeit wurden eigens Sprengmeister aus Serle bei Brescia gerufen. Als die Straße dann eingeweiht wurde, bezeichnete ein Auslandskorrespondent der »Frankfurter Zeitung« die Straße »als die schönste Straße der Welt«. Winston Churchill nannte sie gar das achte Weltwunder. Noch heute ist die in den Felsen gesprengte Landstraße 38 eine der spektakulärsten Straßen in ganz Italien. Schon oft musste sie als Filmkulisse herhalten; erst jüngst jagte James Bond in einem Wahnsinnstempo durch die Höllenschlucht. BMW und Mercedes drehten hier Werbespots, und der Seat Leon wurde mit Motorradweltmeister Loris Capirossi hier abgelichtet. Derart spannungsgeladen kommen wir zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, nach Pieve di Tremosine.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 50 000, Blatt 102 Lago di Garda, Monte Baldo; freytag & berndt 1:50 000, Blatt Gardasee
MarkierungenWeg Nr. 201, 267, 478
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Rovereto, nach Riva del Garda, weiter auf der SS 45 bis Richtung Gargnano, Abfahrt Tremosine, und durch die James-Bond-Schlucht nach Pieve.
GastronomieIn Pieve (siehe Tipp) und in Campione
Informationen
RISTORANTE »LA BRASA« Auf der Straße von Porto di Pieve nach Pieve kommen wir an diesem netten Restaurant vorbei. Das hübsche Steinhaus steht mitten in der felsigen Schlucht. Verschiedene Terrassen und ein Gewölberestaurant bieten für jedes Wetter die ideale Sitzgelegenheit. Es ist Ristorante, Pizzeria und Bar in einem. Man kann also je nach Lust und Laune nur eine Pizza essen, aus dem Holzofen natürlich, oder ein mehrgängiges Menü. Übrigens - Es gibt zusätz - liche Parkmöglichkeiten auf einem extra Parkplatz wenige Meter vom Restaurant entfernt. Ristorante Pizzeria Brasa, Via Benaco 22, Porto Pieve, Tel./Fax 0039/0365/91 81 19, E-Mail: info@brasa.it, www.brasa.it
Tourismusbüro
TOURIST-INFO Associazione Pro Loco Tremosine, Piazza Marconi 1, 25010 Tremosine (BS), Tel. 0039/0365/95 31 83, Fax 0039/0365/91 86 70, E-Mail - info@infotremosine.it, www.infotremosine.it (sehr kompetente Beratung auf Deutsch zu diesem Weg)

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